Sondertilgung bei Krediten oder der Baufinanzierung: wann sinnvoll?

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sondertilgung beinhaltet, dass du einen Teil oder die gesamte Restschuld eines Darlehens vorzeitig zurückzahlst
  • Bei Ratenkrediten sind Sondertilgungen für gewöhnlich kostenfrei und jederzeit in (fast) beliebige Höhe möglich
  • In der Baufinanzierung kannst du Sondertilgungen ohne Zustimmung der Bank bei variablen Darlehen und nach einer Zinsbindung von mehr als 10 Jahren vornehmen
  • Oft musst du allerdings bei einem Annuitätendarlehen eine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen
  • Eine Sondertilgung muss nicht immer sinnvoll sein, sodass du dich vorher gut informieren solltest

Mit einer Sondertilgung ist gemeint, dass ein Darlehen oder zumindest ein Teil der Darlehenssumme vorzeitig zurückgezahlt wird. Eine derartige Sondertilgungsoption wird insbesondere bei Krediten, vornehmlich Ratenkrediten, sowie im Zuge der Baufinanzierung genutzt. In unserem Beitrag erfährst du unter anderem, wie Sondertilgungen funktionieren und worin deren Vor- und Nachteile bestehen. Ferner gehen wir darauf ein, welche Kosten bei Sondertilgungen anfallen und ob sie überhaupt lohnen.

Was ist eine Sondertilgung?

Eine Sondertilgung beinhaltet, dass du dein Darlehen oder einen Teil der noch offenen Darlehenssumme außerplanmäßig tilgst. Die Sondertilgung hat demzufolge nichts mit der gewöhnlichen Tilgung zu tun, die normalerweise im Zuge der monatlichen Kreditrate gezahlt wird. Bei der Sondertilgung wird die Restschuld um einen höheren Betrag verringert oder du zahlst die noch offene Darlehensschuld komplett zurück.

In der Praxis wird eine Sondertilgung vorwiegend in zwei Bereichen eingesetzt, nämlich bei Ratenkrediten sowie im Rahmen der Baufinanzierung. Bei gewöhnlichen Darlehen besteht im Prinzip immer ein Sondertilgungsrecht. Zumal es in dem Fall seitens der Bank keine Berechnung einer Vorfälligkeitsentschädigung gibt, sodass die Sonderzahlungen jederzeit kostenfrei sind. Anders stellt sich die Situation allerdings im Zuge der Baufinanzierung, beispielsweise bei einem Annuitätendarlehen, dar. Befindet sich der Kredit noch innerhalb jetzt Sollzinsbindung, verlangen Banken bei einer Sondertilgung meistens eine Vorfälligkeitsentschädigung. Beträgt die Zinsbindung jedoch mehr als zehn Jahre, kannst du in diesem Fall ausnahmsweise auch eine kostenlose Sonderzahlung ohne Zinsaufschlag vornehmen.

Wie funktionieren Sondertilgungen?

Wie Sondertilgungen funktionieren, hängt in erster Linie von der Darlehensart ab. Zu unterscheiden ist vor allem zwischen einem Ratenkredit und einem Baudarlehen, also etwa einem Annuitätendarlehen. Beim Ratenkredit funktioniert die Sondertilgung so, dass du einmalig eine größere Geldsumme auf dein Darlehenskonto einzahlst bzw. überweist. Die Bank wird dann die im Voraus berechneten Kreditzinsen zurückrechnen, sodass du in dem Sinne eine Zinsgutschrift erhältst. Im Anschluss an die Sondertilgung wird entweder die zu zahlenden Monatsrate reduziert oder die Restlaufzeit des Kredites verkürzt sich. Charakteristisch für eine Sondertilgung bei einem Ratenkredit ist, dass dir keine zusätzlichen Zinskosten entstehen, sondern eine bereits im Voraus berechnete Zinszahlung sogar zurückgerechnet werden.

Etwas anders funktioniert die Sondertilgung bei einem Baudarlehen, welches innerhalb der Baufinanzierung eingesetzt wird. In diesem Fall zahlst du zwar ebenfalls eine größere Summe auf das entsprechende Darlehenskonto ein, musst dich diesbezüglich allerdings vorher mit der Bank abstimmen. Das ist deshalb wichtig, weil die Kreditinstitute meistens für Sonderzahlungen eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen. Daher solltest du dich vorab informieren, wie hoch diese Entschädigung ausfallen wird. Nicht zurückgerechnet werden die Zinsen, sondern durch die Sondertilgung reduziert sich normalerweise die monatliche Darlehensrate. Daher bleibt auch die Sollzinsbindung in aller Regel von der Sondertilgung unberührt.

