Aktiengesellschaft

interessante Unternehmensform für Anleger:innen

oliverschoch
| Anzahl Artikel: 91
Letzte Überarbeitung am 29. August 2022
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Bei der Aktiengesellschaft handelt es sich um eine in Deutschland häufig genutzte Unternehmensform. Die meisten Menschen kennen die sogenannte AG aufgrund der Aktien, die an der Börse gehandelt werden können. Aus Sicht der Anleger:innen sind Aktiengesellschaften somit äußerst interessant, aber auch dem Unternehmen selbst bietet diese Gesellschaftsform Vorteile.

In unserem Beitrag erfährst du zunächst, worum es sich bei einer Aktiengesellschaft handelt und wie diese funktioniert. Ferner gehen wir auf die Organe der AG ein, wie eine Aktiengesellschaft gegründet wird, worin die Unterschiede zur GmbH bestehen und welche Vor- sowie Nachteile eine solche Gesellschaftsform beinhaltet.

Das Wichtigste im Überblick

  • Bei der Aktiengesellschaft handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft, die in Deutschland häufig als Unternehmensform am Markt auftritt
  • Die Aktiengesellschaft gibt Anteile aus, sogenannte Aktien, die interessierte Anleger:innen erwerben können
  • Alle Aktionär:innen haben ein Mitspracherecht und sind an der Aktiengesellschaft mit einem bestimmten Anteil beteiligt und somit Miteigentümer:innen
  • Eine AG besteht immer aus drei Organen, nämlich dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und der Hauptversammlung

Was ist eine Aktiengesellschaft?

Die Aktiengesellschaft fällt als Unternehmen in den Bereich der Kapitalgesellschaften. Die Gesellschafter:innen solche Aktiengesellschaften werden in dem Zusammenhang als Aktionär:innen bezeichnet. Dabei steht den Aktionär:innen ein Mitbestimmungsrecht zu, sodass in gewisser Weise Einfluss auf die Entscheidungen der AG genommen werden kann. Die Aktiengesellschaft zählt zu den Rechtsformen, die in den Bereich der eigenständigen, juristischen Personen fallen. Es handelt sich demzufolge um eine rechtlich unabhängige und eigenständige Gesellschaftsform, die sowohl bestimmte Rechte als auch Pflichten hat.

Der wesentliche Gegenstand einer AG besteht darin, ein Unternehmen zu betreiben und Gewinne zu generieren. In aller Regel sind es größere Unternehmen, die sich für diese Art der Gesellschaft entscheiden. Zahlreiche Pflichten, denen die Aktiengesellschaft unterliegt, sind unter anderem im Aktiengesetz, kurz AktG, festgehalten. Kennzeichnend für die AG ist ferner, dass die Haftung der Anteilseigner:innen und somit Miteigentümer:innen ausschließlich auf das Grundkapital der Gesellschaft begrenzt ist. Dieses Grundkapital wiederum ist in zahlreiche Aktien – mit oder ohne Nennwert – aufgeteilt.

So funktioniert eine Aktiengesellschaft

Um die Funktionsweise einer Aktiengesellschaft zu verstehen, muss man sich etwas mehr mit deren Organen beschäftigen. Jede AG als Rechtsform besteht aus den folgenden drei Organen:

  • Hauptversammlung
  • Vorstand
  • Aufsichtsrat

Hauptversammlungen werden seitens der Aktiengesellschaft in der Regel einmal jährlich abgehalten. Dort haben sämtliche, vertretene Aktionär:innen die Möglichkeit, ihr Stimmrecht auszuüben. Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der/die Aktionär:in auch an der entsprechenden Hauptversammlung teilnimmt. Darüber hinaus ist es ebenfalls möglich, zu bestimmten Anlässen eine außerordentliche Hauptversammlung auszurichten. In aller Regel werden auf der Hauptversammlung eher strategische und grundsätzliche Entscheidungen getroffen. Das operative Geschäft ist daher weniger im Zentrum der Veranstaltung.

Das zweite Organen einer jeden AG ist der Vorstand. Die Aufgabe des Vorstandes besteht in erster Linie darin, das operative Geschäft der AG zu führen. Wichtig für die Funktionsweise der Aktiengesellschaft ist in dem Zusammenhang, dass der Vorstand unabhängig von den zwei anderen Organen tätig ist. Zudem ist es die Aufgabe des Vorstands, die Kapitalgesellschaft nach außen hin zu vertreten.

Ein drittes Organ der Aktiengesellschaft ist der Aufsichtsrat. Dieser wird häufig als Kontrollorgan bezeichnet, denn es ist die Aufgabe des Aufsichtsrates, die Gesellschaft und in dem Zusammenhang auch den Vorstand zu überwachen. So ist der Aufsichtsrat beispielsweise mit der Prüfung des Jahresabschlusses beauftragt. Darüber hinaus ist es generell die Aufgabe des Aufsichtsrats, die Einhaltung von Regeln und Pflichten zu überwachen. Die drei Organe einer AG arbeiten voneinander unabhängig, was unter anderem anhand durch das Aktiengesetz so vorgeschrieben ist. In der entsprechenden Satzung der AG ist dies ebenfalls noch einmal ausdrücklich festgehalten.

