Wie funktioniert die Börse?

oliverschoch Oliver Schoch Veröffentlicht am: 17. November 2021 Letztes Update: 23. November 2021 Lesezeit: 7 Minuten
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Das Wichtigste im Überblick

  • An einer Börse können insbesondere Wertpapiere, aber zum Teil auch Kryptowährungen an speziellen Marktplätzen gehandelt werden
  • In Deutschland zählen die meisten Börsen zu den geregelten Märkten, an denen unter Aussicht Aktien und anderen Wertpapieren gehandelt werden
  • Die Börse funktioniert auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, sodass entsprechende Aufträge ausgeführt werden können
  • Den Handel an der Börse dürfen nur zugelassene Banken, Broker und Makler:innen durchführen, nicht jedoch die Privatkund:innen selbst.
  • Rund um den Globus gibt es über 100 Wertpapierbörsen, an denen insgesamt mehrere 10.000 Wertpapiere gehandelt werden können

Ohne Börse könnten zahlreiche Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen nicht gehandelt werden. Es handelt sich bei den Börsen um große Marktplätze für Wertpapiere und andere Finanzprodukte, an denen sich Anbieter:innen und Nachfrager:innen treffen. Zahlreiche Börsen werden reguliert und stehen daher unter Aussicht der entsprechenden Behörden.

In unserem Beitrag möchten wir näher darauf eingehen, was die Börse eigentlich ist. Ferner erläutern wir, welche Börsen existieren und was dort gehandelt wird. Wie der Handel an den Börsen im Detail durchgeführt wird, erklären wir ebenfalls. Zudem beantworten wir einige Fragen, die häufig zum Thema Börse auftreten.

Was ist eine Börse?

Bevor wir näher darauf eingehen, wie die Börsen funktionieren, möchten wir kurz die Grundlage erläutern, nämlich was Börsen eigentlich sind. Vereinfacht dargestellt handelt es sich bei einer Börse um nichts anderes, als um einen organisierten Marktplatz. An diesem treffen auf der einen Seite Käufer:innen und auf der anderen Seite Verkäufer:innen zusammen. Unter der Börse wird in aller Regel eine Wertpapierbörse verstanden.

Das bedeutet, dass dort Wertpapiere gehandelt werden. Dazu gehören in erster Linie Aktien, Anleihen oder auch Exchange Traded Funds (ETFs). Ebenfalls in den Bereich der Börsen fallen jedoch Rohstoffbörsen und Kryptobörsen. Diese sind von den Wertpapierbörsen allerdings abzugrenzen, ebenso wie die Terminbörsen. An jeder Börse werden nämlich bestimmte Finanzprodukte gehandelt. Es gibt teilweise ganz unterschiedliche Regularien.

Die Ursprünge der heutigen Börsen gehen bis in den Anfang des 12. Jahrhunderts zurück. Zur damaligen Handelszeit waren es öffentliche Marktplätze, auf denen Händler:innen alle möglichen Waren tauschten, zu denen später auch Wertpapiere zählten. Ihren Begriffsursprung hat die Börse aus dem 15. Jahrhundert, genauer gesagt aus der belgischen Metropole Brügge. Dort wurde nämlich von der Familie „van der Beurse“ die erste Börse vom europäischen Raum gegründet. Danach ging es ziemlich schnell, sodass in weiteren Städten Börsen (Börsengeschäfte) errichtet wurden. Dazu zählten zum Beispiel Amsterdam, Antwerpen oder auch London.

Es dauerte allerdings einige Jahrhunderte, bis der Aktienhandel an der jeweiligen Börse im Fokus stand. Stattdessen waren es zunächst insbesondere Rohstoffe, Waren und auch Wechsel nebst Schuldscheinen, die an der Börse gehandelt wurden. Die ersten sogenannten Präsenzbörsen gab es im deutschen Raum Mitte des 16. Jahrhunderts. Dabei kristallisierte sich relativ schnell Frankfurt als noch heute größter Börsenplatz in Deutschland heraus.

Welche Handelsarten gibt es an der Börse?

