Bankauskunft – Informationen über andere Kund:innen

oliverschoch
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Letzte Überarbeitung am 27. Juli 2022
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Im Bankbereich ist die Bankauskunft alltäglich, insbesondere, wenn es um Geschäftskunden und Geschäftskundinnen geht. Die Banken müssen diesbezüglich allerdings einige Vorgaben beachten, denn sie können nicht einfach ohne Zustimmung über alle Kund:innen einfach gegenüber Dritten eine entsprechende Auskunft erteilen.

In unserem Beitrag erfährst du zunächst, was eine Bankauskunft ist. Ferner gehen wir auf die Grundlage der Bankauskünfte ein und erläutern, wie die Anfrage und Erteilung von Bankauskünften abläuft. Darüber hinaus erfährst du, was eigentlich in einer Bankauskunft steht, ob sie nicht gegen das Bankgeheimnis verstößt und wir beantworten einige häufige Fragen zum Thema.

Das Wichtigste im Überblick

  • Durch die Bankauskunft erhalten die Anfragenden interessante Informationen über Kund:innen
  • Innerhalb der Bankauskünfte gibt es lediglich allgemeine Aussagen und es werden keinesfalls Kontostände genannt
  • Privatkund:innen müssen bei einer Bankauskunft ihr Einverständnis geben, mit nur wenigen Ausnahmen
  • Ohne Zustimmung der Kund:innen dürfen ausschließlich öffentliche Stellen, wie zum Beispiel die Strafverfolgungsbehörden, eine Bankauskunft erhalten

Worum handelt es sich bei der Bankauskunft?

Bei einer Bankauskunft handelt es sich um eine standardisierte und sehr allgemein gehaltene Information seitens eines Kreditinstitutes. Inhalt der Auskunft sind insbesondere die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kund:innen, auf welche die Anfrage abzielt. Üblich sind solche Bankauskünfte nicht im Privatkundenbereich, sondern es geht in erster Linie vom Geschäftskund:innen. Darüber hinaus können Bankauskünfte allerdings auch relevant sein, wenn sie von öffentlichen Stellen angefragt werden, wie zum Beispiel dem Finanzamt oder den Strafverfolgungsbehörden.

Die Grundlagen der Bankauskunft

Auskünfte wie die Bankauskunft brauchen in aller Regel (rechtliche) Grundlagen. Bankauskünfte basieren in dem Zusammenhang auf den „Grundsätzen zur Durchführung des Bankauskunftsverfahrens zwischen Kreditinstituten“. Innerhalb dieser Grundsätze sind in erster Linie die folgenden Punkte festgelegt:

  • Bankauskünfte sind allgemein zu halten
  • Betroffene Kund:innen, über welche die Auskunft gegeben wird, müssen eine Abschrift bekommen
  • Anfrage zur Bankauskunft muss schriftlich erfolgen und ist zu begründen
  • Verweigern Kund:innen ihr Einverständnis zum Erteilen einer Bankauskunft, muss dies den Anfragenden wertneutral kommuniziert werden

So laufen Bankauskünfte in der Praxis ab

Bei Bankauskünften handelt es sich um standardisierte Verfahren einer Bank, sodass mit Beginn der Anfragen bis zum jeweiligen Erteilen der Auskünfte fast immer das gleiche Schema abgerufen wird. Im ersten Schritt müssen die Auskunftsberechtigten der jeweiligen Bank mitteilen, dass sie gerne zum Beispiel zu einer Geschäftskundin eine Auskunft haben möchte. Das kontoführende Kreditinstitut prüft dann, ob eine Erlaubnis zum Erteilen der Auskunft vorliegt.

Ist das der Fall, wird die gewünschte Bankauskunft erstellt. Diese darf keinesfalls Kontostände beinhalten, sondern in solchen Auskünfte dürfen lediglich allgemeine Angaben gemacht werden. Ist die Bankauskunft erstellt, kann die Auskunftserteilung erfolgen, indem sie an die Anfragenden weitergeleitet wird. Betroffen Kund:innen erhalten zudem eine Abschrift. Somit gestaltet sich der Ablauf einer Bankauskunft wie folgt:

  • Anfrage stellen
  • Kreditinstitut prüft Berechtigung für die Auskunft
  • Bankauskunft erstellen
  • Zustellung an den/die Anfragenden
  • Abschrift an betroffene Kund:innen
Hinweis

Üblich sind Bankauskünfte insbesondere im Hinblick auf Geschäftskund:innen. Als Privatperson darf dein Kreditinstitut keinesfalls gegenüber Dritten ohne deine Zustimmung Auskünfte erteilen. Ausnahmen gelten für die Kreditinstitute nur dann, wenn zum Beispiel bestimmte Behörden eine Anfrage stellen.

Das sind die Inhalte einer Bankauskunft

Wie wir in unserem Beitrag bereits erwähnt haben, ist das kontoführende Kreditinstitut dazu verpflichtet, innerhalb der Bankauskünfte nur allgemeine Angaben zu machen. Diese sollen in erster Linie darauf abzielen, die Kreditwürdigkeit und somit die Bonität der Betroffenen beurteilen zu können. Empfänger:innen der Bankauskunft sollen also möglichst einschätzen können, ob die angefragte Person oder das Unternehmen kreditwürdig sind und damit voraussichtlich eine ausreichende Zahlungsfähigkeit besitzen.

