Girokonto überzogen, was nun?

Feda Mecan Feda Mecan Veröffentlicht am: 13. Juli 2021 Letztes Update: 8. September 2021 Lesezeit: 6 Minuten
Warum uns vertrauen?
Als Onlinebanken.com möchten wir dir dabei helfen, die für dich beste finanzielle Entscheidung zu treffen und gleichzeitig auch zu wissen, warum du sie getroffen hast. Deswegen findest du bei uns Ratgeberartikel und Testberichte. Unsere Testberichte schreiben wir und schauen dann im Anschluss erst, ob wir eine Provision erhalten können. Deswegen bewerten wir auch Anbieter mit guten Noten, die uns keine Provision auszahlen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einem Dispositionskredit handelt es sich um eine genehmigte Überziehung, im Rahmen derer Kontoinhaber:innen ihr Girokonto im Soll führen dürfen
  • Neben den Dispozinsen kann es ebenso Überziehungszinsen geben, wenn Kontoinhaber:innen über den Kreditrahmen hinaus gehen
  • Sowohl Inhaber:innen des Girokontos als auch die Bank können den Dispokredit jederzeit kündigen
  • Wenn ein negativer Eintrag in der Schufa existiert, räumen die meisten Kreditinstitute in Deutschland keinen Dispokredit ein bzw. kündigen bereits existierende Kreditlinien
  • Es gibt Alternativen zur Kontoüberziehung, wie zum Beispiel Rahmen- oder Abrufkredite

Nähert sich der Kontostand zum Ende des Monats gegen null, nehmen viele Bankkunden ihren Dispokredit in Anspruch. Dieser bietet eine unkomplizierte Möglichkeit, um kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken. Die Betonung liegt dabei klar auf kurzfristig. Denn auf Dauer ist der Dispo eine sehr kostspielige Angelegenheit und kann so schnell zur Schuldenfalle werden. Wer sein Girokonto über einen längeren Zeitraum im Minus führt, sollte sich Gedanken über mögliche Alternativen machen wie z. B. einer Umschuldung in einen Ratenkredit.

Was ist ein Dispokredit?

Beim Dispokredit räumt die Bank dem Kontoinhaber eine bestimmte Kreditlinie ein, welche dieser individuell in Anspruch nehmen kann. Somit können Überweisungen und Abhebungen vorgenommen werden, auch wenn kein Guthaben mehr vorhanden ist. Je nach Bank wird der Dispokredit automatisch nach den ersten Gehaltseingängen oder erst auf Anfrage des Kunden eingerichtet. Für die Einrichtung des Kreditrahmens fallen noch keine Kosten an. Zinsen werden nur für den Zeitraum berechnet, in welchem sich das Konto auch tatsächlich im Minus befindet. Die Rückführung des Dispokredits erfolgt flexibel. Feste Raten sind dabei nicht vorgesehen. Die zugrundeliegenden Zinsen unterscheiden sich teils sehr stark zwischen den Anbietern. Aus diesem Grund sollte der Punkt Dispozins bei einem Girokonto Vergleich stets berücksichtigt werden.

Voraussetzungen für einen Dispokredit

Um einen Dispokredit zu erhalten, muss der Kontoinhaber volljährig sein und einen deutschen Wohnsitz haben. Zudem ist eine ausreichende Bonität erforderlich. Hierzu gehört neben einem ausreichenden regelmäßigen Einkommen auch eine einwandfreie Schufa-Auskunft. Sind die Voraussetzungen erfüllt, richtet sich die Höhe des Kreditrahmens nach den monatlichen Einnahmen und Ausgaben.

Hinweis

Die meisten Banken stellen zwischen zwei und drei Monatsgehälter als Dispositionskredit bereit.

Dispokredit als finanzielle Notlösung sinnvoll

Es ist ratsam, sich einen kleineren Dispositionsrahmen von etwa 500 Euro einrichten zu lassen, auch wenn dieser zunächst nicht benötigt wird. Es kann immer mal passieren, dass sich Abbuchungen überschneiden und dadurch keine ausreichende Kontodeckung vorhanden ist. Die Gebühren für einen geplatzten Lastschrifteinzug sind zumeist deutlich höher als ein kurzfristig in Anspruch genommener Dispo. Für größere Anschaffungen oder eine längere Nutzung ist der Dispokredit aufgrund seiner zumeist sehr hohen Kosten dagegen nicht geeignet.

