ETFs Replikationsmethoden

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 366
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 29. August 2022
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Dieser Artikel dreht sich rund um das Thema der verschiedenen Replikationsmethoden. Dabei gehen wir zuerst darauf ein, wie ETFs einen Vergleichsindex überhaupt abbilden und welche unterschiedlichen Vorgehensweisen es hier gibt. Danach stellen wir dir die verschiedenen Replikationsmethoden im Detail vor und vergleichen diese miteinander. Außerdem gehen wir darauf ein, welche Replikationsmethoden bei großen Indizes zum Einsatz kommen und welche Methoden der Indexnachbildung am empfehlenswertesten sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt 3 verschiedene Replikationsmethoden: die vollständige physische Replikation, die Sampling Methode und die synthetische Replikation.
  • Bei der vollständigen physischen Replikation werden alle im Vergleichsindex enthaltenen Titel 1:1 abgebildet. Es werden somit alle Wertpapiere erworben, die im Vergleichsindex vorhanden sind.
  • Bei der Sampling Methode wird nur eine Auswahl der Titel des Vergleichsindex erworben, die hauptsächlich für die Wertentwicklung dieses Index verantwortlich sind.
  • Je größer ein Index ist, desto weniger Sinn macht die vollständige physische Replikation – aufgrund der hohen Gebühren, die dann anfallen würden.
  • Bestimmte Nischen lassen sich aufgrund mangelnder Liquidität einzelner Werte ausschließlich über die synthetische Replikation abbilden.

Wie bilden ETFs den Index nach?

Unter dem Begriff “Replikationsmethode” versteht man die Art und Weise, wie ein bestimmter ETF seinen Vergleichsindex abbildet. Es gibt dabei 3 unterschiedliche Methoden, über die ein ETF seinen Vergleichsindex nachbilden kann. Dabei handelt es sich um die folgenden Methoden:

  • Physische Replikation
  • Physische Replikation (Sampling)
  • Synthetische Replikation (Swap-basiert)

Physische Replikation

Bei der physischen Replikation wird der Vergleichsindex 1:1 nachgebildet. Das bedeutet, dass alle Wertpapiere, die im Vergleichsindex enthalten sind, sich auch im Besitz des ETFs befinden, der diesen Index abbildet. Dementsprechend spricht man bei dieser Replikationsmethode auch von einer vollständigen Replikation.

Physische Replikation (Sampling)

Die physische Replikation kann allerdings auch nicht vollständig erfolgen. Dabei enthält der jeweilige ETF dann eine gewisse Auswahl der im Index enthaltenen Aktien, aber nicht alle. Es werden dabei die Wertpapiere erworben, die hauptsächlich für die Wertentwicklung des Vergleichsindex verantwortlich sind. Dies wird als Sampling bezeichnet.

Synthetische Replikation (Swap-basiert)

Die synthetische Replikation unterscheidet sich grundlegend von den beiden anderen Replikationsmethoden. Denn hier werden die Wertpapiere nicht physisch erworben. Stattdessen wird die Rendite des Vergleichsindex von einem Swap-Partner geliefert. Dieser verlangt hierfür jedoch eine Gebühr.

Das bedeutet, dass bei dieser Replikationsmethode die im ETF enthaltenen Werte sehr stark von denen des Vergleichsindex abweichen können.

Replikationsmethoden im Vergleich

Die unterschiedlichen Replikationsmethoden haben alle ihre Vor- und Nachteile und kommen daher für die Nachbildung von verschiedenen Indizes in Frage. Damit du einen guten Überblick über die unterschiedlichen Methoden zur Indexnachbildung bekommst, haben wir die folgende Tabelle erstellt:

Replikationsmethode:Physische ReplikationOptimiertes SamplingSwap-basiert
DefinitionVergleichsindex wird 1:1 nachgebildetDer ETF beinhaltet nur eine Auswahl der im Vergleichsindex enthaltenen AktienDer Vergleichsindex wird über ein Tauschgeschäft abgebildet
IndexgrößeKleinGroßKlein bis Groß
BeispieleDAX (enthält nur 40 Werte)MSCI World (enthält etwa 1.600 Werte)MSCI Emerging Markets
VorteileWertpapiere befinden sich im Besitz, können daher verliehen werden für zusätzliche EinnahmenÜber diese Methode lassen sich auch sehr große Indizes kosteneffizient abbildenDurch diese Methode lassen sich auch Nischenmärkte abbilden
NachteileBei sehr großen Indizes würden sehr hohe Transaktionsgebühren anfallen, da der Vergleichsindex 1:1 abgebildet wirdEs kann zu Abweichungen zwischen der Rendite des ETFs und der des Vergleichsindex kommen (Tracking-Error)Der Swap-Partner kann Pleite gehen, es besteht ein Emittentenrisiko (ist aber durch eine EU-Verordnung auf 10% begrenzt)

Welche Replikationsmethode findet sich bei welchen Indizes?

Grundsätzlich ist es so, dass sich kleine Indizes auch gut über die vollständige physische Replikation abbilden lassen. Zu diesen eher kleinen Indizes gehört beispielsweise der DAX. Zwar hat sich der deutsche Leitindex in den letzten Jahren von 30 auf 40 Werte vergrößert, aber trotzdem ist diese Anzahl an Aktien noch überschaubar, sodass sich hier die physische Replikation durchaus lohnt. Daher lässt sich der DAX ohne Probleme 1:1 über die physische Replikation nachbilden.

