ETF Risiken

Feda Mecan Feda Mecan Veröffentlicht am: 31. März 2022 Letztes Update: 28. März 2022 Lesezeit: 10 Minuten
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ETFs erfreuen sich einer immer größer werdender Beliebtheit unter Anleger:innen. Allerdings ist auch dieses Anlageinstrument mit gewissen Risiken behaftet, auf die wir in diesem Artikel näher eingehen möchten. Zuerst werden wir die Frage beantworten, ob ETFs sicher sind und auf die jeweiligen Risiken im Detail eingehen. Auch die Replikationsmethode hat Einfluss auf das Risikoniveau eines ETFs, weswegen wir auch hierauf eingehen. Gegen Ende des Artikels geben wir dir noch Lösungsmöglichkeiten mit auf den Weg, wie du das Risiko von ETFs minimieren kannst und stellen Falschbehauptungen über ETFs richtig.

Das Wichtigste in Kürze

  • ETFs sind sichere Anlageprodukte, da sie strengstens reguliert werden und zum Sondervermögen zählen. Das bedeutet, ein Emittentenrisiko besteht hier nicht.
  • Bei ETFs gilt es verschiedene Risiken zu beachten. Dazu gehört das Marktrisiko aber auch Liquiditätsengpässe und Währungsrisiken.
  • Das Marktrisiko ist das größte Risiko, da es nicht eliminiert werden kann. Es kann allerdings minimiert werden, indem das Kapital breit gestreut wird.
  • Oftmals stehen sich Anleger:innen selbst im Weg, wenn sie beispielsweise aktiv mit ETFs handeln und so über die Transaktionskosten ihre Rendite verringern.
  • Nicht alle ETFs sind passive Anlageprodukte. Mittlerweile gibt es auch aktive ETFs, die das Ziel verfolgen, den Markt zu schlagen.

Sind ETFs sicher?

Grundsätzlich handelt es sich bei ETFs um ein sehr sicheres Anlageprodukt. Deine ETF-Anteile werden nämlich nicht beim Anbieter des ETFs gelagert, sondern bei einer Partnerbank. Denn deine ETF-Anteile gehören zum Sondervermögen. Das bedeutet, bei einer Investition in ETFs besteht kein Emittentenrisiko, du behältst daher deine Anteile, selbst wenn der ETF-Anbieter Pleite geht. Außerdem sind die meisten ETFs dem strengen UCITS-Regelwerk der EU unterlegen. Diese Regeln dienen dazu, um den Anlegerschutz sicherzustellen.

Welche ETF Risiken gibt es?

Auch wenn es sich bei ETFs um sichere Anlageprodukte handelt, so sind diese dennoch mit unterschiedlichen Risiken behaftet, die Anleger:innen unbedingt berücksichtigen sollten. Dazu gehören die folgenden Risiken:

  • Marktrisiko
  • Währungsrisiken
  • Liquiditätsengpässe
  • Herdenverhalten und Blasengefahr
  • Wertpapierleihe

Marktrisiko

Egal wie sicher ein Anlageinstrument selbst ist, wenn in einen bestimmten Markt investiert wird, dann entsteht auch ein sogenanntes Marktrisiko. Dieses lässt sich leider nicht eliminieren. Dabei kann sich das Risiko aber je nachdem, welchen Markt ein ETF abbildet, stark unterscheiden. Wird beispielsweise in den MSCI World ETF investiert, welcher etwa 1.600 verschiedene Werte aus 23 Industriestaaten abbildet, dann ist das eigene Kapital breit gestreut und das Risiko fällt demnach nicht allzu hoch aus.

Wird allerdings in eine bestimmte Nische investiert, dann kann das Risiko auch massiv ansteigen. Wie groß das Risiko dabei genau ausfällt, hängt stark von der abgebildeten Nische ab. Grundsätzlich gilt aber, dass sich Investor:innen, die in Sektor ETFs investieren, welche eine bestimmte Nische abbilden, sehr gut darin auskennen sollten, um das entstehende Risiko möglichst gut abschätzen zu können. Unerfahrene Anleger:innen sollten lieber in einen breit diversifizierten ETF investieren, um kein zu großes Risiko einzugehen.

