Negativzinsen – Verwahrentgelt

thomasbaer
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Letzte Überarbeitung am 11. August 2022
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Die meisten jungen Bankkund:innen kennen Guthabenzinsen beim Girokonto oder für Tagesgeldeinlagen häufig nur noch aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern. Immer mehr Banken verlangen ein Verwahrentgelt, wenn sie viel Geld auf dem Girokonto oder Tagesgeldkonto parken. Die kommende Zinswende könnte Negativzinsen oder „Strafzinsen“ ein Ende bereiten. Hier erfährst du, wie hoch die Negativzinsen und Freibeträge bei ausgewählten Kreditinstituten sind und wie sich Negativzinsen vermeiden lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Negativzinsen sind ein Phänomen, welches bis 2014 praktisch nicht existent war. Die europäische Zentralbank (EZB) ersetzte zu diesem Zeitpunkt erstmals Guthabenzinsen für Bankeinlagen durch Negativzinsen.
  • Kreditinstitute zahlen an die EZB Strafzinsen für die Verwahrung ihrer Geldeinlagen, anstelle Zinsen zu erhalten.
  • Negativzinsen, Verwahrentgelt, Strafzinsen oder Minuszinsen sind alles im gleichen Kontext gebrauchte Begriffe. Kreditinstitut bevorzugen das am wenigstens negative behaftete Verwahrentgelt.
  • Der Einlagensatz der EZB gibt den Rahmen für Negativzinssatz vor. Seit September 2019 steht dieser bei minus 0,5 Prozent pro Jahr.
  • Die Erhebung von Verwahrentgelten auf Bankguthaben ist laut einem Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom Januar 2022 (Az. 12 O 34/21 unzulässig. Bereits davor hatte das Landgericht Berlin (Az.: 16 O 43/21) Verwahrentgelte für Einlagen auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto als nicht zulässig erkannt. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Was sind Negativzinsen?

Bei Negativzinsen handelt es sich um Entgelte von Kreditinstituten, die auf die Einlagen berechnet werden. Fällig werden Entgelte in aller Regel ab einer gewissen Summe bzw. für hohe Guthaben auf Girokonten, Tagesgeldkonten, Verrechnungskonten und Depotkonten. Häufig anzutreffende Bezeichnungen im Zusammenhang mit Negativzinsen sind Verwahrentgelt, Minuszinsen oder Strafzinsen.

Während der Kund:in bei regulären Zinsen eine Vergütung auf das Ersparte oder Kontoguthaben erhält, verliert er bei Negativzinsen einen Teil davon durch ein Entgelt, welches die kontoführende Bank für die Verwahrung der Einlagen einbehält. Das Entgelt basiert auf einem bestimmten Zinssatz pro Jahr und wird für den Zeitraum der Einlagenverwahrung berechnet. Der aktuell am häufigsten eingesetzte Negativzinssatz liegt bei -0,50 Prozent.

Die Mehrzahl der deutschen Kreditinstitute berechnet das Verwahrentgelt bzw. Negativzinsen auf Einlagen ihrer Kund:innen, soweit diese eine bestimmte Summe übersteigen. Keine Negativzinsen fallen auf Einlagen, die einen eingeräumten Freibetrag nicht übersteigen.

2020/2021 konnten sechsstellige Beträgen ohne „Strafzinsen” von Privatkund:innen geparkt werden. Im Jahr 2022 kannst du je nach Bankinstitut und Sparkasse meist nur noch einen Freibetrag von 25.000 bis 50.000 Euro für eine entgeltfreie Einlagenverwahrung nutzen. Einige Geldinstitute haben höhere Freibeträge von bis zu 100.000 Euro. Andere erheben auf Tagesgeld oder wie Flatex auf Verrechnungskontoguthaben beim Depot bereits ab dem ersten Euro ein Verwahrentgelt.

Angenommen du hast bei deinem Kreditinstitut einen Freibetrag von 25.000 Euro und du hast dort 45.000 Euro geparkt. Für die 20.000 Euro, die den Freibetrag übersteigen, berechnet dir die Bank Negativzinsen von -0,5 Prozent pro Jahr. Das macht ein Jahresentgelt von 100 Euro.

