IPO – der Börsengang einer Aktiengesellschaft

oliverschoch
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Letzte Überarbeitung am 29. August 2022
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Die meisten Anleger:innen handeln Aktien, die schon länger an der Börse notiert werden. Bevor allerdings die erste Notierung erfolgt, muss ein Börsengang vorgenommen werden, der in der Fachsprache ebenfalls als IPO bezeichnet wird.

In unserem Beitrag erfährst du, worum es sich bei einem IPO handelt. Ferner gehen wir darauf ein, wie der Prozess der ersten Notierung an der Börse verläuft, warum ein Börsengang für Unternehmen und Anleger:innen gleichermaßen ist und wir zählen auf, welche Vor- und Nachteile es im Zusammenhang mit einem IPO gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • IPO steht als Abkürzung für „Initial Public Offering“ und meint einen Börsengang
  • Der Hauptgrund für den Gang an die Börse ist für nahezu alle Aktiengesellschaften, neues Kapital von den Aktionär:innen einzusammeln
  • Durchgeführt wird ein IPO normalerweise von mehreren Banken, dem sogenannten Konsortium
  • Für Anleger:innen kann ein Börsengang deshalb interessant sein, weil der Zuteilungspreis für die Aktien häufiger geringer als die erste Notierung der Wertpapiere an der Börse ist

Was ist ein IPO?

Die Abkürzung IPO steht für Initial Public Offering. Damit ist das erstmalige Angebot von Aktien an zukünftige Aktionär:innen an der Börse gemeint. Es handelt sich demzufolge um einen Börsengang einer Aktiengesellschaft. Andere Bezeichnungen für das IPO sind Emission von Wertpapieren oder Neuemissionen.

Wesentliches Merkmal des IPO ist, dass die entsprechende Aktiengesellschaft von Anleger:innen frisches Kapital durch die Platzierung der Wertpapiere an der Börse einsammelt. Die Investor:innen haben auf diese Weise am Kapitalmarkt durch den Börsengang die Möglichkeit, in das Wertpapier zu investieren. Der Verkauf der Wertpapiere an der Börse beinhaltet ein bestimmtes Emissionsvolumen, welches von mehreren Faktoren abhängig ist. Wie ein IPO samt Prozess im Detail funktioniert, erfährst du im folgenden Abschnitt.

Wie funktioniert ein Börsengang?

Am Beginn eines jeden Prozesses zum Börsengang steht die Entscheidung der Aktiengesellschaft, ihre Wertpapiere zukünftig an einer Wertpapierbörse und somit am Kapitalmarkt zu platzieren. Ist diese Entscheidung gefallen, muss die AG zunächst einmal einen Börsenprospekt erstellen. Ferner muss die Aktiengesellschaft bei der zuständigen Börsenaufsicht eine Registrierungserklärung einreichen. Diese wird seitens der Börse geprüft und bei einer Genehmigung steht dem anschließenden Börsengang nichts mehr im Wege. Meistens geschieht dies mithilfe der Konsortialbanken, die für das Unternehmen die gesamte Abwicklung bis zur Erstplatzierung übernehmen. In dem Zusammenhang gibt es in der Regel einen Konsortialführer. Die konsortialführende Bank übernimmt und leitet den gesamten Prozess, aber auch die anderen Konsortialbanken sind mit Unterstützung dabei.

Nach dem erstellten Börsenprospekt gibt es in aller Regel oft eine sogenannte Roadshow. Dabei handelt es sich um Werbeveranstaltungen, mit denen die Aktiengesellschaft zukünftige Aktionär:innen für sich gewinnen möchte. Ist diese Phase ebenfalls abgeschlossen, geht es vor allem darum, die Preisspanne für die Aktien festzulegen. Interessierte Anleger:innen haben dann die Möglichkeit, die neuen Wertpapiere bereits vor dem Börsengang und damit vor dem ersten Handelstag zu zeichnen. Eine Zeichnung bedeutet, dass die Wertpapiere faktisch vorbestellt werden können.

Im nächsten Schritt beginnt also die Zeichnungsfrist, innerhalb derer interessierte Anleger:innen ihrer Bank den Auftrag geben können, eine bestimmte Menge der Aktien vor dem eigentlichen Börsengang und somit vor der ersten Notierung an der Wertpapierbörse zu ordern. Meist ist das gleichzeitig auch diese Phase, innerhalb derer der Bekanntheitsgrad des Wertpapiers deutlich ansteigt. Die Preisspanne sollte sich übrigens in Verbindung mit der einzelne Aktie am aktuellen Unternehmenswert orientieren. Allerdings spielen vorheriges Angebot und vor allem die Nachfrage ebenfalls eine große Rolle.

Am Ende der Zeichnungsfrist ist es die Aufgabe der Konsortialbanken, den sogenannten Zuteilungspreis festzulegen. Das ist der Preis, zu dem zeichnende Anleger:innen die Aktie dann vorbörslich erwerben können. Zu beachten ist allerdings, dass nicht immer alle Interessent:innen die gewünschten Stückzahlen erhalten. Werden mehr Aktien bestellt als vorhanden, findet eine Zuteilung nach unterschiedlichen Systemen statt.