Zur Funktionsweise einer Aktiengesellschaft gehört darüber hinaus ebenfalls, dass diese Gesellschaften klaren Regeln folgen müssen. Eine Pflicht besteht zum Beispiel darin, einen Jahresabschluss zu erstellen und diesen zu veröffentlichen. Zum Jahresabschluss müssen zwingend die folgenden Bestandteile gehören:

  • Bilanz
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Anhang

Darüber hinaus funktioniert eine Kapitalgesellschaft wie die AG nur unter der Voraussetzung, dass bestimmte Vorgänge sowie Veränderungen im Handelsregister nachvollziehbar sind.

Gründung einer Aktiengesellschaft

Die Gründung von Kapitalgesellschaften wie der AG setzt einige Vorschriften, Gesetze und Regeln voraus, die zwingend beachtet werden müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass ein Grundkapital von mindestens 50.000 Euro vorhanden sein muss, welches dann zum Gesellschaftsvermögen zählt. Der Sinn des Grundkapitals besteht darin, dass anhand dieses Vermögens zu erkennen ist, dass eine Haftung des Unternehmens mit Eigenkapital in der Praxis realisiert werden kann, falls dies erforderlich ist. Zwingend vorausgesetzt wird für eine rechtsgültige Gründung der AG und der anschließenden Aufnahme der Geschäftstätigkeit, dass in den entsprechenden Handelsregistern ein Eintrag vorgenommen wird. Anhand des Handelsregisters können später berechtigte Interessenten Informationen über die Aktiengesellschaft erhalten. Die Gründung einer AG läuft in aller Regel nach dem folgenden Schema ab:

  1. Erstellen der Satzung
  2. Notarielle Beurkundung der Satzung
  3. Gründer übernehmen die Anteile (Aktien) im Rahmen des Gesellschaftsvermögens
  4. Aufsichtsrat und Vorstand werden bestellt
  5. Prüfungsbericht erstellen
  6. Prüfung des Prüfungsberichtes
  7. Hinterlegung der Einlagen
  8. Eintragung der AG ins Handelsregister

Das offizielle Bestehen einer AG ist dann vollzogen, nachdem die Eintragung in das Handelsregister vorgenommen wurde. Dort sind neben der Stammeinlage auch die entsprechenden Namen der Gesellschafter:innen genannt.

Unterschiede zur GmbH

Neben der Aktiengesellschaft gibt es in Deutschland noch weitere Kapitalgesellschaften, die Unternehmer ebenfalls häufiger als Gesellschaftsform wählen. Im Schnitt noch öfter als die AG wird hierzulande die GmbH gewählt, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Deshalb stellen sich Gründer zu Beginn durchaus die Frage, ob sie sich lieber für eine AG oder eine GmbH entscheiden. Um die richtige Wahl treffen zu können, sollten insbesondere die Unterschiede zwischen diesen zwei Gesellschaftsformen bekannt sein. Differenzieren lassen sich GmbH und Aktiengesellschaft insbesondere im Hinblick auf die folgenden Kategorien:

  • Stammkapital
  • Gründungsaufwand
  • Haftung
  • Organe
  • Übertragbarkeit der Anteile

Einen ersten Unterschied zwischen AG und GmbH gibt es im Hinblick auf das Stammkapital. Dieses muss bei der GmbH mindestens 25.000 Euro betragen, bei der AG hingegen sind als Minimum 50.000 Euro gefordert. Auch beim Gründungsaufwand unterschieden sich die zwei Kapitalgesellschaften, denn die Gründung einer Aktiengesellschaft ist einerseits deutlich kostenintensiver und zum anderen auch aufwändiger. Das ist vor allem auf das Aktiengesetz zurückzuführen, denn im Vergleich zum GmbH-Gesetz gibt es deutlich mehr Auflagen.

Weitere Unterschiede gibt es auch im Hinblick auf die Haftung bei den beiden Gesellschaftsformen. Bei der Aktiengesellschaft ist es so, dass sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat unter gewissen Voraussetzungen für ihre Entscheidungen haften müssen, falls zum Beispiel eine der obliegenden Sorgfaltspflichten verletzt worden ist. Die Haftung beschränkt sich allerdings auf den Gegenwert der Aktien, welche die Gesellschafter besitzen. Geschäftsführer einer GmbH hingegen sind bei Pflichtverletzungen auch darüber hinaus haftbar zu machen.

Von der Konstruktion her unterscheiden sich AG und GmbH dadurch, dass es unterschiedliche Organe gibt. Bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung handelt es sich dabei zum einen um die Geschäftsführung und zum anderen um die Gesellschafterversammlung. Demgegenüber gibt es bei der AG drei Organe, nämlich den Aufsichtsrat, den Vorstand sowie die Hauptversammlung.