Du zahlst Geld für dein Erspartes, während du früher dafür Guthabenzinsen kassieren konntest. Du verlierst doppelt, einmal an die Bank und einmal wegen der Inflation. Dein beim Kreditinstitut verwahrtes Geld verliert stetig an Wert. Minuszinsen starteten bei -0,1 Prozent und haben mittlerweile die Marke von -0,5 Prozent pro Jahr erreicht.

Hinweis

Mit Negativzinsen will dich die Bank oder Sparkasse davon abhalten, größere Geldbeträge auf einem Zahlungs- oder Sparkonto anzulegen. Dafür gibt es einen Grund: Banken legen gezwungenermaßen (Mindestreserve) oder zusätzlich freiwillig (freie Spareinlagen) Geld bei der EZB an. Auf diese Einlagen müssen sie selbst Negativzinsen bezahlen.

Darum gibt es überhaupt Negativzinsen

Viele Banken geben als Grund für negative Einlagenzinsen bzw. ein Verwahrentgelt für größere Kontoguthaben auf Girokonto, Tagesgeldkonto oder Referenzkonto beim Depot damit, dass sie die Folgen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht allein tragen können und an die Bankkund:innen weitergeben müssen.

Deponieren Kreditinstitute kurzfristig nicht benötigtes Geld bei der EZB, unterliegt dieses dem Einlagenzins der EZB, im offiziellen EZB-Sprachgebrauch Einlagefazilität genannt. Mit der Einlagefazilität wird der Zinssatz angegeben, zudem Banken Geld bei der Zentralbank für kurze Zeit anlegen bzw. deponieren können.

Bis 2014 war der Einlagenzins positiv. In diesem Jahr verhängte die EZB erstmals Strafzinsen. In den Jahren bis heute wurde die Einlagefazilität mehrmals geändert. Ursprünglich mit -0,1 Prozent gestartet, bewegen sich negative Einlagezinsen seit September 2019 bei -0,5 Prozent pro Jahr.

Infolge der Finanzkrise von 2007 kam es zu einer ersten Korrektur beim EZB-Einlagenzinssatz. Er rutschte von um die 3 Prozent auf unter 0,5 Prozent. Nachdem er 2012 nochmals die 0,5 Prozentmarke erreichte, fiel der EZB-Einlagenzinssatz kontinuierlich auf den aktuellen Wert von -0,5 Prozent.

Warum deponieren Kreditinstitute Geld bei der EZB?

Wie du als Verbraucher wollen Banken ihr Geld vermehren. Dazu legen sie es in Wertpapiere oder Immobilien. Eine weitere Möglichkeit ist die Vergabe von Krediten. Einen bestimmte Summe wird in Cash gehalten, sodass es jederzeit abrufbar ist.

Möchtest oder kannst du Mangels an Gelegenheiten Geld nicht investieren, parkst du es auf einem Bank- oder Sparkonto. Die Bank parkt bei geringer Kreditnachfrage oder fehlender Anlagealternative freie Kundeneinlagen auf einem Konto bei der EZB.

Kreditinstitute sind zum Halten einer sogenannten Mindestreserve verpflichtet. Das heißt, sie müssen seit 2012 ein Prozent der Kundeneinlagen jederzeit zugreifbar halten. Von 1999 bis 2012 betrug der Satz zwei Prozent.

Die auf einem EZB-Konto hinterlegte Mindestreserve würde beispielsweise dann benötigt, wenn viele Kund:innen zur gleichen Zeit an ihr Geld wollen oder kurzfristig einen Kredit beantragen.

Hinweis

Auf den Seiten der Bundesbank und der EZB wird regelmäßig über aktuelle Beschlüsse der EZB zur Einlagefazilität informiert. Laut Bundesbank haben Banken auf kurzfristigen EZB-Konten (inklusive der Mindestreserve) über 1,1 Billionen Euro eingelegt. Das ist praktisch eine Verdopplung des Kontobestands seit Anfang 2020. Für die EZB lohnt sich das, kassiert sie von den Banken Strafzinsen von mehr als 7,8 Milliarden Euro.