Stiftung Warentest hat bei ihrem letzten Test einen Durchschnittszins von 9,61 Prozent ermittelt. Bei den teuersten Anbietern wurde für den Dispokredit ein effektiver Jahreszins von bis zu 15 Prozent berechnet. Zudem kritisierte Finanztest bei vielen Banken eine mangelnde Transparenz. So informieren Geldinstitute oftmals nicht über die Höhe der aktuellen Dispozinsen.

Zu beachten ist, dass der Zinssatz beim Dispokredit variabel ist. Dieser kann durch die Bank also jederzeit geändert werden. Kunden werden hierüber zumeist mit einem Hinweis auf dem Kontoauszug informiert. Die Zinsen werden zu bestimmten Abrechnungszeitpunkten auf dem Girokonto belastet.

Je nach Bank erfolgt die Abbuchung monats- oder quartalsweise. Sofern die Zinsen nicht zurückgezahlt werden, entsteht ein Zinseszinseffekt im negativen Sinne. Die zuvor belasteten Zinsen werden bei der nächsten Berechnung ebenfalls berücksichtigt.

Unterschied zwischen Dispo- und Überziehungszinsen

Die Begriffe Dispokredit und Kontoüberziehung werden oftmals fälschlicherweise synonym verwendet. Dabei gibt es zwischen Dispo- und Überziehungszinsen teilweise deutliche Unterschiede. Überziehungszinsen werden für von der Bank geduldete jedoch nicht genehmigte Kontoüberziehungen berechnet. Während einige Banken auf die Berechnung von erhöhten Überziehungszinsen verzichten liegen diese bei anderen um bis zu 5,5 Prozent über den Dispozinsen. Wer sein Konto gelegentlich im Minus führt, sollte also in jedem Fall einen Dispokredit beantragen.

Wenn der Dispo gekündigt wird

Ein weiteres Problem beim Dispokredit ist, dass dieser jederzeit durch die Bank gekündigt werden kann. Zu einer Kündigung kann es beispielsweise kommen, wenn sowohl der Dispo wie auch eine darüber hinausgehende Überziehung komplett ausgereizt wurde. Gleiches gilt auch wenn plötzlich kein Gehalt mehr eingeht bzw. die eingehenden Zahlungen geringer ausfallen. Der Eingang einer Kontopfändung führt in der Regel ebenfalls zu einer sofortigen Kündigung des Dispos.

Einzige Ausnahme: das P-Konto (Pfändungsschutzkonto). Im Zuge der Kündigung wird der Bankkunde aufgefordert, das Minus innerhalb einer bestimmten Frist auszugleichen. Dass es in diesem Fall kaum rechtliche Möglichkeiten gibt, sollten Kunden das Gespräch mit ihrem Bankberater suchen. Die Banken sind natürlich darauf aus, dass der offene Betrag zurückgeführt wird, sodass sich in den meisten Fällen eine gütliche Vereinbarung treffen lässt. Eine Möglichkeit ist es den Dispo in einen Ratenkredit umzuschulden.

Dispokredit und Schufa

Bevor die Bank einen Dispokredit genehmigt, wird immer eine Abfrage der Kreditwürdigkeit bei der Schufa durchgeführt. Liegen hier negative Einträge vor, erfolgt in aller Regel eine Ablehnung. Das Girokonto selbst wird ebenso wie der Dispo an die Schufa gemeldet. Ob dieser jedoch auch tatsächlich in Anspruch genommen, wirkt sich jedoch nicht negativ aus. Solange der Dispokredit also im vorgesehenen Rahmen genutzt wird ist alles in Ordnung.

