Zertifikate

thomasbaer
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Letzte Überarbeitung am 30. August 2022
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Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen bzw. strukturierte Anleihen und frei handelbare Wertpapiere. Herausgeber sind Banken, Finanzdienstleistungsinstitute und weitere Emittenten. Ein Zertifikat ist an die Wertentwicklung eines Basiswertes (Aktie, Indizes, Rohstoff) gebunden. Welchen Mehrwert Zertifikate bieten, wie sie gekauft werden und was Anleger:innen beachten müssen, erfährst du in unserem Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Zertifikaten handelt es sich um ein komplexes Finanzinstrument und Derivat, bei dem Emittenten hinsichtlich der Ausgestaltung wie Laufzeit, Zins- oder Rückzahlung frei entscheiden.
  • Zertifikate eignen sich für erfahrene Anleger:innen, die damit Risiken absichern oder auf Kursbewegungen spekulieren möchten.
  • Das Angebot an Zertifikaten umfasst in Deutschland mehr als 1,1 Millionen handelbare Finanzinstrumente mit Funktionen als Anlage- oder Hebelprodukt.
  • Zu den drei größten Emittenten von Zertifikaten in Deutschland mit einem Marktanteil am Zertifikate-Markt von mehr als 55 Prozent gehören DekaBank, DZ Bank und LBBW.
  • Der Kauf von Zertifikaten ist am Primärmarkt und am Sekundärmarkt möglich und kann beim Broker oder der Depotbank über Börsen oder außerbörslich abgewickelt werden.
  • Zertifikate-Inhaber:innen sind dem Marktrisiko und Emittentenrisiko ausgesetzt. Die Einlagensicherung erstreckt sich nicht auf Zertifikate.

Disclaimer: Bei den nachfolgend aufgeführten Informationen handelt es sich um keine Anlageempfehlung. Sie dienen lediglich zu Informationszwecken und geben keine Auskunft über zukünftige Entwicklungen oder Renditen. Daher übernimmt Onlinebanken.com keinerlei Gewährleistung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen.

Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind strukturierte Finanzinstrumente mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Profilen, mit denen Anleger:innen alle möglichen Anlagestrategien umsetzen können.

Bei Anlagezertifikaten handelt es sich um verbriefte Derivate, die sich auf bestimmte Wertpapiere wie Aktien und Anlehen oder auf Indizes beziehen.

Emittenten dieser Produkte sind Banken und Investmentgesellschaften. Diese zahlen die laut Prospekt vorgesehenen Geldbeträge an Zertifikateinhaber:innen aus.

Merkmale des Zertifikats sind u.a.:

  • Der zugrunde liegende Vermögenswert kann an positive, negative oder seitwärts tendierende Bewegungen gebunden sein.
  • Bilden bestimmtes Bezugsverhältnis zu einem Basiswert wie Aktien, Anleihen, Indizes oder Rohstoffe ab.
  • Zahlung von Rücknahmeprämien wie Kupons während der Laufzeit.
  • Abfindung an den Inhaber:in des Zertifikats bei vorzeitigem Verfall
  • Möglichkeit der vorzeitigen Rückzahlung mit Abschlag für Inhaber:innen
  • Bedingter, vollständiger oder teilweiser Kapitalschutz des Kaufbetrages
  • Rückzahlungsprämie bei Laufzeitende bzw. Fälligkeit
  • Beinhalten auf Call- oder Put-Optionen basierende Anlagestrategien
  • Zertifikate verfügen über eine definierte Laufzeit oder sind ohne Laufzeitbegrenzung (open-end)
  • ISIN / WKN als eine eindeutige Wertpapierkennung
Hinweis

Anleger:innen erhalten durch ein Zertifikat die Möglichkeit, mit wenig Kapital an einer steigenden, fallenden oder seitwärts laufenden Bewegung des Basiswertes zu partizipieren. Zertifikate notieren an regulierten Märkten und können jederzeit verkauft werden.

Diese Zertifikate gibt es

Zertifikate gibt als Anlageprodukte und Hebelprodukte. Bei Anlageprodukten handelt es sich um Produkte mit längerfristigem Anlagehorizont, wie Kapitalschutz-, Index-, Discount- oder Bonuszertifikate.

Hebelprodukte dienen dem kurzfristigem Spekulieren. Inhaber:innen können mit Hebelzertifikaten von positiven oder negativen Wertentwicklungen des Basiswerts profitieren. Von fallenden Kursen kannst du beim Aktienleerverkauf profitieren. Zu den gehebelten Zertifikaten gehören Optionsscheine, Turbo-Zertifikate und Faktor-Zertifikate.

