Leverage Effekt

oliverschoch
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Letzte Überarbeitung am 4. September 2022
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Am Finanzmarkt gibt es die Möglichkeit, die Eigenkapitalrendite durch den sogenannten Hebeleffekt zu steigern. Zum Einsatz kommt der Hebel bei verschiedenen Finanzinstrumenten, beispielsweise beim Handel mit Differenzkontrakte.

In unserem Beitrag erfährst du, worum es sich beim Leverage Effekt handelt. Ferner nennen wir dir die Formel zur Berechnung des Hebeleffektes und erläutern die einzelnen Bestandteile. Darüber hinaus erfährst du, wann der Leverage Effekt zum Einsatz kommen kann, was dessen Ziel sind und worin Risiken bestehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Leverage Effekt wird auch als Hebeleffekt bezeichnet und ermöglicht es, eine Steigerung der Eigenkapitalrentabilität durchzuführen
  • Der Hebeleffekt basiert darauf, dass ein höherer Fremdkapitalbetrag investiert wird
  • Der Leverage Effekt kann nur funktionieren, wenn die Rendite des Gesamtkapitals höher als der Fremdkapitalzins ist
  • Der Hebeleffekt hat Nachteile, insbesondere das Risiko höherer Verluste

Was ist der Leverage Effekt?

Mit dem Leverage Effekt soll ausgesagt werden, dass Investor:innen unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit haben, eine Steigerung der Eigenkapitalrentabilität durchzuführen. Häufig wird der Leverage Effekt auch als Hebeleffekt bezeichnet. Die zu erfüllende Voraussetzung besteht darin, dass die Rendite des Gesamtkapitals oberhalb des Fremdkapitalzinses bzw. der anfallenden Kosten für das Fremdkapital liegt.

Vereinfacht dargestellt führt der Leverage Effekt im besten Fall dazu, dass du einen umso höheren Gewinn erzielst, desto mehr Fremdkapital du in Anspruch nimmst. Allerdings kann der Hebeleffekt auch negativ sein, wenn nämlich die Fremdkapitalkosten höher als die Gesamtkapitalrendite sind.

Formel: Wie wird der Leverage Effekt berechnet?

Der Hebeleffekt lässt sich anhand einer allgemeingültigen Formel berechnen und man erhält als Ergebnis die Eigenkapitalrendite. Es wird also der Effekt berechnet, der sich aus Basis des Fremdkapital auf die Rendite des Eigenkapitals ergibt: der Hebeleffekt. Die Formel lautet:

rEK = rGK + FK/EK (rGK – i)

Lass uns kurz auf die einzelnen Komponenten dieser Formel eingehen. Die Abkürzung „rEK“ steht für die Eigenkapitalrentabilität, während mit „rGK“ die Gesamtrentabilität gemeint ist. Ferner steht „FK“ für Fremdkapital, „EK“ für Eigenkapital und mit „i“ wird der Fremdkapitalzins bezeichnet.

Ein wichtiger Teil der Formel ist demzufolge die Gesamtkapitalrentabilität. Dabei handelt es sich um das Verhältnis deines Ertrages auf der einen Seite, der sich aus der Anlage ergibt. Zum anderen fließt in die Gesamtkapitalrentabilität das Gesamtkapital ein, welches eingesetzt wurde. Die Formel zur Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität lautet:

rGK = Ertrag/Eingesetztes Kapital *100%

Besonders relevant ist neben der Gesamtkapitalrentabilität vor allem die Eigenkapitalrentabilität. Diese sagte aus, in welchem Umfang du mit der Investition eine Rendite erzielen kannst. Zur Berechnung wird die folgende Formel verwendet:

rEK = Gewinn/Eigenkapital*100%

Formeln wie die zur Berechnung des Leverage-Effektes respektive der Eigenkapitalrentabilität sind vielleicht auch für dich sehr abstrakt. Dies ändert sich für gewöhnlich, wenn man an einem praktischen Beispiel aufzeigt, wie der Hebeleffekt anhand der Formel ermittelt werden kann. Aus dem Grund möchten wir im Folgenden zwei Beispielrechnungen durchführen.

Beispiele zur Berechnung

Beispiel 1

Investment ohne Fremdkapital
Eigenkapital für ein Investment: 20.000 €
Rendite: 5 %
Gewinn: 1.000 €

Im Vergleich: Investment mit Fremdkapital
Fremdkapital: 50.000 €
Fremdkapitalzins: 3 %
Kosten: 1.500 €

Gesamtkapital: 70.000 €
Rendite der Investition insgesamt (Gesamtkapitalrentabilität): 5 %
Ertrag: 3.500 €
Kosten: 1.500 €
Gewinn: 2.000 €

Berechnung der Eigenkapitalrendite und somit des Hebeleffektes: 2.000 Euro / 20.000 Euro * 100% = 10%

Durch die Aufnahme des Fremdkapitals hast du also trotz der Kosten deine Eigenkapitalrendite von 5% (ohne Fremdkapital) auf 10 % (mit Fremdkapital) aufgrund des Leverage Effektes verdoppeln können.

