Entnahmeplan

Feda Mecan
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Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 10. August 2022
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Mittlerweile wissen immer mehr Menschen, dass die gesetzliche Rente wohl nicht reichen wird, um den Lebensstandard im Alter halten zu können. Das bedeutet, dass du dich selbst darum kümmern musst, die sogenannte Rentenlücke zu füllen. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung eines sogenannten Entnahmeplans. So kannst du dein Vermögen im Alter aufbrauchen, um eine zusätzliche Einkommensquelle zu generieren. In diesem Artikel werden wir dir daher die Funktionsweise eines solchen Entnahmeplans erklären und dir ein konkretes Beispiel aufzeigen. Zudem gehen wir auf die unterschiedlichen Möglichkeiten ein, wie du dein Geld anlegen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prinzipiell ist ein Entnahmeplan eine Art umgekehrter Sparplan. Dabei wird ein vorhandenes Vermögen dazu genutzt, um durch Auszahlungen ein regelmäßiges Einkommen zu generieren.
  • Es gibt Auszahlungspläne mit oder ohne Kapitalverzehr. Um allerdings einen solchen Plan ohne Kapitalverzehr aufzusetzen, muss in renditeträchtige Wertpapiere investiert werden, welche die Auszahlungen kompensieren.
  • Als Anlagemöglichkeiten kommen festverzinsliche Anlageprodukte in Frage. Diese bieten einen festen Zinssatz und je nach Produkt eine sehr hohe Sicherheit. Die Anlage in Tages- und Festgeld führt nicht zu Kursschwankungen und birgt kaum Risiken. Dafür ist die Rendite gering.
  • Eine hohe Rendite kann durch den Einsatz von Anlageprodukten erzielt werden, deren Rendite variabel ausfällt. Hierzu gehören beispielsweise Aktien, Fonds oder ETFs. Hier kann eine höhere Rendite erzielt werden, aber auch die Risiken fallen höher aus.
  • Ein Entnahmeplan lohnt sich insbesondere für Menschen mit investiertem Vermögen, welche kurz davor sind, in den Ruhestand zu gehen. So kann das Vermögen über einen solchen Plan dazu verwendet werden, um zusätzliches Einkommen zu erzielen.

Was ist ein Entnahmeplan?

Ein sogenannter Entnahmeplan ist vom Prinzip her eine Art umgekehrter Sparplan. Statt regelmäßiger Sparraten in bestimmte Vermögenswerte zu investieren, um das eigene Vermögen zu steigern, wird bei einem Entnahmeplan regelmäßig Kapital aus dem investierten Vermögen herausgenommen. Dies führt dazu, dass du aus deinem Vermögen nach und nach Beträge herausnimmst, es langsam aufbrauchst und dir so ein Einkommen schaffst.

So funktioniert ein Entnahmeplan

Damit die Einrichtung eines Entnahmeplans Sinn macht, benötigst du zuerst einmal ein vorhandenes Vermögen, aus dem du Beträge entnehmen kannst. Verfügst du über ein entsprechendes Vermögen, dann kannst du einen solchen Plan erstellen. Dabei ist die Funktionsweise recht simpel. Für eine bessere Verständlichkeit rechnen wir einmal ein Beispiel mit fiktiven Zahlen durch. Nehmen wir einmal an, dass du ein Vermögen in Höhe von 100.000 Euro aufgebaut hast und daraus nun regelmäßig Geld entnehmen möchtest, um deinen Lebensunterhalt daraus bestreiten zu können. Gehen wir weiterhin davon aus, dass du einen gleichbleibenden Betrag pro Monat über die nächsten 20 Jahre erhalten willst.

Nehmen wir zusätzlich dazu an, dass du dein Vermögen nicht anlegst, um auf Nummer Sicher zu gehen und keine Kursschwankungen hinnehmen zu müssen. Dies gibt dir eine bessere Planbarkeit. Nun kannst du die 100.000 Euro durch die Anzahl an Monaten teilen, in denen du eine Auszahlung erhalten möchtest. In unserem Beispiel wären dies insgesamt 20×12 Monate, was 240 Monaten entspricht. 100.000 Euro durch 240 entspricht einer Summe von über 416 Euro. Das bedeutet, dass du dir über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Summe von 416 Euro pro Monat auszahlen lassen kannst, bis dein Vermögen aufgebraucht ist.

