Staatsanleihen – Bundesanleihen

thomasbaer
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Letzte Überarbeitung am 4. September 2022
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Staatsanleihen sind bei Anleger:innen beliebt, die gut schlafen wollen. Bei fallenden Aktienmärkten sorgen sie für Stabilität in einem Mischportfolio. Bundesanleihen zählen wegen der sehr guten Bonität der Bundesrepublik Deutschland zu den Goldwährungen am Anleihemarkt. Nach einer längeren Zeit von Minuszinsen verzeichneten zehnjährige Bundesanleihen im Januar 2022 wieder positive Zinsen. Im Beitrag gehen wir u.a. den Fragen nach, wie der Kauf und Verkauf von Staatsanleihen funktioniert und ob sich Schuldverschreibungen des Bundesfinanzministers zum Geld verdienen eignen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bundesanleihen werden Staatsanleihen bzw. Schuldverschreibungen genannt, deren Herausgeber die Bundesrepublik Deutschland ist. Sie gehören wie Bundesschatzanweisungen und Bundesobligationen zu den Bundeswertpapieren.
  • Bundesanleihen sind mit einem festen Zinssatz und unterschiedlichen Laufzeiten ausgestattet. Ab Erstausgabezeitpunkt laufen die Anleihen in der Regel 10, 15 oder 30 Jahre.
  • Anleger:innen können Bundesanleihen bei ihrer Bank oder einem Broker kaufen und verkaufen. Während der Laufzeit unterliegen sie Kursschwankungen. Die Rückzahlung erfolgt zum Laufzeitende zum Nennwert.
  • Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen fielen Ende 2018 unter die null Prozent. Für Anleger:innen sind Sicherheit und Liquidität der Hauptgrund, warum sie dem Staat Geld leihen und dafür bezahlen.
  • Alternativen zu Bundesanleihen auf dem Anleihemarkt sind besser verzinste Staatsanleihen und Unternehmensanleihen sowie Anleihen-ETFs bei entsprechend mehr Risiko.

Disclaimer: Bei den nachfolgend aufgeführten Informationen handelt es sich um keine Anlageempfehlung. Sie dienen lediglich zu Informationszwecken und geben keine Auskunft über zukünftige Entwicklungen oder Renditen. Daher übernimmt Onlinebanken.com keinerlei Gewährleistung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen.

Was sind Bundesanleihen?

Bundesanleihen sind spezielle Staatsanleihen, deren Herausgeber die Bundesrepublik Deutschland ist. Sie gehören zu den Bundeswertpapieren. Auch Bundesobligationen, Bundesschatzbriefe und Grüne Bundesanleihen zählen zu den Wertpapieren des Bundes.

Ihrer Form nach sind Bundesanleihen Schuldverschreibungen mit einer bestimmten Laufzeit von 10, 15 oder 30 Jahren und festverzinsliche Wertpapiere. Die Ausgabe von Bundesanleihen wird im Voraus durch die Bundesbank angekündigt. Die Verzinsung bzw. der Kupon wird erst bei Ausgabe der Bundesanleihen festgelegt. Die Zinsen bei diesen Anleihen wird einmal jährlich ausgezahlt. Die Rückzahlung an den Anleger:in erfolgt zum Nennwert bei Laufzeitende.

Private Anleger:innen, Banken, Versicherungen und Pensionsfonds nutzen festverzinsliche Wertpapiere wegen der planbaren Rendite als Beimischung zu ihren Depots und zur Portfolioabsicherung. Festverzinsliche Wertpapiere der Bundesrepublik Deutschland bzw. Bundeswertpapiere, inklusive Bundesanleihen, gelten am Anleihemarkt als die sichersten Anlageformen. Bundesanleihen können bei der Europäischen Zentralbank von Kreditinstituten zur Sicherung der Eigenmittel-Richtlinien hinterlegt werden.

Die Bundesrepublik Deutschland leiht sich mit Bundesanleihen Geld am Kapitalmarkt. Der Anleihekäufer:in wird zum Kreditgeber:in des Bundes. Die Vergütung ist eine feste Verzinsung.

Die jährlich ausgezahlten Zinsen werden bei der Erstausgabe der Anleihen festgesetzt und bleiben über die gesamte Laufzeit fest. Bundesanleihen sind die wesentlichste Form der Haushaltsfinanzierung. Bundeswertpapiere machen rund 98 Prozent der Schulden der Bundesrepublik aus. Das Gesamtvolumen der mehr als 40 Bundesanleihen beläuft sich Ende 2021 auf über eine Billion Euro.

