Finanzkrisen

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 323
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 10. August 2022
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Finanzkrisen stellen Beeinträchtigungen des Finanzmarktes dar, welche innerhalb sehr kurzer Zeit auftreten. Diese Beeinträchtigungen haben auch große Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Da aufgrund der Globalisierung viele Länder miteinander verflochten sind, können sich lokale wirtschaftliche Krisen weltweit auswirken. So hatte zum Beispiel die Immobilienkrise in den USA sowie die Pleite der Großbank Lehman Brothers auch negative Folgen für viele andere Länder. In diesem Artikel möchten wir dir die wichtigsten Finanzkrisen und deren Ablauf erläutern. Dabei geben wir dir auch Tipps, wie du dein Kapital schützen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Finanzkrisen sind Beeinträchtigungen des Finanzmarktes, die innerhalb von kurzer Zeit auftreten. Hierbei verschlechtern sich bestimmte Finanzmarktindikatoren wie beispielsweise Wertpapierkurse oder Bonitätsbewertungen.
  • Die negativen Entwicklungen am Finanzmarkt haben in der Regel schwerwiegende Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Denn eine solche Krise kann zu Insolvenzen von Unternehmen oder höheren Inflationsraten führen.
  • Vor allem die Bankenbranche leidet unter einer Finanzkrise. Denn in einer solchen Situation geraten viele Unternehmen in Schieflage und haben Probleme, die Kreditraten zu bezahlen.
  • Um sich gegen Finanzkrisen zu schützen, sollte das Kapital breit gestreut und langfristig investiert werden. Denn langfristig sind die Börsenkurse immer gestiegen.

Was sind Finanzkrisen?

Bei Finanzkrisen handelt es sich in der Regel um innerhalb kürzester Zeit auftretende Beeinträchtigungen des Finanzmarktes. Dabei verschlechtern sich bestimmte Finanzmarktindikatoren, wie zum Beispiel die Kurse von Wertpapieren, Bonitätsbewertungen oder Zinsen. Diese negativen Entwicklungen am Finanzmarkt haben auch auf die Realwirtschaft sehr starke Auswirkungen. Dementsprechend kann eine Finanzkrise zu Pleiten von Unternehmen oder einer höheren Inflation führen.

Hinweis Insbesondere Banken leiden oftmals unter Finanzkrisen, da in der Krise einige Unternehmen nicht mehr in der Lage sind, ihre Kredite zu bedienen.

Die wichtigsten Finanzkrisen der Welt

Es gab in der Vergangenheit schon einige große Finanzkrisen, unter denen viele Anleger:innen stark gelitten haben. In den folgenden Abschnitten möchten wir dabei genauer auf die einzelnen Krisen, ihre Entstehung sowie die Auswirkungen eingehen.

Tulpenblase im 17. Jahrhundert

Die Tulpenblase im 17. Jahrhundert begann noch ganz harmlos. Denn zu Beginn waren es nur reiche Kaufleute, die Tulpen kauften. Dabei waren diese zwar wertlos, aber trotzdem interessierten sich die Kaufleute für besonders schöne Tulpen, die lange und schlanke Stängel hatten. Durch die Nachfrage der Kaufleute begannen die Preise zuerst langsam zu steigen. Da die Preise allerdings stetig stiegen, wurde das Interesse von den sogenannten Floristen geweckt. So wurden diejenigen genannt, die sich nicht für die Schönheit der Pflanze interessierten, sondern ausschließlich am Geld Interesse hatten.

Dementsprechend stieg die Nachfrage noch weiter an, da immer mehr Personen mit dem Handel von Tulpenzwiebeln schnelles Geld verdienen wollten. Die Preise zogen weiter an, bis im Juni des Jahres 1633 ein ganzes Haus für lediglich 3 Tulpenzwiebeln verkauft wurde. Diese Transaktion wird auch als der eigentliche Start des Tulpenwahns betrachtet. Es wurden zudem immer mehr neue Varianten am Markt angeboten. Niemand wusste genaue Details, zum Beispiel wie viele Brutzwiebeln diese neuen Sorten hervorbringen würden, doch trotzdem stürzten sich die Käufer auf sie. Selbst Expert:innen in diesem Bereich hatten mittlerweile den Überblick verloren.

Aufgrund der nun großen Bekanntheit und der immer weiter steigenden Preisen stiegen auch viele Menschen in dieses Geschäft ein, die eigentlich nichts damit zu tun hatten. Nun investierten neben Kaufleuten unter anderem auch Maurer, Bauern und Gastwirte. Teilweise verschuldeten sich diese sehr stark, um Tulpenzwiebeln kaufen zu können. Die Nachfrage war so groß, dass selbst wertlose normale Tulpenarten zu hohen Preisen gekauft wurden. Diese kosteten zum Teil so viel wie ein Pfund Gold. Als jedoch die Preise zu Beginn des Jahres 1637 nicht mehr stiegen, wollten viele ihre Tulpen möglichst schnell verkaufen, sodass die Preise innerhalb weniger Tage um 95% einbrachen.

