Was sind Derivate?

oliverschoch
| Anzahl Artikel: 91
Letzte Überarbeitung am 1. September 2022
Warum uns vertrauen?
Als Onlinebanken.com möchten wir dir dabei helfen, die für dich beste finanzielle Entscheidung zu treffen und gleichzeitig auch zu wissen, warum du sie getroffen hast. Deswegen findest du bei uns Ratgeberartikel und Testberichte. Unsere Testberichte schreiben wir und schauen dann im Anschluss erst, ob wir eine Provision erhalten können. Deswegen bewerten wir auch Anbieter mit guten Noten, die uns keine Provision auszahlen.

Wer an den Finanzmärkten spekulieren oder eigene Positionen absichern möchte, der entscheidet sich oft für die sogenannten Derivate. Dabei handelt es sich um verschiedene Finanzinstrumente, wie zum Beispiel Termingeschäfte oder Optionsscheine.

In unserem Beitrag erfährst du, worum es sich bei Derivaten handelt. Ferner gehen wir darauf ein, wie diese Finanzprodukte funktionieren, welche Arten von Derivaten es gibt, wozu sie genutzt werden und worin Chancen, Risiken, Vor- und Nachteile bestehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Derivate bzw. Finanzderivate werden auch als abgeleitete Finanzprodukte bezeichnet, weil sie sich stets auf einen Basiswert beziehen
  • Der Basiswert bei Derivaten dient als Referenzgröße, von der die Wertentwicklung der Optionsscheine, Terminkontrakte oder sonstigen Finanzderivate abhängig ist
  • Bei den am häufigsten genutzten Derivaten handelt es sich um Futures, Optionen, CFDs oder auch Swaps
  • Derivate funktionieren oft durch einen Hebeleffekt, sodass Inhaber:innen überproportional hohe Gewinne erzielen können

Worum handelt es sich bei Derivaten?

Derivate werden häufig alternativ als abgeleitete Finanzinstrumente oder Finanzderivate bezeichnet. Es handelt sich dabei um Finanzprodukte, die auf einem gegenseitigen Vertrag zwischen Emittent:innen und Spekulant:innen basieren. Kennzeichnend für Derivate ist, dass diese keinen Eigenwert besitzen. Stattdessen ist die Wertentwicklung ausschließlich davon abhängig, wie sich der Wert des Basiswertes entwickelt. Die Basiswerts wiederum werden ebenso als Underlying oder Asset bezeichnet und kommt in den folgenden Kategorien vor:

  • Aktien
  • Indizes
  • Devisen
  • Rohstoffe
  • Kryptowährungen

Ein Derivat bezieht sich also beispielsweise auf eine Aktie und ist somit von seinem Wert her in gewisser Weise an dieses Wertpapier gekoppelt. Ein weiteres Merkmal der Derivate ist, dass auf der einen Seite durch die Spekulation in kurzer Zeit hohe Gewinne erzielt werden können. Auf der anderen Seite drohen jedoch ebenfalls höhere Verluste, die sogar bis zu einen Totalverlust reichen können.

Wie funktionieren Derivate im Detail?

Derivate zählen eindeutig nicht zu den Anlageprodukten, sondern es handelt sich um Finanzprodukte, die zur Spekulation genutzt werden. Eine wesentliche Grundlage für die Funktionsweise der Derivate haben wir bereits genannt, nämlich dass sich die entsprechenden Finanzprodukte stets auf einen Basiswert beziehen. Zur Funktionsweise zählt ferner, dass du mit den entsprechenden Derivaten wie Futures oder Optionen sowohl auf steigende als auch fallenden Kurse des Basiswertes spekulieren kannst.

Gehst du beispielsweise davon aus, dass die XY Aktie als Basiswert zukünftig im Kurs fallen wird, gehst du mit dem entsprechenden Derivat eine sogenannte Short-Position ein. Du spekulierst also auf fallende Kurse, sodass es sich beispielsweise um eine Put-Option handelt. Das Gegenteil wäre der Fall, wenn du von steigenden Kursen ausgehst. Dann handelt es sich um eine sogenannten Long-Position und du entscheidest dich zum Beispiel für eine Call-Option.

Eine ebenfalls wichtige Grundlage für die Funktionsweise der Derivate ist der Hebel. Damit ist gemeint, dass du von der Bank oder dem Broker im Prinzip Geld geliehen bekommst, sodass ein möglicher Kapitaleinsatz ein Vielfaches deines Eigenkapitals beträgt. Das ist allerdings nicht bei allen Derivatearten der Fall, sondern trifft insbesondere auf den Devisenhandel und das CFD-Trading zu. Aber auch andere Derivate wie Futures und Optionen beinhalten in der Regel einen solchen Hebel, wobei es sich dabei nicht um einen Kapitalverleih der Banken oder Broker handelt.

