Hedgefonds

thomasbaer
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Letzte Überarbeitung am 27. Juli 2022
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In der Vergangenheit machten Hedgefonds regelmäßig mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam, entweder durch Short-Wetten auf bestimmte Unternehmen oder weil sie bei risikoreichen Spekulationen Milliarden-Verluste machen.

In unserem Beitrag erfährst du Wissenswertes über Hedgefonds und wie sie funktionieren. Wir betrachten die Chancen und Risiken beim Investieren und gehen der Frage nach: „Lohnen sich Hedgefonds für Privatanleger:innen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Hedgefonds sind besondere Investmentfonds, die nicht den Regelungen öffentlicher Investmentprodukte unterliegen. Privatanleger:innen in Deutschland sind sie nur über sogenannte Dachfonds zugänglich.
  • Die Anlagestrategien von Hedgefonds werden mithilfe von Leerverkaufen, Fremdkapital und Derivaten umgesetzt. Bekannte Strategien sind neben der Equity-Hedge-Strategie u.a. Event-Driven-, Relative Value- und Makro-Strategie.
  • Die Hedgefond-Branche verwaltete Ende März 2022 weltweit 4 Billionen US-Dollar. Der Hedgefonds-Index HFRI Fund Weighted Composite Index (FWC) legte 2021 um rund 10 Prozent zu.
  • Indirekte Anlagemöglichkeiten bieten Aktien von Hedgefonds-Gesellschaften und Zertifikate. Für Kleinanleger:innen sind aktive Investmentfonds und ETFs geeignete Alternativen zu Hedgefonds.

Was sind Hedgefonds

Hedgefonds stellen eine spezielle Form von Investmentfonds dar, die weitestgehend frei von Beschränkungen in alle möglichen Anlagewerte (Aktien, Rohstoffe, Währungen, etc.) und Anlagestrategien (u.a. Leerverkaufen oder Derivate) investieren können. Aus diesem Grund gelten sie als besonders risikovoll.

Der Begriff Hedgefonds hat seinen Ursprung im Englischen „to hedge“, was ins Deutsche übertragen „absichern“ bedeutet. Mit dem Begriff „Hedging“ werden im Allgemeinen Anlagestrategien beschrieben, deren Zweck darin besteht, die Risiken eines Anlageportfolios mittels Short-Positionen bestimmter Einzelwerte zu verkleinern.

Beim Hedging werden Risiken beispielsweise einer Aktien-Position durch die Chancen einer Gegenposition teilweise ausgeglichen.

Heute verwenden Hedgefonds neben dem Hedging zahlreiche weitere Anlagestrategien, die mit dem ursprünglichen Absicherungsgedanken nichts gemein haben.

Bei einigen Hedgefonds bestehen hohe Renditechancen verbunden mit ebenso hohen Verlustrisiken. Einige Hedgefonds streben durchaus eine stabile und weniger starke Wertentwicklung an, was im Einzelfall geringere Verlustrisiken bedeuten kann.

Für ihre Anlagestrategien verwenden Fondsmanager u.a. traditionelle Wertpapiere wie Aktien und Anleihen sowie Derivate wie Optionsscheine, Zertifikate und Optionen.

In Deutschland gibt es zwei Arten von Hedgefonds. Das sind Single-Hedgefonds und Dach-Hedgefonds. Der Zugang zu Single-Hedgefonds ist auf professionelle und semiprofessionelle Anleger:innen begrenzt. Dach-Hedgefonds, die nicht als Spezialfonds, sondern auch als Publikumsfonds aufgelegt, sind zum Investieren durch Privatanleger:innen zugelassen.

Bei den meisten Hedgefonds ist die Ausstattung mit Eigenkapital gering. Sie kaufen vorrangig mit geliehenem Kapital. Die dabei erzielten Hebeleffekte sorgen im Erfolgsfall für eine Gewinnoptimierung. Im gegenteiligen Fall kann die fehlgeschlagene Spekulation aufgrund des wenigen Eigenkapitals zum Schließen des Fonds führen. Für private Investor:innen sind diese Risiken in ihrer Gesamtheit nicht überschaubar.

