OTC-Handel

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 323
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 5. Juli 2022
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Der OTC-Handel ist eine beliebte Möglichkeit mit Wertpapieren zu handeln. Eine diskrete und direkte Abwicklung des Vertrages zwischen zwei Parteien ist nur eines der Vorteile, die aus dieser Art des Wertpapierhandels resultieren. Natürlich gibt es Risiken oder eher gesagt bestimmte Nachteile, die mit dem OTC-Handel einhergehen. In diesem Beitrag wird darauf eingegangen, was der OTC-Handel ist, welche Vor- und Nachteile es gibt und wie der Handel in dieser Form überhaupt erst funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • OTC steht für „Over the Counter“ (über die Theke)
  • Oft wird diese Art von großen Finanzinstituten genutzt, um große Transaktionen geheim zu halten
  • In Bezug auf den OTC-Handel ist der Forexmarkt am beliebtesten
  • Der außerbörsliche Handel ist nicht so streng überwacht, wie der börsliche Handel

Was ist ein OTC Handel?

OTC ist die Abkürzung für „Over the Counter“, sprich „Über die Theke“. Im Zusammenhang mit dem Börsenhandel bezieht sich das OTC auf sogenannte außerbörslich getätigte Trades. Zwischen zwei Parteien wird ein Trade abgewickelt, welcher wiederum über ein Händlernetzwerk verarbeitet wird. Das Besondere daran ist, dass die Parteien die eigentliche Börse umgehen. Ein OTC Handel ist zwar von weniger Regulierungen betroffen, kann aber mehr Risiken mit sich bringen, auf die unbedingt geachtet werden sollte.

Der Unterschied zwischen dem OTC Handel und dem traditionellen Handel besteht vor allem darin, dass die Parteien währenddessen nur unter sich sind. Die Kontrolle, die den Regulatoren fehlte, führte schlussendlich dazu, dass es innerhalb der EU zu Regulierungen kam, die dennoch nicht so umfassend und streng ausfallen, wie an der Börse selbst. Selbst Privatanleger können von diesem Prinzip profitieren.

Vor- und Nachteile vom OTC Handel

Der OTC Handel kann für manch einen sehr nützlich sein. Diese Art des Handels bringt nämlich gegenüber dem traditionellen Handel Vorteile mit sich, die den Wertpapierhandel durchaus attraktiver machen können. Auf der anderen Seite stehen die Nachteile, die nicht außer Acht zu lassen sind. Zu den Vorteilen können niedrigere Handelsgebühren und die nicht stattfindende Kontrolle durch die BaFin gezählt werden. Der OTC Handel unterliegt in etwa den gleichen gesetzlichen Bestimmungen, wie die Börse. Zudem sind die Handelszeiten deutlich länger und es ist möglich Wertpapiere zu handeln, die an der Börse nicht oder noch nicht handelbar sind.

Zwar sind die Handelszeiten allgemein länger, dafür fallen oft hohe Spreads an, wenn außerhalb der Börsenhandelszeiten gehandelt wird. Auf der einen Seite kann die fehlende Kontrolle durch die BaFin als positiv anzusehen sein, auf der anderen Seite ist dadurch keine Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen gewährleistet. Insgesamt gibt es nur eine sehr geringe Transparenz und Aktien weisen des Öfteren eine geringere Liquidität auf.

Vorteile:
  • ungefähr die gleichen gesetzlichen Bestimmungen, nur ohne Kontrolle durch BaFin
  • großzügigere Handelszeiten, als an der Börse
  • es ist möglich an der Börse nicht handelbare Wertpapiere und Derivate zu handeln
  • Die Handelsgebühren sind niedriger, als an der Börse
Nachteile:
  • geringe Transparenz
  • oftmals eine niedrigere Liquidität bei Aktien
  • kaum stattfindende Kontrollen der gesetzlichen Bestimmungen
  • hohe Spreads bei Handel außerhalb der Börsenhandelszeiten
Derivate sind Finanzinstrumente und sie funktionieren im Grunde zwischen zwei Parteien, wie ein einfacher Vertrag. Dieser legt fest, dass ein Basiswert zu einem vereinbarten Preis, zu einem bestimmten Zeitpunkt, gekauft werden muss bzw. kann.