Was sind die Vorteile von Sondertilgungen?

Bevor du dich für eine Sonderzahlung auf dein Darlehenskonto entscheidest, solltest du dich mit den Vor- und Nachteilen einer Sondertilgung beschäftigen. Die folgenden Vorteile kannst du als Kreditnehmer berücksichtigen:

  • Kostenfrei bei Ratenkrediten
  • Schneller schuldenfrei
  • Geringere Kreditrate
  • Vorhandenes Kapital zur Schuldentilgung nutzen
  • Verbesserung der Bonität (für andere Kredite)

Ein Hauptvorteil sehen viele Kreditnehmer bei der Sondertilgung darin, dass sich anschließend die monatliche Kreditrate verringert. So gibt es eine reduzierte Belastung, die zum Beispiel wichtig sein kann, wenn ansonsten größere Ausgaben vorhanden sind.

Welche Nachteile haben Sondertilgungen?

Neben den zuvor aufgeführten Vorteilen gibt es auch Nachteile, die im Zusammenhang mit Sondertilgungen entstehen können, nämlich:

  • Bei Annuitätendarlehen meistens kostenpflichtig
  • Vorhandenes Kapital könnte häufig rentabler angelegt werden

Während sich der erste Punkt im Grunde von selbst erklärt, nämlich dass du häufig nach einer Sondertilgung an die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen musst, ist der zweite Nachteil etwas erklärungsbedürftig. Insbesondere in der Niedrigzinsphase kann es sein, dass du eine vorhandene Kapitalsumme rentabler anlegen kannst, als du durch die Sondertilgung zukünftig an Zinskosten einsparst. Rein rechnerisch ist dies leicht nachvollziehbar, wenn du beispielsweise dein Geld für durchschnittlich sechs bis acht Prozent jährlich in Aktien investieren kannst, aber für einen Immobilienkredit zum Beispiel nur einen Zins von 1,2 Prozent zahlst.

Kosten der Sondertilgungen

Ob Sondertilgungen überhaupt zusätzliche Zinskosten (Zinsaufschläge) oder andere Kosten verursachen, hängt zunächst einmal von der Darlehensart ab. Bei einem Ratenkredit und selbstverständlich ebenfalls beim Dispokredit gibt es aus Sicht des Kreditnehmers keine Kosten zu beachten. Das Gegenteil ist sogar beim Ratenkredit der Fall, denn dort rechnen die Banken im Voraus kalkulierte Zinsen zurück, sodass die Zinslast in der Summe sinkt. Beim Baudarlehen hingegen muss bezüglich eventueller Kosten der Sondertilgung differenziert werden. Ob diese anfallen oder nicht, hängt vor allem von den folgenden Faktoren ab:

  • Variables Baudarlehen oder Kredit mit Zinsbindung?
  • Wie lange existiert die Zinsbindung bereits?
  • Wurden im Kreditvertrag ein Sondertilgungsrecht vereinbart?
  • Wenn ja, sind die Sondertilgungen kostenfrei?

Von diesen Faktoren ist es abhängig, ob bei einem Hypothekendarlehen Kosten für die Sondertilgungen entstehen. Nicht der Fall ist das bei variabel verzinslichen Darlehen. Sollte die Sollzinsbindung bereits mindestens zehn Jahre und einen Tag existieren, dann dürfen Banken keine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen. Eine solche Entschädigung musst du hingegen für gewöhnlich zahlen, wenn es sich um einen Immobilienkredit mit Zinsbindung handelt, dieser noch keine zehn Jahre läuft und du auch im Kreditvertrag mit der Bank nichts zu einem kostenfreien Sondertilgungsrecht vereinbart hast.

Wie hoch die Kosten für Sondertilgungen im einzelnen sind, lässt sich pauschal nicht beantworten. Jede Bank berechnet die entsprechenden Vorfälligkeitsentschädigungen individuell, wobei natürlich bestimmte Höchstgrenze zu beachten sind. In dem Fall solltest du dich vorab über die Höhe der Kosten erkundigen und eventuell sogar einen Rechtsanwalt beauftragen, falls dir die Vorfälligkeitsentschädigung im Nachhinein zu hoch erscheint. Mehrere Gerichtsurteile haben bereits beanstandet, dass Banken ihre Kosten in Form der Vorfälligkeitsentschädigung zu hoch oder auch nicht transparent genug ermitteln.