Hinweis

Die Investition in Hedgefonds ist professionellen und semiprofessionellen Anlegern vorbehalten, da alternative Fonds erhebliche Verlustrisiken bergen. Hedgefonds setzen bei ihren Strategie auf Leverage und Leerverkäufe. Damit vervielfacht sich das Gewinnpotenzial, aber ebenso nimmt das Verlustrisiko enorm zu.

So funktionieren Hedgefonds

Hedgefonds funktionieren wie klassische aktive Investmentfonds. Anleger:innen kaufen Anteile von Hedgefonds. Fondsbetreiber sammeln Geld interessierter Anleger:innen ein. Hedgefondsmanager legen das zufließende Kapital in bestimmte Wertpapiere an. In was genau und wie investiert wird, bestimmt die jeweils verfolgte Strategie. Hedging ist nur eine von vielen.

Viele Hedgefonds verfolgen dabei ähnliche Long-Strategien wie der normale Aktienanleger:in, wobei verstärkt auf Derivate zur Absicherung zurückgegriffen wird. Aktien wie Apple, Microsoft oder Meta finden sich regelmäßig in den Hedgefondsportfolien.

Da keinerlei Beschränkung hinsichtlich der Anlageklassen bestehen, dürfen Hedgefonds auf die Entwicklungen von Rohstoffen, Gold oder Währungen spekulieren, und sie dürfen dabei auch auf fallende Kurse setzen.

So unterscheiden sich Hedgefonds von klassischen Investmentfonds

Bei Hedgefonds handelt es sich um eine spezielle Art des Investmentfonds. Daher gibt es gewisse Gemeinsamkeiten mit klassischen Investmentfonds. Bei Fonds zeichnet ein aktives Management aus. Der/die Fondsmanager:in kümmert sich um die Erarbeitung und Umsetzung der Strategie, eingeschlossen der Kauf und Verkauf der ausgewählten Wertpapiere. Größtmögliche Rendite ist das Ziel. Aktives Management soll helfen, den Markt zu schlagen.

Unterschiede zwischen Hedgefonds und klassischem Investmentfonds sind:

  • Hedgefonds sind als Alternative Investmentfonds (AIF Fonds) kaum reguliert. Für Investmentfonds gilt die AIFM-Richtlinie. Der Anlegerschutz ist bei klassischen Investmentfonds stärker ausgeprägt als bei Hedgefonds.
  • Während klassische Fonds Anlagebeschränkungen unterliegen, sind Hedgefonds frei in der Nutzung von Finanzinstrumenten wie Leerverkäufen und Derivaten sowie dem Einsatz von Fremdkapital.
  • Die Performance eines Hedgefonds hängt wesentlich von den Entscheidungen des Fondsmanagers ab. Bei klassischen Fonds wird die Rendite durch die Gesamtentwicklung des Marktes mitbestimmt.

Besonderheiten von Hedgefonds

Besonderheiten von Hedgefonds ergeben sich aus ihren Freiheiten, die Hedgefondsmanager besitzen. Die Aktienmarktauswahl ist allgemeiner Schwerpunkt. Hier geht es darum, Aktien mit überdurchschnittlichen Wachstumschancen zu kaufen und überteuert erscheinende Aktien zu verkaufen bzw. Leerverkaufen. Die Leerverkauf-Strategie wird genutzt, um Positionen im Fall eines Marktrückgangs abzusichern.

Einige Hedgefonds setzen Leverage Hebelwirkung ein, um das Volumen ihrer Wettpositionen zu erhöhen. Handeln mit Hebel beim Hedgefonds bedeutet:

  • Aktien und andere Anlagewerte auf Marge kaufen
  • Fremdkapital (Kreditlinien) einsetzen
  • mit Hebelprodukten (Optionen, Futures, etc.) spekulieren

Eine häufige Hedgefonds-Strategie zur Erwirtschaftung hoher Renditen ist der Kauf von Aktien und anderen Wertpapieren auf Marge. Damit erhöhen sich die Gewinnchancen und die Verlustrisiken. Gehandelt wird im Marginkonto bei einem Broker. Dieser leiht dem Fonds Geld zur Anlage in gewünschte Wertpapiere. Der Handel auf Margin verstärkt die Gewinne, aber er verstärkt auch die Verluste.

