Thesaurierende ETFs

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 366
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 29. August 2022
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Wir werden dir in diesem Artikel erklären, was ein thesaurierender ETF überhaupt ist und wie er funktioniert. Es werden zudem die Vor- und Nachteile erläutert, die mit einem Investment in einen thesaurierenden ETF einhergehen. Außerdem zeigen wir dir die Unterschiede zwischen einem thesaurierenden ETF und einem ausschüttenden ETF auf. Auch auf die steuerliche Behandlung werden wir eingehen. Zum Abschluss des Artikels gibt es ein Fazit und Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Thesaurierende ETFs zahlen keine Dividenden aus, sondern reinvestieren sie innerhalb des ETFs.
  • Wer Dividenden ausgezahlt haben möchte, der muss in einen ausschüttenden ETF investieren.
  • Mit einem Investment in einen thesaurierenden ETF kann sehr einfach vom Zinseszinseffekt profitiert werden.

Disclaimer: Bei den nachfolgend aufgeführten Informationen handelt es sich um keine Anlageempfehlung. Sie dienen lediglich zu Informationszwecken und geben keine Auskunft über zukünftige Entwicklungen oder Renditen. Daher übernimmt Onlinebanken.com keinerlei Gewährleistung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen.

Was ist ein thesaurierender ETF?

Die Bezeichnung thesaurierend kommt aus dem Griechischen von Thesaurus, was so viel bedeutet wie Schatzhaus oder Schatzkammer. Die Besonderheit eines thesaurierenden ETFs ist dabei, dass Dividenden, anstatt sie an die Anleger:innen auszuzahlen, einbehalten und innerhalb des Fonds wieder angelegt werden. Dementsprechend gibt es keine Ausschüttungen. Dies führt zu einem größeren Wachstum des Depotvermögens, generiert aber keine laufenden Einnahmen.

Funktionsweise erklärt: Was passiert mit den Dividenden beim thesaurierenden ETF?

Wenn ein thesaurierender ETF Dividenden aus seinen Beteiligungen erhält, dann werden diese nicht an die Anteilseigner des ETFs ausgezahlt. Stattdessen erfolgt die Wiederanlage der Dividenden innerhalb des ETFs. Der Kurswert des ETFs erhöht sich daher um die einbehaltenen Dividenden. Dabei erfolgt die Wiederanlage der Dividenden automatisch, Anteilseigner des ETFs müssen dafür nicht tätig werden.

Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs

Der große Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs liegt in der Behandlung von Dividenden. Wie der Name schon andeutet, werden Dividenden beim Investment in einen ausschüttenden ETF an die Anteilseigner des ETFs ausgezahlt. Das bedeutet, dass sich Anleger:innen bei diesen ETFs auf Ausschüttungen freuen können und somit Einnahmen generieren. Bei thesaurierenden ETFs dagegen werden die Dividenden nicht an die Anteilseigner des jeweiligen ETFs ausgeschüttet, sondern einbehalten und innerhalb des ETFs wieder reinvestiert.

Dadurch wächst der Wert des ETFs um den Wert der einbehaltenen Dividenden. Dementsprechend sind thesaurierende ETFs nicht für Anleger:innen geeignet, die Wert darauf legen, dass ihnen eine Dividende ausgezahlt wird. Für Anleger:innen, die das Geld sowieso in den ETF reinvestieren möchten, sind thesaurierende ETFs dagegen optimal.

Vor- und Nachteile von thesaurierenden ETFs

Thesaurierende ETFs haben wie jedes andere Produkt auch ihre jeweiligen Vor- und Nachteile, die wir dir kurz und übersichtlich darstellen möchten.

Vorteile:
  • Wegfall von Transaktionsgebühren durch die automatische Wiederanlage innerhalb des ETFs
  • Anleger:innen profitieren vom Zinseszinseffekt ohne selbst tätig werden zu müssen
  • Geringere Steuerlast durch Vorabpauschale
Nachteile:
  • Verlust an Flexibilität: Keine freie Wahl, worin die Dividenden reinvestiert werden
  • Es werden keine Einnahmen generiert (großer psychologischer Faktor beim Investieren)
  • Wenn die Vorabpauschale größer ist als der Sparerpauschbetrag, muss entsprechend Kapital vorgehalten werden, um die Steuern zu bezahlen

Um in den Genuss der Vorteile zu kommen, wird allerdings ein Depot benötigt. Falls du noch keines besitzt oder mit den Konditionen deiner jetzigen Bank nicht zufrieden bist, dann kannst du dir gerne unseren ausführlichen Depot-Vergleich durchlesen, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Wen es nicht stört, dass thesaurierende ETFs keine Einnahmen generieren und wer die erhaltenen Dividenden sowieso reinvestieren würde, der ist mit einem thesaurierenden ETF sehr gut bedient.

Zinseszinseffekt bei thesaurierenden ETFs

Unter dem Zinseszinseffekt versteht man die permanente Reinvestitions von Gewinnen, Zinsen und Renditen. Dadurch, dass die bereits erzielten Erträge immer wieder sofort wieder angelegt werden, verstärkt sich das Wachstum des eigenen Kapitals. Je länger der Zinseszinseffekt zum Einsatz kommt, desto größer fällt das Endkapital aus. Es handelt sich hierbei um exponentielles Wachstum. Genau dieser Effekt tritt auch bei thesaurierenden ETFs ein, weil die erhaltenen Dividenden stets sofort wieder innerhalb des ETFs reinvestiert werden. Dementsprechend sind thesaurierende ETFs optimal für Anleger:innen geeignet, die ihr Geld langfristig anlegen und vom Zinseszinseffekt profitieren möchten.