Heutzutage lässt sich die Börse in zwei Handelsarten differenzieren, nämlich:

  • Parkett
  • Computer

Die sogenannten Parkettbörsen (Parketthandel) werden häufig ebenso als Präsenzbörsen bezeichnet. Dort kannst du Aktien kaufen und verkaufen, musst allerdings nicht selbst persönlich vor Ort sein. Stattdessen sind es die Händler:innen, die auf dem sogenannten Börsenparkett tätig sind. Anleger:innen oder Trader:innen können mittels eines Depots Wertpapieraufträge erteilen, die dann an der Präsenzbörse im Idealfall schnell ausgeführt werden.

Der Handelsplatz ist schon seit vielen Jahren die Computerbörse, in Deutschland auch unter der Bezeichnung XETRA bekannt. Es handelt sich dabei um eine voll elektronische Handelsplattform, über die Kauf- und Verkaufsaufträge nahezu automatisch abgewickelt werden. Bei beiden Handelsarten kannst du zahlreiche Finanzprodukte traden, insbesondere Aktien, Anleihen und ETFs.

Was wird an den Börsen gehandelt?

Wenn es um die Frage geht, was prinzipiell an einer Börse gehandelt wird, dann muss nach Börsenarten differenziert werden. In erster Linie lassen sich die Börsen weltweit und auch in Deutschland für die folgenden Gruppen einteilen, welche Produkte jeweils gehandelt werden:

  • Wertpapierbörsen
  • Rohstoffbörsen
  • Terminbörsen
  • Kryptobörsen

An einer Wertpapierbörse wählen – wie der Name bereits sagt – ausschließlich Wertpapiere gehandelt. Dazu zählen in erster Linie Aktien, Anleihen und ETFs. An der Rohstoffbörse werden dementsprechend Rohstoffe wie Öl, Gold oder Silber gehandelt. Auf den Terminbörsen findet der Handel mit Derivaten statt, also insbesondere mit Optionen und Futures. Seit einiger Zeit gibt es eine weitere, große Gruppe von Börsen, nämlich die sogenannten Kryptobörsen. Dort wiederum werden Kryptowährungen wie der Bitcoin gehandelt. Allerdings sind die Kryptobörsen im Gegensatz zu den Termin-, Wertpapier- und Rohstoffbörsen nicht staatlich reguliert und dementsprechend werden sie in aller Regel nicht beaufsichtigt.

Hinweis

Am stärksten reguliert und überwacht werden die Wertpapier- und Terminbörsen. Dort ist der Handel für Anleger:innen am sichersten. Mit etwas Abstrichen gilt das auch für – die meisten – Rohstoffbörsen. Auf Kryptobörsen ist das Risiko etwas größer, was du als Anlege:in beachten solltest. Dort wurden in der Vergangenheit durchaus schon häufiger Coins aus den Online-Wallets gestohlen oder es gab Manipulationen anderer Art.

Wie erfolgt der Handel im Detail?

Wenn wir die Frage beantworten möchten, wie die Börse funktioniert, müssen wir uns zuvor den Handel betrachten. Die grundsätzliche Basis für den Börsenhandel sind – wie auf jedem Marktplatz – Angebot und Nachfrage. Das Angebot sind Verkäufe, sodass in dem Fall etwa Kund:innen über ihre Depots Aktien veräußern möchten. Die Nachfrageseite hingegen Anleger:innen oder Trader:innen ein, die gerne Wertpapiere oder andere Finanzprodukte erwerben möchten. Dabei handelt es sich natürlich nicht ausschließlich um Privatanleger:innen. Weiterhin sind unter anderem ebenso Unternehmen, institutionelle Anleger oder sogenannten Robo Advisor (Online-Vermögensverwalter) an den Börsen aktiv.

Die Banken, Broker und Makler:innen sorgen dafür, dass die entsprechenden Kauf- oder Verkaufsaufträge an der Börse weitergeleitet werden. Dort versuchen entsprechende Kursmakler:innen dann, dass möglichst viele Aufträge ausgeführt werden können. Es wird demzufolge versucht, im Idealfall alle Kauf- und Verkaufsaufträge zu einem Wertpapiere oder einem anderen Finanzprodukt zusammenzuführen. So findet letztendlich der Handel statt, der auf der einen Seite aus Kauf- und auf der anderen Seite aus ausgeführten Verkaufsaufträge besteht.