Der Einsatz von Fremdkapital (Kredite) erzeugt eine Hebelwirkung, die zu höheren Gewinnen führen kann. Dazu müssen die vom Hedgefonds für den Kredit zu zahlenden Zinsen niedriger sein als die Zinsen des Eigenkapitals. Der Fonds kann mit wenig Eigenkapital eine höhere Rendite erzielen.

Hebelprodukte als Derivat sind Optionen, Futures und Swaps. Mit geringem Kapitaleinsatz lassen sich hohe Volumen handeln.

Ein Beispiel: Ein direkter Aktienkauf zum aktuellen Kurs von 50 US-Dollar würde ein Kapital von 50.000 US-Dollar erfordern, ein entsprechendes Verlustrisiko inklusive. Mit einer Option sichert sich ein Hedgefonds beispielsweise das Kaufrecht auf 1.000 Aktien.

Steigt der Kurs der Aktie, wird das Kaufrecht ausgeübt. Die Differenz aus Kaufpreis in der Option und Verkaufspreis der Option x 1.000 Aktien – Optionsprämie wäre dann der Gewinn. Die gezahlte Optionsprämie wäre bei ungünstiger Kursentwicklung der maximale Verlust.

Sonderfall: Dach-Hedgefonds

Privatanleger:innen können in Deutschland Geld nicht direkt in einen Single-Hedgefonds, sondern nur in einen Dach-Hedgefonds investieren

Folgende Regelungen gelten bei Dach-Hedgefonds:

  • Mindestens 51 Prozent des Fondskapitals wird in verschiedene Single-Hedgefonds investiert.
  • Restliches Kapital darf als Bankguthaben, Geldmarktinstrumente, Investmentvermögen, etc. angelegt werden.
  • Mehr als 20 Prozent ihres Wertes dürfen nicht in einen einzelnen Single-Hedgefonds angelegt sein.

Durch diese Einschränkungen sind Risiken von Dach-Hedgefonds im Vergleich zu Single-Hedgefonds niedriger. Durch das verminderte Anlagerisiko ist es Privatanleger:innen erlaubt, Anteile an Dach-Hedgefonds zu erwerben.

Wer investiert in Hedgefonds?

Hedgefonds richten sich mit ihren Angeboten professionelle und semiprofessionelle Anlager:innen. Dazu gehören institutionelle Anleger wie Banken, Pensionsfonds und Versicherungen sowie vermögende private Investoren. Meist wird eine Mindesteinlage von 500.000 US-Dollar verlangt.

Banken, Pensionsfonds und Versicherungen sowie Stiftungen sind vielfach mit hohen Millionenbeträgen investiert. Gerät ein Hedgefonds in finanzielle Schieflage oder geht Pleite, müssen sie erhebliche eigene oder Vermögen ihrer Kund:innen abschreiben.

In Deutschland können Privatanleger:innen in „Dach-Hedgefonds“ und dabei in eine Vielzahl von Einzelhedgefonds investieren.

Investments in Single-Hedgefonds sind über den Umweg Börse möglich. Dazu müssen Anleger:innen Aktien von Hedgefonds-Gesellschaften an einer Börse im Ausland (Börse London) erwerben. Zertifikate ermöglichen ein indirektes Investment in die Hedgefonds-Branche. Das XAVEX-HedgeSelect-Zertifikat kostet ab 10.000 Euro.

Hinweis

Macht ein Hedgefonds zu große Verluste, droht eine zügige Schließung. Der Fondsmanager kann anschließend einen neuen Hedgefonds eröffnen. Dazu muss er nur neue Anleger:innen von seiner Strategie überzeugen und für einen Kapitaleinsatz werben.

Kosten von Hedgefonds

Die optimale Kapitalrendite wird durch Gebühren beeinträchtigt. Hedgefonds berechnen eine Vermögensverwaltungsgebühr zuzüglich einer „Performancegebühr“ bezogen auf den Gewinn. Eine Managementgebühr (Management-Fee) von jährlich zwei Prozent plus einer 20-prozentigen gewinnabhängigen Vergütung (Performance-Fee) war lange Zeit üblich. Die Spanne reicht von 2 bis 5 Prozent Managementgebühr und 20 bis 50 Prozent Erfolgsbeteiligung. Hinzu kommen unter Umständen je nach Depot noch Depotgebühren.