Die Komplexität der Zertifikate zeigt sich daran, dass beide Gruppen eine Vielzahl verschiedener Zertifikate-Typen umfasst. Diese wiederum eignen sich für unterschiedliche Anleger:innen, bestimmte Marktphasen und jeweilige Sicherheitsansprüche. Das Zertifikate-Angebot umfasst Anlageprodukte mit, ohne und mit bedingtem Kapitalschutz sowie Hebelzertifikate.

Anlageprodukte mit Kapitalschutz

  • Kapitalschutz-Zertifikate: Inhaber:innen erhalten die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals garantiert. Voraussetzung dafür ist, dass Zertifikate bei der Emission erworben und nicht vor Fälligkeit verkauft werden. Sicherheitsorientierte Anleger:innen können außerdem an der Wertentwicklung der zugrundliegenden Basiswerte wie Aktien, Indizes oder Rohstoffe partizipieren. Ein Emittentenrisiko bleibt vom Kapitalschutz-Versprechen unberührt
    • Beispiel: BNP Paribas Issuance B.V. DJIA Index Zert.2000(03/Und.), WKN: 543743 / ISIN: DE0005437438

Anlageprodukte mit bedingtem und ohne Kapitalschutz

Beim Zertifikat mit bedingtem Kapitalschutz können Anleger:innen beim Investment einen teilweisen Kapitalschutz genießen. Dazu dürfen vorbestimmte Barrieren während der Laufzeit des Zertifikats nicht erreicht werden. Zu diesen Finanzinstrumenten gehören u.a. Bonus- und Expresszertifikate.

Zertifikate ohne Kapitalschutz wie Index-, Discount- und Outperformance-Zertifikate gelten als wenig komplizierte Produkte, da die Nachbildung der Wertentwicklung ihrer Basiswerte das Ziel darstellt. Einige Zertifikate bilden die Entwicklungen des Basiswerts proportional nach.

  • Bonus-Zertifikate: Rendite im Seitwärtsmarkt bei Teilabsicherung des investierten Kapitals bis zur Barriere.
    • Beispiel: LBBW Bonus-Z 24.06.2022 SX5E Bonus Zert., WKN: LB00G2 / ISIN: DE000LB00G24
  • Index-Zertifikate: Finanzinstrumente ohne Laufzeitbegrenzung, mit der Inhaber:innen an einer steigenden (long) oder fallenden (short) Wertentwicklung des Basisindex teilhaben.
    • Beispiel: BNP Paribas Issuance B.V. DAX Index Zert. 2000(03/Und.), WKN: 543741 / ISIN: DE0005437412
  • Aktienanleihen: Fest vereinbarter Zinssatz liefert laufende Erträge unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes. Zinssatz ist weitaus höher als der Marktzinssatz. Schlusskurs der Aktie(n) zum Ende der Laufzeit bestimmt die Rückzahlungssumme.
    • Beispiel: Deka CLN-Stufenz.v.2013(2023) HNR1, WKN: LBB4RD / ISIN: DE000LBB4RD1
  • Discount-Zertifikate: Diese Zertifikate erwerben Anleger:innen mit einem Abschlag bzw. einem Rabatt auf den Basiswert. Durch den Kauf unter Marktpreis ist ein Partizipieren am Kursanstieg des Basiswertes auf eine Ertragsobergrenze begrenzt.
    • Beispiel: Goldman Sachs Bank Europe SE DISC.Z 22.06.22 DAX 9600, WKN: GM38UB / ISIN: DE000GM38UB3
  • Express-Zertifikate: Bei diesen Zertifikaten besteht während der Laufzeit (stichtagsbezogen) mehrmals die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung zu einem festgelegten Auszahlungspreis.
    • Beispiel: DZ Bank VZ TEILGARANT INT 27 15/22, WKN: AK0F55 / ISIN: DE000AK0F550
  • Outperformance-Zertifikate: Diese Zertifikate sind mit einem Partizipationsfaktor (größer als 1) ausgestattet und versprechen überproportionale Gewinnchancen. Dazu muss der Kurs am zur Fälligkeit über dem Basiskurs liegen. Die positive Wertentwicklung wird mit dem Faktor multipliziert.
    • Beispiel: Citi OUT.CL.Z 22.06.22 ESTX50, WKN: KA7J82 / ISIN: DE000KA7J821
  • Bonitätsabhängige Schuldverschreibungen: Sie versprechen Inhaber:innen konstante wiederkehrende Erträge durch Festzins (höher als der übliche Marktzins). Das Wesen dieser Schuldverschreibung besteht darin, dass sie sich auf die Kreditwürdigkeit oder Bonität von privaten oder öffentlichen Schuldnern wie Unternehmen und Staaten bezieht. Anleger:innen setzen darauf, dass die Zahlungsfähigkeit bis zur Fälligkeit der Anleihe erhalten bleibt.
    • Beispiel: DekaBank 1,00 % bonitätsabhängige Schuldverschreibung bezogen auf mehrere Referenzschuldner 07/2024, WKN: DK0P4T / ISIN: DE000DK0P4T2

