Hermann Josef Abs

Erfolgreicher Banker und Vorstand der Deutschen Bank

Feda Mecan Veröffentlicht am: 10. Juni 2022 Letztes Update: 10. Juni 2022 Lesezeit: 5 Minuten
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Hermann Josef Abs war einer der erfolgreichsten Banker Deutschlands und eine Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft. Allerdings war sein Aufstieg auch von dunklen Kapiteln geprägt. Vor allem sein Zutun bei der Enteignung der Juden durch das NS-Regime gehörte dazu. Nach dem Krieg war er maßgeblich am Aufbau von Deutschland beteiligt und macht als Mäzen von sich Reden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hermann Josef Abs wurde als Sohn eines Rechtsanwalts geboren und wollte nach einer Banklehre ebenfalls ein Studium der Rechtswissenschaften absolvieren. Aus finanziellen Gründen scheiterte das Vorhaben jedoch.
  • Im Zweiten Weltkrieg war Abs als Vorstand der Deutschen Bank an der Arisierung von jüdischen Unternehmen und Banken beteiligt.
  • Nach Kriegsende unterstützte er den Wiederaufbau Deutschlands und wurde in den 1960er-Jahren zu einem der erfolgreichsten Banker des Landes.

Wer war Hermann Josef Abs?

Hermann Josef Abs wurde als Sohn von Josef Abs geboren. Sein Vater war, wie auch bereits sein Großvater, Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied der Braunkohlen-Gesellschaft Hubertus, Aufsichtsvorsitzender der Erft AG sowie Mitglied des Aufsichtsrates der Braunkohlen- und Brikettwerke Roddergrube. Hermann Josef Abs wuchs in einer gläubigen Familie, die dem katholischen Glauben angehörte. Nach seinem Abitur begann er eine Banklehre bei der Privatbank Louis David, die er erfolgreich abschloss. Im Anschluss begann er an der Universität Bonn ein Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, welches er aus finanziellen Gründen jedoch bereits nach dem ersten Semester wieder aufgeben musste.

Von 1921 bis 1923 war Hermann Josef Abs bei verschiedenen Banken in England, Amsterdam, Lateinamerika und den USA als Devisenhändler tätig. 1928 heiratete er Inez Schnitzler, mit der er zwei gemeinsame Kinder hatte. Nach der Heirat verbrachte das Paar einige Monate in Frankreich, Spanien und den Niederlanden. 1928 ging Hermann Josef Abs zum Privatbankhaus Delbrück Schickler & Co in Berlin. Nach dem Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze trat Abs 1935 die Nachfolge eines jüdischen Teilhabers an und wurde zum Juniorpartner. Zwei Jahre danach wechselte er zur Deutschen Bank und wurde 1938 in den Vorstand berufen. In dieser Position war Hermann Josef Abs für die Arisierung jüdischer Banken und Unternehmen verantwortlich.

Da er über umfassende Fremdsprachenkenntnisse verfügte, übernahm er zudem die Auslandsgeschäfte und Industriefinanzierungen. In diesem Zusammenhang schloss er mit neutralen Staaten Kriegskredite für Deutschland ab. Nach dem Anschluss von Österreich an Deutschland verhandelte Hermann Josef Abs gemeinsam mit Walter Pohle, einem ehemaligen Mitarbeiter des Reichswirtschaftsministerium, die Übernahme der größten österreichischen Bank, der Creditanstalt. Der Geschäftsführer der Creditanstalt, Louis Nathaniel von Rothschild, wurde daraufhin von der SS verhaftet und die jüdischen Mitarbeiter der Bank entlassen. Im Besitz des NS-Regimes pflegte die Creditanstalt zahlreiche Geschäftsbeziehungen mit Konzentrationslagern und war bei der Arisierung der Sascha-Filmindustrie beteiligt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Hermann Josef Abs auf Anweisung der Alliierten verhaftet und musste für drei Monate ins Gefängnis. Im Anschluss war er als Finanzberater der britischen Besatzer tätig und wurde im Entnazifizierungsverfahren als entlastet eingestuft. Als Vorstandsvorsitzender der Kreditanstalt für Wiederaufbau war er von 1948 bis 1952 am Aufbau der BRD beteiligt. Zudem war Hermann Josef Abs als Finanzberater von Bundeskanzler Konrad Adenauer tätig. 1952 kehrte er zur Deutschen Bank zurück und wurde fünf Jahre später Sprecher des Vorstands. Im Jahr 1967 wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats und übte diese Position bis 1976 aus. Aufgrund seiner zahlreichen Aufsichtsratsmandate wurde Abs in den 1960er-Jahren zu einer Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft.