Der Zinseszinseffekt kann aus anfänglich kleinen Summen ein Vermögen machen, bei einem langfristigen Anlagehorizont. Optimal geeignet ist hierfür ein ETF-Sparplan, mithilfe dessen jeden Monat kleine Summen (ab 25 Euro) in einen thesaurierenden ETF investiert werden können.

Thesaurierung auch manuell möglich

Eine Thesaurierung kann auch unabhängig von einem thesaurierenden ETF selber vorgenommen werden. Die erhaltenen Dividenden können auch manuell wieder reinvestiert werden. Der Nachteil ist hierbei, dass entsprechende Transaktionskosten anfallen, die man bei seiner Bank oder seinem Broker entrichten muss. Allerdings gibt es bei diesem Vorgehen auch einen sehr großen Vorteil. Denn bei der manuellen Wiederanlage ist man sehr flexibel.

Während bei einem thesaurierenden ETF stets nur innerhalb des ETFs reinvestiert wird, kannst du bei der manuellen Wiederanlage selbst entscheiden, in welches Produkt oder welche Aktie investiert werden soll. Dies kann beispielsweise dafür ausgenutzt werden, um in eine temporär schwächelnde Branche zu investieren, von der man aber langfristig ein deutlich höheres Wachstum und somit deutlich höhere Kursgewinne erwartet. Dies ist allerdings eher für fortgeschrittene Investor:innen zu empfehlen.

Thesaurierende ETFs und Steuern

Früher war es so, dass ein Investment in einen thesaurierenden ETF einen großen steuerlichen Vorteil mit sich brachte. Denn auf Dividenden fällt in Deutschland stets die Kapitalertragssteuer an. Das bedeutet, dass die Wiederanlage von Dividenden innerhalb des ETFs steuerfrei war, sodass hier höhere Renditen möglich waren als bei ausschüttenden ETFs. Denn bei diesen mussten die Dividenden besteuert werden, sodass weniger Geld reinvestiert werden konnte. Dies hat sich allerdings im Jahr 2018 geändert.

Nun werden auch thesaurierende ETFs besteuert, selbst wenn die Anteile nicht verkauft werden. Dabei sind die ersten 801 Euro steuerfrei, aufgrund des Sparerpauschbetrags. Für Ehepartner beläuft sich dieser Betrag auf insgesamt 1602 Euro. Wenn der Sparerpauschbetarg nicht geltend gemacht oder überschritten wird, dann wird der ETF über die sogenannte Vorabpauschale besteuert. Diese ist allerdings immer noch geringer als eine direkte Besteuerung von Dividenden, sodass sich hier ein kleiner steuerlicher Vorteil gegenüber ausschüttenden ETFs ergibt.

Die Wertsteigerung der ETF-Anteile über ein Jahr wird dabei mit einem risikofreien Zins und dem Faktor 0,7 multipliziert, um diese Vorabpauschale und somit die Steuerlast zu bestimmen.

Fazit

Thesaurierende ETFs bieten die Möglichkeit, auf sehr einfache Art und Weise vom Zinseszinseffekt zu profitieren, indem die bezogenen Dividenden einfach wieder innerhalb des ETFs reinvestiert werden. Anleger:innen müssen hierfür nicht tätig werden und können sich bequem zurücklehnen. Allerdings ergeben sich bei der Investition in thesaurierende ETFs auch Nachteile, wie beispielsweise eine fehlende Flexibilität, da nicht selbst entschieden werden kann, worin die erhaltenen Dividenden wieder reinvestiert werden.

Wer jedoch auf Einnahmen verzichten kann und es möglichst bequem haben möchte, für den ist ein Investment in thesaurierende ETFs ideal geeignet. Sehr bequeme Investoren, die sich nicht selbst um ihre Investitionen kümmern möchten, sollten sich zudem unbedingt unseren Robo Advisor Vergleich ansehen. Denn ein sogenannter Robo Advisor übernimmt sowohl die Verwaltung als auch notwendige Umschichtungen für dein Portfolio. Du musst dich lediglich für eine Anlagestrategie entscheiden und kannst dich danach bequem zurücklehnen.

FAQ: Thesaurierende ETFs

Was ist ein thesaurierender ETF?

Ein thesaurierender ETF reinvestiert die erhaltenen Dividenden wieder innerhalb des ETFs. Dadurch entsteht ein Zinseszinseffekt. Allerdings werden dadurch keine Einnahmen generiert, sondern nur Kursgewinne.

Was ist der Unterschied von ausschüttenden und thesaurierenden ETFs?

Im Gegensatz zum thesaurierenden ETF, in welchem die Dividenden innerhalb des Fonds wieder angelegt werden, kommt es zur Auszahlung der Dividenden bei einem ausschüttenden ETF. Bei einem Investment in einen ausschüttenden ETF werden somit kontinuierlich Einnahmen generiert, die entweder verkonsumiert oder in ein beliebiges Investmentprodukt reinvestiert werden können.

Wie funktioniert die Besteuerung thesaurierender ETFs?

Es gibt den sogenannten Sparerfreibetrag, welcher pro Person bis zu 801 Euro im Jahr steuerfrei stellt. Dementsprechend gilt für Ehepartner ein Freibetrag von insgesamt 1602 Euro. Wer unter diesem Freibetrag bleibt, der muss überhaupt keine Steuern zahlen. Über diesem Betrag muss bei thesaurierenden ETFs jedoch die Vorabpauschale gezahlt werden. Dabei wird die Wertsteigerung der ETF-Anteile über ein Jahr ermittelt und mit einem risikolosen Zins sowie dem Faktor 0,7 multipliziert, um die zu zahlende Steuer zu bestimmen.

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Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.