Wichtige Merkmale von Staatsanleihen

Staatsanleihen besitzen eine Reihe von Merkmalen, die sie von anderen Anleihen oder auch Bundeswertpapieren abgrenzen. Dazu gehören der feste jährliche Zinssatz (Kupon) und die Laufzeiten von 1 Jahr bis 30 Jahren. Die Anleihezinsen erhöhen sich im Allgemeinen mit abnehmender Bonität und mit längerer Laufzeit.

Die sehr gute Kreditwürdigkeit Deutschlands hat während der Finanzkrise dazu geführt, dass viele Milliarden Euro aus stark verschuldeten Euroländern nach Deutschland in Bundesanleihen flossen. Für die Renditen hierzulande hatte das historische Tiefstände zur Folge.

Bundesanleihen – Steckbrief:

Laufzeit: 10, 15 oder 30 Jahre
Anleiheertrag: feste Zinszahlung einmal pro Jahr
Rückzahlung zum Laufzeitende: zum Nennwert bei Laufzeitende
Verkauf vor Laufzeitende: zum Kurswert zzgl. anteilige Zinsen
Emittentenrisiko: sehr gering
Kursrisiko: ansteigend mit zunehmender Laufzeit

Das Kursrisiko ist bei Bundesanleihen gering. Dennoch kann es Kursschwankungen geben. Der Zinssatz ändert sich über die Laufzeit nicht. Kurse können sich je nach Zinsentwicklung unter und über der 100 Prozentmarke bewegen. Sinken die Euro-Leitzinsen, steigen die Preise deutscher Staatsanleihen. Steigende Zinsen lässt die Preise fallen.

Als Anleger:in bereiten dir Kursschwankungen keinerlei Probleme, wenn die Rückzahlung Anleihe zum Ende der Laufzeit erfolgt. Du erhältst den kompletten Nennwert zurück. Hast du für 10.000 Euro gekauft, bekommst du diesen Betrag zurück. Deutsche Staatsanleihen zeichnet eine hohe Liquidität aus. Daher lassen sie sich jederzeit an der Börse wieder verkaufen. Der beim Verkauf realisierbare Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage.

So unterscheiden sich Bundesanleihen von anderen Bundeswertpapieren

Es gibt neben Bundesanleihen weitere mehrere Arten von deutschen Staatsanleihen. Dazu gehören u.a.:

  • Bundesobligationen
  • Bundeschatzanweisung
  • Inflationsindexierte Bundesobligationen
  • Inflationsindexierte Bundeswertpapiere
  • Grüne Bundesanleihen

Bundesschatzbriefe wurden letztmalig im Jahr 2019 getilgt. Neue Wertpapiere dieser Art wurden nicht mehr aufgelegt.

In der Tabelle werden die Unterschiede wichtiger Bundeswertpapiere dargestellt.