Hinweis Viele Holländer hatten Schulden aufgenommen, um Tulpenzwiebeln kaufen zu können und waren demnach nach dem Platzen der Blase finanziell ruiniert.

Weltwirtschaftskrise von 1929

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte gravierende Auswirkungen auf die ganze Welt. Ausgelöst wurde diese durch einen Börsencrash in den USA. Am 25. Oktober 1929 brachen die Aktienkurse der Wertpapiere an der New Yorker Börse dramatisch ein. Dieser Tag ging deshalb als der “Schwarze Freitag” in die Geschichtsbücher ein. Da viele Bürger zu diesem Zeitpunkt in Aktien investiert waren, verloren sie zum Teil ihr ganzes Vermögen. Zudem entstanden Schließungen von Unternehmen, sodass sehr viele Menschen arbeitslos wurden. Auch Deutschland war hiervon betroffen und die deutsche Wirtschaft stürzte in eine schwere Krise, die bis 1933 anhielt.

Etliche Deutsche verarmten und wanden sich dem Nationalsozialismus zu. Dementsprechend gilt diese Krise auch als ein wichtiger Faktor für die Machtergreifung seitens Hitler im Jahr 1933. Dabei ist diese Krise wie viele andere auch durch eine sehr hohe Nachfrage entstanden. Denn Ende der 1920er kauften immer mehr Menschen in den USA Aktien, sodass die Aktienkurse stark anstiegen, weswegen immer mehr Menschen in Wertpapiere investierten. Die Kurse waren daraufhin deutlich höher bewertet als der tatsächliche Wert der Unternehmen. Als sich zu den sehr hohen Kursen keine Käufer mehr fanden, wollten viele Anleger:innen schnell verkaufen, sodass die Kurse stark abstürzten.

Japankrise

Vor der Japankrise im Jahr 1990 war das Land zu einer der führenden Wirtschaftsnationen aufgestiegen. Positive Einflussfaktoren für die japanische Wirtschaft waren dabei der Aufschwung der Wirtschaft nach dem Krieg, Deregulierungen der Finanzmärkte und des Außenhandels sowie der starke Wertzuwachs der japanischen Währung. Zudem senkte die Bank of Japan die Zinsen deutlich von 5,5% im Jahr 1982 auf 2,5% im Jahr 1987. Davon profitierten die Unternehmen, die nun günstig Kapital aufnehmen konnten und die Wirtschaft florierte. Dies wurde von starken Preisanstiegen bei Immobilien und Aktien begleitet.

Dementsprechend stieg auch der Kurs des japanischen Leitindex, der Nikkei 225, enorm an. Es war zudem kein Problem, hohe Kredite zu bekommen, für die als Sicherheit eine bereits extrem hoch bewertete Immobilie hinterlegt wurde. Allerdings wurden immer mehr Menschen aufgrund der Rationalisierung innerhalb der Firmen arbeitslos und viele Familien konnten sich den Kauf einer eigenen Wohnung nicht mehr leisten. Auch die Verschuldung des Staates nahm enorme Ausmaße an. Es kam zu höheren Steuern und die Zinsen wurden nach und nach angehoben. Als herauskam, dass viele Menschen Kredite bekommen hatten, die sie eigentlich nicht hätten bekommen dürfen, vergaben Banken keine Kredite mehr und viele Unternehmen gingen Pleite. Die Aktienkurse brachen dementsprechend stark ein.

Dotcom Blase

Die Dotcom Blase wird auch Internetblase genannt. Denn zu Beginn der 2000er Jahre entstand durch das Internet ein neuer Markt. Das Internet war damals noch sehr jung, der erste grafische Webbrowser wurde erst im Jahr 1990 entwickelt. Allerdings stiegen die Zahlen im Laufe der Jahre massiv an. Waren es im Jahr 1995 noch 16 Millionen Nutzer, die ins Internet gingen, so betrug diese Zahl im Jahr 2000 schon 304 Millionen. Dementsprechend wurden immer mehr Unternehmen auf diesen stark nachgefragten Markt aufmerksam.

Nachdem einige Unternehmer mithilfe von Geschäftsmodellen, die auf dem Internet basierten, in kurzer Zeit sehr reich geworden waren, stieg auch die mediale Aufmerksamkeit. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Börse. Denn es gingen mittlerweile viele Unternehmen an die Börse, um Kapital zu beschaffen. Das Problem hierbei war jedoch, dass diese Unternehmen oftmals noch sehr jung waren und daher nicht profitabel. Trotzdem wurden hohe Aktienkurse erreicht, da eine Euphorie ausgebrochen war, bezüglich allem, was mit dem Internet zu tun hatte. Die Kurse waren deshalb so hoch, weil viele Anleger:innen hohe Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Umsatz- und Gewinnwachstums hatten.