Lohnen sich Sondertilgungen immer?

Diese Frage lässt sich eindeutig mit “nein” beantworten. Sondertilgungen lohnen sich zwar häufig, allerdings keineswegs immer und automatisch. Sinnvoll ist die Sondertilgungsoption vor allem dann, wenn du anschließend durch eine niedrigere Darlehensrate monatliche Ausgaben sparen möchtest und kannst. Ferner kann es ebenfalls sinnvoll sein, einen zur Verfügung stehenden Kapitalbetrag, etwa eine Abfindung oder Geld aus einer Erbschaft, in den Kredit als Sondertilgung fließen zu lassen.

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen eine Sondertilgung nicht lohnt. Ein Beispiel wäre, wenn du den zur Verfügung stehenden Kapitalbetrag in der Summe rentabler am Finanzmarkt anlegen kannst. Ebenfalls weniger lohnenswert ist die außerplanmäßige Tilgung des Darlehens, wenn du dafür eine recht hohe Vorfälligkeitsentschädigung zahlen musst, sodass der eigentlich geplante Zinsvorteil vollständig kompensiert wird. Das ist regelmäßig der Fall, wenn du durch die Sondertilgung dein bestehendes Baudarlehen komplett ablösen und in einen neuen Immobilienkredit umschulden möchtest. Daher solltest du stets vorab prüfen, ob sich die Sondertilgung aller Voraussicht nach lohnt, bevor du diese durchführst.

Tipp

Prüfe vor einer geplanten Sondertilgung zunächst, ob es nicht bessere Alternativen gibt. Steht allerdings die Reduzierung der monatlichen Belastung im Vordergrund und ist eine größere Kapitalsumme vorhanden, ist die außerplanmäßige Sonderzahlung meistens der beste Weg.

Beispielrechnung für sinnvolle Sondertilgungen

An der folgenden Beispielrechnung möchten wir gerne verdeutlichen, wann eine Sondertilgung sinnvoll sein kann. Dazu nehmen wir an, dass du dein bisheriges Baudarlehen seit sieben Jahren abzahlst und dich noch in der Zinsbindung befindest. Da der Zinssatz jedoch relativ hoch im Vergleich zu den aktuellen Zinsen ist, möchtest du nach der Sondertilgung gerne deinen aktuellen Baukredit in einen neuen Immobilienkredit umschulden. Daraus könnten sich die folgenden Zahlen ergeben:

  • Restschuld: 150.000 €
  • Restlaufzeit (der Zinsbindung): 3 Jahre
  • Momentaner Zinssatz: 2,8 %
  • Zinskosten für weitere 3 Jahre: 12.600 €
  • Vorfälligkeitsentschädigung: 4.500 €
  • Neuer Zinssatz nach Umschuldung: 1,2 %
  • Zinskosten für zwei Jahre beim neuen Darlehen: 5.400 €
  • Ersparnis: 2.700 €

An diesem Beispiel zeigt sich, dass es sich – trotz Vorfälligkeitsentschädigung – für den/die Kreditnehmer:in gelohnt hat, eine Sondertilgung vorzunehmen. Durch die Ablösung des aktuellen Baudarlehens lassen sich nämlich aufgrund des momentan deutlich höheren Zinssatzes künftig insgesamt Zinskosten in Höhe von 7.200 Euro einsparen. Dabei kann natürlich nur der Zeitraum von drei Jahren verglichen werden. Nach zehn Jahren und damit dem Ablauf der Zinsbindung hätte der/die Kreditnehmer:in auch ohne Sondertilgung ein neues Immobiliendarlehen aufnehmen können.