Könnten Banken negative Einlagezinsen umgehen?

Sicherlich gibt es einige Möglichkeiten für Banken, um Negativzinsen zu umgehen. Letztlich läuft alles darauf hinaus, Guthaben auf einem EZB-Konto zu reduzieren. Im Einzelnen könnten das sein:

  • Banken parken weniger Geld bei der EZB, indem sie nach geeigneten Anlagemöglichkeiten für überschüssiges Geld suchen und entsprechend anlegen.
  • Banken steigern die Nachfrage nach Krediten durch private Verbraucher:innen und in der Wirtschaft. Verbraucher:innen vermindern Kontoeinlage durch mehr Konsum, Kredite aufnehmen oder Anlegen in Wertpapiere. Die Vergabe hoher Firmenkredite beispielsweise zum Investieren in Innovationen würde Guthaben auf den EZB-Girokonten erheblich reduzieren.
  • Banken lagern Bargeld in eigenen Tresoren. Selbst verwaltetes bzw. verwahrtes Geld bleibt frei von negativen Einlagezinsen.

EZB-Politik: Negative Einlagenzinsen und Leitzins für Euro bei null

Als oberster Währungshüterin sichert die EZB mit verschiedenen Maßnahmen die Stabilität des Euro und des Bankensystems. Neben negativen Einlagenzinsen 2019 hält die EZB den Leitzins für Euro (Hauptrefinanzierungssatz) seit mehreren Jahren bei null.

Banken können bzw. müssen Geld bei der Zentralbank einlegen und sie können sich Geld von der EZB für die Geschäfte mit ihren Kund:innen oder zum Investieren leihen.

Negativzinsen und null Prozent Leitzins sollen Konjunktur in der Euro-Zone ankurbeln und die Inflation auf ein Mindestniveau von zwei Prozent bringen. Ende März 2022 bewegt sich die Inflationsrate bei über sieben Prozent (Dezember 2021: 5,2 Prozent). Dabei ist die gegenwärtige hohe Inflation nicht unmittelbares Ergebnis der EZB-Politik, sondern eine Folge der wirtschaftlichen Entwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und geopolitischer Ereignisse (Russland Krieg gegen Ukraine, Chinas Null-Covid-Politik, etc).

Werden Negativzinsen verschwinden und die Zinsen für Sparereinlagen wieder steigen?

Angesichts der hohen Inflation und der angekündigten Geldpolitik der US-Zentralbank FED stehen die Chancen nicht schlecht, dass Negativzinsen verschwinden und die Zinsen für Sparereinlagen wieder steigen. Die FED erwägt bereits Zinsschritte beim US-Leitzins im Bereich von 0,5 Prozent.

Äußerungen der EZB machen glauben, dass Zinsanhebungen erst im späten 2022 folgen könnten. Zunächst sollen die Anleiherückkäufe zurückgefahren werden.

Da ein baldiges Ende des Russland Krieges nicht wahrscheinlich ist, werden weitere Preissteigerungen auf die Verbraucher:innen zukommen und die Inflation hoch halten. Dies wird die EZB zu einem Zinsschritt in der Eurozone bewegen.

Sicher ist das keineswegs, denn die EZB fühlt sich der Euro-Rettung verpflichtet und wird notfalls auch künftig Staatsanleihen verschuldeter Euro-Länder aufkaufen. Ein Leitzins über null Prozent würde die Schuldenfinanzierung verteuern.

So kannst du Strafzinsen aus dem Weg gehen

Negativzinsen kann eine Bank nur dann berechnen, wenn Kund:innen der Verwahrentgeltvereinbarung zustimmen. Einseitige Vertragsänderungen sind gesetzlich nicht zulässig.