OTC Handel in der Praxis

Im ersten Moment dürfte es sich sicher komisch anhören, wenn von „Over the Counter“ die Rede ist, da man nichts Physisches in die Hand bekommt und so gesehen nichts über die Theke gegeben wird.

In der Praxis läuft ein OTC-Handel äußerst unkompliziert ab. Einfach erklärt, fängt derjenige/diejenige, der/die an einem Wertpapier interessiert ist den Preis dieses Wertpapiers bei seinem/ihrem gewählten Broker ab. Es spielt keine Rolle, ob eine Short- oder Longposition eingegangen werden soll. Sofern der Preis dem/der Interessierten zusagt, kann diese:r akzeptieren und die Order (=Bestellung) aufgeben. Durch den Broker wird der Auftrag an einen zufälligen Marktteilnehmer übergeben. Der bereits gebotene Preis wird an dieser Stelle für den/die Verkäufer:in ersichtlich. Stimmt auch hier der Preis, muss die Bestellung nur noch akzeptiert werden, bis sie anschließend sofort ausgeführt wird. Der Prozess hört sich an, als wäre er langwierig und würde einige Zeit in Anspruch nehmen, in Wahrheit aber dauert das Ganze nur wenige Sekunden bis Minuten, bis der komplette Ablauf abgeschlossen ist.

Damit der Deal wirklich abgewickelt werden kann, ist eine gute Liquidität erforderlich. Umso liquider der Markt ist, desto wahrscheinlicher ist es nämlich, dass Käufer:in und Verkäufer:in einen Preis finden, der beide Parteien zufriedenstellt. Sollte eine Partei einmal nicht mit dem Preis zufrieden sein, verfällt die Bestellung und es fallen keine weiteren Kosten oder Ähnliches an.

Basiswerte

In Verbindung mit dem OTC Handel ist der Forexmarkt der Markt, an dem am meisten das OTC-Prinzip verwendet wird. Am Forexmarkt werden verschiedene Währungspaare bzw. Währungen gehandelt. Durch den OTC-Handel ist der Forexmarkt dezentralisiert und 24 Stunden am Tag handelbar. Ge- und verkauft werden die Währungen und Währungspaare über ein Netzwerk von verschiedenen Banken.

Natürlich ist der Forexmarkt nicht der einzige Markt, der vom OTC-Handel profitiert. Daneben werden oft Aktien, börsenorientierte Wertpapiere außerhalb der Börsenzeiten, außerbörsliche Derivate und andere, nicht an der Börse handelbare Wertpapiere mit diesem Prinzip gehandelt.

Forex bedeutet Foreign Exchange und beschreibt einen Vorgang, bei dem Währungen in andere Währungen umgerechnet werden.

Online Broker und Handelspartner

Damit man als private Person OTC-Trading betreiben kann, wird ein Onlinebroker benötigt. Bei diesem Broker kommt es darauf an, ob er das Traden von OTC-Aktien anbietet oder nicht. Selbst wenn der OTC-Handel sich an immer größerer Beliebtheit erfreuen darf, bietet noch längst nicht jeder Broker diese Möglichkeit an. Zusätzliche Voraussetzung ist, dass man Besitzer eines Depots für Wertpapiere ist. Von großem Vorteil ist es, wenn der auserwählte Broker den Handel mit anderen Marktteilnehmern außerhalb der Börse unterstützt. Viele Online Broker und Handelspartner erlauben zwar oft den OTC Handel, gewähren aber nicht die Chance direkt mit anderen Marktteilnehmern zu handeln.

Als Handelspartner werden die Emittenten bezeichnet, also beispielsweise Banken.