Viele Hedgefonds erheben die Gebühren mittlerweile im Verhältnis von 2,5 Prozent Management-Fee und 25 Prozent Performance-Fee.

Hinweis

Erzielt ein Hedgefonds in einem Abrechnungszeitraum eine positive Rendite, wird er entsprechend dem Performance-Fee daran beteiligt. Treten in der nächsten Periode Verluste auf, muss diese allein der Anleger:in tragen. Damit erzielt er bestenfalls während der Anlagedauer eine durchschnittliche Rendite, während der Hedgefondsmanager die optimale Gewinnrendite kassiert.

Was sind Risiken von Hedgefonds?

Hedgefonds beinhalten verschiedene Arten von Risiken. Dazu gehören:

  • Totalverlustrisiko: Das Totalverlustrisiko hängt entscheidend von der Anlagestrategie des Hedgefonds ab. Verspekuliert sich der Hedgefonds beispielsweise bei Leerverkäufen, kann der Fonds Pleitegehen und Anleger:innen ihr eingesetztes Kapital verlieren.
  • Risiken der Anlagestrategien: Hedgefonds besitzen unterschiedliche Risikoprofile. Sie setzen auf unterschiedliche Strategien, die übliche Marktrisiken oder Risiken abseits der Märkte beinhalten. Hedgefonds können daher nicht klassifiziert werden.
  • Risikoreiche Finanzinstrumente: Hedgefonds nutzen Derivate in größerem Umfang. Sie können in Warentermingeschäfte (Rohstoffe) investieren. Volatile Rohstoffmärkte sind risikovoll.
  • Hohe Hebelwirkung – Leverage: Je höher der Hebel ist, desto größer das Verlustrisiko im Fall einer negativen Marktentwicklung.
  • Leerverkäufe / Wertpapierleihe: Geht die Spekulation auf sinkende Kurse nicht auf, muss der Hedgefonds die Finanzinstrumente unter Umständen zu einem höheren Preis kaufen. Das Verlustrisiko ist beim Leerverkaufen nicht begrenzt.
  • Einschränkungen bei Rückgabe: Anleger:innen müssen eine Rückgabe bei Single-Hedgefonds bis zu 40 Tage im Voraus ankündigen, und bei Dach-Hedgefonds bis zu 100 Kalendertage.
  • Intransparentes Fondskonzept: Komplexe Anlagestrategien und Finanzinstrumente erschweren das Verständnis.
  • Fehlende aktuelle Fondsbewertung: Fondsvermögen bei Hedgefonds wird nicht börsentäglich, sondern stichtagsbezogen bewertet. Ein Großteil der Vermögensanlagen sind Schätzungen.

Vorteile und Nachteile von Hedgefonds

Vorteile
  • Anlagestrategien ermöglichen Rendite unabhängig von einer Marktlage. Hedge-Fonds können steigende und fallende Aktien- und Anleihemärkte für das Erzielen von Renditen nutzen. 
  • Hedgefonds gibt es für eine Vielzahl von Anlagestilen. Anleger:innen können passend zu eigenen Anlagestrategie auswählen.
  • Investor:innen erhalten Zugang zu den weltweit erfolgreichsten Anlageverwalter:innen.
  • Es besteht ein hohes Renditepotential bei relativ niedriger Volatilität und Korrelation.
  • Hedgefonds können sich unabhängig von der allgemeinen Börsentendenz entwickeln.
Nachteile
  • Die auf Renditemaximierung ausgerichtete Anlagestrategien bergen ein potenziell enormes Verlustrisiko.
  • Verfügbarkeit des angelegten Kapitals ist begrenzt, teilweise ist Geld mehrere Jahren gesperrt.
  • Der Einsatz von Fremdkapital oder geliehenem Geld führt zu Hebeleffekten, sodass aus einem geringen Verlust ein großer Verlust entstehen kann.
  • Hedgefonds verfügen nicht eine Regulierung. Sie werden daher als Offshore-Fonds häufig mit Sitz in Steueroasen verwaltet.
  • Fondsmanagement äußert sich nicht vorab zu Investmententscheidungen und legt die aktuellen Investments nicht offen.
  • Die Risikokontrolle der Fonds ist lückenhaft.
  • Die meisten Hedgefonds werden nicht als Team, sondern nur von einer Einzelperson gemanagt.

