Agio

oliverschoch
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Letzte Überarbeitung am 27. Juli 2022
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Bei manchen Investments gibt es mit dem sogenannten Agio für Anleger einen Aufschlag zu berücksichtigen. Solche Aufschläge führen oft zu erhöhten Kosten, sodass du dich im Zusammenhang mit Wertpapieren und anderen Anlageformen über ein mögliches Aufgeld informieren solltest.

In unserem Beitrag erfährst du zunächst, worum es sich beim Agio handelt. Ferner gehen wir darauf ein, worin der Unterschied zwischen dem Disagio und dem Agio besteht, bei welchen Anlageformen das Aufgeld seine Anwendung findet, welche Faktoren die Höhe des Agios beeinflussen und worin die Vor- und Nachteile solcher Investments bestehen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Im Finanzbereich ist mit dem Agio in aller Regel ein Aufpreis gemeint, der auch als Aufschlag oder Aufgeld bezeichnet wird
  • Das Agio kommt häufig bei bestimmten Investmentformen vor, insbesondere bei Anleihen, beim Handel mit Aktien, Fonds und zum Teil bei Devisen
  • Das Gegenteil des Agios ist das Disagio, bei dem es sich um einen Abschlag bzw. um ein Abgeld handelt
  • Anleger:innen sollten sich über ein mögliches Agio informieren, weil dies häufig zu zusätzlichen Kosten führt

Was ist das Agio?

Der Begriff Agio kommt aus dem Lateinischen und bedeutet dort Bequemlichkeit bzw. Spielraum. Etwas weiter gefasst ist im Finanzbereich mit dem Agio ein Aufschlag gemeint, den es auf einen Preis oder Kurs gibt. Solche Aufschläge können sich zum Beispiel auf den Nennwert von Wertpapieren beziehen, insbesondere bei Anleihen. Gleiches gilt für eine Darlehenssumme, denn auch dort kann es unter Umständen ein Agio geben.

Das Agio lässt sich auch so erklären, dass es sich dabei um eine Differenz zwischen dem tatsächlichen Preis und dem entsprechenden Nennwert handelt. Angegeben wird das Agio ausschließlich in Prozent, die sich wiederum auf den Nennbetrag beziehen. Für die meisten Anleger:innen ist der Begriff Agio bei Investments mit Kosten verbunden.

Was ist der Unterschied zwischen Agio und Disagio?

Das Agio ist im Prinzip exakt das Gegenteil vom Disagio. Während es sich beim Agio um einen Aufschlag bzw. um ein Aufgeld handelt, sind andere Begriffe für das Disagio insbesondere Abgeld und Abschlag. Gemeinsam haben diese Auf- und Abschläge, dass sie sowohl im Kredit- als auch im Anlagebereich vorkommen können. Allerdings erhöht ein Disagio meistens für Anleger:innen die Rendite, während beim Agio das Gegenteil der Fall ist.

Agio kommt bei verschiedenen Anlageformen zum Einsatz

Zur Anwendung gelangt das Agio im Finanzbereich vorwiegend bei Investments, also wenn du Geld anlegen möchtest. Dort sind es insbesondere die folgenden Anlageformen, die aufgrund des Aufschlags betroffen sein können:

  • Anleihen
  • Investmentfonds
  • Aktien (Emission)
  • Optionen
  • Devisen

Darüber hinaus kann im Rahmen des Aufgeldes ebenso ein Kredit betroffen sein. Wir möchten in diesem Abschnitt näher darauf eingehen, in welcher Form sich das Agio bei den zuvor genannten Anlageformen für Anleger und Anlegerinnen auswirkt.

Anleihen

Eine Anlageform, die von einem Aufgeld betroffen sein kann, ist die Anleihe. Allerdings werden diese Wertpapiere meistens zum Nennwert ausgegeben oder sind alternativ mit einem Disagio ausgestattet. Agios kommen dementsprechend bei Rentenpapieren nicht häufig vor, sind allerdings andererseits nicht vollkommen unüblich. Ist also ein festverzinsliches Wertpapier mit einem Agio ausgestattet, dann zahlen Käufer:innen einen Aufschlag auf den Nennwert. In dem Fall würden Sie also beispielsweise die Anleihe nicht zu einem Kurs von 100 Prozent, sondern stattdessen zu 105 Prozent kaufen. Meistens ist dann allerdings der Zins des Wertpapiers etwas höher, um den Nachteil des Ausgabeaufschlages zu kompensieren.

Investmentfonds

Sehr typisch im Finanzbereich ist das Agio bei Investmentfonds. Dort wird allerdings nicht vom Aufgeld oder Agio gesprochen, sondern stattdessen von einem Ausgabeaufschlag. Dieser bezieht sich auf die einzelnen Fondsanteile, sodass Anleger:innen den Fondsanteil zu einem höheren Preis kaufen, als sie später an die Fondsgesellschaft wieder verkaufen. Bei Investmentfonds gibt es zum einen den Ausgabepreis und zum anderen den Rücknahmepreis.