Beispielrechnung für weniger sinnvolle Sondertilgungen

Dass Sondertilgungen nicht immer sinnvoll sein müssen, soll das folgende Beispiel zeigen. Die Situation ist die gleiche wie vorher, nämlich dass ein(e) Kreditnehmer:in sein/ihr momentanes Baudarlehen ablösen und durch die Sondertilgung dann einen neuen Immobilienkredit aufnehmen möchte. Wiederum befindet sich der Baukredit innerhalb der Sollzinsbindung, sodass die Bank die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet. Daraus ergeben sich in diesem Beispiel folgende Zahlen:

  • Restschuld: 180.000 €
  • Restlaufzeit (der Zinsbindung): 4 Jahre
  • Momentaner Zinssatz: 2,4 %
  • Zinskosten für weitere 4 Jahre: 17.280 €
  • Vorfälligkeitsentschädigung: 6.900 €
  • Neuer Zinssatz nach Umschuldung: 1,5 %
  • Zinskosten für zwei Jahre beim neuen Darlehen: 10.800 €
  • Ersparnis: 420 € Mehrkosten

In diesem Beispiel wird deutlich, dass die zu zahlende Vorfälligkeitsentschädigung den möglichen Zinsvorteil nicht nur kompensiert, sondern sogar in der Summe höher ausfällt. Daher wäre es – zumindest beim vorliegenden Angebot der Bank – finanziell nicht sinnvoll, eine Sondertilgung vorzunehmen.

Höhe der Sondertilgungen – was ist möglich?

Bezüglich der möglichen Höhe von Sondertilgungen kommt es auf mehrere Faktoren an. Beim Ratenkredit ist die Situation wiederum sehr eindeutig, denn hier kannst du deine offene Restschuld komplett vorzeitig zurückzahlen. Die Sonderzahlungen bzw. Sondertilgungen reichen also bei einem gewöhnlichen Konsumentenkredit von wenigen Hundert bis hin zur kompletten Restschuld. Anders stellt sich die Situation wiederum in der Baufinanzierung dar, wenn es beispielsweise um die Höhe der möglichen Sondertilgungen für ein Annuitätendarlehen geht.

In diesem Fall musst du vorab abklären, ob die Bank einer Sondertilgung überhaupt zustimmt. Die ist stets im Rahmen einer Zinsbindung nötig, die noch nicht länger als zehn Jahre läuft. Dann ist es meistens eine individuelle Vereinbarung, wie hoch die Sondertilgung sein kann und ob eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet wird. Manche Banken handhaben es im Rahmen des Kreditvertrages beispielsweise so, dass sie Kreditnehmer:innen eine jährliche Sondertilgung gestatten, und zwar entweder kostenfrei oder kostenpflichtig. Eine typische Vereinbarung über die Höhe der Sondertilgung sieht in der Praxis zum Beispiel so aus:

  • Maximal 10.000 Euro Sondertilgung pro Jahr möglich, eventuell kostenfrei
  • Jährliche Sondertilgung in Höhe von von maximal 10 % der Restschuld
  • Sondertilgungen jederzeit und in beliebiger Höhe, allerdings kostenpflichtig

Wie oft darf ich Sondertilgungen leisten?

Wie häufig du Sondertilgungen leisten darfst, hängt genau wie die Höhe der Sondertilgung von der jeweiligen Vereinbarung mit der Bank ab. Der Grund ist, dass es schlichtweg keine gesetzlichen Vorgaben gibt, bis natürlich auf den Ratenkredit. Dort darfst du nicht nur in jeder beliebigen Höhe Sondertilgungen leisten, sondern dies kann auch so oft du möchtest passieren. Allerdings gibt es durchaus Betragsuntergrenzen, denn für die Bank ist es nicht unbedingt zumutbar, wenn du zum Beispiel monatlich eine Sondertilgung in Höhe von 100 Euro leisten möchtest. Daher gibt es bei Ratenkrediten meistens in den AGBs der Banken feste Beträge, die als Sondertilgung anerkannt werden.

Bei Immobilienkrediten hängt die Häufigkeit möglicher Sonderzahlungen oft davon ab, was die Bank zulassen möchte. Wenn du bei Abschluss des Kreditvertrages auch mögliche Sonderzahlungen mit einbeziehen lässt, dann lauten typische Regelungen, dass du beispielsweise innerhalb von fünf Jahren ein bis drei Sondertilgungen vornehmen darfst. Hier sind die eventuellen Regelungen zwischen Kund:innen und Banken allerdings teilweise sehr individuell.

Info

Die Häufigkeit von Sondertilgungen ist beim Ratenkredit in der Regel nicht vorgeschrieben. Bei einem Baukredit hingegen bist du – bis auf ein variabel verzinsliches Baudarlehen – auf die Zustimmung von bzw. einer Vereinbarung mit der Bank angewiesen. Üblich sind zum Beispiel erlaubte Sonderzahlungen von maximal 10% der offenen Restschuld in 1-3 Jahren.