Zusammengefasst verläuft das IPO in den folgenden Schritten:

  1. Aktiengesellschaft entscheidet sich für Börsengang
  2. Börsenprospekt wird erstellt und Registrierungserklärung eingereicht
  3. Bekanntmachung der geplanten Neuemission mittels Roadshow und anderen Werbemaßnahmen
  4. Konsortialbanken legen Preisspanne fest
  5. Anleger:innen können Order zur Zeichnungen erteilen (mit Beginn der Zeichnungsfrist)
  6. Endgültiger Emissionspreis wird festgelegt
  7. Erste Notierung der Aktien
Hinweis

Ein IPO ist für Anleger:innen hofft eine interessante Angelegenheit, weil bereits die ersten Kurse an der Börse häufiger höher als der Emissionspreis sind. Insbesondere um die Jahrtausendwende ließen sich mit Neuemissionen enorme Zeichnungsgewinne erzielen. Heutzutage ist die Differenz im Durchschnitt zwischen Emissionspreis und Erstnotiz an der Börse in der Regel nicht ganz so hoch und es können natürlich auch Zeichnungsverluste entstehen.

Warum führen Aktiengesellschaften einen Börsengang durch?

Der wesentliche Vorteil und meistens sogar einzige Grund dafür, dass eine Aktiengesellschaft eine Neuemission durchführen möchte, ist die Kapitalbeschaffung. Das Unternehmen benötigt in dem Fall frisches Geld, welches durch den Börsengang von interessierten Anleger:innen und damit zukünftigen Aktionär:innen eingesammelt werden kann. Das Kapital wiederum kann unterschiedlichen Zwecken dienen, insbesondere:

  • Übernahme anderer Unternehmen
  • Ausweitung der Marktposition
  • Investitionen verschiedener Art
  • Schuldentilgung wie Kreditabbau
  • Expansion ins Ausland

Oftmals stellt der Börsengang eine Ergänzung zu anderen Finanzierungsvarianten dar, wie zum Beispiel zur Aufnahme eines Bankkredites. Alternativen können unter anderem die Ausgabe von Anleihen sein, wenn aus verschiedenen Gründen keine Aktien an die Börse gebracht werden sollen.

Die Vor- und Nachteile von IPOs

Vorteile
  • Aktiengesellschaft verschafft sich frisches Kapital
  • Anleger:innen können eventuell Zeichnungsgewinne erzielen
  • Flexibel Finanzierung durch Eigenkapital an der Börse
  • Bekanntmachen bzw. bekannter werden des Unternehmens
Nachteile
  • Zwar Kapitalbeschaffung der AG, aber Mitbestimmungsrechte der Aktionäre
  • Oftmals vergleichsweise hohe Kosten für den Börsengang
  • Kapitalerlös kann geringer als kalkuliert ausfallen

Die Vorteile eines IPO

Bei den Vorteilen einer Emission von Aktien muss zwischen denen der Aktiengesellschaft und denen der Anleger:innen unterschieden werden. Für die AG ist ein IPO von Vorteil, weil dadurch frisches Kapital eingesammelt werden kann. Anleger:innen können davon profitieren, dass sie Zeichnungsgewinne erzielen, weil der Emissionspreis geringer als der erste Börsenkurs ist. Ferner profitieren Unternehmen durch den Börsengang oft von einem höheren Bekanntheitsgrad und gewinnen dadurch sogar neue Kund:innen.

Die Nachteile eines IPO

Für die Aktiengesellschaft hat der Börsengang den möglichen Nachteil, dass die Kapitalbeschaffung nur unter hohen Kosten und des späteren Mitbestimmungsrechtes der Aktionär:innen durchgeführt werden kann. Ferner kann es passieren, dass weniger als die kalkulierte Kapitalsumme eingenommen wird. Aktionär:innen haben nach einem IPO eventuell den Nachteil, dass die Börsenkurse niedriger als der Emissionspreis sind und daher Verluste entstehen.

Fazit zum IPO

Der Börsengang ist für zahlreiche Aktiengesellschaften ein probates Mittel, um sich neues Kapital zu beschaffen. Die gesamte Abwicklung wird normalerweise von den Konsortialbanken übernommen. Günstig ist ein Börsengang allerdings nicht. Auf der anderen Seite profitieren Anleger:innen unter Umständen von Zeichnungsgewinnen und einer später eventuell kontinuierlichen Rendite in Form einer Dividendenzahlung.

Häufige Fragen und unsere Antworten zum Thema IPO

Wie erfahre ich von einem geplanten Börsengang?

Ein geplanter Börsengang wird heutzutage von der Aktiengesellschaft meistens auf zahlreichen Wegen bekannt gegeben. Gute Informationsquellen sind zum Beispiel die Börsenzeitung, Wirtschaftszeitungen, die Webseite des Unternehmens, spezielle Internetportale zum Thema Finanzen & Börse sowie sonstige Medien.

Was kostet die AG ein Börsengang?

Hier gibt es natürlich keine pauschalen Zahlen, da es zum Beispiel vom Emissionsvolumen und auch von der Anzahl der Konsortialbanken abhängt, welche Kosten ein Börsengang verursacht. Allerdings ist der Gang an die Börse häufig sogar teurer als die Aufnahme von Krediten, weshalb in der Regel nur mittelgroße und große Aktiengesellschaft ein IPO durchführen lassen.

Wie viele Aktien bekomme ich nach der Zeichnung?

Vor dem eigentlichen Börsenhandel hast du die Gelegenheit, die entsprechenden Aktien zu zeichnen, also faktisch vorzubestellen. Grundsätzlich kannst du so viele Aktien wie du möchtest bestellen. Allerdings ist in keiner Weise gewährleistet, dass du die geforderte Stückzahl auch tatsächlich erhältst. Übersteigt die Nachfrage nämlich das Angebot an Aktien, findet eine Zuteilung statt. Es kann sein, dass du zum Beispiel nur die Hälfte der Aktien bekommst oder ganz leer ausgehst, je nachdem, welches Zuteilungsverfahren genutzt wird.

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Oliver Schoch

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Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.