Charttechnische Oszillatoren

Feda Mecan
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Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 5. August 2022
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Hier erläutern wir dir zunächst, was charttechnische Oszillatoren sind und wie sie angewendet werden. Zudem gehen wir darauf ein, welche Arten von charttechnischen Oszillatoren es gibt. Wir zeigen dir außerdem die 5 wichtigsten charttechnischen Oszillatoren auf, um dir einen Überblick zu verschaffen. Gegen Ende des Artikels erklären wir noch, für wen die Chartanalyse relevant ist und geben eine Einschätzung bezüglich des Risikos ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Charttechnische Oszillatoren stellen die extremen Phasen eines Kursverlaufs dar und können dementsprechend Über- und Untertreibungen des Marktes signalisieren.
  • Mithilfe von charttechnischen Oszillatoren, die sich innerhalb eines bestimmten Bereichs bewegen, lassen sich Trendwenden erkennen, sodass Anleger:innen zum richtigen Zeitpunkt mit ihrem Kapital ein- oder aussteigen können.
  • Es gibt verschiedene Arten. Manche basieren rein auf dem Preis, andere betrachten das Volumen, während die sogenannten Overlays im Chartbild über den Verlauf der Kurse gelegt werden, um zukünftige Kursbewegungen zu prognostizieren.
  • Die Chartanalyse ist primär für kurzfristig orientierte Trader interessant, die mit den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkten eine Überrendite erzielen wollen. Für Buy & Hold Investor:innen dagegen spielen charttechnische Faktoren keine Rolle.
  • Bei der Charttechnik sollte unbedingt berücksichtigt werden, dass die Indikatoren lediglich Indizien für die zukünftigen Kursbewegungen liefern und keine Garantie darstellen. Zudem wird viel Erfahrung benötigt, um die Daten richtig zu interpretieren.

Was sind charttechnische Oszillatoren?

Bei charttechnischen Oszillatoren handelt es sich um Indikatoren, die die extremen Phasen des Kursverlaufs darstellen und dementsprechend Übertreibungen des Marktes signalisieren können. Oszillieren bedeutet so viel wie „schwingen“. Dies liegt daran, dass sich Oszillatoren zwischen einer Obergrenze und einer Untergrenze bewegen. Wenn die obere Grenze erreicht wird, dann gilt der Markt als überbewertet. Wird dagegen die Untergrenze erreicht, dann spricht man von einer Unterbewertung des Marktes.

Anwendung

In der Charttechnik wird den Oszillatoren oftmals eine Skala von -200 bis +200 oder von -100 bis +100 zugewiesen. Es handelt sich hierbei also um Kursbewegungen innerhalb dieser Bereiche. Wenn der Oszillator, nachdem er eine dieser Grenzen erreicht hat, sich wieder von dieser wegbewegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Trendwende groß. Diese Situation können Trader nutzen, um zum richtigen Zeitpunkt ihr Kapital zu investieren oder abzuziehen.

Arten

Es existieren unterschiedliche Arten von charttechnischen Oszillatoren, die jeweils auf unterschiedlichen Faktoren basieren. Diese Arten möchten wir dir in den folgenden Abschnitten genauer vorstellen.

Preisbasiert

Bei einem preisbasierten Oszillator handelt es sich um einen charttechnischen Indikator, welcher die Schwankungen zwischen zwei Grenzen darstellt. Dabei liegt der Fokus auf dem Preis, also dem jeweiligen Kurs. Hierzu gehören:

  • ReIative Strength Index (RSI)
  • Moving Average Convergence/Divergence (MACD)
  • Momentum
  • Advance-Decline-Linie

Volumenbasiert

Ein volumenbasierter Oszillator dagegen zeigt die Veränderung des Handelsvolumens an. Dies ist aber nur dann möglich, wenn hinreichende Informationen gegeben sind, wie beispielsweise am Aktienmarkt. Dementsprechend stellt ein Oszillator, der auf Volumen basiert, die Menge der gehandelten Aktien dar. Beispiele hierfür sind:

  • On Balance Volume (OBV)
  • Money Flow Index (MFI)
  • Accumulation Distribution Line (ADL)
  • Volumen-Preis-Trend (VPT)
  • Chaikin Oszillator

Overlays

Bei den sogenannten Overlays (=Überlagerungen) handelt es sich um charttechnische Indikatoren, die im Chartbild über den Verlauf der Kurse gelegt werden. Dadurch soll eine Einschätzung der zukünftigen Kursbewegungen ermöglicht werden. Zu den Overlays gehören:

  • Bollinger-Bänder
  • Donchian-Kanal
  • Ichimoku-Kinko-Hyo

Die 5 wichtigsten charttechnischen Oszillatoren erklärt

In den folgenden Abschnitten möchten wir dir die 5 wichtigsten charttechnischen Oszillatoren genauer vorstellen. Dabei werden wir sowohl auf die Vor- als auch auf die Nachteile eingehen, um einen möglichst guten Überblick gewährleisten zu können. Hier schonmal vorweg die Bezeichnungen für die wichtigsten charttechnischen Oszillatoren:

  • Momentum
  • MACD
  • RSI
  • OBOS
  • MFI

Momentum

Das sogenannte Momentum soll die “Stärke” einer Kursbewegung messen. Dabei wird die Geschwindigkeit einer Kursbewegung evaluiert, um herauszufinden, ob ein Trend weiter anhalten wird. Das Momentum ist ein wichtiger Faktor in der Chartanalyse. Wenn das Momentum berechnet wird, dann entsteht dadurch eine Kurve, die vom gewählten Zeitraum abhängig ist. Oftmals handelt es sich hierbei um eine Periode von 20 Tagen. Diese Kurve kann nun interpretiert werden. Wenn sich der Kurs oberhalb der 100%-Linie bewegt, dann signalisiert dies eine Aufwärtsbewegung, die weiterhin intakt ist.

Wird die 100%-Linie jedoch nach unten durchstoßen, dann signalisiert dies eine Abwärtsbewegung. Vorteil dieser Strategie ist es, dass diese Indizien darauf liefern kann, ob ein Trend weiter anhalten wird oder nicht. Nachteil ist allerdings, dass Anleger:innen beim Einsatz dieser Strategie erst spät in den Markt einsteigen und somit entsprechende Kursgewinne verpassen, weil sich das Momentum erst aufbauen muss.

Der Zeitraum, in welchem das Momentum betrachtet wird, sollte von Investor:innen klug ausgewählt werden und zur eigenen Trading Strategie passen.

MACD

MACD ist das Kürzel für Moving Average Convergence/Divergence. Auf Deutsch könnte man das übersetzen mit dem Zusammen- bzw. Auseinanderlaufen des gleitenden Durchschnitts. Hierbei handelt es sich um einen Indikator, welcher die Differenz von 2 exponentiell gleitenden Durchschnitten berechnet und anschließend mithilfe einer Linie darstellt. In der Regel kommt noch eine zweite Linie zum Einsatz, die eine Triggerfunktion hat. Mithilfe dieses charttechnischen Indikators lässt sich die Richtung und die Stärke eines Trends feststellen.

Dadurch entstehen Kauf- und Verkaufssignale. Wenn sich beide Linien in die gleiche Richtung bewegen, dann ist das entweder ein Signal für sinkende Kurse (wenn beide Linien fallen) oder für einen Aufwärtstrend und damit steigende Kurse (wenn beide Linien steigen). Wenn die MACD Linie die zusätzliche Signallinie von unten nach oben durchstößt, dann stellt dies ebenfalls ein Kaufsignal dar. Durchstößt die MACD Linie die Signallinie dagegen von oben nach unten, dann signalisiert dies einen Abwärtstrend und Anleger:innen sollten verkaufen.

Liegen die beiden Linien eng beieinander, dann signalisiert dies einen schwachen Trend. Ist der Abstand zwischen beiden Linien jedoch groß, dann stellt dies einen starken Trend dar. Ein großer Vorteil dieses Indikators ist, dass die Signale einfach zu erkennen sind. Ein Nachteil ist allerdings, dass es nur zu einer geringen Anzahl an Signalen innerhalb eines langen Zeitraums kommt.

RSI

RSI ist die Abkürzung für Relative Strength Index. Dabei stellt der RSI einen Wert dar, der zwischen einem Kleinst- und einem Höchstwert schwankt. Dementsprechend gehört auch der RSI zu den charttechnischen Oszillatoren. Dabei soll dieser Indikator dabei helfen, Trendwenden eines bestimmten Wertes zu erkennen. Der durch den RSI ermittelte Wert befindet sich im Bereich zwischen 0 und 100. Wenn sich der Wert über 50 befindet, dann signalisiert dies einen Aufwärtstrend.