Wann darf ich Sondertilgungen leisten?

Beim Ratenkredit darfst du immer Sondertilgungen leisten, wenn ein möglicher Mindestbetrag eingehalten wird. In der Baufinanzierung kommt es darauf an, welche Art von Baudarlehen du nutzt und wie lange eine eventuelle Zinsfestschreibung bereits existiert. Nimmst du ein variabel verzinsliches Immobiliendarlehen in Anspruch, darfst du jederzeit Sondertilgungen vornehmen. Läuft die Zinsbindung bei einem festverzinslichen Baudarlehen schon mehr als zehn Jahre, darfst du ebenfalls mindestens eine Sondertilgung bzw. Ablösung des Darlehens durchführen. Handelt es sich hingegen um ein Darlehen mit Zinsbindung, die bereits höchstens zehn Jahre läuft, muss die Bank einer Sondertilgung stets zustimmen. Dann ist es wiederum vom Kreditgeber abhängig, wann du eine Sonderzahlung vornehmen darfst.

Gibt es Alternativen zu Sondertilgungen?

Es gibt eine direkte Alternativen zur Sondertilgung, nämlich dass du stattdessen die monatliche Rate erhöhen lässt. Dann kommst du der Schuldenfreiheit ebenfalls näher, weil sich die Restlaufzeit verkürzt. Der Vorteil kann sein, dass du vorhandenes Kapital dann zum größeren Teil als Rücklagen, zum Beispiel für Notfälle, behalten kannst. Eine andere Alternative existiert im Hinblick auf das vorhandene Kapital, welches du zum Beispiel als Sonderzahlung in das Darlehen einbringen könntest. Die beste Alternative zeigt sich momentan in der Niedrigzinsphase, nämlich dass du freies Geld nicht unbedingt in den Kredit steckst, sondern stattdessen eine rentable Anlageform findest.

Dies kann in nicht wenigen Fällen wirtschaftlich sinnvoller als eine Sondertilgung sein. Eine dritte Alternative zur Sondertilgung ist natürlich die komplette Ablösung des Darlehens, indem du die gesamte Restschuld begleichst. Im Sprachgebrauch handelt es sich dabei allerdings ebenfalls um eine Sondertilgung, nur dass eben der gesamte Restbetrag des offenen Darlehens damit abgedeckt wird.

Fazit: Sondertilgungen dann nutzen, wenn Sie auch was bringen

Sondertilgungen sind für viele Kreditnehmer:innen eine gute Option, um schneller schuldenfrei zu werden oder zukünftig eine geringere Monatsrate zahlen zu müssen. Dennoch hat man manchmal den Eindruck, dass solche Sonderzahlungen ausschließlich positiv betrachtet werden. Allerdings können Sondertilgungen auch zu Nachteilen werden, insbesondere dann, wenn eine Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank zu zahlen ist. Daher solltest du Sondertilgungen tatsächlich nur dann nutzen, wenn sie auch etwas bringen. Damit ist vor allem gemeint, dass du zum Beispiel durch die Sonderzahlungen zukünftig eine monatlich geringere Belastung hast oder in einen neuen Kredit umschuldest, bei dem du geringere Zinsen zahlen musst.

Häufige Fragen und Antworten zur Sondertilgung

❓ Muss die Bank mir Sondertilgungen erlauben?

Es hängt zunächst von der Art des Darlehens ab, ob Banken Sondertilgungen erlauben müssen oder nicht. Bei Ratenkrediten müssen Kreditinstitute einer Sondertilgung immer zustimmen. Bei Immobiliendarlehen kommt es darauf an, welche Darlehensart du nutzt und wie lange die Zinsbindung schon läuft. In dem Fall müssen Banken Sondertilgungen erlauben, wenn es sich um ein variabel verzinsliches Immobiliendarlehen handelt, die Zinsbindung bereits seit mehr als zehn Jahren existiert oder du im Kreditvertrag die Möglichkeit einer Sonderzahlung vereinbart hast.

🤔 Erhalte ich nach einer Sondertilgung automatisch einen neuen Tilgungsplan?