Anders sieht es dagegen bei sehr großen Indizes aus, die viele verschiedene Wertpapiere enthalten, wie beispielsweise der S&P 500 oder der MSCI World. Hier würde eine vollständige physische Replikation zu einem sehr großen Aufwand und zu hohen Transaktionsgebühren führen, da im S&P 500 ganze 500 unterschiedliche Aktien enthalten sind. Im MSCI World dagegen sind es sogar etwa 1.600 verschiedene Werte. Daher kommen hier andere Replikationsmethoden zum Einsatz, wie die Sampling Methode oder die der synthetischen Replikation.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass je mehr Titel in einem Vergleichsindex enthalten sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ETFs, welche diesen Vergleichsindex abbilden, entweder auf die Sampling oder die synthetische Replikationsmethode setzen. Denn einen sehr großen Index über die vollständige physische Replikation abbilden zu wollen, ist viel zu teuer. Bei sehr illiquiden Märkten ist es zum Teil überhaupt nicht möglich, eine physische Replikation vorzunehmen. Diese lassen sich dementsprechend quasi nur über einen swap-basierten ETF abbilden.

Wenn du also in eine bestimmte Nische investieren möchtest, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der ETF, in welchen du dein Kapital anlegst, auf die synthetische Replikationsmethode setzt.

Welche Replikationsmethode ist empfehlenswert?

Anleger:innen sollten sich allerdings nicht den Kopf darüber zerbrechen, welche Replikationsmethode nun die Beste ist. Denn grundsätzlich ist es eher Geschmackssache, welche Art der Nachbildung von Investor:innen favorisiert wird. Zwar haben die jeweiligen Replikationsmethoden ihre Vor- und Nachteile, im Grunde genommen eignen sie sich aber alle für die Nachbildung eines Vergleichsindex.

Die vollständige physische Replikationsmethode ist am transparentesten, aber bei großen Indizes einfach zu teuer, sodass hier die anderen beiden Replikationsmethoden zum Einsatz kommen. Ohne die synthetische Replikationsmethode wäre es zum Teil gar nicht möglich, in bestimmte Nischen zu investieren.

Den besten ETF-Broker finden

Um überhaupt in ETFs investieren zu können, benötigst du in jedem Fall ein Depot. Falls du noch keines hast, oder mit den Konditionen deiner jetzigen Bank nicht zufrieden bist, dann sieh dir gerne unseren umfangreichen Depot-Vergleich an. Dieser wird dir dabei helfen, das für dich richtige Depot zu finden. Denn schlechte Konditionen und hohe Transaktionsgebühren führen dazu, dass auch deine erzielte Rendite geringer ausfällt. Dementsprechend ist die Wahl des richtigen Depots von größter Bedeutung.

Wenn du einen ETF Sparplan regelmäßig besparen möchtest, dann solltest du unbedingt auch die Gebühren hierfür vergleichen. Denn diese unterscheiden sich je nach Bank deutlich, manche Banken verlangen hierfür sogar gar keine Gebühren.

Fazit

Es gibt insgesamt 3 verschiedene Replikationsmethoden, die alle mit gewissen Vor- und Nachteilen daher kommen. Welche Replikationsmethode zum Einsatz kommt, hängt dabei vor allem von der Größe des Index ab. Vergleichsindizes mit einer geringen Anzahl an unterschiedlichen Titeln können über die vollständige physische Replikation abgebildet werden. Je größer der Index jedoch ist, desto eher wird eine kostengünstigere Replikationsmethode eingesetzt, um den Index abzubilden, wie beispielsweise die Sampling Methode, bei der nur in eine repräsentative Auswahl der im Index enthaltenen Titel investiert wird.

Bestimmte Nischen können nur durch die synthetische Replikation abgebildet werden, da die einzelnen Werte zu illiquide sind, um den Vergleichsindex über die physische Replikation abzubilden. Dementsprechend hat jede Replikationsmethode ihre Daseinsberechtigung.

FAQ: ETF Replikationsmethode

Wie bildet ein ETF den Index nach?

Es gibt 3 unterschiedliche Replikationsmethoden, über die ein ETF seinen Vergleichsindex nachbilden kann. Dazu gehört die vollständige physische Replikation, welche die im Vergleichsindex enthaltenen Werte 1:1 nachbildet. Die Sampling Methode dagegen investiert nur in eine Auswahl der im Vergleichsindex enthaltenen Werte. Und zwar in jene, die voraussichtlich den größten Einfluss auf die Kursentwicklung des Index haben. Die synthetische Replikationsmethode dagegen bildet den Verlgeichsindex überhaupt nicht selber nach, sondern lässt sich seine Rendite gegen eine Gebühr von einem Swap-Partner liefern.

Was bedeutet optimiertes Sampling?

Unter dem sogenannten optimierten Sampling versteht man eine Art der Nachbildung von Vergleichsindizes, die bei manchen ETFs zum Einsatz kommt. Hierbei werden nicht alle im Vergleichsindex enthaltenen Titel erworben, sondern nur eine bestimmte Auswahl, die hauptsächlich für die Entwicklung des Index verantwortlich ist. Diese Vorgehensweise wird gewählt, um die Kosten zu reduzieren. Dies ist insbesondere bei sehr großen Indizes von Vorteil.

Was sind synthetische ETFs?

Synthetische ETFs sind ETFs, die nicht die gleichen Wertpapiere wie der Vergleichsindex enthalten. Stattdessen wird ein Vertrag mit einem Swap-Partner geschlossen, der gegen eine Gebühr die Rendite des Vergleichsindex liefert.

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Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.