Gewinne erzielst du mit dem Handel von Derivaten immer dann, wenn die durch die Spekulation erhoffte Kursentwicklung des Basiswertes in gewissem Umfang eintritt. Es geht beim Derivatehandel demnach vor allem darum, Schwankungen der Basiswerte für sich auszunutzen.

Welche Derivate gibt es?

An den Finanzmärkten gibt es einige Derivatearten, die relativ häufig genutzt werden. Zu den bekanntesten zählen:

  • Optionen
  • Optionsscheine
  • Futures
  • CFDs
  • Swaps

Lass uns kurz auf einige dieser Derivatearten und deren Funktionsweise eingehen.

Optionen und Optionsscheine

Bei Optionen und Optionsscheinen hast du die Möglichkeit, auf fallende oder steigende Kurse des Basiswertes zu spekulieren. Beide Varianten sind mit einem Hebel ausgestattet. Du kannst sowohl Optionen als auch Optionsscheine meistens sowohl börslich als auch außerbörslich handeln. Der Hebeleffekt kann einerseits zu überproportionalen Gewinnen führen, jedoch ebenfalls größere Verluste verursachen.

Kennzeichnend für Optionen und Optionsscheine ist – insbesondere im Vergleich zu Futures – dass du das Recht als Inhaber hast, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu erwerben oder zu verkaufen. Somit handelt es sich bei Optionen und Optionsscheine um sogenannte Festgeschäfte. Es gibt jedoch lediglich das Recht, allerdings keine Pflicht zum Ausüben der Option. Exakt diese Pflicht zur Lieferung des Basiswertes hast du hingegen bei Futures. Dabei handelt es sich um Termingeschäfte und gleichsam Kontrakte, die neben dem Recht und auch die Pflicht beinhalten, den Basiswert zu einem festgelegten Termin gegen einen ebenfalls festgelegt Preis einzutauschen.

Differenzkontrakte (CFDs)

Zu den mittlerweile beliebtesten und am häufigsten genutzten Derivaten zählen insbesondere im Privatkundenbereich Contracts For Difference, kurz als CFDs bezeichnet. Diese Differenzkontrakte handelst du über spezielle Anbieter, die sogenannten CFD-Broker. Der große Vorteil der Differenzkontrakte ist, dass diese sehr einfach sind und nicht eine Analyse von Kennzahlen und Zeitwerten nicht notwendig ist, wie es insbesondere bei Optionen und Futures der Fall ist. Stattdessen spekulierst du einfach mittels der CFDs auf fallende oder steigende Kurse beim Basiswert mit dem entsprechenden Hebel.

Hinweis

Es stehen eine Reihe von Derivatearten zur Auswahl. Für Anfänger:innen sind insbesondere CFDs empfehlenswert, wenn es um die reine Spekulation geht. Erfahrene Trader:innen oder auch Unternehmen hingegen wählen durchaus öfter Optionen oder Futures, um zum Beispiel bestehende Position abzusichern.

Wofür werden Derivate in der Praxis verwendet?

Es gibt im Wesentlichen zwei Verwendungszwecke, zu denen Derivate in der Praxis zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um:

  • Spekulation
  • Absicherung von Positionen

Die Intention der Spekulation ist leicht verständlich und wird von den meisten privaten Spekulant:innen genutzt. Es geht in dem Fall darum, durch eine günstige Kursentwicklung und das Ausnutzen der Kursschwankungen möglichst in kurzer Zeit hohe Gewinne zu generieren. Gewinne sind in dem Zusammenhang stets gleichbedeutend mit Kursgewinnen, denn einen Zinssatz bzw. Zinssätze, wie zum Beispiel bei einer Anlage in Anleihen, gibt es bei Derivaten nicht.

Derivate werden allerdings nicht nur für Spekulationen genutzt, sondern ebenfalls zur Absicherung von Bestandspositionen. Was das bedeutet, lässt sich einfach erläutern: Nehmen wir einmal an, dass du eine Aktienposition in Form von 500 Telekom-Aktien hältst. Diese Position möchtest du nun gegen etwaige Kursverluste der Telekom-Aktie absichern. Zu diesem Zweck könntest du beispielsweise eine Put-Option mit dem Basiswert Telekom kaufen. Kommt es dann tatsächlich zu Kursverlusten, würden deine Aktien zwar an Wert verlieren, jedoch erzielst du durch die entsprechenden Put-Optionen gleichzeitig einen Gewinn.

Chancen und Risiken beim Derivatehandel

Der Derivatehandel und die entsprechenden Finanzprodukte sind sowohl mit Chancen als auch Risiken ausgestattet. Auf der einen Seite gibt es – auch durch den Hebeleffekt – eine gute Chance, mit geringen Kapitaleinsätzen überproportional hohe Gewinne zu generieren. Darüber hinaus sind Derivate meistens relativ liquide, flexibel und leicht handelbar. Die Laufzeiten, falls es sich um Derivate mit Laufzeitbegrenzung handelt, reichen selten über zwei Jahre hinaus. Du gehst also keinesfalls eine langfristige Kapitalbindung mit der Spekulation ein.