Handelt es sich um ein Baudarlehen, wird normalerweise nach der Sondertilgung automatisch seitens der Bank ein neuer Tilgungsplan erstellt. Dieser kann zwei mögliche Veränderungen haben. Zum einen kann durch die Sondertilgung die Restlaufzeit des Kredites verringert werden, was dazu führt, dass die Darlehensrate identisch bleibt. Alternativ ist es meist ebenfalls möglich, die Laufzeit nicht anzupassen, sodass die monatliche Darlehensrate sinkt. Auf jeden Fall kannst du dem neuen Tilgungsplan entnehmen, wie sich zukünftig Zinsen und Tilgung auf deine Monatsrate verteilen.

🔍 Sind Sondertilgungen für KfW-Darlehen möglich?

Vom Grundsatz her bestehen zwar auch bei Darlehen der KfW-Bank Sondertilgungsoptionen. Allerdings ist es insbesondere vom gewählten KfW-Programm abhängig, ob derartige Sonderzahlungen zugelassen sind oder nicht. Ferner solltest du berücksichtigen, dass die weitaus meisten KfW-Förderdarlehen mit einer Zinsfestschreibung versehen sind, sodass für eine Sondertilgung oft eine Vorfälligkeitsentschädigung zu entrichten ist. Ein der wenigen Ausnahmen ist das Förderprogramm 134. Dort gibt es eine kostenlose Sondertilgungsoption, die allerdings nur unter der Voraussetzung greift, dass du den gesamten Restbetrag tilgst oder die Sondertilgung zumindest mehr als 1.000 Euro beträgt.

♻ Verringern Sondertilgungen immer die Laufzeit eines Darlehens?

Ob durch die Sondertilgung die Laufzeit deines Darlehens verringert wird oder sich die monatliche Rate reduziert, hängt meistens von der jeweiligen Bank ab. Zahlreiche Kreditinstitute bieten diesbezüglich die zwei genannten Alternativen an, zwischen denen du dich entscheiden kannst. Es kommt also darauf an, ob es dir wichtiger ist, schneller schuldenfrei zu sein oder eine geringere Kreditrate nach der Sondertilgung zu zahlen.

💰 Lohnt sich eine Sondertilgung des KfW-Darlehens?

Ob sich eine Sondertilgung des KfW-Darlehens lohnt, ist von mehreren Faktoren abhängig, zum Beispiel davon, in welcher Höhe du eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen musst. Normalerweise sind KfW-Darlehen sehr günstige Kredite, sodass du eigentlich kaum Hypothekendarlehen der Banken mit noch niedrigeren Zinsen finden wirst. Lohnen kann die Sondertilgung eines KfW-Darlehens vor allem dann, wenn du den Kredit in einer Zinsphase abgeschlossen hast, in der die Darlehenszinsen deutlich höher als aktuell gewesen sind.

🤑 Sind Sondertilgungen bei einer Baufinanzierung kostenfrei?

Ob Sondertilgungen bei einer Baufinanzierung kostenfrei sind oder nicht, hängt von zwei Faktoren ab. Zum einen ist es entscheidend, ob ein variabel verzinsliches Baudarlehen oder ein Immobilienkredit mit Zinsfestschreibung besteht. Beim variablen Kredit sind Sondertilgungen nicht nur zu jedem Zeitpunkt zulässig, sondern auch immer kostenfrei. Bei einem Immobilienkredit mit Zinsfestschreibung ist die Sondertilgung in Form einer Ablösung des Darlehens nur dann kostenfrei, wenn die Zinsbindung seit mindestens zehn Jahren und einem Tag läuft. Dann dürfen die Banken nämlich keine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet. In nahezu allen anderen Fällen sind Sondertilgungen bei einer Baufinanzierung kostenpflichtig, es sei denn, du hast mit der Bank im Rahmen des Kreditvertrages etwas anderes vereinbart.

💸 Sondertilgungen leisten oder lieber eine höhere Rate vereinbaren?

Falls du zum Beispiel Kapital aus einer Erbschaft „übrig“ hast und überlegst, ob du dieses als Sondertilgung in den laufenden Kredit einbeziehen möchtest, solltest du vorher über mögliche Alternativen nachdenken. Manchmal kann es nämlich sinnvoller sein, auf die Sonderzahlung zu verzichten und stattdessen eine höhere Kreditrate zu vereinbaren. Dies kommt vor allem unter der Voraussetzung infrage, dass du vielleicht nicht das gesamte Kapital als Sondertilgung einfließen lassen möchtest, weil du gewisse Rücklagen behalten willst. Dann kann es sinnvoller sein, lieber eine höhere Rate zu vereinbaren.

Oliver Schoch

Veröffentlicht von

Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.