Einfacher haben es Kreditinstitute bei Neukund:innen. Hier wird im Rahmen der Kontoeröffnung die Zustimmung zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eingeholt. Im Preis- und Leistungsverzeichnis lassen sich aktuelle Verwahrentgelte und weitere Vertragskonditionen nachlesen.

Kund:innen einer Bank oder Sparkasse bzw. Bestandskund:innen werden durch das betreffende Geldinstitut individuell kontaktiert. Die Zustimmung zur Vereinbarung zum Verwahrentgelt kann per Online-Banking oder Formular auf der Internetseite oder auf dem Postweg erfolgen.

Wenn der Vereinbarung nicht zustimmst oder auf Zeit spielst, besteht die Gefahr, dass dir dein Geldinstitut das Konto kündigt. Wir möchten dir einige Vorschläge machen, wie du dir Negativzinsen ersparen kannst.

  • Guthaben umverteilen: Zu hohe Guthaben kannst splitten. Verteile das Geld auf mehrere Banken bzw. Konten. Ein kostenloses Girokonto verursacht keine zusätzlichen Gebühren. Achte auf nutzbare Freibeträge und weitere Bedingungen der jeweiligen Kreditinstitute. Bisher war es immer der Fall, dass eine Reduzierung beim Einlagenzins beispielsweise von -0,4 Prozent auf -0,5 Prozent, mehr Banken zur Erhebung von Verwahrentgelten bewegten. Einfach auf Konten deponiertes Geld bringt dir keinen Ertrag. Auch die Inflationsrate lässt sich damit nicht ausgleichen. Dein Geld wird immer weniger Wert.
  • Tagesgeld- und Festgeld mit Zinsen: Es besteht bei einigen europäischen Banken die Möglichkeit, Geld verzinst auf Tagesgeld- und Festgeldkonten anzulegen. Der Einlagenschutz beträgt bei EU-Instituten 100.000 Euro. Bei Festgeld sind Laufzeiten bis 4 Jahre möglich, wo du auch die höchsten Zinsen erhältst. Nutzen unseren Festgeld und Tagesgeld Vergleich zum Finden passender Angebote.
  • Sachwerte / Wertpapiere: Risikofreie Tages- oder Festgeldanlagen kosten dich zwar keine Negativzinsen, doch die gezahlten Zinsen sind sehr gering. Die Alternative kann die Anlage in Sachwerte wie Wertpapiere und Immobilien sein. Aktien und ETFs bieten sich für langfristige Geldanlage und Vermögensbildung an. Kleinanleger:innen können in über Sparpläne in Aktien und andere Wertpapiere meist ab 25 oder 50 Euro investieren.
  • Crowdinvesting: Alternative Anlagemöglichkeiten sind gefragt. Crowdinvesting bietet dir die Möglichkeit, in Kredite zu investieren. Du kannst dich über entsprechende Portale an Krediten für Startups, Kleinen und mittleren Unternehmen oder Immobilienprojekten beteiligen. Die Zinsen bewegen sich je nach Risiko zwischen 6 und bis weit über 10 Prozent. Extra Gebühren kommen auf Investor:innen nicht zu.
Tipp

Benötigst du Hilfe bei der Geldanlage, empfehlen wir dir die Eröffnung eines Depots bei einer digitalen Vermögensverwaltung. Sogenannte Robo Advisor übernehmen für dich die Auswahl von Aktien und ETFs auf der Basis deiner Risikobereitschaft und Bedürfnisse.

Verwahrentgelt, Strafzinsen, Negativzinsen – alles dasselbe?

Verwahrentgelt, Strafzinsen, Negativzinsen oder auch Minuszinsen sind Begriffe, die alle dasselbe meinen. Banken verwenden meist den Begriff Verwahrungsentgelt. Das hört sich nicht so negativ wie Negativzinsen oder Strafzinsen an. Außerdem hat Unterscheidung rechtliche Gründe.