Anders sieht es aus, wenn der Dispo überzogen und anschließend gekündigt wird. Die Kündigung führt zwangsläufig zu einem negativen Eintrag. Bei der Eröffnung des Girokontos zeigen sich Kunden damit einverstanden, dass diese Daten an die Schufa gemeldet werden dürfen. Ein solcher Negativeintrag macht es fast unmöglich, die offenen Forderungen mit einem Ratenkredit auszugleichen. Deshalb sollten Kontoinhaber sich immer frühzeitig um eine Umschuldung kümmern.

Alternativen zum Dispokredit

Kann der Dispo auf absehbare Zeit nicht zurückgeführt werden ist die Umschuldung auf einen Ratenkredit die erste Wahl. Kreditnehmer profitieren hierbei von festen Laufzeiten, einem fixen Zinssatz sowie gleichbleibenden moderaten Monatsraten. Im Vergleich zum Dispokredit ist die Zinsbelastung deutlich geringer.

Ein Darlehen von 5.000 Euro mit einer Laufzeit von 24 Monaten wird bereits ab einem Zinssatz von 2,69 Prozent angeboten.

Hinweis

Eine echte Alternative stellt der Rahmenkredit dar. Hierbei wird ebenfalls ein fester Kreditrahmen vereinbart, der je nach Bonität um einiges höher sein kann als beim Dispo. Je nach Bank werden Rahmenkredite mit einem Betrag von 25.000 Euro oder höher angeboten. Hierbei muss nicht zwangsläufig ein Girokonto bei derselben Bank vorhanden sein. Die Zinsen sind niedriger als beim Dispo und werden ebenfalls nur für den in Anspruch genommenen Betrag berechnet.

Die Kreditkarte kann ebenfalls für einen kurzfristigen Finanzbedarf genutzt werden. Zu beachten ist hierbei, dass bei Nutzung der Teilzahlungsfunktion teilweise sehr hohe Zinsen berechnet werden. Im Gegenzug erhalten Karteninhaber bei einigen Anbietern einen zinslosen Kredit von bis zu 60 Tagen. Zudem verfügt nicht jede Karte über eine echte Kreditfunktion. Bei sogenannten Charge-Karten werden die Umsätze zum Monatsende eingezogen. Ist keine ausreichende Deckung vorhanden fallen auch hierbei hohe Kosten an.

Fazit zum Thema Girokonto überzogen

Wenn das Girokonto überzogen wird, kostet dies Kontoinhaber:innen stets nicht unerhebliche Zinsen. Diese fallen entweder als Dispozinsen in Form einer genehmigten Überziehung oder als Überziehungszinsen ein, falls die Bank der Kontoüberziehung nicht zugestimmt hat. In beiden Fällen sollte das Girokonto möglichst nur kurzfristig im Soll sein, weil die Dispozinsen im Schnitt knapp 10 Prozent betragen. Überziehungszinsen mit bis zu 16 Prozent können noch einmal deutlich höher ausfallen. Grundsätzlich haben Kontoinhaber:innen jederzeit das Recht, den Dispokredit zu kündigen und zum Beispiel in einen Ratenkredit umzuschulden. Darüber hinaus gibt es mit Rahmen- und Abrufkrediten günstigere Alternativen zur Kontoüberziehung und damit auch zum Dispokredit.

Häufige Fragen und Antworten zum Thema Girokonto überzogen

💰 Warum erlauben Banken, dass man das Konto überhaupt in den Dispo überziehen darf?

Banken stellen ihren Kund:innen häufig Kredite zur Verfügung, beispielsweise einen Ratenkredit zur Finanzierung eines Autokaufs. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass auch auf dem Girokonto – oft sogar automatisch – eine Kreditlinie in Form des Dispokredites eingeräumt wird. Dieser dient Kontoinhaber:innen als Liquiditätsreserve, falls zum Beispiel unvorhergesehene Ausgaben finanziert werden müssen. Trotzdem stellen die Banken nicht jedem einen Dispo zur Verfügung und erlauben damit, dass das Konto überzogen wird. Stattdessen wird auch dabei auf die Bonität der Kund:innen geachtet.