Beispiel 2

Investment ohne Fremdkapital
Eigenkapital für ein Investment: 80.000 €
Rendite: 4 %
Gewinn: 3.200 €

Im Vergleich: Investment mit Fremdkapital
Fremdkapital: 120.000 €
Fremdkapitalzins: 2,5 %
Kosten: 3.000 €

Gesamtkapital: 200.000 €
Rendite der Investition insgesamt (Gesamtkapitalrentabilität): 4 %
Ertrag: 8.000 €
Kosten: 3.000 €
Gewinn: 5.000 €

Berechnung der Eigenkapitalrendite und somit des Hebeleffektes: 5.000 Euro / 80.000 Euro * 100% = 6,25 %

Durch die Aufnahme des Fremdkapitals hast du deine Eigenkapitalrendite von 4 % (ohne Fremdkapital) auf 6,25 % (mit Fremdkapital) aufgrund des Leverage Effektes erhöhen können.

Wann kommt der Leverage Effekt zur Anwendung?

Der Leverage Effekt kommt bei bestimmten Finanzprodukten zum Einsatz, die mit einem sogenannten Hebel ausgestattet sind. Das wiederum bedeutet, dass du bei den meisten Anlageformen und Spekulationsarten nicht direkt von einem solchen Effekt profitieren kannst, wie zum Beispiel bei Tages- und Festgeld, Spareinlagen, Aktien im Depot oder Anleihen. Es sei denn natürlich, du nimmst zum Beispiel einen Kredit zu einem günstigen Zins auf und investierst das Geld gewinnbringend in eins der Finanzprodukte. Von „Natur aus“ wird der Hebeleffekt vor allem bei den folgenden Finanzprodukten eingesetzt:

  • CFDs
  • Optionen
  • Futures
  • Devisenhandel

Was sind die Ziele des Hebeleffektes?

Das wesentliche Ziel des Leverage Effektes besteht darin, die Eigenkapitalrendite durch Nutzung von Fremdkapital zu steigern. Daraus folgt, dass du weniger Eigenkapital einsetzen musst, um im besten Fall trotzdem durch das Fremdkapital eine auf dein Eigenkapital bezogen sehr gute und überdurchschnittliche Rendite erzielen zu können.

Hinweis

Der Leverage Effekt ermöglicht es die auf der einen Seite, mit geringerem Kapitaleinsatz aufgrund des Hebels überdurchschnittlich hohe Gewinne durch die Aufnahme von Fremdkapital zu generieren. Auf der anderen Seite ist allerdings auch das Risiko erhöht, denn eventuelle Verluste potenzieren sich ebenfalls.

Was sind die Risiken des Leverage Effektes?

Bevor du dich für bestimmte Finanzprodukte entscheidest oder den Leverage Effekt im Allgemeinen nutzen möchtest, indem du Fremdkapital aufnimmst, solltest du sowohl die Risiken als auch Grenzen der Einsatzmöglichkeiten kennen. Eine Gefahr besteht darin, dass die Fremdkapitalkosten, in der Regel Zinsen, steigen könnten. Dann kann es passieren, dass die Fremdkapitalzinsen höher als die Gesamtkapitalrentabilität ausfällt, sodass dies zu einem negativen Hebeleffekt führen wurde.

Ein weiterer Nachteil kann darin bestehen, dass sich der Leverage Effekt in der Praxis limitiert. Das ist darauf zurückzuführen, dass du natürlich nicht ohne Grenzen Fremdkapital aufnehmen kannst. Ebenfalls begrenzt sind die Investitionsarten, denn nur bei wenigen Finanzprodukten kommt ein solcher Hebeleffekt zum Tragen. Würdest du dir zum Beispiel Fremdkapital leihen, um damit eine höhere Rendite auf dem Tagesgeldkonto zu generieren, würde das kaum funktionieren. Du müsstest beispielsweise für den Kredit drei Prozent Zinsen zahlen, während du auf dem Tagesgeldkonto nur ein Prozent erhältst. Das wäre ein negativer Hebeleffekt.

Häufige Fragen und unsere Antworten zum Leverage Effekt

Welche Rolle spielt der Leverage Effekt für Anleger?

Falls du Geld kurz- oder langfristig anlegen möchtest, spielt der Leverage Effekt in der Praxis kaum eine Rolle. Interessant ist der Hebeleffekt fast ausnahmslos für solche Privatkunden, die mit einem höheren Risiko spekulieren und auf diese Weise Gewinne erzielen möchten. Allerdings nutzen auch einige institutionelle Anleger und Unternehmen den Hebeleffekt, indem sie sich durch das Leihen von Fremdkapital eine erhöhte Rendite versprechen.

Wie hoch kann der Hebeleffekt ausfallen?

Vom Grundsatz her gibt es beim Hebeleffekt zwar keine Begrenzung in der Theorie, in der Praxis allerdings meistens schon. Wenn du das für private Spekulanten typische CFD-Trading als Beispiel nimmst, dann arbeiten die meisten Broker mit einem Hebel von inzwischen maximal 20:1. Wenn du also mit deinem Eigenkapital ohne die Geldleihe vom Broker sonst zwei Prozent Ertrag erzielen würdest, wären es hier aufgrund des Hebeleffektes bis zu 40 Prozent.

Wer sollte den Leverage Effekt nutzen?

Aufgrund der Finanzprodukte, die mit einem Leverage Effekt ausgestattet sind, sollten ausschließlich risikobereite Spekulanten diesem Hebeleffekt nutzen. Unabhängig von bestimmten Spekulations- und Anlageformen jedoch ist der Leverage Effekt vor allem für institutionelle Investoren oder Unternehmen geeignet, die über größere Summen von Eigenkapital verfügen bzw. höhere Summen an Fremdkapital aufnehmen können.

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Oliver Schoch

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Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.