Wenn der Wert weniger als die Hälfte beträgt, handelt es sich um einen Abwärtstrend. Wenn der Wert allerdings über 70 liegt, dann bedeutet dies, dass es nur noch sehr wenige Käufer gibt, sodass die Wahrscheinlichkeit für sinkende Kurse hoch ausfällt. Die umgekehrte Situation entsteht, wenn der Wert des RSI unter 30 fällt. Ein großer Vorteil des RSI-Indikators ist die hohe Wirksamkeit bei korrekter Interpretation. Nachteilig ist jedoch, dass der RSI bei sehr starken Marktbewegungen fehlerhafte Signale aussenden kann.

OBOS

Bei dem Begriff OBOS handelt es sich um die Abkürzung für Overbought/Oversold. Dieser charttechnische Indikator zeigt somit Situationen auf, in denen der Markt oder eine bestimmte Aktie überkauft oder überverkauft ist. Dabei handelt es sich um eine grundlegende Börsenweisheit, die besagt, dass massive Käufe zwar zu stark steigenden Kursen führen, aber anschließend der Markt nach dieser Übertreibung wieder fallen wird. Umgekehrt gilt das Gleiche: Ist der Markt infolge einer großen Verkaufswelle überverkauft, dann wird er danach wieder steigen.

Der OBOS-Indikator soll Anleger:innen dabei unterstützen, diese Phasen darzustellen. Vorteilig bei diesem Indikator ist die Hilfe dabei, zu erkennen, ob ein Markt gerade überverkauft ist und sich dementsprechend ein Einstieg lohnt. Auch ein überkaufter Markt kann signalisiert werden, sodass Anleger:innen wissen, wann sie verkaufen sollten. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass beim Einsatz dieses Indikators auch gegensätzliche Signale möglich sind, wenn er mit verschiedenen Parametern berechnet wird.

Wenn also ein Aufwärtstrend lange anhält, dann kann es dazu kommen, dass der Indikator, wenn er mit einem kurzfristigen Anlagehorizont berechnet wurde, Signale zum Handeln anzeigt, während der langfristige Indikator angibt, dass die Position gehalten werden sollte.

MFI

MFI steht für Money Flow Index. Dabei handelt es sich um einen charttechnischen Indikator, der den RSI um eine Volumenkomponente erweitert. Die Grundidee ist, dass reine preisbasierte Indikatoren kein genaues Bild vom Markt darstellen können. Trendwenden im Kursverlauf gehen immer auch ein gesteigertes Volumen voraus. Daher soll mit dem MFI gemessen werden, wie viel an Kapital in den Markt investiert oder abgezogen wird, um ein besseres Signal zu erhalten. Auch der MFI bildet ein Wertespektrum zwischen 0 und 100.

Befindet sich der Indikator zwischen 0 und 20, dann bietet sich eine Kaufgelegenheit. Liegt der Wert zwischen 80 und 100, dann empfiehlt sich ein Verkauf. Vorteil des MFIs ist, dass Übertreibungen des Marktes besser dargestellt werden können. Nachteil ist allerdings, dass trotzdem Fehlsignale generiert werden können, sodass sich die Nutzung zusätzlicher Indikatoren empfiehlt.

Weitere charttechnische Oszillatoren

Es gibt noch unzählige weitere charttechnische Oszillatoren. Alle zu erwähnen und genau zu erklären, würde jedoch den Rahmen sprengen. Daher möchten wir dir, nachdem wir dir die 5 wichtigsten im Detail vorgestellt haben, noch eine kleine Liste an weiteren Oszillatoren mit auf den Weg geben, falls du noch tiefer in das Thema einsteigen möchtest.

  • CCI (Commodity Channel Index)
  • ROC (Rate of Change)
  • Stochastik
  • Adaptive Price Zone (APZ)
  • Average Directional Movement Rating (ADXR)

Trendwechsel durch Interpretation der Daten erkennen

Ein Trendwechsel lässt sich oftmals bereits frühzeitig erkennen, wenn die Chartanalyse zum Einsatz kommt. Es gibt etliche charttechnische Oszillatoren die verwendet werden können, um einen Trend rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Diese Oszillatoren ermöglichen es, zu erkennen, wann ein guter Zeitpunkt für einen Kauf oder einen Verkauf gekommen ist. Allerdings müssen diese Indikatoren unbedingt korrekt interpretiert werden, um einen Trendwechsel auszumachen.