Diese Differenz stellt das Agio als Ausgabeaufschlag dar. In der Praxis können solche Ausgabeaufschläge durchaus zwischen ein bis über fünf Prozent betragen, je nach Art des Fonds. Beim Kauf sollten Käufer:innen demnach unbedingt auf diesen Kostenfaktor achten, der als Ausgabepreis mit Aufschlag nicht unerheblich ist. Die Höhe des Ausgabeaufschlages richtet sich dabei meistens nach der Fondsart, sodass du im Durchschnitt mit folgenden Ausgabeaufschlägen rechnen kannst:

  • Geldmarktfonds: 0,5 bis 1,0 %
  • Rentenfonds: 1,5 bis 3,5 %
  • Aktienfonds: 3,5 bis 6 %
  • Offene Immobilienfonds: 4,5 bis 5,5 %

Aktien

Ein Agio kann es auch bei Aktien geben, allerdings nicht im Hinblick auf den Handel an der Börse, sondern im Rahmen einer Emission. In dem Fall wird bei einem solchen Wertpapier von einem Aufschlag gesprochen, wenn der Ausgabebetrag der Aktien höher als der Nennbetrag des Wertpapiers ist.

Optionen

Ein weiteres Finanzprodukt, bei dem ein Agio üblich ist, sind Optionen. In diesem Bereich spricht man von einem Aufgeld. Dieses ergibt sich daraus, dass es eine Differenz zwischen dem inneren Wert einer Option und dem Wert gibt, der diesen inneren Wert übersteigt. Schauen wir uns zur Verdeutlichung die folgenden Zahlen und Daten bei einer Option an:

  • Ausübungspreis: 60
  • Preis der Option: 6 Euro
  • Kurs Kauf Basiswert: 62 Euro
  • Aufgeld: 4 Euro

Devisen

Im Bereich des Handels mit fremden Währungen kann es ebenfalls zu einem Agio kommen. Allerdings ist dies nicht regelmäßig und zwangsläufig der Fall. Einerseits gibt es beim An- und Verkauf von Sorten ein Agio, denn normalerweise kaufst du ausländisches Bargeld bei der Bank zu einem höheren Kurs als wenn du es an die Bank verkaufen würdest. Ähnliches gibt es anderseits beim Devisenhandel, nämlich bei der Differenz zwischen dem Geld- und dem Briefkurs. Hier wird das Agio oft auch als Spread bezeichnet.

Darlehen

Nicht nur im Anlagebereich findet das Agio manchmal seine Anwendung, sondern hin und wieder ebenfalls bei Darlehen. Ein Beispiel wäre, wenn du einen Kredit für nominal 10.000 Euro aufnehmen würdest, jedoch ein Agio von fünf Prozent berechnet wird. In diesem Fall würdest du statt der 10.000 Euro nur 9.500 Euro ausgezahlt bekommen. Insbesondere bei Krediten an Privatkund:innen finden sich solche Aufschläge in Form des Agios im Finanzbereich allerdings relativ selten vor.

Einige Faktoren beeinflussen Höhe des Disagios

Es gibt einige Faktoren, die sich darauf auswirken, wie hoch ein entsprechendes Agio in der Praxis ausfällt. Geht es zum Beispiel um eine Emission von Aktien, dann errechnet das entsprechende Unternehmen, also die Aktiengesellschaft, das Agio meistens auf der Grundlage, dass ein Ausgleich zwischen den Börsenwert der emittierten Wertpapiere auf der einen Seite sowie dem Eigenkapital in der Bilanz des Unternehmens andererseits stattfindet. In den meisten Fällen ist auch die aktuelle Situation an den Märkten ein bedeutender Einflussfaktor, was die Höhe des Agios angeht.

Das lässt sich sehr gut bei Ausgabeaufschlägen im Bereich der Fonds verdeutlichen. Geht es zum Beispiel um einen Rentenfonds, setzen viele Fondsgesellschaften hier einen Ausgabeaufschlag, also ein Agio, von beispielsweise 1,8 % an. Somit dürfte ein anderer Fonds sich am Markt schwertun, wenn dort zum Beispiel ein Agio von 3,5 Prozent veranschlagt würde.

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Höhe des Agios ist ferner, wie beliebt die entsprechende Anlage ist und wie dringend Emittent:innen das Kapital benötigen. Ist eiliger Kapitalbedarf vorhanden, zum Beispiel durch die Emission einer Anleihe, wird der/die Emittent:in vermutlich gar kein oder nur ein geringes Agio veranschlagen. Gibt es hingegen die gegenteilige Situation, dass also die Nachfrage nach dem Produkt sehr groß ist, können durchaus höhere Agios veranschlagt werden.

Hinweis

Du solltest beim Agio stets kalkulieren, in welcher Form sich dieses auf die Gesamtrendite auswirkt. Manchmal wird ein Aufgeld durch höhere Zinsen ausgeglichen, manchmal aber auch nicht. Aus dem Grund solltest du das Agio als möglichen Kostenfaktor stets im Hinterkopf behalten.

