Was sind Zinsen?

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 366
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 23. August 2022
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Ob Sparkonto, Kredit oder Kontoüberziehung, überall triffst du auf den Begriff Zinsen. Doch was bedeutet der Begriff Zinsen eigentlich im Zusammenhang mit einer Geldanlage oder einem Kredit? Wir möchten nachfolgend etwas näher auf das Thema eingehen und erklären, was Zinsen sind und wovon sie abhängen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zinsen werden von Banken als Gegenleistung erhoben, wenn sie Geld verleihen.
  • Kund:innen, die Geld anlegen, stellen ihr Guthaben der Bank zur Verfügung und erhalten dafür Zinsen.
  • Beeinflusst wird der Marktzins vom Leitzins. In Europa wird der Leitzins von der Europäischen Zentralbank festgelegt.
  • Seit 2016 erhebt die EZB Negativzinsen für Einlagen. Mittlerweile geben viele Banken diese Strafzinsen an ihre Kund:innen weiter.
  • Für Kreditnehmer:innen bieten die Negativzinsen gute Möglichkeiten, um günstige Konditionen zu erhalten.

Was sind Zinsen?

Zinsen stellen im Prinzip eine Gegenleistung für geliehenes Kapital dar. Das bedeutet, wenn du einen Kredit abschließt und dir Geld von der Bank leihst, bezahlst du als Gegenleistung dafür die Zinsen. Legst du hingegen Geld bei einer Bank an, bekommst du als Anleger:in im Gegenzug die Zinsen als Gegenleistung gutgeschrieben. Unterschieden werden hierbei die Soll- und die Habenzinsen.

Sollzinsen

Sollzinsen, auch Nominalzinsen genannt, werden bei der Aufnahme eines Kredits berechnet oder wenn der Überziehungsrahmen des Girokontos ausgenutzt wird. Man kann also sagen, dass die Sollzinsen die Kosten sind, die für das Ausleihen eines Geldbetrags anfallen. Die Höhe der Sollzinsen richtet sich nach den aktuellen Marktzinsen. Aber auch die Laufzeit, die Höhe des Kreditbetrags und die finanzielle Situation der Kreditnehmer:innen spielt hierbei eine Rolle.

Habenzinsen

Den Sollzinsen stehen die Habenzinsen gegenüber. Die Habenzinsen erhalten Kund:innen für vorhandenes Bankguthaben, weshalb sie häufig auch als Guthabenzinsen bezeichnet werden. Wer in Tages- oder Festgeld anlegt oder Guthaben auf sein Sparkonto einbezahlt, der überlässt sein Geld der Bank. Als Gegenleistung schreibt die Bank den Anleger:innen Habenzinsen gut.

Aufgrund der seit 2008 andauernden Niedrigzinsphase erhalten Sparer:innen immer weniger Habenzinsen. Während das klassische Sparbuch früher eine bewährte Methode zum Sparen darstellte, lohnt es sich heute kaum noch, Geld auf dem Sparbuch zu parken. Je nach Marktlage liegt der Zinssatz hier gerade einmal zwischen 0,01 und 0,1 Prozent.

Wie bestimmen sich die Marktzinsen?

Der Begriff Marktzins beschreibt den Zinssatz, den Kreditnehmer:innen und Anleger:innen auf dem Markt erhalten. Die Marktzinsen stellen eine Orientierung für Banken dar und werden als Grundlage für die Festlegung der Zinssätze für Kredite und Geldanlagen genutzt. Der Marktzins ist eng mit dem Leitzins verbunden und wird maßgeblich von diesem beeinflusst. Steigt der Leitzins, schlägt sich der Anstieg auch auf die Marktzinsen nieder. Zudem spielen bei der Entwicklung der Marktzinsen auch die Inflation und das Risiko des Marktumfelds eine Rolle. Je riskanter der Markt ist, desto höher steigen die Zinsen.

