Geeignetheitserklärung

Feda Mecan
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Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 5. August 2022
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Zuerst einmal werden wir dir in diesem Artikel aufzeigen, was eine Geeignetheitserklärung überhaupt ist und welches Ziel sie verfolgt. Anschließend gehen wir auf den Zusammenhang zwischen Mifid 2 und der Geeignetheitserklärung ein. Danach erklären wir dir, woraus eine Geeignetheitserklärung besteht. Gegen Ende des Artikels gehen wir noch auf das Thema Regulierung bei Online-Brokern ein, sodass du alles weißt, was es bezüglich der Geeignetheitserklärung zu wissen gilt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Geeignetheitserklärung ist eine per EU-Finanzmarktrichtlinie vorgeschriebene Dokumentation, bei der der Fokus auf dem Ergebnis der Anlageberatung liegt.
  • Ziel der Geeignetheitserklärung ist es mehr Transparenz in den Prozess der Anlageberatung zu bringen. Zudem dient die Geeignetheitserklärung als Beweismittel bei Falschberatung.
  • Im Rahmen der Geeignetheitserklärung müssen Anleger:innen Angaben hinsichtlich ihrer finanziellen Verhältnisse und der Ziele sowie der Dauer der Anlage machen, damit möglichst genau eingeschätzt werden kann, welche Anlageprodukte geeignet sind.
  • Das Gespräch mit dem Anlageberater sowie die Aushändigung der Geeignetheitserklärung sind verpflichtend, Anleger:innen können dies nicht ablehnen.

Was ist die Geeignetheitserklärung?

Bei der Geeignetheitserklärung handelt es sich um eine per Gesetz vorgeschriebene Dokumentation, welche das Ergebnis von einer Anlageberatung schriftlich festhalten soll. Diese wurde im Jahr 2018 eingeführt, um das vorherige Beratungsprotokoll zu ersetzen. Denn vorher lag der Fokus des Beratungsprotokolls darauf, den Verlauf der Kommunikation zwischen Kunde und Bankberater zu dokumentieren. Die Geeignetheitserklärung dagegen zielt vor allem darauf ab, die Ergebnisse der Anlageberatung zu dokumentieren.

Welches Ziel hat die Geeignetheitserklärung?

Dass sich die Geeignetheitserklärung auf die Ergebnisse einer Anlageberatung fokussiert, hat den Grund, dass der Kunde nach dem Gespräch mit dem Bankberater die Gründe für die Empfehlungen des Beraters besser nachvollziehen können soll. Denn nur dann ist er auch in der Lage dazu, sein Kapital sinnvoll anzulegen. Dementsprechend ist der Bankberater dazu verpflichtet, die Ergebnisse der Anlageberatung schriftlich festzuhalten und dem Kunden in Form der Geeignetheitserklärung entweder in elektronischer Form, zum Beispiel per E-Mail, oder auf Papier auszuhändigen.

Das große Ziel der Geeignetheitserklärung ist es dabei, mehr Transparenz in der Anlageberatung zu schaffen und dem Kunden die Möglichkeit zu eröffnen, sich besser gegen Falschberatung seitens des Anlageberaters zu wehren. Denn die Geeignetheitserklärung dient als Beweismaterial und kann rechtlich gegen den Anlageberater verwendet werden, wenn sich daraus ergibt, dass das Anlageprodukt, welches der Anlageberater dem Kunden empfohlen hat, eigentlich gar nicht für den Kunden geeignet war.

Durch die Geeignetheitserklärung haben Kunden die Möglichkeit, ihren Anlageberater bei einer Falschberatung zur Rechenschaft zu ziehen.

Mifid 2 und Geeignetheitserklärung

Mifid 2 ist die Abkürzung für “Markets in Financial Instruments Directive”. Dabei handelt es sich um eine EU-Finanzmarktrichtlinie, die im Jahr 2018 von den Mitgliedstaaten der EU in nationales Recht umgewandelt wurde. Durch diese Richtlinie entstand die Geeignetheitserklärung, da das vorherige Beratungsprotokoll als ungenügend empfunden wurde. Diese Geeignetheitserklärung kommt immer dann zum Einsatz, wenn Kunden einer Bank in Finanzprodukte investieren möchten. Dazu gehören neben Aktien auch Anleihen, Zertifikate oder Anteile an einem Fonds.

Durch diese Richtlinie ändert sich die Dokumentation der Anlageberatung, statt den Fokus auf den Gesprächsverlauf zu legen, steht nun das Ergebnis der Anlageberatung im Vordergrund. Dabei sind sowohl das Gespräch als auch die Erklärung verbindlich. Das bedeutet, dass es dem Kunden nicht möglich ist, Gespräch oder Erklärung abzulehnen.