Aktuelle Situation der Hedgefonds-Branche

Hedgefonds sind bei Großinvestor:innen und vermögenden privaten Investor:innen beliebt. Besonders in Marktphasen, die weniger Rendite bei normalen Investment versprechen, verstärken sich die Kapitalzuflüsse.

Institutionelle Investor:innen haben im ersten Quartal 2022 so stark in Hedgefonds wie seit sechs Jahren nicht mehr investiert. Laut HFR Global Hedge Fund Industry Report führen Makrostrategien die höchsten Rendite der Branche trotz enormer Volatilität an. Der HFRI 500 Macro Index legte im ersten Quartal um 9 Prozent zu. Zinserhöhungen, Inflation, steigenden Rohstoffpreisen und Russland-Krieg boten dabei das optimale Umfeld.

Insgesamt betrug die Rendite von Hedgefonds 0,3 Prozent. Im Vergleich mit dem Aktienindex S&P 500, der im ersten Quartal fünf Prozent bzw. 500 Punkte verlor, ist das mit gut zu bewerten. Der Nasdaq Composite Index ging sogar um mehr als 900 Basispunkte zurück.

Das Gesamtkapital der Hedgefonds-Branche wird im ersten Quartal 2022 mit vier Billionen US-Dollar bewertet. In diesem Quartal betrugen die Kapitalzuflüsse fast 20 Milliarden US-Dollar. Allein in den vergangenen zwei Jahren verzeichnete die Hedge-Fonds-Branche eine Zufluss in Fonds im Volumen mehr als einer Billion US-Dollar.

Bei Beginn der Corona-Pandemie 2020 war es unter drei Billionen US-Dollar gesunken. Die im HFRI Fund Weighted Composite Index (FWC) enthaltenen Hedgefonds verbuchten 2021 einen Anstieg von rund 10 Prozent. (Quelle: Hedge Fund Research)

Hinweis

Hedgefonds spielen mit ihrem Billionen US-Dollar schweren Fondsvermögen eine bedeutende Rolle im Finanzmarkt. In Zeiten niedriger Kapitalmarktzinsen sind renditestarke Anlagealternativen gefragt. Hedgefonds bieten risikobereiten Anleger:innen Chancen auf hohe Gewinne. Das vorhandene Interesse zeigt der steigende Kapitalzufluss in die Hedgefonds-Branche.

Welche Alternativen gibt es?

Privatanleger:innen sollten von der Investition in Hedgefonds absehen. Fondsmamanager verwenden komplexe und riskante Anlagestrategien. Diese können im Erfolgsfall zu hohen Gewinnen führen. Im Gegenzug ist der Verlust des eingesetzten Kapitals in Teilen oder vollständig möglich. Das machen zwei Beispiele rund die GameStop-Aktie aus der jüngeren Vergangenheit sehr deutlich.

Der Hype um die GameStop-Meme-Aktie hat bei vielen Hedgefonds zu Verlusten geführt, einige mussten schließen. Andere wiederum erzielten Riesengewinne. Die britische Investmentgesellschaft White Square Capital hat ihre Gamestop-Wette verloren und muss ihren Hedgefonds schließen. Der Hedgefonds Senvest Management hat auf einen steigenden GameStop-Kurs gewettet und beim Verkauf davon fünf Millionen Aktien rund 700 Millionen US-Dollar Gewinn gemacht.

  • Als eine Alternative kommen klassische Investmentfonds, die aktiv gemanagt und durch die BaFin beaufsichtigt werden, infrage.
  • Eine Rendite wie der Markt versprechen passiv gemanagte Indexfons (ETF). Sie bilden die Wertentwicklung eines Basisindizes nach.

Für Anleger:innen, die Geld nicht selbst anlegen können oder möchten, bieten Robo-Advisor die Lösung. Sie übernehmen die Auswahl geeigneter ETFs und kümmern sich automatisiert um die Anlage und Betreuung.