Im deutschen Recht gibt es weder Strafzinsen noch Negativzinsen oder Minuszinsen. Das Darlehensrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verweist darauf, dass Vertragsparteien nicht einfach so andere zu bestehenden Regelungen treffen können. In den Kontoverträgen und Preisverzeichnissen der Banken wird in der Regel der Begriff Verwahrentgelt und nicht von Negativzinsen verwendet.

Banken sind weitgehend frei in ihrer Gestaltung von Kundenbeziehungen. Mit dem Begriff Verwahrung ist der Verweis auf eine entgeltpflichtige Leistung verbunden. Die Verwahrung von Wertsachen im Schließfach ist leicht vorstellbar, nicht so bei Kontoguthaben. Kundeneinlagen darf die Bank gegen Entgelt an Dritte verleihen. Du weißt als Sparer:in nicht, welche Geschäfte die Bank mit deiner Einlage (Geld auf Girokonto, Tagesgeld, Referenzkonto) betreibt und was sie dafür kassiert.

Hinweis

Wenn du deinem Geldinstitut Geld auf dem Girokonto oder einem unverzinsten Tagesgeldkonto parkst, darf dieses damit arbeiten und vermehren. Am Ertrag muss sie dich nicht beteiligen. An etwaigen Kosten wird es in jedem Fall tun. Verwalte dein Geld so, dass du in erster Linie Vorteile daraus ziehst. Das schließt ein, dass du freies Geld investierst und nicht der Bank kostenlos oder gegen Entgelt zum Investieren überlässt.

Diese Banken erheben Negativzinsen (Auswahl)

Das Vergleichsportal Verivox hat Negativzinsen bei 451 Geldinstituten recherchiert. Laut Biallo-Portal werden Privatkund:innen sogar bei 576 Banken, Sparkassen und Volksbanken mit einem Verwahrentgelt konfrontiert (Stand 04/2022). Die großen Banken wie die Deutsche Bank, Norisbank, Postbank und Commerzbank gehören mit dazu.

Auch einige Direktbanken wie die 1822Direkt, die DKB, die ING und Consorsbank berechnen ein Verwahrentgelt.
Bei der DKB erhalten Neukund:innen nur noch einen Freibetrag von 25.000 Euro, bis November 2021 waren es 50.000 Euro. Vereinbarungen zum Verwahrentgelt gibt es mit Bestandskunden.

ING ist bekannt als die größte Direktbank in Deutschland. Seit November 2021 ist der Freibetrag auf 50.000 Euro reduziert (vorher: 100.000 Euro). Auch hohe Einlagen von Bestandskunden unterliegen seit dem 1. März 2022 Negativzinsen.

NameNegativzinsFreibetrag
bunq0,50%ab 100.000€ 0,04€ pro Tag je 1.000€; ab 1.000.000€ 0,06€ pro Tag je 1.000€
Degussa Bank0,50%erstes Girokonto 100.000€, jedes weitere 5.000€, Tagesgeld 5.000€
Deutsche Bank0,50%25.000€
GLS Bank0,50%Girokonto 50.000€, Tagesgeld 50.000€
IKB0,50%Girokonto 250.000€, Tagesgeld 50.000€
Insha0,50%250.000€
Nuri0,50%50.000€
Postbank0,50%25.000€
Solarisbank0,50%250.000€
Targobank10-50€50.000€
Tomorrow0,50%50.000€

In Deutschland gibt es rund 370 Sparkassen, von denen mehr als die Hälfte nach biallo.de Recherchen ein Verwahrentgelt im Privatkundengeschäft erhebt. Mittlerweile haben alle diese Sparkassen den Negativzins von meist 0,5% gestrichen.

Von den rund 770 Genossenschaftsbanken, eingeschlossen PSD- und Sparda-Banken berechnen über die Hälfte ein Verwahrentgelt im Privatkundengeschäft. Teilweise bewegen sich die Strafzinsen über dem Einlagenzinssatz der EZB.

