Was ist Turtle Trading?

oliverschoch
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Letzte Überarbeitung am 4. September 2022
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Am Markt gibt es heutzutage unzählige Strategien, mit denen Trader versuchen, kurz- bis langfristig Gewinne zu erzielen. Zu den ältesten und noch heute bekanntesten Systemen zählt das sogenannte Turtle Trading. Dieses bildet die Grundlage für diverse Handelsstrategien, die heute noch an den Märkten eingesetzt werden.

In unserem Beitrag erfährst du, was man unter Turtle Trading versteht. Ferner gehen wir darauf ein, wie die Turtle Trading Strategien funktionieren, welche Erkenntnisse das Turtle Trading liefert und in welchen Bereichen diese Methode zum Einsatz kommen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Strategie aufgrund des Turtle Tradings hat ihren Ursprung in den 80er-Jahren und wurde von Richard Dennis und Wiliam Eckhardt entwickelt
  • Vereinfacht dargestellt wird mit dem Turtle Trading vorgegeben, wann eine Position eröffnet, geschlossen und wie viel Geld investiert wird
  • Die Kernaussage besteht beim Turtle Trading darin, dass im Grunde alle Trader:innen erfolgreich an den Märkten handeln können, wenn sie sich an bestimmte Regeln halten

Was ist das Turtle Trading?

Um das Turtle Trading bestmöglich zu verstehen, solltest du dich zumindest für grundlegend mit dessen Historie beschäftigen. Der Name Turtle Trading kommt übrigens deshalb zustande, weil deren Erfinder die Auffassung vertraten, dass an den Märkten erfolgreiche Trader:innen genauso leicht „gezüchtet“ werden könnten, wie es bei Schildkröten der Fall ist. Schildkröte heißt ins Englische übersetzt bekanntlich Turtle.

Die Erfinder des Turtle Trading waren auf der einen Seite Wiliam Eckhardt und auf der anderen Seite Richard Dennis, der seinerseits an der New Yorker Börse, der Wall Street, ein allseits bekannter Händler gewesen ist. In dem Zusammenhang wird noch heute davon gesprochen, dass er im Jahre 1987 Gewinne an der Wall Street von rund 80 Millionen Dollar auf Grundlage der Turtle Trading Strategien erzielen konnte.

Die Kernaussage auf Grundlage des Turtle Tradings besteht darin, dass im Grunde jede:r Trader:in lernen könnte, durch das Befolgen bestimmter Regeln und beim Halten an die vorgegebene Strategie sehr gute Gewinne innerhalb eines Jahres oder auch innerhalb eines kürzeren Zeitraums erzielen zu können. Es wäre dementsprechend möglich, im Prinzip aus fast allen Händler:innen erfolgreiche Trader:innen zu machen.

Dies konnten Eckharft und Dennis auch durch eine Art Trading-Akademie untermauern. Die entsprechenden „Lehrlinge“ waren zur damaligen Zeit anschließend tatsächlich oft sehr an erfolgreich am Markt tätig und konnten teilweise über Jahre hinweg einen guten Gewinn mit Aktien oder anderen Basiswerten erzielen.

Die Turtle Trading Strategien

Es sind im Grunde drei Grundaussagen, die durch die Turtle Trading Strategien getroffen werden und an die sich Händler:innen bei ihren entsprechenden Trades unbedingt halten sollten, nämlich:

  • Optimaler Kaufzeitpunkt
  • Guter Zeitpunkt zum Schließen einer Position
  • Kapitaleinsatz pro Trade

Das gesamte Turtle Trading System kann in der Praxis auf der Grundlage zweier Strategien umgesetzt werden, die jedoch beide im Idealfall zu durchaus höheren Gewinnen führen sollen. Ein grundlegender Unterschied zwischen den zwei unterschiedlichen Turtle Trading Strategien besteht darin, dass sich die Haltedauer der entsprechenden Positionen abweichend voneinander gestaltet. Gemeinsam haben allerdings beide Strategien, dass in Trendrichtung des Marktes agiert wird. Auf dieser Grundlage sind übrigens heutzutage vielfach eingesetzte Trendfolge-Systeme entstanden.