Internationale Leitzinsen

Der Leitzins spielt bei Bankgeschäften eine wichtige Rolle und beeinflusst das Zinsniveau nachhaltig. Als Leitzins wird der Zinssatz bezeichnet, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von einer Zentralbank beschaffen können. In Europa erfolgt die Festlegung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB). Der Leitzins der EZB gilt für alle Länder, die den Euro als Währung haben.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten internationalen Zentralbanken:

LandZentralbank
AustralienRBA
BrasilienBACEN
GroßbritannienBoE
ChileBanco Central
ChinaPBC
DänemarkNationalbanken
EuropaEZB
IndienRBI
IndonesienBI
IsraelBOI
JapanBoJ
KanadaBOC
MexikoBanxico
NeuseelandRBNZ
NorwegenNorges Bank
PolenNBP
RusslandCBR
Saudi-ArabienSAMA
SchwedenRiksbank
SchweizSNB
SüdafrikaSARB
SüdkoreaBank of Korea
TschechienCNB
TürkeiCBRT
UngarnMNB
Vereinigte StaatenFED

Die Niedrigzinsphase kurz erklärt

Mittlerweile dauert die Niedrigzinsphase bereits seit mehr als 10 Jahren an und ist inzwischen fast schon zum Dauerzustand geworden. Als Folge der globalen Krise 2007/2008 senkten die großen Zentralbanken die Leitzinsen. Darunter nicht nur die EZB, sondern auch die FED, BoJ und BoE. Die Zinsgestaltung stellt eine der wesentlichen Aufgaben der Zentralbanken dar. Während in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums die Zinsen erhöht werden, wird in Tiefphasen eine Anpassung nach unten vorgenommen, um die Auswirkungen gering zu halten. Die derzeitige Niedrigzinsphase ist jedoch nicht mit früheren Anpassungen vergleichbar. Seit 2008 sank der EZB Leitzins unaufhörlich, bis er bei 0 Prozent ankam. Besonders bitter ist die Entwicklung des Leitzinses für Geldanleger:innen. Die Zeiten, in denen Sparen mit attraktiven Zinsen belohnt wurde, sind leider vorbei. Wie schnell und wann sich der Leitzins erholt, ist unklar.

Was sind Negativzinsen?

Bei Negativzinsen handelt es sich um Strafzinsen, die für Guthaben erhoben werden. In diesem Zusammenhang werden sie häufig auch als Verwahrentgelt für Guthaben bezeichnet, was jedoch nichts an der Tatsache ändert, dass die Kund:innen sozusagen dafür bezahlen müssen, dass sie Geld sparen. Eingeführt und für die Geldeinlagen von Banken erhoben wurden die Negativzinsen von der Europäischen Zentralbank. Da die Banken dadurch jedoch ihre Gewinne in Gefahr sehen, gehen immer mehr von ihnen dazu über, die Negativzinsen an die Kund:innen weiterzugeben. Das bedeutet, dass private Anleger:innen und Sparer:innen ebenfalls Strafzinsen für ihr gespartes Geld bezahlen müssen. Viele Banken gewähren allerdings einen Freibetrag und berechnen die Minuszinsen erst ab einem Guthaben von 50.000 oder 100.000 Euro.

Vorteile für Kreditkund:innen

Während sich Anleger:innen über die Negativzinsen ärgern, bieten sie für Kreditkund:innen einige Vorteile. Da die Banken für Geldeinlagen bei der EZB Strafzinsen bezahlen müssen, sind sie bestrebt, möglichst viel von ihrem Guthaben in Form von Krediten zu verteilen. Denn je niedriger die Geldeinlage ausfällt, desto weniger Negativzinsen fallen an. Als Folge der Negativzinsen sinken die Zinssätze für Kredite immer weiter. Zum Teil gibt es sogar Kredite mit Minuszinsen. In diesem Fall müssen die Kreditnehmer:innen weniger zurückbezahlen, als sie ursprünglich von der Bank geliehen haben. Wer sich jetzt für ein Annuitätendarlehen mit Zinsfestschreibung entscheidet, der kann sich zum Beispiel für die nächsten 15 Jahre einen Immobilienkredit mit historisch niedrigem Zinssatz sichern.

Um das günstigste Angebot zu finden, empfehlen wir, vorab einen Kredit Vergleich durchzuführen und die Konditionen der Kreditinstitute und Banken miteinander zu vergleichen.