Währungsrisiken

Bei einem Investment in einen ETF, der entweder in einer anderen Währung notiert oder aber Unternehmen beinhaltet, die ihren Sitz außerhalb der Eurozone haben, kommt es zu Währungsrisiken. Diese entstehen dadurch, dass die Fremdwährung in die eigene Währung bei Käufen und Verkäufen umgerechnet werden muss. Durch die Schwankungen der Wechselkurse kann es hierbei zu Verlusten oder Gewinnen kommen, die sich unabhängig von der Performance des Anlageproduktes ergeben.

Langfristanleger brauchen sich hierbei aber keine großen Sorgen machen, da sich Währungsrisiken langfristig angleichen. Denn die Wechselkurse bewegen sich langfristig betrachtet hin zu ihrer relativen Kaufkraftparität. Wenn du also vorhast, dein Kapital über viele Jahre, möglicherweise sogar Jahrzehnte anzulegen, dann musst du dir nicht den Kopf über die Währungsrisiken zerbrechen.

Ein positiver Nebeneffekt eines Investments in einen breit gestreuten ETF, der einen großen Teil der Welt abdeckt, ist dabei, dass automatisch auch eine Währungsdiversifikation entsteht, da in viele verschiedene Länder mit unterschiedlichen Währungen investiert wird.

Liquiditätsengpässe

Mittlerweile werden auch immer mehr Nischen von ETFs abgebildet. Für Anleger:innen hat dies den großen Vorteil, dass dadurch auch illiquide Märkte gehandelt werden können. So kann heutzutage in Nischen investiert werden, in die man vor einigen Jahren nicht investieren konnte, da die einzelnen Werte sehr illiquide waren. Über die Auswirkungen dessen scheiden sich jedoch die Geister. Einige Expert:innen sind der Ansicht, dass der aktive Handel von ETFs auch bei weniger liquiden Anlagen dafür sorgen wird, dass sich zukünftige Krisen abschwächen.

Andere Expert:innen dagegen sind der Auffassung, dass dies in der Zukunft zu noch größeren Kursverlusten führen wird. Egal, wer am Ende Recht behält, Fakt ist, dass die Liquidität insbesondere bei illiquiden Nischenprodukten schnell sinken kann, sodass der Preis des ETFs und der Wert der enthaltenen Werte stark auseinander gehen. Dieses Risiko sollte von Anleger:innen unbedingt berücksichtigt werden, bevor in illiquide Nischenmärkte investiert wird.

Herdenverhalten und Blasengefahr

Zudem sind einige Expert:innen der Ansicht, dass das vermehrte Investieren in ETFs von Anleger:innen, unter denen sich auch viele private Investor:innen befinden, zu einem Herdenverhalten und einer höheren Blasengefahr führen könnte. Denn viele private Anleger:innen verfügen weder über das Know-How noch die Erfahrung von institutionellen Investor:innen. Diese Faktoren könnten dazu führen, dass diese Anleger:innen bei höheren Kursverlusten panisch verkaufen und bei steigenden Kursen diese mit ihren Investments weiter anheizen.

Durch dieses Herdenverhalten könnten dann entsprechende Blasen an den Märkten entstehen. Allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass es immer noch viele aktive Anleger:innen gibt, die versuchen, den Markt zu schlagen oder aber sich für besonders defensive Investments entscheiden. Zudem verwalten institutionelle Anleger:innen riesige Mengen an Kapital und legen dieses auch aktiv an.

Aufgrund der Tatsache, dass die aktiv investierenden institutionellen Investor:innen über viel mehr Kapital verfügen als kleine private Anleger:innen, ist nicht davon auszugehen, dass es durch ETFs in der Zukunft zu größeren Blasen kommt.

Wertpapierleihe

Physisch replizierende ETFs erwerben die Wertpapiere des Vergleichsindex. Das bedeutet, der ETF befindet sich im Besitz dieser Aktien und kann diese daher auch verleihen, um so eine zusätzliche Rendite zu generieren. Dies kann zu einer Verringerung der Gebühren der Anleger:innen führen oder aber sogar dazu, dass die Rendite des Vergleichsindex übertroffen wird. Leider hat dieses Vorgehen aber auch einen Nachteil.

Denn derjenige, der sich Wertpapiere des ETFs geliehen hat, kann zahlungsunfähig werden. Zwar werden für einen solchen Fall in der Regel Sicherheiten hinterlegt, diese können allerdings sehr illiquide oder sehr schwer zu bewerten sein, sodass hierdurch Verluste entstehen, trotz Veräußerung der Sicherheiten.