NameNegativzinsFreibetrag
Bremische Volksbank0,50%Girokonto 10.000€, Tagesgeld 100.000€
DKM Darlehnskasse Münster0,50%individuell
KD-Bank (Bank für Kirche und Diakonie)0,50%100.000€
Raiffeisenbank Isar-Loisachtal0,50%120.000€
Raiffeisenbank Mehring-Leiwen0,50%50.000€
Raiffeisenbank Nordkreis Landsberg0,30-0,50%100.000€
Raiffeisenbank Schwaben Mitte0,50%individuell
Raiffeisenbank Unteres Vilstal0,50%10.000€
Raiffeisenbank Westhausen0,50%Girokonto 100.000€
Volksbank Eisenberg0,50%1.000.000€
Volksbank Gronau-Ahaus0,10%50.000€
Volksbank Kassel Göttingen0,50%10.000€
Volksbank Langendernbach0,50%50.000€
Volksbank Meßkirch0,50%25.000€
Volksbank Nottuln0,50%individuell
Volksbank Pirna0,45%100.000€
Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck0,50%kein Freibetrag für Tagesgeld
Volksbank Rheinböllen0,50%10.000€
Volksbank Schermbeck0,40%kein Freibetrag für Tagesgeld
Volksbank Sprockhövel0,50%25.000€
VR Bank Lahn-Dill0,25%50.000€
VR Bank Mittelhaardt0,50%10.000€
VR-Bank Westmünsterland0,50%kein Freibetrag für Tagesgeld

Diese Banken erheben keine Negativzinsen (Auswahl)

  • C24
  • Fidor Bank
  • KT Bank
  • Openbank
  • Renault Bank
  • Santander
  • Volkswagen Bank
  • Ziraat Bank
  • viele regionale Sparkassen

(Quelle: biallo.de, 04/2022)

Wer profitiert eigentlich von Negativzinsen?

Banken weisen immer sehr werbewirksam darauf hin, dass sie das Verwahrentgelt nicht aus freien Stücken, sondern wegen der EZB-Politik erheben. Sie müssen Kundeneinlagen bei der EZB parken und werden dafür mit -0,5 Prozent zur Kasse gebeten.

Dass sie von der EZB großzügige Freigrenzen eingeräumt erhalten, erfährst du von ihnen nicht. Dank der EZB-Freigrenzen zahlen sie häufig Negativzinsen bzw. Verwahrentgelt nur für einen Bruchteil der tatsächlichen Einlagen an die EZB.

Wie es mit den Verwahrentgelten der Geldinstitute an die EZB aussieht, erfährst du mit einem Blick in deren Bilanzen. Du wirst feststellen, dass viele Kreditinstitute mehr Verwahrentgelte von Kund:innen einnehmen, als sie an die Zentralbank überweisen. Gerichte werden in Zukunft klären müssen, inwieweit Verwahrentgelte zulässig sind. Die bisher vorliegenden Urteile sehen meist Verbraucher:innen im Vorteil, doch dürften beklagte Banken ein endgültiges Urteil durch den Bundesgerichtshof anstreben.

Hinweis

Profiteure der niedrigen Zinsen sind Kreditnehmer jeder Art vom Bundesfinanzminister über Unternehmen bis private Schuldner:innen. Da sie keine Einlagen haben bzw. in die Finanzierung einbringen und Maßnahmen, Investitionen oder eine Immobilie über Kredite finanzieren, zahlen sie keine Negativzinsen. Mit dem Wegfall der Negativzinsen und einem Anheben des EZB-Leitzinssatzes über null Prozent verteuern sich Kreditaufnahmen und Anschlussfinanzierungen. Damit verschlechtern sich letztlich die Bedingungen für den Schuldenabbau.

Fazit zu Negativzinsen

Hohe Einlagen werden von vielen Banken und Sparkassen mit Negativzinsen bestraft. In der Bankensprache nennt sich das Verwahrentgelt. Bankkund:innen bezahlen für die Verwahrung ihres Erspartem derzeit 0,5 Prozent pro Jahr ab Guthaben, wobei Freibeträge ab 25.000 Euro und 100.000 Euro genutzt werden können.