Bei einer Anlage in Festgeld oder Tagesgeld gilt diese Richtlinie nicht, da diese Anlageprodukte nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden sind.

Woraus besteht die Geeignetheitserklärung?

In den folgenden Abschnitten möchten wir im Detail darauf eingehen, was die einzelnen Bestandteile einer solchen Geeignetheitserklärung sind, damit du einen guten Überblick erhältst. Denn im Rahmen der Geeignetheitserklärung muss der Kunde einige Angaben hinsichtlich seines Anlageprofils machen, zu denen er durch die neue Richtlinie verpflichtet ist.

Finanzielles Vermögen

Der Kunde ist dazu verpflichtet, sein finanzielles Vermögen offen zu legen. Hieraus soll der Anlageberater schließen können, ob der Kunde dazu in der Lage ist, eventuell auftretende Verluste zu kompensieren. Über diese Angabe kann auch beurteilt werden, welche Anlagerisiken ein Kunde eingehen kann.

Erfahrungen und Kenntnisse

In der Geeignetheitserklärung muss der Kunde zudem angeben, welche Erfahrungen und Kenntnisse er bereits über die jeweiligen Anlageinstrumente sammeln konnte. Über diese Auskunft lässt sich einschätzen, ob der Kunde genug über das Anlageprodukt weiß, in welches er investieren möchte.

Ziel der Anlage

Zusätzlich dazu muss noch abgeklärt werden, ob das ausgewählte Anlageprodukt auch zu den Anlagezielen des Kunden passt.

Zweck der Anlage

Dabei wird auch auf den Zweck geachtet, den die Anlage erfüllen soll. Möchte jemand beispielsweise für die Rente vorsorgen und ist später auf das eingezahlte Kapital angewiesen, dann sollte nicht in besonders riskante Anlageprodukte investiert werden.

Dauer der Anlage

Auch der Anlagezeitraum wird abgefragt, da dieser eine wichtige Rolle spielt. Wer beispielsweise sein Kapital nur für ein paar Monate investieren möchte und es danach wieder benötigt, der sollte nicht in den Aktienmarkt investieren, da dieser starken Schwankungen unterworfen ist.

Angaben des Beraters

Bevor der Kunde seine erste Position eröffnet, muss ihm die Geeignetheitserklärung vom Anlageberater zur Verfügung gestellt werden, damit er alles auf seine Richtigkeit überprüfen kann. Dabei muss der Anlageberater in der Geeignetheitserklärung angeben, warum er der Ansicht ist, dass die von ihm empfohlenen Anlageinstrumente für den Kunden geeignet sind. Der Berater muss genau darauf eingehen, weswegen diese Anlageform dem Profil des Kunden entspricht.

In der Geeignetheitserklärung einfach nur zu schreiben, dass das Anlageinstrument geeignet ist, reicht dementsprechend nicht aus.

Regulierung auch bei Online Brokern

Auch bei Online-Brokern kommt es zu gewissen regulatorischen Anforderungen, die den Anlegerschutz gewährleisten sollen. Dementsprechend müssen Anleger:innen auch bei einem Online-Broker Angaben hinsichtlich ihrer Risikoprofils machen, wenn sie in riskantere Anlageinstrumente, wie beispielsweise Aktien, investieren möchten. Wer noch über kein Depot verfügt, der sollte sich unseren umfangreichen Depot-Vergleich ansehen, um das passende Depot zu finden.

Fazit

Die Geeignetheitserklärung ist eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Dokumentationsweise, die sich auf das Ergebnis einer Anlageberatung fokussiert. Hierdurch soll die Transparenz im Beratungsprozess sichergestellt werden. Die Geeignetheitserklärung dient außerdem als Beweismittel, sofern es zu einer Falschberatung kommt. Im Rahmen dieser Erklärung müssen Investor:innen einige Angaben hinsichtlich ihres Anlageprofils machen, um eine fundierte Einschätzung dahingehend zu ermöglichen, welche Anlageinstrumente geeignet sind.

FAQ: Geeignetheitserklärung

Was ist die Geeignetheitserklärung?

Die Geeignetheitserklärung ist eine per EU-Finanzmarktrichtlinie vorgeschriebene Dokumentation, die das Resultat einer Anlageberatung schriftlich festhalten soll.

Welche Ziele hat die Geeignetheitserklärung?

Die Geeignetheitserklärung soll dafür sorgen, dass nach einem Gespräch mit dem Anlageberater besser nachvollziehbar ist, auf welcher Basis der Berater seine Empfehlungen ausgesprochen hat. Dabei dient die Geeignetheitserkärung der Transparenz in der Anlageberatung und kann rechtlich gegen Falschberatung eingesetzt werden.

Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.