Dieses Risiko wurde allerdings gesetzlich begrenzt, indem die hinterlegten Sicherheiten strenge Vorgaben erfüllen müssen.

ETF Risiken je nach Replikationsmethode

Je nachdem, welche Methode zur Nachbildung eines Vergleichsindex zum Einsatz kommt, variieren auch die jeweiligen Risiken, auf die wir in den nächsten beiden Abschnitten näher eingehen werden.

Physische ETFs haben Tracking Error

Bei physisch replizierenden ETFs besteht das Risiko im sogenannten Tracking Error. Unter dem Tracking Error versteht man die Abweichung der Rendite zwischen dem ETF und seinem Vergleichsindex. Da ETFs einen bestimmten Index möglichst genau abbilden wollen, ist das Ziel dabei, den Tracking Error möglichst gering zu halten. Bei einer vollständigen physischen Replikation, bei der die Werte des Vergleichsindex 1:1 übernommen werden, entstehen Transaktionskosten, die zu einer Abweichung von der Rendite des Vergleichsindex führen können.

Bei der sogenannten Sampling Methode, bei der nur eine repräsentative Auswahl des Vergleichsindex übernommen wird, kann der Tracking Error dadurch entstehen, dass eben nicht alle Werte des Vergleichsindex übernommen wurden, sodass die Rendite des ETFs von der des Vergleichsindex abweicht.

Synthetische ETFs haben Kontrahentenrisiko

Die synthetische Replikation hat dagegen einen wesentlich geringeren oder zum Teil sogar überhaupt keinen Tracking Error. Das liegt daran, dass der Index nicht nachgebildet wird, sondern die Indexrendite von einen Swap-Partner gegen eine Gebühr geliefert wird. Dieses Vorgehen hat allerdings den Nachteil, dass dadurch ein Kontrahentenrisiko entsteht. Denn, wenn der Swap-Partner Insolvenz anmelden muss, dann kann er auch die Rendite nicht mehr wie versprochen liefern.

Dieses Risiko wird allerdings ebenfalls durch entsprechende Regularien abgemildert. Denn die Rendite muss schon bei einer Abweichung von 10% geliefert werden, sodass diese Zahl auch den maximalen Verlust darstellt.

ETF Risiken minimieren

Die Risiken, die mit dem Investment in ETFs einhergehen, hängen insbesondere mit den Kriterien zusammen, die bei der Auswahl der entsprechenden ETFs zum Einsatz kommen. Wer sein Kapital über ETFs breit diversifiziert, der kann sein Risiko dadurch stark minimieren, da er dann nicht mehr von einzelnen Werten oder einer bestimmten Branche abhängig ist. Unbedingt beachten sollten Anleger:innen hierbei, dass es auch sehr riskante ETFs gibt.

Das gilt zum Beispiel für gehebelte ETFs, die zwar zu deutlich höheren Gewinnen führen können bei einer positiven Kursentwicklung, aber auch ebenso schnell für sehr hohe Kursverluste sorgen können. Auch Short-ETFs stellen ein großes Risiko dar, da der Kurs nur auf 0 sinken kann. Das bedeutet, dass das Gewinnpotenzial begrenzt ist. Steigen kann eine Aktie dagegen theoretisch unendlich, sodass Anleger:innen hier ein nicht zu unterschätzendes Risiko eingehen. Daher solltest du sehr darauf achten, in welche Art von ETFs du investierst, um kein zu hohes Risiko einzugehen.

Größtes Risiko bleibt falsches Anlegerverhalten

Das größte Risiko besteht allerdings in der Art und Weise, wie einige Anleger:innen mit ETFs handeln. Denn ETFs sind ein passives Anlageprodukt, das ideal für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet ist. Leider handeln manche Investor:innen aktiv mit ETFs und verringern, unter anderem auch durch die anfallenden Transaktionsgebühren, dadurch ihre Rendite. Zudem schätzen einige Anleger:innen das Risiko falsch ein und gehen dadurch größere Risiken ein als sie es eigentlich sollten.

Äußerste Vorsicht sollten Investor:innen auch vor bestimmten Marketingfallen walten lassen. Denn der ETF-Markt wird von wenigen, sehr großen Anbietern beherrscht. Daher fällt es neuen Anbietern von ETFs sehr schwer, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Um trotzdem an Kunden zu kommen, wird mit sehr hohen Renditen gelockt. Dies kann beispielsweise mittels gehebelten ETFs geschehen. Diese weisen allerdings sehr hohe Risiken auf, sodass die meisten Anleger:innen tatsächlich mit einem Standard-ETF eines großen Anbieters am besten bedient sind.