Hebelzertifikate mit uns ohne Knock-out

Hebelprodukte ohne Knock-Out

  • Optionsscheine: Sie bieten risikofreudigen Anleger:innen die Möglichkeit, mit kleinem Kapital überproportional von steigenden (Put) oder fallenden (Call) Kursen eines Basiswerts zu profitieren, indem sie diesen zu einem vorab definierten Preis während eines bestimmten Zeitraumes (amerikanisch) oder zu einem bestimmten Termin (europäisch) kaufen oder verkaufen.
    • Beispiel: Deutsche Bank /Call/US-Dollar / Kanadischer Dollar (USD/CAD)/1.26/100/15.09.23, WKN: DH047M / ISIN: DE000DH047M5
  • Faktor-Zertifikate: Mit diesen Zertifikaten können Anleger:innen mit Hebel an der Wertentwicklung des Basiswerts partizipieren. Diese besitzen weder ein Knock-Out noch eine Laufzeitbegrenzung.
    • Beispiel: Goldman Sachs Faktor Zertifikat auf S&P 500 HEALTH CARE INDEX (PRICE) (USD), WKN: GX4K9R / ISIN: DE000GX4K9R2

Hebelprodukte mit Knock-Out

  • Turbo-Zertifikate: Beim Turbo-Zertifikat ermöglicht ein geringer Kapitaleinsatz die überproportionale Teilnahme an steigenden oder fallenden Kursen des Basiswerts. Diese Hebelprodukte richten sich an Investor:innen, die kurzfristig auf Entwicklungen am Marktmeinung spekulieren wollen. Das Risiko besteht in einem Totalverlust des Anlagebetrages bei gegenläufiger Kursentwicklung des Basiswerts.
    • Beispiel: BNP Paribas Issuance B.V. MiniL O.End DAX 3430 Hebel-Bull-Zertifikat, WKN: 163552 ISIN: NL0000254639

Für wen eignen sich Zertifikate?

Zertifikate ermöglichen Anleger:innen die Teilnahme an Ertragschancen in jeder Marktlage. Sie können in steigenden, fallenden und seitlich laufenden Marktphasen mit Profit investieren. Dank der verschiedenen Typen von Zertifikaten werden Anleger:innen jedes Risikoprofils bedient. Das passende Produkt findet ein sicherheitsorientierter Anleger:in ebenso wie der spekulative Händler:in. Risiko und Ertragschance steigen bei offensiverer Strategie und umgekehrt.

Die Transparenz bei Zertifikaten wird deutlich durch:

  • Meist keine Managementgebühren während der Laufzeit,
  • klare Vorgaben zu Auszahlungsmodalitäten von Zertifikaten,
  • keine versteckten Kosten.

Der Emittent eines Zertifikats darf laut Gesetz Merkmale seines Produkts ändern, sollte es die Marktsituation erfordern. Das kann im Fall einer Fusion und Neugründung des Unternehmens notwendig werden. Die als Basiswert dienenden Aktien des alten Unternehmens werden durch neue Aktien ersetzt. Genau Regelungen können im Prospekt des jeweiligen Zertifikats nachgelesen werden.

Hinweis

Auch wenn Zertifikate als transparent und teilweise einfach beworben werden, eignen sie sich eher für erfahrene Händler:innen. Profis nutzen sie zum Absichern von Depots oder einzelnen Wertpapieren. Kurzfristig orientierte Daytrader spekulieren über die Preise auf Entwicklungen von Basiswerten.

Was sollten Anleger:innen bei Zertifikaten beachten?

Bei Zertifikate unterliegen dem Emittentenrisiko bzw. Bonitätsrisiko und gehören nicht zum Sondervermögen. Die gesetzlichen Einlagensicherungssysteme wirken ebenfalls nicht.