Neben den Chancen sind Derivate allerdings mit einem höheren Risiko ausgestattet, welches bis zum Totalverlust reichen kann. Darüber hinaus gibt es neben diesen Kurs- und Ertragsrisiken ebenso ein Emittentenrisiko. Das bedeutet, dass du bei einer Insolvenz des Emittenten der Derivate ebenfalls deinen gesamten Kapitaleinsatz verlieren könntest.

Vor- und Nachteile von Derivaten

Vorteile
  • Hohe Gewinne in kurzer Zeit möglich
  • Große Auswahl an Basiswerten
  • Absicherung anderer Positionen vornehmen
  • Meistens geringer Kapitaleinsatz notwendig
Nachteile
  • Hohes Risiko bis zum Totalverlust
  • Große Auswahl an Derivaten oft übersichtlich
  • Emittentenrisiko = Kapitalverlust
  • Keine festen Erträge
  • Nicht zur langfristige Anlage geeignet
  • Bei manchen Derivaten kein regulierter Markt

Die Vorteile von Derivaten

Der Hauptvorteil der Derivate ist sicherlich für die meisten Spekulant:innen, dass mit recht geringen Kapitaleinsätzen die Chance auf hohe Gewinne aufgrund des Hebels besteht. Darüber hinaus sind Optionen, Futures und andere Derivate in der Hinsicht flexibel, als dass sie nicht nur zur Spekulation, sondern auch zur Absicherung anderer Positionen genutzt werden können. Es gibt eine große Auswahl an Basiswerten, auf die sich die einzelnen Derivate beziehen können.

Die Nachteile von Derivaten

Der größte Nachteil von Derivaten ist das hohe Risiko, denn selbst ein Totalverlust deines investierten Geldes ist nicht auszuschließen. Ferner gibt es eine scheinbar unbegrenzt große Auswahl an Optionen, Futures, CFDs und anderen Derivaten, die zum Teil unübersichtlich wirken kann. Neben dem Kursrisiko existiert zudem ein Ertrags- und Emittentenrisiko, sodass dies ebenfalls als Nachteil aufzuführen ist.

Fazit zu Derivaten

Derivate können für dich die geeigneten Finanzprodukte sein, wenn du entweder andere Position absichern oder mit wenig Geld überproportional hohe Gewinne erzielen möchtest. Allerdings ist unbedingt zu beachten, dass diese Chance auf der anderen Seite mit einem enormen Risiko einhergeht. Daher dienen Derivate wie Optionen, Futures oder CFDs keinesfalls der langfristigen Geldanlage, sondern entweder der Absicherung oder der reinen Spekulation.

Häufige Fragen und unsere Antworten zu Derivaten

Wo kann ich Derivate handeln?

Das ist zum einen abhängig davon, um welche Derivate es sich handelt. Futures zum Beispiel kannst du ausschließlich an den Terminbörsen handeln, gleiches gilt in der Regel für Optionen. CFDs hingegen handelst du normalerweise über spezielle CFD-Broker, also im außerbörslichen Bereich.

Welche Basiswerte gibt es bei Finanzderivaten?

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Kategorien, in welche sich die Basiswerte einteilen lassen, die du über entsprechende Derivate handeln kannst. Heutzutage beziehen sich Finanzderivate insbesondere auf Aktien, Indizes, Zinsen, Währungen (Devisen), Rohstoffe, Edelmetalle und Kryptowährungen.

Darf jeder mit Derivaten handeln?

Grundsätzlich darf in Deutschland jede Person mit Derivaten handeln. Allerdings gibt es eine Einschränkung, denn Minderjährigen ist der Derivatehandel nicht gestattet. Das hängt damit zusammen, dass zum Handel stets ein Konto bzw. Depot existieren muss, das wiederum eigenständig ausschließlich volljährige Personen eröffnen dürfen. Darüber hinaus gibt es keinerlei Einschränkungen, sodass im Grunde alle Volljährigen schon mit wenige Geld mit Derivaten handeln kann.

Was kostet der Derivatehandel?

Die Kosten sind – wie bei nahezu allen Finanzprodukten – abhängig von den Anbieter:innen bzw. der Bank oder den Brokern sowie von der Art der Derivate. Entscheidest du dich beispielsweise für den Handel mit Optionsscheinen, fallen in der Regel typische Transaktionskosten an und eventuell noch Depotgebühren, weil die Optionsscheine einem Depot verwahrt werden. Beim CFD-Trading gibt es demgegenüber meistens nur den Spread als Kostenfaktor, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs.

Weitere Wissensartikel für dich:

Oliver Schoch

Veröffentlicht von

Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.