Falschbehauptungen über ETFs

Es sind einige Falschbehauptungen über ETFs im Umlauf, die wir in diesem Artikel widerlegen möchten. Eine dieser Behauptungen, die man oft hört, ist die, dass ETFs Crashs oder extreme Kursbewegungen verursachen. Allerdings gilt das auch für einzelne Wertpapiere, auch hier kann es zu extremen Kursschwankungen kommen. Zudem gab es große Crashs auch schon lange bevor die ersten ETFs auf den Markt kamen. Dementsprechend sind ETFs nicht die Verursacher von starken Kursbewegungen am Aktienmarkt.

Die Hauptursache liegt in der Natur des Menschen, der bei Kursverlusten Panik bekommt und schleunigst verkauft. Dies wird gerne als Vorwand für aktive Fonds verbreitet, allerdings handelt es sich hierbei schlichtweg um ein allgemeines Marktrisiko. Denn auch ein aktiver Fondsmanager ist dazu gezwungen, zu verkaufen, wenn die Anteilseigner kalte Füße bekommen und bei Kursverlusten ihre Anteile verkaufen. Ein weiteres Vorurteil über ETFs ist, dass es sich hierbei ausschließlich um passive Anlageprodukte handelt.

Aber das stimmt gar nicht. Denn heutzutage gibt es auch aktive ETFs, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Markt mittels bestimmter Strategien zu schlagen. Zudem gibt es die Behauptung, dass ETFs riskante Anlageprodukte darstellen würden, weil es sich bei ETFs um Zertifikate handeln würde. Das ist aber schlichtweg gelogen. Weder sind ETFs Zertifikate noch handelt es sich bei ETFs um Anlageprodukte mit hohem Risiko. Denn ETFs sind Sondervermögen, wodurch, im Gegensatz zu Zertifikaten, keinerlei Emittentenrisiko besteht. Dementsprechend sind ETFs nicht nur keine Zertifikate, sondern auch das deutlich sicherere Anlageprodukt.

Fazit

ETFs sind sehr sichere Anlageprodukte, da sie zum Sondervermögen gehören. Nichtsdestotrotz bestehen gewisse Risiken bei der Anlage in ETFs. Dazu gehören zum Beispiel das Marktrisiko, Währungsrisiken und Liquiditätsengpässe. Das Währungsrisiko ist für langfristig orientierte Anleger:innen aber nicht besonders relevant. Mit Liquiditätsrisiken müssen nur Investor:innen rechnen, die in illiquide Märkte investieren. Das größte Risiko bei ETFs stellt daher das Marktrisiko dar, welches sich nicht eliminieren lässt.

Dieses hängt vor allem vom investierten Markt ab und kann daher stark variieren. Wer also sein Risiko minimieren möchte, der sollte in breit gestreute ETFs investieren, die sehr große Märkte abbilden. Falls du noch auf der Suche nach einem Depot bist, um in ETFs zu investieren, dann solltest du dir auf jeden Fall unseren Depot-Vergleich ansehen. Mit unserer Hilfe findest du mit Sicherheit das für dich passende Depot.

FAQ: ETF Risiken

Sind ETFs sicher?

Ja, ETFs sind streng regulierte Anlageprodukte, die zudem Sondervermögen darstellen, sodass hier kein Emittentenrisiko besteht.

Was sind die wichtigsten ETF Risiken?

Zu den wichtigsten ETF Risiken gehören das Marktrisiko, Währungsrisiken und Liquiditätsengpässe. Dabei stellt das Marktrisiko das größte Risiko dar, denn es kann nicht eliminiert werden.

Machen ETFs den Markt kaputt?

ETFs machen nicht den Markt kaputt. Schon lange bevor ETFs auf den Markt gekommen sind, kam es zu großen Krisen und Kursabschwüngen. Das gehört an der Börse einfach dazu.

Wie kann ich ETF Risiken minimieren?

Die Risiken von ETFs können minimiert werden, indem das eigene Kapital breit gestreut investiert wird, anstatt in spezielle Nischenmärkte zu investieren.

Gibt es auch sehr riskante ETFs?

Ja, es gibt auch sehr riskante ETFs. Dazu gehören beispielsweise gehebelte ETFs oder Short ETFs, die zu sehr hohen Verlusten führen können.

Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.