MerkmaleBundesanleihenBundes­schatz­anweisungenBundes­obligationenInflations­indexierte ObligationenInflationsindexierte AnleihenGrüne Bundesanleihen
Laufzeit10, 15 oder 30 Jahre2 Jahre5 Jahre5 Jahre10 oder 30 Jahre10 oder 30 Jahre
Zinszahlungjährlichjährlichjährlichjährlichjährlichjährlich
Zinsberechnungsmethodetagesaktuelltagesaktuelltagesaktuelltagesaktuelltagesaktuelltagesaktuell
Erwerbgebührenpflichtiger Erwerb beim Kreditinstitut oder nach Börseneinführung beim Broker über die Börse; kein Mindestauftrag, keine Höchstgrenzegebührenpflichtiger Erwerb beim Kreditinstitut oder nach Börseneinführung beim Broker über die Börse; kein Mindestauftrag, keine Höchstgrenzegebührenpflichtiger Erwerb beim Kreditinstitut oder nach Börseneinführung beim Broker über die Börse; kein Mindestauftrag, keine Höchstgrenzegebührenpflichtiger Erwerb beim Kreditinstitut oder nach Börseneinführung beim Broker über die Börse; kein Mindestauftrag, keine Höchstgrenzegebührenpflichtiger Erwerb beim Kreditinstitut oder nach Börseneinführung beim Broker über die Börse; kein Mindestauftrag, keine Höchstgrenzegebührenpflichtiger Erwerb beim Kreditinstitut oder nach Börseneinführung beim Broker über die Börse; kein Mindestauftrag, keine Höchstgrenze
VerwahrungKreditinstitut oder Broker: ggf. DepotgebührenKreditinstitut oder Broker: ggf. DepotgebührenKreditinstitut oder Broker: ggf. DepotgebührenKreditinstitut oder Broker: ggf. DepotgebührenKreditinstitut oder Broker: ggf. DepotgebührenKreditinstitut oder Broker: ggf. Depotgebühren
Verkauftäglicher Verkauf zum aktuellen Kurs bei Banken, Sparkassen & Brokertäglicher Verkauf zum aktuellen Kurs bei Banken, Sparkassen & Brokertäglicher Verkauf zum aktuellen Kurs bei Banken, Sparkassen & Brokertäglicher Verkauf zum aktuellen Kurs bei Banken, Sparkassen & Brokertäglicher Verkauf zum aktuellen Kurs bei Banken, Sparkassen & Brokertäglicher Verkauf zum aktuellen Kurs bei Banken, Sparkassen & Broker
Rückzahlungzum Nennwertzum Nennwertzum Nennwertabhängig von Inflationsentwicklung, mindestens zum Nennwertabhängig von Inflationsentwicklung, mindestens zum Nennwertzum Nennwert
Liquiditäts-/Emittentenrisikosehr geringsehr geringsehr geringsehr geringsehr geringsehr gering
Hinweis

Die wesentlichsten Unterscheidungen bei Bundeswertpapieren sind Laufzeit. Außerdem gibt es sie in der Form konventionelle, inflationsindexierte und grüne Bundeswertpapiere. Die Rückzahlung immer zum Nennwert und das Anleiherisiko ist sehr gering. Kursrisiken steigen mit der Laufzeit.

Funktionsweise von Bundesanleihen

Vom Bundesfinanzministerium wird ein Bundeshaushaltsplan zur Vorlage beim Bundestag und Bundesrat erarbeitet. Nach einer erfolgten Abstimmung erlangt dieser Verbindlichkeit für ein Haushaltsjahr. Regelmäßig wird im Haushaltsplan die Emission von Bundesanleihen vorgeschlagen. Diese kann nach Genehmigung durch den Bundeshaushalt vorgenommen werden.

Nach die entsprechenden Genehmigungen erteilt worden sind, werden Bundesanleihen am Kapitalmarkt angeboten.

Der Käufer:innen von Bundesanleihe leihen dem deutschen Staat Geld (Fremdkapital) und werden zum Gläubiger der Bundesrepublik. Vergütet wird die Geldleihe durch eine feste Zinszahlung (Kupon), die einmal jährlich rückwirkend gezahlt wird. Durch die hohe Liquidität der Wertpapiere ist ein jederzeitiger Verkauf an der Börse zum aktuellen Kurs möglich. Der Anleihekurs kann 100 Prozent Marke unter- oder überbieten. Zum Ende der Laufzeit muss der Schuldner den Nennbetrag der Bundesanleihe an den jeweiligen Inhaber:in zurückzahlen.

Hinweis

Die Emissionsplanung des Bundes für das kommende Jahr wird durch die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH im Dezember eines jeden Jahres bekanntgegeben. Im Emissionskalender des Bundes erfolgen die Auflistungen der geplanten Neuemissionen mit Datumsangabe, Volumen, etc. Der genau jeweilige Zinssatz wird konkret zum Termin bei Erstausgabe unter Berücksichtigung des Zinsniveaus am Rentenmarkt festgelegt.

Kauf und Verkauf von Staatsanleihen

Der Kauf und Verkauf von Staatsanleihen funktioniert wie bei anderen börsennotierten Wertpapieren. Sie können börsentäglich über das Wertpapierdepot bei Banken, Sparkassen und Brokern gehandelt werden.

Die Abwicklung erfolgt per Computerhandel bzw. auf elektronischem Weg. Jede Bundesanleihe ist mit einer entsprechenden ISIN versehen. Außerdem enthält sie alle Anleihemerkmale (Laufzeit, Kupon). Eine Aufstellung der Bundesanleihen findest du online auf der Seite der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland GmbH.

Die gekauften zehn- und dreißigjährigen Bundesanleihen werden im Wertpapierdepot verwahrt. Eine kostenlose Verwahrung ist nur für bis 2012 ausgegebene Bundeswertpapiere bei der Finanzagentur möglich.