Trotzdem die Turtle Trading Strategien insbesondere in den 80er- und 90er-Jahren äußerst erfolgreich waren, können sie heute nicht mehr 1:1 in dem Umfang umgesetzt werden. Grund dafür sind einige Veränderungen an den Börsen, denn die Märkte haben sich auch mit entsprechenden Systemen in den letzten 20 bis 30 Jahren zum Teil deutlich gewandelt. Vor allem die folgenden Faktoren führen dazu, dass die ursprünglichen Turtle Trading Strategien heutzutage nicht mehr sehr häufig zum Einsatz kommen, nämlich:

  • Globalisierung
  • Internet
  • Spekulationen
  • Unvorhergesehene Ereignisse und dadurch unkalkulierbare Reaktionen der Märkte

Das trendfolgende Programm beim Turtle Trading wird allerdings noch heute durch zahlreiche andere und teilweise verfeinerten Strategien am Markt umgesetzt. Einstiegssignale zum Beispiel wurden auf Grundlage des Turtle Tradings entweder beim Ausbruch aus einem 20- oder 55-Tage-Hoch generiert. Gleiches gilt für ein eventuelles Tief innerhalb des selben Zeitraums, was als sogenannter Donchian-Kanal bezeichnet wurde.

Erfolgreich war das Turtle Trading vor allem deshalb, weil es bestimmte Regeln im Hinblick auf die richtigen Positionsgrößen gab, die wiederum auf der Volatilität der Aktie oder der anderen, zu handelnden Basiswerte abzielten. Der Preis bzw. Kurs ist demzufolge die wohl wichtigste Grundlage, damit Anleger:innen ein erfolgreicher Handel auf Basis des Turtle Trading Systems gelingt. Die wesentlichen Regeln, welche die Grundlage für die Turtle Trading Strategien darstellen, sind:

  • Richtige Positionsgröße
  • Absicherung durch Stopp-Kurse
  • Ausstieg aus einer Position
  • Zu handelnde Basiswerte

Die Turtle Trading Strategien beziehen sich sowohl auf das Long- als auch auf das Short-Trading. In beiden Fällen können zwei unterschiedliche Strategien angewendet werden, die sich danach unterscheiden, innerhalb welches Zeitraums eventuelle Trends bestehen müssen. Somit ist die Vorgabe auf Grundlage des Turtle Tradings bei den zwei Strategien im Bereich desn Long-Trading zum Beispiel wie folgt:

  • Strategie 1: Kauf eines neuen 20 Tage-Hochs, während der Verkauf bei einem neu entstandenen 10 Tage-Tiefs stattfindet
  • Strategie 2: Hier erfolgt der Kauf eines neuen 55 Tage-Hochs, während ein Verkauf beim 20 Tage-Tief durchgeführt wird

Der Unterschied in den Strategien (auch bei den Short-Trades) besteht also darin, dass bei der sogenannten Turtle Long 55 Strategie das nach 55 Tagen zu erkennende Hoch gehandelt wird, während bei der Strategie Turtle Long 20 bereits auf Grundlage eines neuen 20 Tage-Hochs eine Aktion stattfindet.

Hinweis

Es gibt nicht die eine Turtle Trading Strategie, sondern heutzutage leiten sich eine Reihe von Handelsstrategien aus der ursprünglichen Variante ab. Wenn du einem Trend folgen möchtest, sind viele heutige Strategien jedoch dem Turtle Trading sehr ähnlich.

Welche Ergebnisse liefert Turtle Trading?

Wie bereits erwähnt, basiert das Turtle Trading auf Trends, die sich nicht nur an einem Tag im Hinblick auf den Kurs der Aktie zeigen, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg existieren. Wer sich an die Regeln hält, dem liefert das Turtle Trading im Wesentlichen die folgenden drei Ergebnisse:

  • Wann ist ein optimaler Einstiegszeitpunkt (Kauf)?
  • Wann sollte die Position geschlossen werden (Verkauf)?
  • Wie viel Kapital sollte je Trade eingesetzt werden?

Erfolge ließen sich in der Vergangenheit mit dem Turtle Trading sehr häufig erzielen, sodass Gewinne und dementsprechend positive Ergebnisse innerhalb eines Jahres im zweistelligen, auch im höheren zweistelligen Prozentbereich, keine Seltenheit gewesen sind.

Funktionsweise des Turtle Trading

Die Funktionsweise des Turtle Tradings basiert auf dem sogenannten Positionstrading. Das bedeutet, dass es in erster Linie auf Grundlage der Strategien und der entsprechenden Handelssignale darum geht, den optimalen Einstiegs- und Verkaufszeitpunkt für eine Position zu identifizieren. Handelt es sich um steigende Märkte, wird der Kauf auf der Grundlage des Turtle Tradings in aller Regel bei einem 20- oder 55-Tagehoch durchgeführt, wobei die Zyklen allerdings prinzipiell auch freier wählbar innerhalb eines Zeitraums sind. Das wiederum ist auf die Annahme zurückzuführen, dass sich Aktienmärkte innerhalb bestimmter Trends bewegen.