Bankeinlagen oder Girokontoguthaben werfen derzeit keine Zinsen ab. Geldinstitute müssen bei der EZB geparktes Geld selbst 0,5 Prozent Strafzinsen bezahlen. Dabei gewährt ihnen die EZB Freibeträge, was sie ihren Kund:innen gegenüber gern verschweigen.

Negativzinsen lassen sich durch ein persönliches Geld-Management vermeiden. Dabei muss der Kund:in bereit sein, gewisse Risiken einzugehen. Aktiensparen eignet sich für die langfristige Geldanlage bei einem überschaubarem Risiko. Mit günstigen ETFs lassen sich Risiken im Portfolio breit streuen.

Eine länger andauernde hohe Inflation könnte die EZB zu einer Änderung ihrer Zinspolitik bewegen, sodass die Negativzinsen aus den AGBs der Geldinstitute verschwinden. Ob Verwahrentgelte rechtens sind, wird möglicherweise erst durch Richter beim Bundesgerichtshof geklärt.

FAQ: Fragen und unsere Antworten rund um Negativzinsen

Wann Negativzinsen und Verwahrentgelte unzulässig sind

Negativzinsen und Verwahrentgelte sind unzulässig, wenn sie vom jeweiligen Kreditinstitut bei bestehender Kundenbeziehung ohne Zustimmung des Kunden berechnet werden. Einem Urteil des Landgerichts Düsseldorf aus 01/2022 zufolge (noch nicht rechtskräftig), dürfen Kreditinstitute nicht zusätzlich zu Kontoführungsgebühren noch ein Verwahrentgelt erheben.

Kann ich Negativzinsen ablehnen?

Ja, du kannst Negativzinsen ablehnen. Dein Geldinstitut wird in der Regel darauf hinweisen, dass einer Ablehnung eine außerordentliche Kündigung der Kontobeziehung folgen kann. Um eventuellen Streitigkeiten mit deinem Geldinstitut aus dem Weg zu gehen, solltest du dich nach alternativen Kontoangeboten umsehen.

Wieso gibt es überhaupt Negativzinsen?

Geldinstitute parken freies Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB), welches nicht für Kredite oder Wertpapieranlagen benötigt wird oder um die geforderte Mindestreserve sicherzustellen. Auf ihre Einlagen erhielten sie bis 2014 Guthabenzinsen. Die aktuell berechneten Negativzinsen minus 0,50 Prozent gibt es seit September 2019.

Wie kann man Negativzinsen vermeiden?

Negativzinsen fallen in der Regel ab Überschreiten eines bestimmten Freibetrages an. Übersteigendes Kontoguthaben solltest du bei einem anderen Kreditinstitut parken oder das Geldinstitut wechseln. Wertpapieranlagen oder ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto bei einer sicheren Drittbank wären Alternativen.

Wie hoch sind die Negativzinsen?

Mehr als 600 Kreditinstitute in Deutschland berechnen Anfang 2022 einen Negativzins auf Kontoguthaben ihrer Kund:innen. Das sogenannte Verwahrentgelt beträgt meist -0,5 Prozent pro Jahr, bei einigen Geldinstituten bis zu -1 Prozent. Fällig wird der Negativzins auf Beträge die einen Freibetrag, meist zwischen 25.000 und 100.000 Euro, übersteigen.

Muss jeder Negativzinsen zahlen?

Das kommt auf das jeweilige Geldinstitut an. Während viele Kreditinstitute Negativzinsen berechnen, gibt es bei anderen kein Verwahrentgelt. Negativzinsen sind in der Regel an die Höhe der Einlagen geknüpft. Fällig werden sie nur für Summen, die den jeweils geltenden Freibetrag auf dem Girokonto oder Tagesgeldkonto übersteigen.

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Thomas Detlef Bär

Veröffentlicht von

Als studierter Ökonom habe ich mich jahrelang in erster Linie mit betriebswirtschaftlichen Problemen befasst. Seit mehr als zehn Jahren sehe ich meine Berufung darin, Wissen und Erfahrungen rund um private Finanzen aufzubereiten und in Ratgeberform zu vermitteln.