Was ist eine Rezession?

thomasbaer
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Letzte Überarbeitung am 29. Oktober 2022
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Wegen der stark ansteigenden Energiepreise wird von Expert:innen der Institute IfW und IWH für 2023 ein leichtes Minus beim Wirtschaftswachstum und ein deutlicher Verlust an Kaufkraft der privaten Haushalte hierzulande prognostiziert. Der Internationale Währungsfonds sieht deutliche Anzeichen für eine globale Rezession. In unserem Ratgeber erläutern wir, was eine Rezession ist, welche Folgen sie mit sich bringt und wie du dich darauf vorbereiten kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weltweit vermehren sich die Anzeichen für eine Rezession. Damit ist ein Rückgang der Wirtschaftskraft eines Landes über 2 Quartale hinweg gemeint.
  • Ursachen und Auslöser für eine Rezession gibt es eine ganze Reihe. Negative Auswirkungen auf die Konjunktur 2022 in Europa und den USA sind der Krieg in der Ukraine und die Lieferkettenstörungen. Stark steigende Inflationsraten sind wesentliche Rezessionstreiber.
  • Eine Rezession kann von kurzer Dauer sein und dennoch schwerwiegende auch längerfristige Folgen haben. Unternehmenspleiten, Einkommensverluste und der Wegfall von Arbeitsplätzen sind mögliche Auswirkungen.
  • Regierungen und Notenbanken versuchen mit der Gestaltung ihrer Fiskal- und Geldpolitik, die Auswirkungen einer Rezession zu begrenzen.
  • Auf eine Rezession können sich Unternehmen und Verbraucher:innen vorbereiten. Wer vor der Krise Vorsorge betreibt und spart, wird mit einer Rezession besser zurechtkommen.

Was versteht man unter einer Rezession?

Eine Rezession wird häufig unterschiedlich definiert. Für Journalist:innen tritt eine Rezession oft dann auf, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes in 2 aufeinanderfolgenden Quartalen einen Rückgang aufweist.

Ökonom:innen sehen eine Rezession als wirtschaftliche Korrektur, beginnend auf dem Höhepunkt einer Konjunktur und endend am Tiefpunkt des folgenden Abschwungs. Die Rezession ist Teil des Konjunkturzyklus, der die weiteren Phasen Expansion, Hochkonjunktur und Depression umfasst.

Messbar wird die Rezession u. a. am BIP, am Realeinkommen, an der Verbraucher:innennachfrage, der Beschäftigungsquote sowie anhand der Groß- und Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion.

Hinweis

Bei einer Rezession handelt es sich um einen signifikanten Einbruch bei der Wirtschaftsleistung bzw. wirtschaftlichen Aktivität. Dies wirkt sich auf die gesamte Wirtschaft aus. Der Tiefpunkt einer Rezession ist frühestens nach ein paar Monaten erreicht. Durch Produktionsrückgang, Wegfall von Arbeitsplätzen und Einkommensverlust kann eine Rezession zu einer verstärkenden Abwärtsspirale bzw. zum Teufelskreis werden.

Beispiel Rezession

In Deutschland gab es seit Ende der 1960er-Jahre mehrere Rezessionen:

  • erste Ölkrise (1973 / 1974)
  • zweite Ölkrise (1979 / 1980)
  • Überhitzung der Wirtschaft durch Wiedervereinigungsboom (1993)
  • Platzen der Dotcom-Blase (2000)
  • Finanzkrise (2008 / 2009)
  • Corona-Pandemie (2020)

Arten von Rezessionen

In der Volkswirtschaftslehre werden mehrere Arten von Rezessionen benannt, wobei es verschiedene Herangehensweisen gibt. Unterschieden wird zwischen der Rezession im eigentlichen Sinn und der technischen Rezession.