Inhaberschuldverschreibungen fallen nicht unter die Einlagensicherung. Ein Teil- oder Totalverlust droht, wenn die Emittentin des Zertifikats in die Insolvenz muss. Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung verhindern, dass die Emittentin ihren Verpflichtungen aus dem Zertifikate-Verkauf nicht oder nur zum Teil nachkommen kann.

Ein Beispiel für Emittentenrisiko ist die Pleite der Investmentbank Lehman-Brothers im Jahr 2008. In Folge der Lehmann-Pleite verloren rund 50.000 deutsche Investor:innen rund eine Milliarde Euro mit ihren Lehman-Zertifikaten. Der Zertifikate-Markt in Deutschland 2022 ist mit mehr als 1,1 Millionen strukturierter Wertpapiere umfangreich, doch beträgt das Volumen mit etwa 70 Milliarden Euro bezogen auf die Zeit vor der Finanzkrise etwa die Hälfte. (Quelle: Lars Brandau, Deutscher Derivate-Verband – DDV). Zum Vergleich in offenen Investmentfonds hierzulande sind mehr als eine Billion Euro angelegt.

Kosten bei Zertifikaten

An Kosten bei Zertifikaten kommen auf den Anleger:in neben den allgemeinen Depot- und Transaktionsgebühren im Wesentlichen Ausgabeaufschlag und Spread zu. Weitere mögliche Kosten sind Opportunitätskosten, Managementgebühr und Zinssteuern. Gebühren können für die Beratung beim Zertifikate-Handel anfallen.

Ausgabeaufschlag: Bei Erstzeichnung von Zertifikaten fällt wie bei Fonds ein Ausgabeaufschlag in Höhe von einem bis drei Prozent an.

Spread: Werden Zertifikate nach der Erstzeichnung bzw. während der Laufzeit gekauft, zahlt man den sogenannten Spread. Zertifikate-Kurse (Geld- und Brief-Kurs) stellen die Emissionsbanken. Die Differenz aus Geld- und Brief-kurs ist der Spread. Komplexere Produkte haben einen größeren Spread. Ein Spread unter 0,5 Prozent gilt als günstig. Bei Zertifikaten auf DAX-Aktien ist der Spread niedriger als bei Aktien aus Schwellenländern.

Indexzertifikate sind bezogen auf Kosten transparent und günstig, weil Zertifikate-Anbieter bei diesen einfachen Produkten der Entwicklung eines Index 1:1 folgen. Es entfällt das Strukturieren verschiedener Komponenten.

Managementgebühr: Sie fallen nur bei Zertifikaten an, deren Laufzeiten open end bzw. mit unbeschränkt sind. Es handelt sich um versteckte Kosten, die quartalsweise oder jährlich anfallen und innerhalb des Zertifikats verrechnet werden. Diese Gebühren betragen pro Jahr ab 0,5 bis 1,5 Prozent.

Opportunitätskosten: Ausgebende Bankinstitute behalten in der Regel Erträge der Basiswerte (Dividenden, Zinsen usw.) ein.

Zinssteuern: Bei Schuldverschreibungen (Anleihen) wird das Kapital abhängig von der Art des Zertifikates verzinst. Diese Zinsen unterliegen der Abgeltungssteuer.

Beratungsentgelt: Kaufen Anleger:innen das Zertifikat nicht als Selbstentscheider, sondern beim Bankberater oder einem Vertriebspartner, fällt unter Umständen eine Provision an. Beratungsleistungen dürfen in Rechnung gestellt werden. Der Emittent oder die Bankfiliale muss dem Anleger:in gegenüber über die Höhe der Gebühr Mitteilung machen.

Hinweis

Kursgewinne beim Verkauf eines Zertifikats während der Laufzeit sind meist steuerpflichtig, gilt für alle strukturierten Anleihen. Steuerpflichtig ist die Rendite (Emissionsrendite), die bei der Erstausgabe des Zertifikates zugesagt und bis zum Zeitpunkt der Fälligkeit bzw. bei Veräußerung mit Sicherheit erzielt wird.

Käufe von Zertifikaten: Transparenter und flexibler Handel

Anleger:innen können Zertifikate auf mehreren Wege kaufen. Der Kauf der Zertifikate ist am Primärmarkt (Erstemission bzw. während der Zeichnungsphase) sowie am Sekundärmarkt möglich. Gehandelt werden Zertifikate über Börsen oder im außerbörslichen Direkthandel, beispielsweise über Lang & Schwarz.