Hinweis

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 sind die Hedgefonds-Renditen von vormals häufig über 50 Prozent auf 25 Prozent und darunter gefallen. In vielen Fällen werden Indexrenditen nicht erreicht. Dazu kostet ein guter ETF wesentlich weniger an Gebühren als ein Hedgefonds.

Fazit zu Hedgefonds – Renditechancen unabhängig von der Marktlage

Für Privatanleger:innen gibt es mittlerweile Möglichkeiten, in Hedgefonds zu investieren. Für Kleinanleger:innen sind sie aufgrund der hohen Mindestanlagesummen und riskant-komplexer Anlagestrategien nicht geeignet. Die meisten Hedgefonds wenden sich an qualifizierte Anleger:innen (institutionelle Investor:innen und vermögende Privatpersonen).

Gute Hedgefonds erreichten in der Vergangenheit jährliche Renditen von 25-Prozent, doch das Risiko Geld zu verlieren ist hoch. So wie kleine Privatanleger:innen verspekulieren sich Fondsmanager regelmäßig. Es kommt auch vor, dass Anlegervermögen in dunklen Kanälen dubioser Fondsgesellschaften verschwindet. Hedgefonds können als Depotbeimischung dienen, aber mehr als 10 Prozent vom Depotvolumen sollten sie nicht ausmachen.

FAQ: Unsere Antworten auf typische Fragen rund um Hedgefonds

Was ist ein Hedgefonds?

Hedgefonds gehören zu den alternativen Investmentfonds, die kaum reguliert sind und nicht an der Börse gehandelt werden. Zugänglich sind sie vermögenden Investor:innen. Das Anlagerisiko ist hoch, da die Fonds Short-Wetten bzw. Leerverkäufe tätigen. Hedgefonds dürfen mit Eigenkapital und Fremdkapital spekulieren.

Welche Anlagestrategien verfolgen Hedgefonds?

Hedgefonds verfolgen verschiedene und sehr komplexe Anlagestrategien.  Sie sind auf Instrumente wie Aktien, Währungen oder Rohstoffe ausgerichtet. Häufig zum Einsatz kommt dabei die Short-Strategie bzw. das Wetten auf fallende Kurse. Weitere Anlagetechniken sind Long Equity, Even Driven, Relativ Value oder Managed Futures.

Wie können Privatanleger in Hedgefonds investieren?

Deutsche Privatanleger:innen können seit Inkrafttreten des Investmentmodernisierungsgesetzes in Deutschland in sogenannte „Dach-Hedgefonds“ investieren. Nicht erlaubt ist der Verkauf einzelner Hedgefonds. Durch den Kauf von Aktien börsennotierte Hedgefonds oder Funds-Zertifikaten können Anleger:innen Geld indirekt in Single-Hedgefonds anlegen.

Wer kann in Hedgefonds investieren?

Wer in Hedgefonds investieren möchte, braucht ein gewisses Kapital, da das Mindestanlage-Volumen meist bei 500.000 Euro liegt. Institutionelle Anleger:innen sind aufgrund der Kapitalanforderungen gegenüber Privatanleger:innen im Vorteil. Eine der Neuerungen der Hedgefonds-Branche zugunsten der Privatanleger:innen ist das XAVEX-HedgeSelect-Zertifikat, das den Einstieg ab 10.000 Euro ermöglicht.

Wie hoch sind die Kosten von Hedgefonds?

Lange Jahre war eine Management-Gebühr (Management-Fee) von jährlich zwei Prozent plus einer 20-prozentigen erfolgsabhängigen Vergütung (Performance-Fee) üblich. Mittlerweile beträgt das Gebührenverhältnis bei Hedgefonds 2,5 Prozent und 25 Prozent. Die Erfolgsbeteiligung fällt für Hedgefonds-Anleger:innen meist geringer aus, da sie die erfolgsabhängigen Gebühren bezahlen, spätere Verluste selbst tragen.

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Thomas Detlef Bär

Veröffentlicht von

Als studierter Ökonom habe ich mich jahrelang in erster Linie mit betriebswirtschaftlichen Problemen befasst. Seit mehr als zehn Jahren sehe ich meine Berufung darin, Wissen und Erfahrungen rund um private Finanzen aufzubereiten und in Ratgeberform zu vermitteln.