Hinweis

Mindestanlagesumme oder Anlagehöchstbetrag gibt es nicht. Beim Kauf, Verkauf sowie der Verwahrung können abhängig vom Depotanbieter Gebühren anfallen. Ein Depot Vergleich hilft dir bei der Suche nach einem günstigen Depotanbieter. Anleihen können teilweise bereits ab 0 Euro gekauft werden.

Gewinnmöglichkeiten mit Bundesanleihen

Gewinnmöglichkeiten mit Bundesanleihen bieten sich durch die festen Zins-Kopons. Einmal pro Jahr ausgezahlte Zinserträge können für den Zinseszinseffekt am Markt reinvestiert werden.

Die Ausgabe der Bundesanleihen erfolgt in der Regel zu einem Kurs nahe 100 Prozent. Bei Fälligkeit wird die Anleihesumme wieder zu 100 Prozent zurückgezahlt.

Während der Anlagezeit kommt es aufgrund von Marktzinsänderungen zu täglichen Schwankungen des Anleihekurses. Ein Erwerb einer Bundesanleihe unter 100 Prozent führt mit Eintreffen der Fälligkeit zu Kursgewinnen.

Ein Kauf über einen Kurs 100 Prozent verursacht Kursverluste. Diese lassen gegen eventuelle Zinserträge aufrechnen.

Kaufst du eine Bundesanleihe zu einem Kurs unter 100, erzielst du beim Verkauf bzw. Fälligkeit der Anleihe eine zusätzliche Rendite. Ausgezahlt wird eine zu Kurs 98,2 gekaufte Anleihe zum vollständigen Nennwert. Beim Verkauf einer 6,25 Prozent Bundesleihe aus 2000 während der Laufzeit würde der Verkauf im April 2022 zum Kurs von rund 140 Prozent bei einer Anleihesumme von 10.000 Euro einen Extragewinn von 4.000 Euro bedeuten.

Hinweis

Gewinne mit Bundesanleihen lassen sich mit der richtigen Prognose künftiger Zinsentwicklung am Rentenmarkt erzielen. Kurse reagieren auf Änderungen des Zinsniveaus am Markt immer dann stark, wenn die Restlaufzeit lang ist und der Zinssatz der Bundesanleihe niedrig ist.

Beispiel: Wie berechnet sich die Rendite von Bundesanleihen?

Für die Rendite sind von Bundesanleihen zwei Szenarien zutreffend. Entweder du hältst eine Anleihe bis zur Fälligkeit oder du Verkaufst sie während der Laufzeit.

Erwirbst du eine Bundesanleihe mit einem Zinscoupon von 1 Prozent und hältst das Wertpapier bis zur Fälligkeit, beträgt deine Rendite pro Jahr ein Prozent. Eine Wertsteigerung gibt es nicht. Du erhältst die Anleihesumme zum Nennwert zurückgezahlt. Erträge aus Wiederanlage sind hier nicht eingerechnet, ein Verlust aufgrund einer Inflation ebenfalls nicht.

Anders sieht die Renditeberechnung beim Verkauf während der Laufzeit aus. Hier werden zusätzlich zur Zinsrendite eventuelle Wertsteigerungen oder Wertverluste berücksichtigt.

Renditen lassen sich manuell mit einer Formel ermitteln. Am einfachsten funktioniert die Renditeberechnung mit einem Rendite-Rechner wie auf der Seite von Zinsen-Berechnen.de

Zahlenbeispiel: Der Kupon liegt bei 0 Prozent, der Anleger:in kauft die Bundesanleihe zum Kurs von 98,5 Prozent und verkauft zum Kurs von 104 Prozent nach fünf Jahren. Daraus ergibt sich eine Rendite von 0,91 Prozent.

Hinweis

Zahlreiche Faktoren führen regelmäßig zu einem Ansteigen der Rendite einer Bundesanleihe. Dazu gehören Laufzeit, Kreditwürdigkeit des Staates, sinkender Anleihekurs sowie fallender Marktzinssatz während der Laufzeit.