  • Primärmarkt: Auf dem Primärmarkt kaufen Anleger:innen Zertifikate während der Zeichnungsfrist zum Emissionspreis. Neuemissionen sind bei Anleger:innen beliebt, da während der Zeichnungsfrist Preise konstant bleiben und sich möglicherweise danach verteuern. Zeichnen lassen sich Zertifikate beim Broker oder der Depotbank. Die Zeichnungsfrist beträgt meist vier Wochen. Nach Ablauf der Zeichnungsfrist werden Zertifikate am Sekundärmarkt gehandelt. Zahlreiche Zertifikate werden direkt am Sekundärmarkt platziert, das heißt ohne Zeichnungsfrist.
  • Sekundärmarkt: Auf dem Sekundärmarkt findet der Handel mit Zertifikaten während der Laufzeit zum jeweiligen Geld-Brief-Kurs statt. Alternativ dazu können Anleger Zertifikate am Sekundärmarkt handeln. In Deutschland handelbare Zertifikate sind mit einer eindeutigen Wertpapierkennung (WKN / ISIN) ausgestattet. Die in Deutschland handelbaren Zertifikate sind in der Regel über eine Börsennotierung, sodass sie durch Anleger:innen einfach und jederzeit handelbar sind. Kurse werden durch den jeweiligen Emittenten und Market Maker gestellt.

Das passende Zertifikat online finden

Das Zertifikate-Universum ist angesichts von mehr als einer Million handelbarer Zertifikate allein in Deutschland riesig, was das finden des richtigen Zertifikats nicht einfach gestaltet.

Zum Zurechtfinden hast du einige Möglichkeiten. Die einfachste Suchmöglichkeit sind online Zertifikate-Finder auf Börsen-, Bank- und Broker-Webseiten. Angeboten werden sie u.a. bei Börse, Frankfurt, Börse Stuttgart, Smartbroker oder comdirect. Auch bei den Zertifikate-Emittenten wie UBS, Morgan Stanley, BNP Paribas, DekaBank, DZ Bank oder LBBW kannst du dich über Zertifikate informieren.

Hinweis

Anleger:innen wählen zum Kauf eines gewünschten Zertifikats den Briefkurs („Ask“), zum Verkauf den Geldkurs („Bid“). Die Spanne zwischen beiden Kursen bildet den Spread. Je nach Broker und Depotbank werden weitere Transaktionskosten verrechnet. Ein Depot Vergleich hilft beim Sparen, denn bei den günstigsten Zertifikate-Brokern oder im Rahmen von Derivate-Aktionen handelst du Zertifikate ab 0 Euro.

Vor- und Nachteile von Zertifikaten

Vorteile

Zu den wesentlichen Vorteilen von Zertifikaten zählen, dass mit ihnen in alle möglichen Anlageklassen investiert werden kann, darunter auch Rohstoffe oder Edelmetalle, die nicht so leicht zugänglich sind. Ein Anleger:in kann auf den Goldpreis spekulieren und ein Zertifikat auf den Gold kaufen. Die Alternative wäre, sich einen physischen Goldbarren in den Tresor zu legen. Für Rohstoffe wie Öl und Gas gilt ähnliches. Zertifikate lassen für Absicherungszwecke einsetzen, beispielsweise um das Depot oder einzelne Wertpapiere gegen Kursschwankungen abzusichern.

Weitere Vorteile
  • Anspruchsvolle Anlagestrategien lassen sich durch den Kauf eines einzigen Zertifikats umsetzen.
  • Produkte notieren an regulierten, offiziellen Börsen.
  • Liquidität von Zertifikate ermöglicht jederzeitigem Kauf und Verkauf
  • Große Auswahl an zugrundliegenden Basiswerte
  • Zertifikate gibt es für Risikoprofile jeder Art

Nachteile

Zu den wesentlichen Nachteil von Zertifikaten zählt das Anlagerisiko, welches Anleger:innen eingehen. Ebenso ein Nachteil ist das bereits erwähnte Emittentenrisiko. Geht der Emittent bzw. Zertifikate-Herausgebers pleite, können sie ihr komplettes Geld verlieren.

Hohes Verlustrisiko besteht auch, wenn der Emittent nicht insolvent wird. Besonders riskant ist das Investieren in Hebelzertifikate, da sich der Verlust unter Umständen vervielfacht.