⤴ Wie erfahre ich die Höhe meiner eingeräumten Kontoüberziehung (Dispokredit) für mein Girokonto?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie du die Höhe deiner eingeräumten Kontoüberziehung erfahren kannst. In der Regel steht dies auf deinem Kontoauszug, meistens auf der letzten Seite. Alternativ oder zusätzlich kannst du auch im Rahmen des Online-Banking deinen aktuellen Kreditrahmen abfragen. Als dritter Weg bleibt selbstverständlich jederzeit die Möglichkeit, telefonisch oder schriftlich bei der Bank nachzufragen.

🏦 Ist eine Überziehung des Girokontos auch dann möglich, wenn mir meine Bank keinen Dispokredit eingeräumt hat?

Das hängt im Grunde von jeder einzelnen Bank ab. Manche Kreditinstitute handhaben es sehr streng und lassen tatsächlich keine Überziehungen ohne eingeräumten Dispositionskredit zu. In dem Fall würden sogar Überweisungen zurückgegeben bzw. nicht ausgeführt oder Lastschriften zurückgebucht. Die gilt vorrangig bei Guthabenkonten oder P-Konten, die nicht im Minus sein dürfen. Manche Kreditinstitute hingegen lassen – meistens innerhalb eines bestimmten Rahmens – kleinere Überziehungen des Girokontos auch dann zu, wenn kein Dispokredit eingeräumt wurde. Ein Anspruch besteht seitens der Kontoinhaber:innen darauf jedoch nicht.

🤔 Wenn mein Girokonto schon überzogen ist, kann es in ein P-Konto umgewandelt werden?

Normalerweise darf das Girokonto nicht überzogen sein, damit eine Umwandlung in ein P-Konto durchgeführt werden kann. Daher bitten die Kreditinstitute die entsprechenden Kund:innen, schnell für einen Ausgleich des Sollsaldos zu sorgen. Auf jeden Fall darf der Dispokredit im Rahmen eines P-Kontos nicht ausgeweitet werden.

🤑 Was ist günstiger: Konto überziehen oder Kredit aufnehmen?

Grundsätzlich ist es nahezu ausnahmslos günstiger, einen Ratenkredit aufzunehmen, statt das Girokonto zu überziehen. Ratenkredite vergeben Banken momentan oft schon ab einem Zins von 1,9 Prozent, selten für mehr als 6,9 Prozent. Für die Kontoüberziehung im Rahmen des Dispositionskredites müssen Kund:innen jedoch im Schnitt fast 10 Prozent an Sollzinsen zahlen. Selbst Rahmenkredite sind meistens mit durchschnittlich 5,9 bis 7,9 Prozent (deutlich) günstiger als eine Kontoüberziehung.

💸 Was passiert, wenn ich mein Konto überziehe?

Es hängt davon ab, ob ein Dispositionskredit eingeräumt wurde oder nicht. Ist dies der Fall, lässt die Bank innerhalb des vereinbarten Kreditrahmens Kontoüberziehungen problemlos zu. Wurde kein Dispositionskredit eingeräumt oder geht die Kontoüberziehung über die Kreditlinie hinaus, hängt es vom Verhalten der Bank ab, was passiert. Entweder duldet die Bank weitere Überziehungen oder nicht. Dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, das Kreditinstitut zu kontaktieren und nach einer Lösung zu suchen.

❓ Was passiert, wenn ich das Konto über das Dispo hinaus überziehe?

Die Antwort ist im Prinzip die gleiche wie die zur vorherigen Frage, was generell passiert, wenn das Konto überzogen wird. Die Kreditinstitute verfahren hier unterschiedlich. Manche Banken lassen stillschweigend auch Überziehungen zu, die das Kreditlimit überschreiten. Allerdings geschieht dies natürlich nicht unbegrenzt, sondern meistens nur in kleinerem Rahmen. Andere Banken wiederum lassen keine Überziehungen zu, die den eingeräumten Dispo-Rahmen überschreiten. Du kannst dich also keinesfalls darauf verlassen, dass du dein Girokonto auch über den Dispositionskredit hinaus überziehen kannst.

Feda Mecan

Veröffentlicht von

Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.