Für Privatanleger noch lohnenswert

Bereits seit 2016 hält die Europäische Zentralbank den Euro Leitzins bei null. Anfang 2022 betrug die Rendite neuer Bundesanleihen weniger als 0 Prozent. Im April 2022 bewegen sich Renditen für 10-jährige Bundesanleihen (Zinscoupon 0 Prozent) bei etwa 0,80 Prozent. Gewinnmöglichkeiten bestehen praktisch nicht. Bei einer Inflation von mehr als 7 Prozent verliert das angelegte Geld an Wert.

Für sicherheitsorientierte Anleger:innen könnten sich Bundesanleihen durch die Sicherheit ihrer Anlage bzw. die garantierte Rückzahlung zum kompletten Nennwert am Laufzeitende lohnen. Mit der Anhebung des EZV Leitzinssatzes würde der Vorteil der festen jährlichen Zinszahlungen hinzukommen.

Hinweis

Kaufst du eine Bundesanleihe zu einem Kurs unter 100, erzielst du beim Verkauf bzw. Fälligkeit der Anleihe eine Rendite zusätzlich zum Zinsertrag. Es kann sich auch lohnen ein Anleihe zu einem höheren Kurs bei höherem Zinscoupon zu kaufen. Der höhere Anleihepreis vermindert die der Anleihe zugrundeliegende Zinsrendite.

Vor- und Nachteile von Bundesanleihen

Vorteile
  • Hohe Liquidität: Bundesanleihen gehören zu den meistgehandelten von Staaten begebenen Wertpapieren im Euroraum.
  • Sicherheit: Bundesanleihen besitzen höchstes Rating (Aaa, AAA) und gelten als sehr sicher.
  • Geringes Risiko: Bundesrepublik als Herausgeber der Bundesanleihen gilt als zuverlässiger Schuldner.
  • Planbarkeit:
Nachteile
  • Emittentenrisiko: Deutsche Staatsanleihen gelten als mündelsichere Finanzprodukte, damit ist das Risiko eines Zahlungsausfalls sehr gering.
  • Geringe oder negative Rendite: Bestimmte Bundesanleihen verzeichnen aufgrund der EZB-Zinssätze negative Renditen. 2016 erfolgte erstmals die Ausgabe von 10 Jahres-Anleihen mit einem Kupon von 0 Prozent.
  • Kursrisiko: Kurse von Bundesanleihen schwanken wie andere Anleihekurse auch. Ein Ansteigen des allgemeinen Marktzinssatzes führt zu einem sinkenden Anleihekurs. Für Anleger:innen, die die Anleihe bis zum Laufzeitende halten, ist das Kursrisiko ohne Belang.

Zu nennen wäre noch das Inflationsrisiko, welches bei konventionellen Bundesanleihen besteht. Der reale Wertverlust des über längere Laufzeiten angelegten Geldes kann Anleihegewinne übertreffen. Steigende Inflationsraten können zudem einen Kursrückgang einer börsengehandelten Bundesanleihe auslösen. Schutz gegen Inflationsverluste bieten inflationsgeschützte Bundesanleihen und Bundesobligationen.

Alternativen zu Bundesanleihen

Alternativen gibt es einige zu Bundesanleihen. Mit Festgeld gibt es ähnlich verzinste und sichere Anlagemöglichkeiten. Wer zu mehr Risiko bereit ist, kann deutlich höhere Zinsen mit Staatsanleihen geringerer Bonität, Unternehmensanleihen. Auch Rentenfonds, Anleihen ETFs oder Crowdinvesting sind geeignete Alternativen zu Bundesanleihen, wenn es mehr Rendite sein soll.

Ausführliche Informationen findest du in unseren Ratgebern: Anleihen ETFs und Crowdinvesting

Fazit zu Bundesanleihen: Lohnenswert nur zum Zweck einer Depotabsicherung

Bundesanleihen gehören zu den weltweit sichersten Anleihen. Die Sicherheit hat ihren Preis, denn stark nachgefragte Titel bringen aktuelle kaum Rendite. Das wird sich auch im Fall von kleineren Zinserhöhungen durch die EZB nicht so schnell ändern.

In Zeiten hoher Volatilität können Bundesanleihen als Depotbeimischung für eine Portfolioabsicherung bei sinkenden Aktienkursen sorgen.

Bundesanleihen eignen sich risikoorientierte Anleger:innen, die umfassenden Schutz vor einer Emittenten-Insolvenz möchten und feste regelmäßige Erträge wünschen. Auf nennenswerte Anleihezinsen müssen Privatanleger:innen aus heutiger Sicht und nach Aussagen der EZB-Banker:innen noch einige Jahre verzichten.