Nachdem ein Handelsauftrag ausgeführt wurde, werden die entsprechenden Finanzprodukte aus den Depots der Verkäufer:innen ausgebucht und gleichsam in die Depots der Käufer:innen eingebucht. Damit sind die entsprechenden Handelsaufträge abgeschlossen und die Wertpapiere oder andere Finanzprodukte haben dadurch ihre Besitzer:innen gewechselt. So werden übrigens auch Daueraufträge aufgeführt, zum Beispiel bei einem ETF-Sparplan. Dort finden in regelmäßigen Abständen automatisch Käufe der Anteile an der Börse statt.

Wer beaufsichtigt den Börsenhandel?

Die meisten Börsen werden reguliert und somit überwacht sowie beaufsichtigt. Dies gilt insbesondere für die Wertpapierbörsen, an denen Aktien, Anleihen und ETFs gehandelt werden. In dem Fall sind die jeweils staatlichen Aufsichtsämter zuständig. In Deutschland handelt es sich dabei um die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese überwacht den Börsenhandel und sorgt dafür, dass dort möglichst keine Manipulation oder Betrügereien stattfinden. Ebenfalls überwacht werden die Terminbörsen und die Rohstoffbörsen. Die einzige Börsenart, die von staatlicher Seite aus bisher noch nicht überwacht wird, sind die Kryptobörsen. Daher ist es dort etwas risikoreicher für Anleger und Trader, entsprechend mit Käufen oder Verkäufen tätig zu werden.

Was ist der außerbörsliche Handel?

Aktien, Anleihen und andere Finanzprodukte können schon seit langer Zeit nicht mehr ausschließlich an den Börsen gehandelt werden. Viele Banken und Broker stellen alternativ den sogenannten OTC-Handel zur Verfügung. OTC steht als Abkürzung für „Over the counter“. Häufig wird alternativ auch vom Direkthandel oder vom außerbörslichen Handel gesprochen. In dem Fall laufen beispielsweise Kauf- und Verkaufsaufträge für Aktien nicht über die Börse, sondern stattdessen versuchen Banken und Broker selbst, den entsprechenden Gegenpart zu finden.

Möchtest du also beispielsweise Aktien der Telekom kaufen und erteilst einen außerbörslichen Auftrag, versuchen deine Bank oder dein Broker, entsprechend anderen Kund:innen zu finden, die möglichst gleiche Anzahl von Telekom Aktien verkaufen möchten. Der Vorteil des Direkthandels gegenüber dem börslichen Handel ist insbesondere die nicht berechnete Börsengebühr, sodass die Aufträge in der Regel etwas günstiger sind. Zudem geben die meisten Banken und Broker beim OTC-Handel eine Ausführungsgarantie, während du beim Börsenhandel immer abwarten muss, ob sich ein entsprechender Gegenpart findet.

Hinweis

Der Direkthandel stellt vor allem für sogenannte Viel-Trader eine attraktive Alternative zum Handel an der Börse dar. Die Kosten sind meistens niedriger durch den Wegfall der Börsengebühren. Zudem gibt es oft auch bei kleineren Nebenwerten für ein paar Sekunden eine Ausführungsgarantie, während diese Werte an den Börsen öfter Stunden lang gar nicht gehandelt werden.

Fragen und unsere Antworten zur Börse

Welche Wertpapierbörsen gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es – wie in den meisten Industrieländern – nicht nur eine, sondern mehrere Börsen. Hierzulande existieren sowohl eine Computerbörse XETRA als auch verschiedene Präsenzbörsen, die sich in den Städten Frankfurt, Berlin (Sitz der Tradegate Exchange Wertpapierbörse), Hamburg, Hannover, München, Stuttgart und Düsseldorf befinden. Darüber hinaus gibt es mit der Eurex eine Terminbörse, an der entsprechende Kontrakte gehandelt werden können.

Kann ich an einer normalen Börse auch mit Kryptowährungen handeln?

Es ist nicht möglich, an einer normalen (Wertpapierbörse) Börse Kryptowährungen zu handeln. Bitcoin & Co. werden auf speziellen Krypto-Börsen gehandelt, die weder im engeren noch im weiteren Sinne etwas mit den gewöhnlichen Wertpapierbörsen in Frankfurt oder an anderen Standorten zu tun haben.

Kann ich bei meinem Broker nur an einer Börse handeln?