Dafür braucht es einiges an Erfahrung und Know-How in diesem Bereich. Für unerfahrene Anleger:innen ist der Einsatz von charttechnischen Indikatoren daher nicht zu empfehlen, da nicht davon auszugehen ist, dass sie die Daten richtig interpretieren können. Für Profis dagegen stellen sie ein sinnvolles Werkzeug dar, um künftige Kursbewegungen zu prognostizieren.

Für wen ist Charttechnik relevant?

Charttechnik kann grundsätzlich von allen Anleger:innen eingesetzt werden. Allerdings gibt es bestimmte Gruppen, für die der Einsatz der Chartanalyse essentiell ist, während er sich für andere Gruppen von Investor:innen überhaupt nicht lohnt. Zu der Gruppe, die stark von der Chartanalyse profitiert, gehören insbesondere kurzfristig orientierte Trader. Dazu können sowohl Personen gehören, die Daytrading betreiben als auch ambitionierte Privatanleger:innen, die mithilfe der Chartanalyse einen guten Einstiegszeitpunkt finden möchten, um eine höhere Rendite zu erzielen.

Dafür ist allerdings einiges an Know-How und Erfahrung nötig, sodass dies auch mit einem größeren zeitlichen Aufwand verbunden ist. Daher lohnt es sich für Anleger:innen, die eine Buy & Hold Strategie fahren und möglicherweise stur jeden Monat ihren Sparplan besparen, überhaupt nicht, sich mit der Charttechnik auseinanderzusetzen. Denn diese Gruppe möchte langfristig an der Börse investieren und ist gar nicht daran interessiert, kurzfristige Schwankungen zu ihren Gunsten auszunutzen.

Zudem bringen nicht alle Investor:innen die Zeit und emotionale Standfestigkeit mit, die es braucht, um mittels Trading an der Börse langfristig Erfolg zu haben. Für diese Gruppe bietet sich vielmehr ein Investment in ETFs an.

Risikohinweis: Oszillatoren bieten keine Garantie

Es ist uns sehr wichtig klarzumachen, dass der Einsatz von charttechnischen Oszillatoren keinerlei Garantie dafür bietet, dass sich die Kurse auch entsprechend entwickeln werden. Es handelt sich hierbei lediglich um Indizien. Es gibt keine Indikatoren, die die Zukunft zu 100% genau vorhersagen könnten, ein gewisses Restrisiko bleibt daher stets bestehen. Zudem erfordert es einiges an Erfahrung, um die Daten richtig zu interpretieren. Bei falscher Interpretation gehen Trades nicht auf und Anleger:innen verlieren Geld. Dies sollte unbedingt berücksichtigt werden.

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Fazit

Es gibt unzählige an unterschiedlichen charttechnischen Oszillatoren, die verwendet werden können, um zukünftige Kursentwicklungen möglichst genau zu prognostizieren. Dabei sollten am besten mehrere Indikatoren zum Einsatz kommen, um ein möglichst genaues Bild der Situation und der nächsten Handlungsschritte zu erhalten. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass eine Menge Erfahrung notwendig ist, um die erhaltenen Daten korrekt zu interpretieren. In jedem Fall sollte die Strategie zuerst über den Einsatz von Musterdepots getestet werden, um keine schwerwiegenden Fehler zu begehen.

FAQ: Charttechnische Oszillatoren

Was sind charttechnische Oszillatoren?

Es handelt sich bei charttechnischen Oszillatoren um Indikatoren, welche die extremen Phasen eines Kursverlaufs wiedergeben können, sodass Über- und Untertreibungen des Marktes gekennzeichnet werden können. Dadurch ergeben sich Signale für den Einstieg oder Ausstieg aus einem Markt.

Was sind die bekanntesten charttechnischen Oszillatoren?

Bei den bekanntesten charttechnischen Oszillatoren handelt es sich um Momentum, Moving Average Convergence/Divergence (MACD), Relative Strength Index (RSI), Overbought/Oversold (OBOS) und Money Flow Index (MFI).

Wie lassen sich charttechnische Oszillatoren interpretieren?

Die Interpretation von charttechnischen Oszillatoren fällt je nachdem, welcher zum Einsatz kommt, unterschiedlich aus. In der Regel führt das Über- oder Unterschreiten einer bestimmten Grenze zu einem Signal, das entweder einen Einstieg oder Ausstieg aus einem Markt oder Wert darstellt.

Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.