FAQ: Typische Fragen und unsere Antworten rund um Bundesanleihen

Wie kann man Bundesanleihen kaufen?

Bundesanleihen mit zehnjähriger oder 30-jähriger Laufzeit können im Rahmen der Erstemission bei einem Kreditinstitut gekauft werden. Nachdem die Bundesanleihe börslich platziert wurde, lässt sie sich börsentäglich über jede Bank oder Sparkasse kaufen bzw. über einen Online-Broker handeln.
Die Verwahrung erfolgt in einem Wertpapierdepot. Bundesanleihen können bei Bedarf wieder verkauft werden. Eine Mindestanlagesumme oder Anlagehöchstbetrag gibt es nicht.

Für welche Anleger sind Bundesanleihen geeignet?

Bundesanleihen eignen sich für Anleger:innen, die eine sicherheitsorientierte langfristige Geldanlage verfolgen. Mit dem Halten bis zum Ende der Laufzeit sind regelmäßige Erträge verbunden, die entsprechende kalkulierbar sind. Mit Bundesanleihen können professionelle Anleger:innen können auf Kursgewinne setzen bzw.  Renditen erwirtschaften. Voraussetzung dafür ist, dass sie die Entwicklung der Zinsen am Anleihemarkt genau vorhersagen.

Wie kann man die Rendite von Bundesanleihen optimieren?

Bundesanleihen werden zu festen Zinssätzen begeben, wobei es aufgrund von Änderungen der allgemeinen Marktzinsen bei neu ausgegebenen Anleihen höhere Zinsen geben kann. Anleger:innen können zur Renditeoptimierung Anleihen nachkaufen. Alternativ können sie eine Bundesanleihe verkaufen, beispielsweise wenn der Anleihekurs die 100 Prozent Marke überschreitet, und im Gegenzug eine höherverzinste Erstemission erwerben.

Sind steigende Zinsen stets schlecht für Anleihen?

Steigende Zinsen wirken sich negativ auf den Anleihewert einer laufenden Anleihe aus. Der Anleihekurs sinkt unter 100 Prozent. Bei Laufzeitende beträgt dieser grundsätzlich wieder 100 Prozent und der Anleger:in erhält die angelegte Anleihesumme komplett zurück. Indem du Geld aus fällig gewordenen Bundesanleihen in neue höher rentierliche Anleihen reinvestiert, erhöhst du damit die Gesamtrendite deines Anleiheportfolios.

Wieso verkauft der Staat Bundesanleihen?

Bundesanleihen bieten dem Staat die Möglichkeit, sich Geld zur Durchführung seiner vielen Aufgaben zu leihen. Die jährlich kassierten Steuermittel reichen dazu nicht aus. Rund 98 Prozent der Schulden des Bundes bestehen aus börsengehandelten Bundeswertpapieren. Dank der negativen Rendite macht der Staat mit seinen Anleihen sogar Gewinn. Bis Dezember 20221 wurde dieser auf mehr als 7 Milliarden Euro geschätzt.

Warum kaufen die Bürger Bundesanleihen?

Privatanleger:innen möchten mit dem Kauf von Bundesanleihen von einer sicheren Geldanlage profitieren. Deutsche Staatsanleihen haben ein sehr geringem Risiko. Die Rückzahlung des Anlagebetrages ist sicher und kalkulierbar. Die Sicherheit durch den Staat hat ihren Preis und seit 2016 kostet sie Anleger:innen Negativzinsen.

Was macht die Bundesanleihe überhaupt attraktiv?

Anleihekäufer wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds nutzen Bundesanleihen, selbst bei Minuszinsen, für die Steuerung von Risikokapital- bzw. Liquiditätsquoten). Für Privatanleger:innen ist der Kauf einer Bundesanleihe eher aus Gründen der Portfolioabsicherung attraktiv, da ihr Preis steigt, wenn Aktien fallen. Unter Umständen ergeben sich Gewinne aufgrund steigender Kurse von Bundesanleihen.

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Thomas Detlef Bär

Veröffentlicht von

Als studierter Ökonom habe ich mich jahrelang in erster Linie mit betriebswirtschaftlichen Problemen befasst. Seit mehr als zehn Jahren sehe ich meine Berufung darin, Wissen und Erfahrungen rund um private Finanzen aufzubereiten und in Ratgeberform zu vermitteln.