Da das Weitergeben von Kontoständen nicht erlaubt ist, sind es in erster Linie die folgenden, allgemeinen Angaben, die innerhalb einer Bankauskunft seitens des Kreditinstituts gemacht werden:

  • Geschäftsbeziehung
  • Kontoführung
  • Kreditzahlungen
  • Grundbesitz
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Einschätzung im Hinblick auf eine angefragte Darlehenshöhe

Angaben zur Geschäftsverbindung können zum Beispiel darin bestehen, seit wie vielen Jahren die Kund:innen eine Geschäftsverbindung mit dem Kreditinstitut haben. Bei der positiven Aussage kann die Bank zum Beispiel darlegen, ob das Konto bisher den Absprachen gemäß geführt würde für oder nicht, also ob zum Beispiel im Rahmen der Vereinbarung keine Kontoüberziehung stattgefunden hat.

Bankauskunft vs. Bankgeheimnis

Ein durchaus nicht unkritisches Thema im Zusammenhang mit Bankauskünften sind mögliche Verstöße gegen das Bankgeheimnis. Dieses hat in Deutschland einen hohen Stellenwert, denn zwischen Kreditinstituten und Kund:innen muss ein bestimmtes Vertrauensverhältnis bestehen. Dies wiederum beinhaltet die Einhaltung des Bankgeheimnisses, dass nämlich Dritten nicht einfach Informationen über die Kund:innen gegeben werden. Aufgrund dieser Tatsache wirst vielleicht auch du zunächst denken, dass es aufgrund des Bankgeheimnisses gar keine Bankauskunft geben dürfte.

Dass es in der Praxis trotzdem Bankauskünfte gibt und diese auch nicht gegen das Bankgeheimnis verstoßen, hat insbesondere zwei Gründe. Zum einen werden die Auskünfte sehr allgemein gehalten, indem zum Beispiel weder ein Kontostand genannt wird noch eine konkrete Aussage dazu gemacht wird, ob der/die Angefragte zum Beispiel in der Vergangenheit Schulden nicht ordnungsgemäß zurückgezahlt hat. Darüber hinaus dürfen Bankauskünfte über Privatkund:innen nur unter der Voraussetzung erteilt werden, dass diese vorher zugestimmt haben. Somit verzichten die Kund:innen faktisch freiwillig auf die Einhaltung des Bankgeheimnisses. Ein Verstoß gegen das Bankgeheimnis würde seitens des Kreditinstituts also nur dann vorliegen, wenn die Auskunftserteilung nicht berechtigt gewesen ist, weil zum Beispiel gegenteilige Weisungen vorgelegen haben.

Fazit zur Bankauskunft

Insbesondere im Geschäftskundenbereich ist die Bankauskunft ein durchaus übliches Mittel. Potentielle Geschäftspartner:innen möchten sich zum Beispiel vorab darüber erkundigen, wie sie die vielleicht baldigen Partner:innen im Hinblick auf deren Kreditwürdigkeit einschätzen können. Im Bereich der Privatkund:innen sind solche Auskünfte allerdings eher unüblich und setzen die Zustimmung der betroffenen Kund:innen voraus. Einzige Ausnahme ist, dass zum Beispiel von öffentlicher Seite aus eine Auskunft angefordert wird, insbesondere seitens des Finanzamtes oder auch der Strafverfolgungsbehörden.

Häufige Fragen und unsere Antworten zur Bankauskunft

Müssen Kontoinhaber:innen ihre Zustimmung zum Einholen einer Bankauskunft erteilen?

Über Privatpersonen dürfen Banken nicht ohne deren Einverständnis eine Bankauskunft erteilen. Die Kontoinhaber:innen müssen also zustimmen, es sei denn, dass zum Beispiel die Strafverfolgungsbehörden eine Auskunft einfordern. Bei juristischen Personen oder Kaufleuten, die im Handelsregister eingetragen sind, verhält es sich etwas anders. Dort muss nicht die ausdrückliche Zustimmung der Kontoinhaber:innen eingeholt werden. Widersprechen diese allerdings einer Auskunft, darf die Bank auch keine Bankauskunft erteilen.

Welche Informationen stehen in der Bankauskunft?

In der Bankauskunft werden allgemeine Informationen gegeben. Diese beziehen sich zum Beispiel auf die Geschäftsverbindung, die Kontoführung und Kreditzahlungen. Ferner erhalten Anfragenden innerhalb der Bankauskunft Infos zur Zuverlässigkeit gegenüber Zahlungspflichtigen und einem eventuellen Grundbesitz.

Wann findet die Erteilung einer Bankauskunft statt?

Bankauskünfte werden ausschließlich unter der Voraussetzung erteilt, dass die jeweils Anfragenden ein sogenanntes berechtigtes Interesse besitzen. Dies müssen sie gegenüber dem Kreditinstitut glaubhaft darlegen können. Zudem darf die Auskunft nur gegeben werden, falls keine gegenteilige Weisung der entsprechenden Kund:innen vorliegt.

Wer bezahlt die Kosten für eine Bankauskunft?

In der Regel müssen die jeweils Anfragenden die Kosten für die Bankauskunft tragen. Mehrere Gerichte haben in dem Zusammenhang entschieden, dass zum Beispiel ein Entgelt von bis zu 25 Euro pro Bankauskunft problemlos eingefordert werden kann.

Wann muss die Bank eine Bankauskunft geben?

Verpflichtet zu Abgabe einer Bankauskunft sind Kreditinstitute unter bestimmten Voraussetzungen. Dies trifft zum Beispiel dann zu, wenn es sich um juristische Personen oder im Handelsregister eingetragene Kaufleute handelt, die der Auskunftserteilung nicht ausdrücklich widersprochen haben. Stammt die Anfrage von Behörden, insbesondere von den Strafverfolgungsbehörden, müssen die Kreditinstitute in aller Regel ebenfalls – Zweifelsfall auch gegen den Willen der Kund:innen – eine Auskunft erteilen.

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Oliver Schoch

Veröffentlicht von

Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.