Weitere Nachteile
  • Komplexität der Finanzinstrumente
  • Keine Dividenden
  • Schwer nachvollziehbare Preisbildung während der Laufzeit 
  • Hohe Kosten und Intransparenz, teilweise versteckte Kosten
  • Kein feststehender Abrechnungsbetrag zum Fälligkeitstermin

Das sind die Unterschiede zwischen Zertifikaten und ETFs

Zertifikate und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ermögliche beide eine indirekte Anlage in Basiswerte (Finanz- oder Sachwerte).

  • Im Gegensatz zu ETFs werden bei Zertifikaten keine Dividenden ausgezahlt.
  • ETFs gehören zum Sondervermögen, denn sie sind durch Vermögenswerte gedeckt. Fällt ein Emittent aus, dienen diese Anleger:innen als Garantie. Bei Zertifikaten sind sie dem Risiko einer Pleite des Emittenten ausgesetzt.
  • ETFs haben grundsätzlich keine Fälligkeit, wobei eine Schließung des Fonds durchaus vorkommen kann. Die meisten Zertifikate haben eine Fälligkeit, bei der sie verfallen. Ein Zertifikate-Anleger erhält einen bestimmten Betrag vom Emittenten ausgezahlt.
  • Investitionen in Zertifikate haben keine Verwaltungsgebühren zur Folge. Eine Ausnahme bilden Managementgebühren bei sogenannten Open-End-Zertifikaten. Bei ETFs werden Verwaltungsgebühren berechnet.

Fazit: Einsatz von Zertifikaten zur Depotabsicherung und zum Spekulieren

Zertifikate sind entweder Anlageprodukt oder Hebelprodukt. Du kannst sie zur Depotabsicherung und zum Spekulieren einsetzen. Aufgrund der hohen Verlustrisiken und der teilweisen Komplexität sind Zertifikate nur für erfahrene Anleger:innen geeignet.

Lediglich Index-Zertifikate, beispielsweise auf den DAX, sind für Anfänger:innen weniger problematisch, da sie 1:1 wie ein ETF die Wertentwicklung des Indizes nachbilden. Das Emittentenrisiko lässt sich durch kluge Auswahl des Anbieters weitgehend ausschließen.

Grundsätzlich solltest du Zertifikate verstanden haben, bevor du sie handelst. Investieren solltest du immer mit einer Strategie. Kennst du das Ziel, lässt sich der günstigste Weg dorthin ausmachen.

FAQ: Fragen und Antworten rund um Zertifikate

Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind Finanzinstrumente. Sie beinhalten auf Optionen zugrunde liegende Anlagestrategien, die an einem geregelten Markt handelbar sind. Zugleich sind Zertifikate verbriefte Derivate mit einer offiziellen Marktnotierung, die indirekte Investitionen in verschiedenen Basiswerte wie Aktien oder Rohstoffe ermöglichen. Während Hebelzertifikate ein spekulatives Risiko-Rendite-Profil kennzeichnet, passen Anlage-Zertifikate langfristig angelegten Anlagestrategien passen.

Was spricht für, was gegen Zertifikate?

Zertifikate bieten erfahrenen Anleger:innen Möglichkeiten zur Absicherung und zum Spekulieren. Mit geringem Kapital lässt sich in zugrunde gelegte Basiswerte investieren. Es können hohe Gewinne sowohl bei Long- als auch Short-Entwicklungen realisiert werden. Das hohe Verlustrisiko und das Emittentenrisiko sprechen gegen Zertifikate.

Welche Kosten gibt es bei Zertifikaten?

Die wesentlichen Kosten bei Zertifikaten beinhalten bei Erstzeichnung einen Ausgabeaufschlag und den Spread. Je nach Zertifikat können Managementgebühren, Opportunitätskosten und Zinssteuern anfallen. Beratungsprovisionen werden immer dann berechnet, wenn du Zertifikate mit Bankberatungsleistungen oder beim Vertriebspartner der Emittenten erwirbst.

Wie kaufe ich Zertifikate?

Zertifikate kannst du über einen Broker oder eine Depotbank auf Börsen oder außerbörslich kaufen. Ein Zertifikate-Finder hilft dir bei der Suche nach dem passenden Zertifikat. Kaufen solltest du nur, wenn du das Finanzinstrument verstanden hast.

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Thomas Detlef Bär

Veröffentlicht von

Als studierter Ökonom habe ich mich jahrelang in erster Linie mit betriebswirtschaftlichen Problemen befasst. Seit mehr als zehn Jahren sehe ich meine Berufung darin, Wissen und Erfahrungen rund um private Finanzen aufzubereiten und in Ratgeberform zu vermitteln.