  • Die Rezession im eigentlichen Sinn meint den Abschwung nach einem wirtschaftlichen Boom bzw. dem Ende der Hochkonjunktur.
  • Von einer technischen Rezession bezogen auf das Wirtschaftswachstum wird ausgegangen, wenn die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft in 2 aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.
  • Die technische Rezession bezogen auf die Wirtschaftsauslastung definieren deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute, indem sie Produktionspotenzial und Wirtschaftsleistung gegenüberstellen. Eine Wirtschaft in der Krise schöpft ihr Produktionspotenzial nicht aus.

Merkmale: Daran erkennt man eine Rezession

In der volkswirtschaftlichen Forschung werden unterschiedlichste Diagramme verwendet, anhand derer jeweilige Wirtschaftszyklen ausgemacht werden und die Informationen über das Entstehen von Rezessionen sowie deren Dauer und Schwere liefern.

Es gibt einige Kennzeichen, die verdeutlichen, wenn die Volkswirtschaft den Höhepunkt der Konjunktur erreicht hat und sich im Abschwung befindet. Dies sind unter anderem:

  • sinkende Nachfrage
  • zu hohe Lagerbestände
  • verstärkte Entlassungen
  • Abbau von Überstunden und beginnende Kurzarbeit
  • Rückgang oder Ausbleiben von Investitionen
  • Stilllegung von Produktionsanlagen
  • Stagnation oder Sinken von Preisen, Arbeitnehmer:innen-Einkünften & Zinsen
  • stagnierende und fallende Aktienmärkte

Ursachen für eine Rezession

Rezessionen kommen häufiger vor, auch wenn die letzten Jahre von einem Wirtschaftswachstum gekennzeichnet waren. Seit 1960 haben die G7-Staaten 45 Rezessionen erlebt (Quelle: Capital Economics). Im Jahr 2022 wird die Konjunktur durch den Ukraine-Krieg, Lieferengpässe und hohe Energiepreise erheblich belastet. Es droht eine Rezession.

Als wahrscheinliche Auslöser einer Rezession gelten einige dabei zu beobachtende Ereignisse:

  • Die Zentralbanken begegnen einer steigenden Inflation mit Zinserhöhungen, in deren Folge die Wirtschaftsleistung einbricht.
  • Plötzlich stark steigende Öl- und Gaspreise, die zu hoher Inflation und Kaufkraftverlust führen.
  • Im Zuge einer schnellen Aufwertung der heimischen Währung brechen die Exporte ein.
  • Platzen von Immobilienblasen, wobei um fünf Prozent fallende Preise der Auslöser einer Rezession sein können.
  • Leichtfertige Kreditvergabe durch Banken löst Überschuldung bei Unternehmen und Privatpersonen aus.
  • Durch Handelseinschränkungen bricht die Auslandsnachfrage stark ein.
Hinweis

Es gibt nicht den Auslöser oder die eine Ursache für all diese Rezessionen. Unter Volkswirtschaftler:innen und Forscher:innen gibt es eine Vielzahl von Meinungen und Theorien, was die wesentlichen Auslöser betrifft. Sicher ist, dass wir im Falle einer Rezession heutzutage auf vieles würden verzichten müssen.

Was ist der Unterschied zwischen Rezession und Depression?

Ein unter Ökonom:innen beliebter Witz könnte den Unterschied zwischen Rezession und Depression nicht einfacher darstellen:

„Wenn dein Bekannter seinen Arbeitsplatz verliert, handelt es sich um eine Rezession. Verlierst du deinen Job, ist das eine Depression.“

Die Depression gilt allgemein als eine verschärfte Variante der Rezession. Das reale Bruttoinlandsprodukt wächst nicht ständig – es gibt auch Phasen, in denen es zurückgeht. Bei milderem Auftreten spricht man dann von Rezession und bei schwerwiegenderem Verlauf von Depression.

Der bekannteste globale Abschwung der Weltwirtschaft im letzten Jahrtausend war die Große Depression von 1929, die erst ein knappes Jahrzehnt später gänzlich überstanden war.