Auszahlungspläne mit und ohne Kapitalverzehr

Wir haben dir im vorherigen Abschnitt beispielhaft einen Entnahmeplan mit Kapitalverzehr vorgestellt. Es gibt allerdings auch Entnahmepläne ohne Kapitalverzehr. Dies ist eine weitere Möglichkeit um Einnahmen zu generieren, aber trotzdem für Kapitalerhalt zu sorgen. Dafür notwendig ist allerdings, dass du dein Vermögen anlegst und eine Rendite erwirtschaftest. Diese Rendite ermöglicht es dir, Beträge aus deinem investierten Vermögen herauszunehmen, ohne dass dieses dadurch sinkt. Wie hoch die Auszahlungen ausfallen, ist dabei stark von der erwirtschafteten Rendite abhängig. Je höher diese ausfällt, desto höher fallen die Beträge aus, welche du entnehmen kannst. Im Internet gibt es zahlreiche Rechner, mithilfe derer du ganz bequem ausrechnen kannst, wie viel Geld du entnehmen kannst, abhängig von deiner individuellen Situation.

Eine höhere Rendite geht allerdings auch mit einem höheren Risiko und entsprechenden Kursschwankungen einher, was du unbedingt berücksichtigen solltest.

Arten von Anlagemöglichkeiten

Es existieren verschiedene Arten von Anlagemöglichkeiten, welche du nutzen kannst, um mit deinem Vermögen eine Rendite zu erwirtschaften, welche den Kapitalverzehr entweder in seiner Höhe verringert oder bei einer höheren Rendite sogar zum Erhalt des Kapitals führt. Dabei können diese in 2 unterschiedliche Arten unterteilt werden. Es gibt einerseits festverzinsliche Anlageprodukte und andererseits Anlageinstrumente, welche eine variable Rendite einbringen.

Festverzinslich

Festverzinsliche Anlageprodukte sorgen dafür, dass du einen festen Zinssatz erhältst. Mögliche Produkte sind hier beispielsweise Festgeld oder Tagesgeld. Diese bringen dir einen festen Zinssatz ein und gelten als sehr sicher. Hier musst du keine Kursschwankungen oder einen Totalverlust fürchten, sodass die Rendite entsprechend gering ausfällt. Tagesgeld bietet den Vorteil, dass das Kapital nicht nur sicher ist, sondern auch jederzeit abgehoben werden kann. Daher bietet es die geringste Rendite. Eine höhere Rendite bietet die Anlage in Festgeld, da das Kapital dann über einen vorher festgelegten Zeitraum nicht verwendet werden kann. Am meisten Rendite bei den festverzinslichen Wertpapieren bringen Anleihen an. Allerdings agierst du bei einem Investment in Anleihen als Fremdkapitalgeber eines Unternehmens, sodass hier entsprechende Verlustrisiken bestehen.

Hinweis Eine hohe Sicherheit bei festverzinslichen Produkten führt dazu, dass die Rendite eher gering ausfällt.

Variable Rendite

Wer eine höhere Rendite erwirtschaften will, der muss Planbarkeit und Sicherheit aufgeben und dazu bereit sein, höhere Risiken einzugehen. Hohe Renditen können unter anderem mit Aktien, Fonds und ETFs erzielt werden. Im Gegensatz zu festverzinslichen Wertpapieren fällt hier aber nicht nur das Risiko größer aus. Denn es gibt hier keinen vorher festgelegten Zinssatz. Das bedeutet, dass diese Anlageinstrumente bei kluger Auswahl eine sehr hohe Rendite einspielen können, allerdings kann die Rendite auch gering oder negativ ausfallen, bis hin zum Totalverlust. Zudem benötigst du ein Depot, um in Wertpapiere investieren zu können. Falls du noch keines hast, kannst du dir unseren Depot-Vergleich durchlesen. Der große Vorteil hierbei ist, dass du nicht viel Zeit für die Eigenrecherche aufwenden musst, weil du von unserem großen Wissensschatz in diesem Bereich profitieren kannst.

Hinweis Mithilfe von Aktien und Fonds können deutlich höhere Renditen erwirtschaftet werden, dies erhöht allerdings auch die Risiken deutlich.