Wenn du ein Depot bei einer Bank oder einem Broker hast, kannst dir bei jedem Auftrag aufs Neue aussuchen, an welcher Börse die Wertpapiere gehandelt werden sollen. Es ist also keineswegs vorgeschrieben, dass du bei deinem Broker nur an einer einzelnen Börse handeln darfst. Darüber hinaus stellen viele Broker heute zusätzlich den Direkthandel, also den außerbörslichen Handel, zur Verfügung.

Welche Wertpapierarten gibt es?

Es gibt heutzutage zahlreiche Wertpapierarten, die allerdings nicht alle zwangsläufig an der Börse handelbar sind. Zu den Wertpapieren, die an den entsprechenden Börsen zu handeln sind, gehören in erster Linie Aktien, Anleihen, verschiedene Geldmarktpapiere und Exchange Traded Funds. Offene Fonds, wie zum Beispiel Aktienfonds oder Rentenfonds, werden nicht an der Börse gehandelt. Gleiches gilt für bestimmte Schuldverschreibungen, die von Banken oder anderen Emittenten ausgegeben werden.

Welche sind die bekanntesten Börsen der Welt?

Rund um den Globus gibt es die sogenannten Top 10 unter den Börsen. Dabei handelt es sich um die größten und bekanntesten Börsenplätze der Welt. Die weltweit führende Börse ist nach wie vor die New York Stock Exchange, besser unter ihrem Namen Wallstreet bekannt. Ebenfalls zu den global bekanntesten und größten Börsen zählen die amerikanische Technologiebörse Nasdaq, die Shanghai Stock Exchange in Hongkong, die Shenzen Stock Exchange in China sowie die Börse in Tokio. Aber auch in Europa gibt es einige bekannte Börsen, insbesondere die London Stock Exchange, die Euronext oder auch die Deutsche Börse.

Kann man selbst auch an einer Börse handeln oder geht das nur über Broker?

Direkt kannst du nicht selbst an aller Börsen handeln, denn das ist ausschließlich zugelassenen Händlern und Maklern gestattet. Dies gilt für Wertpapier-, Rohstoff- und Terminbörsen. Allerdings kannst du selbstverständlich deiner Bank oder dem Broker einen Auftrag erteilen, der anschließend an die Börse weitergeleitet wird. Insofern macht es der Praxis faktisch keinen Unterschied, ob du über eine Bank bzw. einen Broker oder selbst an der Börse handeln würdest. Auf Krypto-Börsen hingegen kannst du auch selbst handeln, da es dort keine Regulierung bezüglich der Marktteilnehmer gibt.

Sind Börsen staatlich geführt?

Die Wertpapierbörsen werden zwar staatlich überwacht, in Deutschland durch die BaFin, sind jedoch nicht staatlich geführt. Hierzulande zum Beispiel findet der Börsenhandel unter dem Dach der Deutsche Börse AG statt, einem Privatunternehmen. Es ist also nicht zu verwechseln, dass die Wertpapierbörsen zwar staatlich überwacht, jedoch nicht vom Staat geführt werden.

Wie verdient eine Börse Geld?

Wenn du schon einmal einen Handelsauftrag erteilt hast, der an eine Börse weitergeleitet wurde, wirst du in dem Zusammenhang bei der Wertpapierabrechnung spezielle Gebühren entdeckt haben. Es handelt sich dabei um das sogenannte Börsenplatzentgelt und eine Maklergebühr. Das sind die zwei Haupteinnahmequellen, durch die eine Börse Geld verdient. Zum einen erhalten Kursmakler:innen eine Provision, zum anderen die Börse selbst in Form des Börsenplatzentgeltes. Je mehr Handelsaufträge es also an einer Börse gibt und je größer das Handelsvolumen ist, desto mehr verdient die jeweilige Börse.

Oliver Schoch

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Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich 2008 als Finanz-Journalist selbstständig gemacht. Seitdem verfasse ich nun in Vollzeit als Freiberufler nahezu ausnahmslos Beiträge zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, wie Börse, Aktien, Geldanlage, Vermögensaufbau, Versicherungen und Finanzierungen. Zu meinem Repertoire zählen u.a. Ratgeber, Fachtexte, News, Blogbeiträge und eBooks.