So groß ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland

Die letzte größere Rezession nach einer 10-jährigen Wachstumsphase traf Deutschland 2020 im Zuge der Corona-Pandemie. Die folgende wirtschaftliche Erholung 2021 war nicht stark genug, um die Wirtschaftsleistung auf Vorkrisenniveau zu erreichen.

Nach Meinung von Expert:innen führender deutscher Wirtschaftsinstitute wie dem Kiel Institut für Weltwirtschaft (KIW) steht Deutschland unmittelbar vor einer Rezession und Rekordinflation. Die Anzeichnen sind starke Preiserhöhungen bei Energie und Lebensmitteln. Die deutsche Export-Import-Bilanz ist erstmals seit 14 Jahren negativ und die Inflation so hoch wie seit 50 Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2023 voraussichtlich bei minus 0,7 Prozent liegen. Nach einer Inflationsrate von 8 Prozent im laufenden Jahr soll die Teuerungsrate im kommenden Jahr auf 8,7 Prozent steigen. Ein Grund dafür wird darin gesehen, dass die hohen Energiepreise auf Verbraucher:innenseite erst mit dem Jahr 2023 richtig durchschlagen werden. Verbraucher:innen drohen im Zuge der Endabrechnungen ihrer Energieversorger und / oder Vermieter:innen hohe Nachzahlungsforderungen. Das Geld, das für Strom und Heizung gezahlt wird, fehlt für den Konsum. Der private Konsum könnte um mindestens 4 Prozent zurückgehen.

Was hat Inflation mit einer Rezession zu tun?

Die Inflation oder Inflationsrate beschreibt durchschnittliche Preisveränderungen eines bestimmten Warenkorbs bzw. den Wertverlust von Geld über einen bestimmten Zeitraum. Eine Inflationsrate von 2 Prozent bedeutet, dass das Geld 2 Prozent an Kaufkraft verliert. Um bei Geldanlagen nicht zu verlieren, müssten die Sparzinsen mindestens der Höhe der Inflationsrate entsprechen, inklusive etwaiger Kosten für das Sparinstrument.

Einige Verbraucher:innen werden die Inflation stärker wahrnehmen als andere, da sie unterschiedliche persönliche Bedarfe haben und im Alltag mehr oder weniger teure Produkte konsumieren. Außerdem werden nicht alle Produkte aus dem Warenkorb zur Bestimmung der Inflationsrate gleich teurer.

Hohe Inflationsrate wird zum Problem

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich auf ein Inflationsziel von rund 2 Prozent festgelegt. Eine gering höhere Inflation um diesen Bereich stellt für Volkswirtschaftler:innen ebenso kein Problem dar. Problematisch wird die Inflationsrate dann, wenn sie wie in Deutschland Ende 2022 bei 8 Prozent liegt. Bleibt die Inflation über einen längeren Zeitraum hoch, kann das die Rezession anheizen.

Der hohe Kaufkraftverlust lässt den privaten Konsum einbrechen. Für Unternehmen erhöhen sich die Produktionskosten. Preiserhöhungen von Produkten sind nicht endlos realisierbar. Es kommt zu Überproduktion, Kurzarbeit oder Betriebsschließungen. Eine stark erhöhte Inflation kann ein Indiz für eine nahende Rezession sein.

Hinweis

Darüber, wie die hohe Inflation bekämpft werden soll, herrscht unter Notenbanker:innen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen keine Einigkeit. Die einen wollen ihr mit steigenden Zinsen begegnen, andere wiederum haben nichts dagegen, wenn Notenbanken weiteres Geld drucken.