Für wen sind Entnahmepläne relevant?

Besonders relevant sind Entnahmepläne für Personen, die ein Vermögen aufgebaut haben, beispielsweise durch die Investition in Aktien, und bald in den Ruhestand gehen werden. In diesem Fall bietet sich das Erstellen eines Entnahmeplans an, um die eigene Rente aufzubessern. Denn so muss das Vermögen nicht aufgelöst werden, um an das Kapital zu gelangen. Stattdessen können die Vermögenswerte weiterhin gehalten werden und als regelmäßige Einnahmequelle genutzt werden.

Steuern bei Entnahmeplänen

Das Einkommen, welches bei Auszahlungen aus Entnahmeplänen erwirtschaftet wird, wird nach deutschen Gesetzen als Einkommen aus Kapitalvermögen eingestuft. Dementsprechend muss auf dieses Einkommen die Abgeltungssteuer gezahlt werden. Diese beträgt 25%, zuzüglich 5,5% Solidaritätszuschlag. Bist du Mitglied einer Kirche, dann kommt noch die Kirchensteuer obendrauf.

Entnahmepläne bei Versicherungen

Auch viele Versicherungen bieten Entnahmepläne an. In der Regel wird hierfür zusammen mit einem Berater dein Anlegerprofil identifiziert. Daraufhin kann ermittelt werden, welcher Entnahmeplan und welche Anlageprodukte Sinn machen. Diese sollten nämlich unbedingt zu deinen Zielen und Bedürfnissen passen. Ausgezahlt werden die Beträge automatisch. Hierbei handelt die Versicherung gemäß den vertraglich vereinbarten Kriterien. Eine weitere Möglichkeit, wenn du dich selbst nicht besonders gut im Markt für Anlageprodukte auskennst und Hilfe eines Dritten benötigst, besteht im Einsatz sogenannter Robo Advisors. Diese können nämlich dein Portfolio für dich verwalten, erforderliche Umstrukturierungen durchführen und das automatisiert. Du kannst durch die Wahl der Anlagestrategie entscheiden, anhand welcher Kriterien der Robo Advisor dein Portfolio führen soll.

Fazit

Im Gegensatz zur Sofortrente führt die Einrichtung eines Entnahmeplans dazu, dass du ein regelmäßiges Einkommen generierst, quasi ein Art Zusatzrente. Großer Vorteil hierbei ist, dass du deine Investitionen nicht alle auf einen Schlag auflösen musst, falls dein Kapital beispielsweise im Aktienmarkt investiert ist. Besonders lohnen kann sich ein solcher Auszahlplan für Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und ihr Vermögen dazu nutzen möchten, um ihre Rente aufzubessern. Große Unterschiede bestehen dabei bei Entnahmeplänen mit und ohne Kapitalverzehr. Mit Kapitalverzehr wird dein Vermögen nämlich im Laufe der Zeit immer weniger, während es bei einem Plan ohne Kapitalverzehr gleich bleibt. Dies ist dann möglich, wenn in renditestarke Anlageprodukte investiert wird, wie beispielsweise einen ETF.

FAQ: Fragen und Antworten zum Entnahmeplan

Wie viel Geld kann ich pro Monat auf meinem Depot entnehmen?

Grundsätzlich geht man davon aus, dass 4% des Portfolios pro Jahr ausgezahlt werden können, ohne dass sich das Vermögen verringert. Dies ist dann möglich, wenn in renditestarke Anlageinstrumente investiert wird. Da hier ein erhöhtes Risiko besteht, ist ein Risikopuffer sinnvoll.

Welche Steuern fallen bei der Entnahme aus Aktienportfolios an?

Bei der Entnahme aus Aktienportfolios fällt die sogenannte Kapitalertragsteuer an. Diese wird auch Abgeltungssteuer genannt und beträgt 25%. Zusätzlich dazu fällt der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% an und eventuell die Kirchensteuer, sofern du dort Mitglied bist.

Worauf ist beim Entnahmeplan mit Kapitalverzehr besonders zu achten?

Bei einem Entnahmeplan mit Kapitalverzehr solltest du besonders darauf achten, dass das Kapital nicht zu früh zu neige geht. Andernfalls musst du nämlich auf das zusätzliche Einkommen verzichten.

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Feda Mecan

Veröffentlicht von

Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.