Steckbrief

Vollständiger NameHerrmann Josef Abs
Geburtsdatum15. Oktober 1901
Geburtsort/-landBonn, Deutschland
Todesdatum5. Februar 1994
SterbeortBad Soden
BerufBanker und Berater
VermögenKeine Angaben

Besonderheiten

Herrmann Joses Abs war für sein Mäzenatentum und für seine Großzügigkeit bekannt. So übernahm er etwa die Kosten für die Renovierungsarbeiten der Kapelle auf dem Friedhof Oedingen. Im Jahr 1987 unterstützte er zudem das Beethoven-Haus in Bonn mit 1 Million DM. Gemeinsam mit Helmut Schmidt, Gerd Bucerius und Michael Otto gründete er im Jahr 1993 die Deutsche Nationalstiftung.

Zitate von Hermann Josef Abs

Von Hermann Josef Abs sind einige Zitate bekannt. Zu den bekanntesten Aussagen zählen die folgenden:
„Gewinn ist notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinn zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen.“
„Wer im Rolls-Royce durch Frankfurt fährt, kriegt von mir keinen Pfennig Kredit.“
„Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung.“
„Ich habe mich in Voraussagen über Währungsrelationen noch nie geirrt. Einfach deshalb, weil ich keine abgegeben habe.“
„Die Finanzminister und die Bankiers haben eins gemeinsam. Sie leben von anderer Leute Geld. Die Bankiers haben nur die unangenehme Aufgabe, es wieder zurückzuzahlen.“

Bücher über Hermann Josef Abs

Das Leben von Hermann Josef Abs wird in verschiedenen Büchern behandelt. Dazu gehört auch das folgende Werk:

Lothar Gall – Der Bankier Hermann Josef Abs

Kritik an Hermann Josef Abs

Hermann Josef Abs war während des Zweiten Weltkriegs ab 1937 Mitglied im Aufsichtsrat der Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG. I.G. Farben baute in der Nähe des Vernichtungslager Auschwitz ein Bunawerk und setzte dafür Zwangsarbeiter ein. Für den Bau der Fabrik wurde das Außenlager Monowitz errichtet. Beim Bau und Betrieb des Bunawerks verloren 25.000 Häftlinge ihr Leben. Durch seine Position im Aufsichtsrat ist bis heute unklar, inwieweit Abs Kenntnisse über das Vernichtungslager und die Zwangsarbeit bei I.G. Farben hatte. Auch in anderen Bereichen ist seine Beteiligung bis heute nicht eindeutig zu klären. Während der NS-Zeit bezog die Deutsche Bank Goldbestände von der Reichsbank, bei denen es sich um umgeschmolzenes Gold der jüdischen Häftlinge aus den Vernichtungslagern handelte. Bis heute ist unklar, ob Hermann Josef Abs wusste, woher das Gold stammte.

Weiterführende Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Josef_Abs
https://www.rbb-online.de/zurperson/interview_archiv/abs_hermann_josef.html

Feda Mecan

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Ursprünglich komme ich aus dem reinen Marketing, aber mein Interesse an Finanzthemen führte mich zu diesem Hobby, der OnlineBanken.com