Folgen einer Rezession

Eine Rezession kann wie im Corona-Jahr 2020 von relativ kurzer Dauer sein. Die Folgen sind häufig über einen längeren Zeitraum zu spüren:

  • Einige Unternehmen stellen Insolvenzanträge, Arbeitsplätze gehen verloren.
  • Hypotheken und Schulden werden für Verbraucher:innen zum Problem. Ohne geeignete Lösungen wie Ratenaufschub oder Umschuldung droht vielen der Verlust ihrer Häuser.
  • Immobilienpreise fallen und an den Börsen sinken die Kurse von Aktien, Fonds und anderen Wertpapieren.
  • Der Verlust an Kaufkraft geht zulasten des Konsums. Dem Staat gehen erhoffte Steuereinnahmen verloren.

Unternehmen: Einbrechende Unternehmensgewinne während einer Rezession zwingen Unternehmen noch stärker als sonst zur Kostenoptimierung. Das schließt Einsparungen beim Personal, bei Forschung und Entwicklung und die Rückstellung von Investitionen ein. Größere oder vor der Rezession gut aufgestellte Unternehmen stellen Mitarbeiter:innen zeitweilig frei (Kurzarbeit) oder entlassen sie auf der Basis eines Sozialplans. Einige Firmen können sich eine Zeit lang auf dem vorherigen Wachstum ausruhen.

Immobilien: Mögliche Auswirkungen einer Rezession sind fallende Immobilienpreise. Ein Grund kann ein Überangebot durch zu einfache Kreditvergaben sein. Vor allem Immobilien, die während der Hochpreisphase gekauft wurden, verlieren stark an Wert. Eine Anpassung der Finanzierung (sprich höhere Zinsen) kann die Folge sein.

Börsen: Börsenkurse fallen mit Beginn einer Rezession häufig rasant und stark. Kursverluste bei Aktien und Fonds von bis zu 50 Prozent sind keineswegs selten. Anleger:innen schichten in Anleihen mit besserer Bonität um, was für zusätzlichen Abwärtsdruck sorgt.

Hinweis

Die möglichen Auswirkungen einer Rezession sind zunächst negativ. Auf längere Sicht können Unternehmen die Rezession jedoch für eine Neuaufstellung mit mehr Effizienz und den Aufbau eines krisenfesteren Geschäfts nutzen. Die Preise von Immobilien könnten zu einem fairen Preisniveau zurückkehren. Börsencrahs bieten Langfristanleger:innen die Chance für einen Einstieg oder Nachkauf.

Auswirkungen einer Rezession auf Verbraucher:innen

Rezessionen haben gesamtgesellschaftliche Auswirkungen. Nicht nur Unternehmen sind betroffen, sondern auch Einzelpersonen und Familien werden mit unterschiedlichen Auswirkungen konfrontiert.

  • Größere Auswirkungen für Verbraucher:innen ergeben sich bei Jobverlust und durch steigende Preise.
  • In Zeiten von Rezessionen haben es jüngere Erwachsene schwer, einen Job zu finden. Häufig gehören sie zu den zuerst Entlassenen.
  • Für Student:innen werden Schulden aus Studierendendarlehen nach Abschluss des Studiums zu einer großen Herausforderung.

Neben den mit einer Rezession verbundenen materiellen Problemen sollten auch die gesundheitlichen Auswirkungen auf Betroffene nicht vergessen werden. Jobverlust und eine folgende längere Arbeitslosigkeit mit finanziellen Problemen und Zukunftsängsten können krank machen. Laufende Finanzierungen für Haus, Auto oder andere zu bedienende Kredite werden schnell zum Albtraum.

Hinweis

Von Rezessionen sind nicht alle Verbraucher:innen in gleicher Weise betroffen. Beschäftigte in krisensicheren Unternehmen und im öffentlichen Dienst haben auch während eines Abschwungs wenig zu leiden. Beispiele für rezessionsfeste Unternehmen sind Wasser- und Energieversorger, Franchise-Betriebe, Autowerkstätten und Pharmaunternehmen. Es gibt zahlreiche Waren und Dienstleistungen, die für Verbraucher:innen zu allen Zeiten bereitgestellt werden müssen.