Im Bereich des OTC-Handels gibt es verschiedene außerbörsliche Börsenplätze, über die die Orders abgewickelt werden. In Deutschland gehören die Handelsplätze gettex, LS Exchange und Tradegate Exchange zu den wohl bekanntesten. An diesen Handelsplätzen sind stets mehrere sogenannte Emittenten angeschlossen, über die die Orders ausgeführt werden. Zum Handelsplatz gettex (elektronisches Handelssystem an der Börse in München) gehören zum Beispiel Banken wie die Hypovereinsbank, die HSBC und die Baader Bank. Jedoch gilt der Tradegate Exchange Handelsplatz mit als der größte Handelsplatz in Deutschland. Immerhin sind dort mehr als 30 Teilnehmer angeschlossen. Der OTC-Handel kann im Direkthandel erfolgen. Ein Broker, der Zugang zu solchen außerbörslichen Handelsplätzen hat, ist trotzdem eine gute Wahl. Es können Gebühren entstehen, die aber wiederum auf die Emittenten übertragen werden können, sodass die Anleger nicht oder nur mit kleinen Summen betroffen werden. Der OTC-Handel ist über diese Handelsplätze, vor allem durch die Abwicklung über große Banken, um ein Vielfaches sicherer.

Anleitung zum OTC Handel

Alles was mit der Börse zu tun hat, hört sich oft sehr kompliziert und undurchsichtig an. Der OTC-Handel ist alles andere als kompliziert. Es sind nur ein paar wenige Handgriffe von einem selbst nötig, um die erste Order aufzugeben. Am Anfang wird logischerweise ein Depot benötigt, bei einem Broker der den OTC-Handel anbietet und den Direkthandel mit anderen Marktteilnehmern zulässt. Es sollten sich die Bedingungen des jeweiligen Brokers dahingehend durchgelesen werden. Dann muss man sich die Wertpapiere heraussuchen, die vielversprechend aussehen. Hierfür ist meistens eine umfassendere Recherche nötig. Zuletzt muss die Order getätigt werden. Das ist normalerweise mit einem einfachen Klick möglich. Den Rest erledigt der Broker mit den Handelspartnern, wie Banken oder anderen Marktteilnehmern direkt.

  1. Depot bei einem Broker eröffnen, der OTC-Handel ermöglicht
  2. Einzahlung auf das Depot tätigen
  3. Wertpapier, Währungspaar, Derivat o.ä. heraussuchen und auswählen, was gekauft werden soll
  4. Order aufgeben und der Broker führt die Order mit Handelspartnern oder Marktteilnehmern aus

Risiken beim OTC-Handel

Wie bereits erwähnt, wird der OTC-Handel nicht so stark überwacht, wie es bei der Börse der Fall ist. Genau daraus resultieren die Risiken dieses Handels. Da es keinen Vergleich mit Referenzmärkten gibt, hat der/die Anleger:in keine Kontrolle über die Spreads. So können die Kosten schnell höher werden als ursprünglich gedacht und man sollte vor der Orderaufgabe stets die Spreads mit den aktuellen Börsenkursen vergleichen.

Depot Vergleich

Ein Depot Vergleich lohnt sich. Jedes Depot bietet verschiedene Konditionen und Bedingungen an. Mal gibt es günstigere Preise, dafür weniger Leistungen. Bei einem anderen Depot hingegen werden hohe Preise aufgerufen, dafür gibt es auch mehr Leistungen. Es kommt immer darauf an, was für Vorstellungen und Wünsche du hast. Du musst dir vorher im Klaren darüber sein, welche Leistungen du benötigst, wie viel du maximal ausgeben möchtest und wie wichtig dir die Punkte wie der Service oder vielleicht auch ein Ansprechpartner vor Ort sind.

Fazit

Der OTC-Handel ist eine alternative Möglichkeit, um Käufe und Verkäufe von verschiedenen Finanzprodukten direkt und schnell durchzuführen. Außerdem wird ein hohes Maß an Diskretion gewährleistet, weil die Orders kaum nachvollziehbar sind. Trotz alledem dürfen die Risiken und Nachteile nicht außer Acht gelassen werden.

FAQ

Was bedeutet OTC-Handel?

OTC steht für „Over the Counter“ und beschreibt einen direkten Handel von Finanzprodukten zwischen zwei Personen untereinander.

Welche Vorteile bietet der außerbörsliche Handel?

Längere Handelszeiten, geringere Gebühren, Handel von an der Börse (noch) nicht handelbaren Wertpapieren und keine starke Überwachung durch die BaFin.

Wie funktioniert der OTC Handel?

Der/die Interessierte fragt im Prinzip nach einem Preis, der durch den Broker an einen anderen Marktteilnehmer weitergegeben wird. Wird der Preis bestätigt, nimmt der/die Verkäufer:in die Order an und führt diese aus.

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Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.