Die Funktion beinhaltet allerdings auch, dass sich Händler:innen zunächst einige Fragen stellen müssen, bevor sie am Markt mit den entsprechenden Orders aktiv werden. Nur dann kann das Turtle Trading wie angedacht funktionieren. So sollten beispielsweise anhand folgender Fragen wichtige Informationen gesammelt werden:

  • Existiert ein Trend?
  • Falls ja: In welche Richtung geht er?
  • Wie lange gibt es den Trend bereits?
  • Daten zum Trend über einen festgelegten Zeitraum sammeln
  • Risikomanagement durchführen
  • Wie gut lassen sich Daten analysieren?
  • Wo sollen die Stops gesetzt werden?
  • Wie sieht die richtige Positionsgröße aus?

Einsatz des Turtle Tradings

Eingesetzt wird das Turtle Trading immer dann, wenn es Anzeichen gibt, dass Ausbrüche aus einem vorhandenen Trend erfolgen könnten. Dabei ist es eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Systems, dass sämtliche Positionen auch eröffnet werden, die auf Grundlage der Strategie aussichtsreich erscheinen. Der Grund besteht darin, dass sich im Vorfeld nie voraussagen lässt, welche Ausbrüche letztendlich tatsächlich stattfinden werden. Deshalb wird das Turtle Trading auch heute noch insbesondere von solchen Trader:innen eingesetzt, die grundsätzlich einem Trend folgen, dann jedoch darauf abzielen, von Ausbrüchen zu profitieren.

Eine weitere Voraussetzung für den Einsatz der Turtle Trading Strategien besteht darin, dass Anleger:innen und Trader:innen dazu bereit sind, die Märkte aktiv zu verfolgen und dementsprechend schnell und auch relativ häufig zu handeln. Grundsätzlich ist das Turtle Trading auch für Anfänger:innen geeignet, denn es ist stets wahrscheinlicher, dass ein Trend als Grundlage zunächst weiterläuft als dass es eine Wende gibt. Wenn du zudem einen Handelshorizont von mindestens 20 bis 55 Tagen hast, kann das Turtle Trading ebenfalls sehr gut zum Einsatz kommen. Es steht also insbesondere das kurzfristige Handeln im Fokus und weniger die langfristige Geldanlage. Solltest du also eher eine längerfristige Kapitalanlage in Aktien planen, ist das Turtle Trading vermutlich weniger die passende Strategie dafür.

Fazit zum Turtle Trading

Das Turtle Trading ist heutzutage legendär, kommt jedoch in der Praxis in seiner Ursprungsform deutlich seltener als noch vor 20 bis 30 Jahren zum Einsatz. Allerdings gibt es heutzutage eine Reihe von Handelsstrategien, die ihre Grundlage auf dem originären Turtle Trading haben. Alle ähnlichen Systeme basieren wie beim Turtle Trading darauf, dass einem Trend gefolgt wird, dann allerdings bei Ausbrüchen ein aktives Handeln erfolgt.

Häufige Fragen und unsere Antworten zum Turtle Trading

Welche Ergebnisse liefert die Turtle Trading Strategie?

Wenn du die Turtle Trading Strategien nutzt, gelangst du zu den Ergebnissen, dass du im Idealfall die optimalen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte erkennst. Ferner lieferte die Strategie das Ergebnis, welche Positionsgröße optimal ist.

Was ist Turtle Trading?

Turtle Trading steht noch heute als Synonym für die Annahme, dass im Grunde jeder Trader erfolgreich sein kann, wenn er sich an bestimmte Regeln hält. Beim Turtle Trading folgst du einem Trend und wartest darauf, dass sich möglichst eindeutige Kauf – oder Verkaufssignale zeigen, wenn nämlich ein Ausbruch aus dem Trend bevorsteht.

Welche Handelsstrategie verfolgt der/die Turtle Trader:in?

Sowohl beim Long- als auch beim Short-Trading gibt es im Rahmen des Turtle Tradings jeweils zwei Handelsstrategien. Diese unterscheiden sich allerdings nur danach, ob man zur Beurteilung des Trends die 20- oder 55-Tage-Linie zurate zieht. Darüber hinaus fällt das Turtle Trading eindeutig in den Bereich der Trendfolgesysteme.

Funktioniert die Turtle Trading Strategie noch?

Bis zum heutigen Tag zählt Turtle Trading zu den bekanntesten Handelssystemen überhaupt und hat eine äußerst interessante Historie. Praktisch gesehen stellt die Turtle Trading Strategie bis heute die Basis für zahlreiche andere Strategien in der Sparte Trendfolgesysteme dar, die heute am Markt verwendet werden. Die ursprüngliche Turtle Trading Strategien würden allerdings aufgrund mehrerer Veränderungen an den Märkten heute nicht mehr im Verhältnis 1:1 funktionieren. Die Grundregeln aus Marktanalysen und Risikomanagement existieren allerdings bis heute noch.

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Oliver Schoch

Veröffentlicht von

Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.