Wie kann ich mich auf eine Rezession vorbereiten?

Das Leben ist wie die Börse keine Einbahnstraße. Es geht auf und ab. Was in der Wirtschaft aufwärts geht, muss auch wieder abwärts gehen. Auch wenn viele Verbraucher:innen während eines längeren Wirtschaftsaufschwungs die Crashgefahr ausblenden, werden sie über kurz oder lang von einer Rezession betroffen sein.

Erhöhe deine Ersparnisse: Wenn du in besseren Zeiten sparst, kannst du in schlechteren Zeiten davon profitieren. Würdest du morgen deinen Job verlieren, hättest du Ersparnisse, um laufende Kosten wie bisher über einen bestimmten Zeitraum bestreiten zu können. Expert:innen empfehlen Rücklagen in Höhe von 3 bis 6 Monatsausgaben. Ersparnisse können verhindern, dass du Kreditkarten voll ausschöpfen, Geld von Freunden leihen oder Wertsachen verkaufen musst.

Abzahlen von Schulden: Einen verantwortungsvollen Umgang vorausgesetzt, sind Schulden an sich nichts Schlechtes. Finanzierungen ermöglichen die Anschaffung von Eigentum, zum Beispiel einen Autokauf. Zinsgünstige und teilweise zinslose Finanzierungen von Konsumartikeln sind von Vorteil. In Zeiten einer Rezession kommt der Schuldentilgung besondere Bedeutung zu, denn sie senkt die monatlichen Zinskosten und sorgt für mehr freie Einnahmen. Die Refinanzierung eines Immobiliendarlehens mit niedrigem Zinssatz bietet Sparpotenzial. Die Nutzung von Kreditkarten mit hohem Zinssatz solltest du nach Möglichkeit ganz vermeiden.

Konsumverhalten optimieren: Ein optimiertes Konsumverhalten setzt voraus, dass du dir die Frage stellst, was du wirklich brauchst und haben möchtest. Unüberlegt vorgenommene Einkäufe verursachen unnötige Ausgaben. Dein Budget solltest du regelmäßig bezüglich Einnahmen und Ausgaben überprüfen. Wenn es gelingt, mit weniger auszukommen, verringern sich die Auswirkungen einer Rezession auf das Leben.

Karriere & Qualifikation: Um während einer Rezession Lohnkosten einzusparen, nutzen Unternehmen neue Technologien und Automatisierung. Wer in einem derart ersetzbaren Job beschäftigt ist, sollte eine Qualifizierung anstreben und sich unersetzbar oder anderweitig einsetzbar machen. Ein Zweit- oder Nebenjob kann bei Jobverlust oder Lohneinbußen zum finanziellen Überleben beitragen.

Diversifizierung im Anlageportfolio: In einer Rezession verlieren Aktien stark an Wert. Aktienvermögen in einer Größenordnung von Billionen Euro löst sich auf. Einige Wertpapiere sind stärker vom Wertverlust betroffen als andere. Daher ist es für ein Portfolio sinnvoll, es zum Schutz deines Vermögens zu diversifizieren bzw. aufzuteilen. Kommt man der Rente näher, sollten Aktien in eine größere Position Anleihen zur Depotabsicherung umgeschichtet werden.

Tipp

Während einer Rezession solltest du nicht darauf verzichten, in Aktien zu investieren. Bei einem Marktcrash von 20 bis 30 Prozent sind neben gehypten Werten ebenso umsatzstarke und gewinnträchtige Unternehmen betroffen, deren Aktien dann günstig erhältlich sind. Sie werden auf lange Sicht ihre Kurshöchststände wieder erreichen und übertreffen.