Nachteile für Anleger:innen

Was für Kreditnehmer:innen ein Vorteil ist, bringt für Anleger:innen zahlreiche Nachteile mit sich. Durch die Weitergabe der Strafzinsen durch die Banken, werden nun auch die Sparer:innen zur Kasse gebeten. Wer in den vergangenen Jahren sein hart verdientes Geld gespart hat, wird nun bestraft und muss Negativzinsen bezahlen. Zwar räumen viele Banken Freibeträge ein und verschonen somit Kleinsparer:innen von den Strafzinsen, doch trifft es stattdessen die Sparer:innen, die fürs Alter vorsorgen möchten. Hinzu kommt, dass die Renditen von riskanteren Geldanlagen durch die Negativzinsen volatiler sind und im schlimmsten Fall sogar Verluste drohen.

Nicht alle Banken geben die Negativzinsen erkennbar an ihre Kund:innen weiter. Viele Banken nutzen dafür zum Beispiel eine Erhöhung der Kontoführungsgebühr, um die Kosten, die ihnen durch Minuszinsen entstehen, wieder reinzuholen.

Was sind Alternativen zu Tages- und Festgeld?

Nicht nur die Negativzinsen machen die Geldanlage in Form von Tages- oder Festgeld unattraktiv, auch wenn Banken keine Minuszinsen berechnen, fallen die Zinsen so gering aus, dass die Inflation davon nicht aufgefangen werden kann. Das bedeutet, dass das Geld an Kaufkraft verliert und so im Endeffekt auch Habenzinsen für Sparer:innen zu Negativzinsen werden. Um die Auswirkungen des Zinstiefs zu umgehen, sollten Anleger:innen auf inflationsgeschützte Anlagen setzen. Dazu gehören Aktien, Immobilien oder Anleihen. Als krisensicher und wertstabil erweisen sich außerdem auch Geldanlagen in Edelmetalle.

Wer sich an das Investment in Aktien heranwagen möchte, aber nicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügt, der findet bei uns grundlegendes Aktienwissen für Einsteiger. Für die Auswahl des passenden Depots empfehlen wir außerdem einen Blick in unseren Depot Vergleich zu werfen.

Fazit

Zinsen begleiten uns im Alltag ständig. Ob Geldanlage, Kontoüberziehung oder Kredit – in allen Bereichen fallen Zinsen an. Während die Sollzinsen von den Kund:innen entrichtet werden müssen, werden die Habenzinsen von den Banken für angelegtes Guthaben bezahlt. Durch die Banken- und Finanzkrise 2007 befinden sich die Zinsen in einer Niedrigphase, die vor allem für Kreditnehmer:innen von Vorteil ist.

FAQ

Was sind Sollzinsen?

Sollzinsen werden bei Krediten berechnet und stellen die Gebühren für das geliehene Geld dar, die von den Kreditnehmer:innen entrichtet werden müssen. Sollzinsen fallen auch an, wenn der Dispokredit des Girokontos in Anspruch genommen wird.

Was sind Habenzinsen?

Die Habenzinsen werden von den Banken für Geldeinlagen bezahlt. Daher werden sie häufig auch als Guthabenzinsen bezeichnet.

Wem nutzen die Niedrigzinsen?

Die Niedrigzinsen erweisen sich vor allem für Kreditnehmer:innen von Vorteil. Durch die Niedrigzinsphase können Kredite zu günstigen Konditionen aufgenommen werden und die Kreditnehmer:innen profitieren von niedrigen Zinssätzen. Wer sich für den Kauf einer Immobilie entscheidet, kann sich die Niedrigzinsen sogar für mehrere Jahre sichern und so langfristig profitieren.

Was ist mit "Enteignung der Sparer" gemeint?

Die Aussage „Enteignung der Sparer“ fiel im Zusammenhang mit den Negativzinsen, die von den Banken an die Kund:innen weitergegeben werden. Gemeint ist damit, dass die Anleger:innen und Sparer:innen durch die Erhebung von Minuszinsen enteignet und ihnen ihr Eigentum entzogen wird.

Wodurch wird der Zinssatz beeinflusst?

Der Zinssatz wird vom Marktzins beeinflusst, der von Banken als Grundlage für die Gestaltung der Zinsen genutzt wird. Da der Marktzins eng mit dem Leitzins verbunden ist, wirken sich Veränderungen des Leitzinses auch auf den Marktzins aus.

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Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.