Agio muss angegeben werden

Da es sich beim Agio für Anleger:innen oft um einen Kostenfaktor handelt, sind die jeweiligen Emittent:innen dazu verpflichtet, das Aufgeld anzugeben. Verlangt zum Beispiel eine Fondsgesellschaft einen Ausgabeaufschlag, also ein Agio, muss dieser definitiv in der entsprechenden Verkaufsbroschüre genannt werden. Gleiches gilt für Aktiengesellschaften, die im Zusammenhang mit der Emission ebenfalls ein Agio verlangen. In dem Fall muss das entsprechende Aufgeld zum Beispiel im Zeichnungsschein für das Wertpapier angegeben werden.

Typische Investments mit einem Agio

Typische Investments mit einem Agio finden sich in erster Linie im Wertpapierbereich. Am häufigsten gibt es ein Aufgeld einerseits bei Fonds und zum anderen bei manchen Anleihen. Darüber hinaus sind in der Regel auch Optionen oft mit einem Agio versehen. Demgegenüber existiert nahezu nie bei klassischen Anlageprodukten ein Aufgeld, wie zum Beispiel bei Spareinlagen, einem Tages- oder Festgeld. Manchmal gibt es ein Aufgeld auch bei geschlossenen Fonds, bei denen Anleger:innen ebenfalls Anteile in Form einer geschlossenen Beteiligung erwerben.

Vor- und Nachteile von Investments mit Agio

Im Folgenden möchten wir die wichtigsten Vor- und Nachteile nennen, die Investments mit Agio für dich als Anleger:in beinhalten.

Vorteile
  • Hilfreiche Kennzahl bei Optionsscheinen
  • Nützliches Vergleichsinstrument zwischen verschiedenen Angeboten und Anlageformen
  • Emittent muss indirekt häufig weniger an Anleger:innen zahlen
Nachteile
  • Meistens mindert ein Agio die Rendite der Anleger:innen
  • Kann genutzt werden, um Darlehenskonditionen zu schönen
  • Agio muss beim Vergleich mehrerer Anlagealternativen mit einbezogen werden
  • Wahre Rendite kann bei Nichtbeachtung durch das Agio verwischt werden

Fazit zum Agio

Das Agio ist als Aufgeld bei den meisten Anleger:innen nicht gerne gesehen. Bei Anleihen zum Beispiel muss ein höherer Preis als der Nominalwert gezahlt werden, wenn das Wertpapier erworben wird. Bei Investmentfonds verteuert das Agio den Kauf nicht unerheblich, denn der Ausgabeaufschlag liegt – je nach Fondsart – durchschnittlich bei ein bis über fünf Prozent. In den meisten Fällen ist ein Agio demnach für Anleger:innen als eine Art Über Pari Preis negativ, was du in die Kalkulation mit einbeziehen solltest.

Häufige Fragen und unsere Antworten zum Agio

Was ist ein Agio?

Das Agio ist ein Aufgeld, welches du bei manchen Investments zahlen musst. Dies gilt insbesondere für manche Anleihen, Fonds sowie bei der Emission von Aktien.

Wie wirkt sich das Agio auf die Zinsen aus?

Ob sich ein Agio überhaupt auf die Zinsen auswirkt, hängt von den jeweiligen Emittent:innen ab. Bei Anleihen zum Beispiel gibt es manche Emittent:innen, die das Agio als Aufschlag durch einen etwas höheren Zins in gewisser Weise ausgleichen. Andere Emittent:innen hingegen nutzen ausschließlich dass Agio, zahlen den Anleger:innen deshalb allerdings keinen nominal höheren Zins. Auf den Effektivzins wirkt sich ein Agio demnach immer negativ aus.

Wo und wann muss das Agio angegeben werden?

Die Angabe des Agio ist seitens der Emittent:innen verpflichtend, unabhängig davon, um welches Investment es sich handelt. So muss die Angabe beispielsweise in einem Verkaufsprospekt eines Fonds erfolgen, ebenso bei der Emission von Aktien im jeweiligen Zeichnungsschein.

Wie häufig wird das Agio verwendet?

Wie häufig das Agio verwendet wird, hängt insbesondere von der Anlageform ab. Im Fondsbereich zum Beispiel wird ein Agio in Form des Ausgabeaufschlages sehr häufig verwendet, bei Anleihen und vor allem im Kreditbereich treffen wir es in der Praxis wesentlich seltener an.

Wie berechne ich das Agio?

Das Agio wird in Prozent auf Grundlage des jeweiligen Nennwertes bei Anleihen oder des Preises bei Fondsanteilen berechnet. Wenn ein Emittent also zum Beispiel eine Anleihe zu einem Nennwert von 1.000 Euro ausgibt und ein Agio von fünf Prozent veranschlagt, rechnest du einfach 5 % von 1.000 und gelangst so zum Agio in Höhe von 50 Euro. Dementsprechend musst du 1.050 Euro für die Anleihe mit einem Nennwert von 1.000 Euro zahlen.

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Oliver Schoch

Veröffentlicht von

Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.