Fazit: Rezession als Teil des natürlichen Wirtschaftszyklus

Nach Jahren eines wirtschaftlichen Aufschwungs sorgte die Corona-Pandemie 2020 für eine Rezession. Deren Folgen sind noch nicht komplett überwunden, da droht 2023 bereits die nächste globale Rezession. Als Auslöser gelten hohe Energie- und Rohstoffpreise infolge des Ukraine-Kriegs und Lieferkettenstörungen.

Rezessionen sind innerhalb eines Wirtschaftszyklus nicht ungewöhnlich. Sie sind unvermeidlich, aber zeitlich begrenzt. Zum Ende der Hochkonjunktur erfolgt eine Marktkorrektur, die mit Erreichen des Tiefpunktes eines Abschwungs endet.

Das Erkennen der Anzeichen einer Rezession und das Wissen um die Folgen einer Rezession dienen der Vorbereitung auf das Unvermeidliche. Bei entsprechender Vorsorge bist du einer Rezession nicht völlig ausgeliefert. Dein Depotportfolio solltest du ausreichend breit streuen und einen Großteil deiner Aktien und Fonds bereits Jahre vor dem Erreichen deines Rentenalters in sichere Wertpapiere umschichten.

FAQ: Fragen und Antworten zum Thema Rezession

Was passiert in einer Rezession?

In einer Rezession fällt das BIP unter die Nullprozentmarke. Es kommt zum Abbau von Beschäftigung und zu einem Konsumeinbruch. Häufig senken Zentral- und Notenbanken die Leitzinssätze, da sie mit niedrigeren Zinsen die Wirtschaft zu unterstützen gedenken. Die Staatsverschuldung erhöht sich, weil Steuereinnahmen ausfallen und staatliche Ausgaben steigen.

Was charakterisiert die Rezession im Konjunkturzyklus?

Gewinne und Investitionen sinken. Kapazitätsauslastung, Preisniveau, Zinsen und Lohnabschlüsse fallen niedrig aus. Es sinken Nachfrage und Beschäftigung. Die Sparraten sind hoch.

Wann gab es die letzte Rezession?

Die letzte Rezession in Deutschland fand 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie statt. Beendet wurde der Abschwung nur wenige Monate später. Trotz der kurzen Dauer waren die Auswirkungen der Rezession erheblich und hielten noch im Jahr 2022 an.

Was ist der Unterschied zwischen Rezession und Inflation?

Rezession ist Teil des Konjunkturzyklus und gekennzeichnet von einem Abschwung der Wirtschaftsleistung eines Landes. Die Inflation bzw. Inflationsrate ist das Maß für den allgemeinen Preisanstieg eines bestimmten Warenkorbs eines Landes über einen bestimmten Zeitraum.

Wie groß ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland und in der Welt?

Die Gefahr einer Rezession in Deutschland und Europa sowie in den USA ist aufgrund der hohen Rohstoff- und Energiepreise in Kombination mit einer sehr hohen Inflationsrate real. Die vollständigen Auswirkungen werden Unternehmen und Verbraucher:innen 2023 in vollem Umfang spüren.

Wie kann der Staat gegen eine Rezession vorgehen?

Einer Rezession kann der Staat mit Steuersenkungen für Unternehmen und Verbraucher:innen, Fördermitteln für Mittelstand und Start-ups, Investitionsprogrammen zur Stärkung der Infrastruktur sowie Klimaschutz begegnen. Mit kleinen Maßnahmen lässt sich ein wirtschaftlicher Niedergang allgemein nicht stoppen. Regierungen müssen viel Geld in die Hand nehmen, auch auf Kosten einer höheren Staatsverschuldung.

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Thomas Detlef Bär

Veröffentlicht von

Als studierter Ökonom habe ich mich jahrelang in erster Linie mit betriebswirtschaftlichen Problemen befasst. Seit mehr als zehn Jahren sehe ich meine Berufung darin, Wissen und Erfahrungen rund um private Finanzen aufzubereiten und in Ratgeberform zu vermitteln.