Eine persönliche Haftung der Gesellschafter bzw. Anteilseigner gibt es sowohl bei der AG als auch bei der GmbH nur dann, wenn Fehlverhalten vorliegt. Sollte die Kapitalgesellschaft beispielsweise insolvent werden, kann ausschließlich das Gesellschaftsvermögen angegriffen werden, nicht jedoch eventuell persönliches Vermögen der jeweiligen Anteilseigner:innen.

Vor- und Nachteile von Aktiengesellschaften

Wie zuvor bereits erwähnt, stellen sich zahlreiche Gründer zu Beginn die Frage, ob sie sich für eine AG, eine GmbH oder noch eine andere Gesellschaftsform entscheiden sollen. Daher möchten wir im Folgenden einige Vor- und Nachteile einer Aktiengesellschaft nennen, und zwar jeweils aus Sicht des Unternehmers.

Vorteile
  • Haftung ist auf den Aktienwert begrenzt
  • Aktien können als Anteile einfach und problemlos übertragen werden
  • Aktiengesellschaft besitzt eigene Rechtsfähigkeit
  • Guter Ruf der AG als Gesellschaftsform
  • Finanzielle Flexibilität und Unabhängigkeit durch die Emission von Aktien an der Börse
Nachteile
  • Hoher Kosten- und Arbeitsaufwand bei der Gründung
  • Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden
  • Relativ hohes Grundkapital von mindestens 50.000 Euro
  • Bilanzierungspflicht nach HGB
Hinweis

In der Praxis entscheiden sich meistens größere Unternehmen für die Gesellschaftsform der AG. Besonders mittelständische und erst recht kleinere Firmen sollten sich sehr gut überlegen, ob sie sich für eine Aktiengesellschaft entscheiden, da Gründungs-, Verwaltungs- und Kostenaufwand relativ hoch sind.

Fazit zur Aktiengesellschaft

Die Aktiengesellschaft ist in Deutschland und auch weltweit eine gängige Form für Unternehmen. Hierzulande entscheiden sich meistens mittelgroße und vor allem große Firmen für diese Gesellschaftsform. Für Anleger:innen ist die AG deshalb interessant, weil durch den Erwerb der Aktien öfter gute Renditen erwirtschaftet werden können.

Häufige Fragen und unsere Antworten zur Aktiengesellschaft

Ist eine Aktiengesellschaft eine natürliche oder juristische Person?

Die Aktiengesellschaft kann zwar von einer natürlichen Person gegründet werden, die Gesellschaft als solche ist jedoch immer eine eigenständige, juristische Person.

Wer kann eine Aktiengesellschaft gründen?

Grundsätzlich kann jeder ab Erreichen der Volljährigkeit eine Aktiengesellschaft gründen. Voraussetzung zur Gründung einer Aktiengesellschaft ist lediglich, dass die entsprechenden Formalien erfüllt werden können, beispielsweise Stammkapital in Höhe von mindestens 50.000 Euro eingezahlt wird.

Wie viele Menschen sind für die Gründung einer Aktiengesellschaft notwendig?

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung benötigt es nicht mehrere Menschen, um eine Aktiengesellschaft zu gründen. Stattdessen reicht bereits eine natürliche Person zur Gründung einer Aktiengesellschaft aus, sodass es unter anderem auch sogenannte Ein-Personen-AGs gibt. Aber auch eine Kapitalgesellschaft kann eine Aktiengesellschaft gründen.

Wann ist eine Aktiengesellschaft sinnvoll?

Sinnvoll ist die Wahl der Aktiengesellschaft insbesondere für größere Betriebe, denn dann kommen die erwähnten Vorteile am besten zum Tragen. Eine Aktiengesellschaft zu gründen ist zum Beispiel sinnvoll, wenn die Anteilsinhaber:innen dauerhaft Einfluss auf die Firma haben möchten und eine gute Möglichkeit bestehen soll, von externer Seite aus Kapital einzusammeln. Zudem gibt es bei der Aktiengesellschaft im Schnitt das größte Wachstumspotenzial, weil zum Beispiel über die Platzierung der Anteile an der Börse umfangreiches, frisches Kapital eingesammelt werden kann.

Wie wird eine Aktiengesellschaft aufgelöst?

Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Aktiengesellschaft aufgelöst werden muss oder soll, beispielsweise bei Insolvenz oder Auslauf der im Vorfeld definierten Zeitspanne. Die sogenannte Liquidation findet seitens der Vorstandsmitglieder der Aktiengesellschaft statt, die zu Liquidator:innen werden. Die wesentliche Aufgabe besteht bei der Auflösungsabwicklung darin, laufende Geschäfte zu beenden und noch offene Forderungen einzuziehen. Zudem müssen die vorhandenen Vermögenswerte in liquide Mittel verwandelt werden.

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Oliver Schoch

Veröffentlicht von

Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.