Es kam daher, wie es kommen musste. Die Unternehmen konnten die hohen Erwartungen nicht erfüllen, es kam immer öfter zu Gewinnwarnungen, weil die Gewinne geringer ausfielen als erwartet wurde. Zudem kam es zu den ersten Pleiten. Der Absturz des Marktes begann bereits im März 2000. Immer mal wieder kam es zu kurzfristigen, zwischenzeitlichen Kursanstiegen, die jedoch nicht von langer Dauer waren. Seinen Tiefpunkt erreichte der Markt dann Mitte 2002.

Hinweis In Deutschland war der neue Markt zudem von Betrugsfällen geprägt, da einige Unternehmen nicht die richtigen Zahlen ausgewiesen hatten. Viele vom Hype angesteckten Privatanleger:innen verloren ihr Kapital.

Finanzkrise (Subprime-Krise)

Die Finanzkrise wurde ebenfalls durch die Entwicklung in den USA hervorgerufen. Diese Krise ist durch eine Preisblase am US-amerikanischen Immobilienmarkt entstanden. Diese wurde durch eine sehr lockere Kreditvergabe hervorgerufen. Es bekamen auch Menschen einen Immobilienkredit, bei denen absehbar war, dass sie diesen langfristig nicht zahlen können würden. Demnach kam es ab Beginn des Jahres 2007 vermehrt zu Zahlungsausfällen. Am 15. September ging sogar die Großbank Lehman Brothers Pleite. Dies hatte gravierende Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte und führte zu einer internationalen Finanz- und Konjunkturkrise.

Eurokrise ab 2010

Im Jahr 2010 wurde ersichtlich, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr selbst begleichen kann. Daher war Griechenland dazu gezwungen, am 23. April 2010 Finanzhilfen zu beantragen, da man ansonsten pleite gegangen wäre. Das Vertrauen von Investor:innen, die griechische Staatsanleihen gekauft hatten, war dahin. Deshalb wurden diese so schnell wie möglich veräußert. Aber auch Irland und Portugal waren hiervon betroffen. Die Ausgabe neuer Staatsanleihen war aufgrund des Vertrauensverlustes nur zu sehr hohen Zinssätzen möglich. Dies führte zu einer großen Insolvenzgefahr für Griechenland, Irland und Portugal.

Diese Krise betraf daher nicht nur Griechenland, sondern den gesamten Euro-Raum. Es kam deshalb zu großen Finanzspritzen für Griechenland, um das Land zu retten. Zudem wurden in den Euroländern weniger Schulden aufgenommen. Trotzdem kam es zu einer Rezession innerhalb des Euro-Raumes. Ab dem Jahr 2014 setzt allerdings eine Erholung der europäischen Wirtschaft ein. Portugal ist nicht mehr auf den Rettungsschirm angewiesen und auch die Kreditwürdigkeit von Griechenland und Spanien ist gestiegen.

Staatliche Maßnahmen gegen Finanzkrisen

Es kommen mehrere staatliche Maßnahmen zum Einsatz, um Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern bzw. abzuschwächen. Dazu gehört beispielsweise der Euro-Rettungsschirm, welcher stark verschuldeten Staaten Notkredite bei Bedarf bereitstellen kann. Zudem wurden Vorgaben eingeführt, die eine strengere Haushaltsführung nach sich ziehen. Es wurde eine Obergrenze hinsichtlich der Schuldenlast von Staaten eingeführt. Außerdem gab es Reformen im Bankenwesen, um eine Situation wie bei der Finanzkrise im Jahr 2007 zu vermeiden.

Damit die stark verschuldeten Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihre Schuldenlast bedienen können, fallen die Zinsen im Euro-Raum schon seit längerer Zeit sehr niedrig aus. Die Inflation steigt momentan aber stark an. Normalerweise heben Zentralbanken bei einer hohen Inflation die Zinsen an, um dieser entgegenzuwirken. Die Europäische Zentralbank ist in ihrer Handlungsfähigkeit diesbezüglich aber stark eingeschränkt, da einige hoch verschuldete EU-Staaten eine höhere Zinslast nicht bedienen könnten.

Tipps zur Geldanlage in der Finanzkrise

Nun möchten wir dir noch einige Tipps mit an die Hand geben, die sich bei dem Eintreten weiterer Finanzkrisen als vorteilhaft herausstellen können. Zwar weiß niemand, wann genau die nächste Krise eintreffen wird, allerdings wird es früher oder später geschehen. Deshalb solltest du vorbereitet sein.

  • Streue dein Kapital, statt in einzelne Werte zu investieren
  • Behalte einen kühlen Kopf, nach jedem Crash folgte auch eine Erholung
  • Investiere langfristig, denn auf lange Sicht gab es am Aktienmarkt immer eine positive Rendite
  • Investiere nur Kapital, welches du nicht benötigst, um nicht zu ungünstigen Zeitpunkten verkaufen zu müssen

Depot Vergleich

Egal ob du dein Kapital breit gestreut in ETFs oder lieber in einzelne Werte investieren möchtest, du brauchst auf jeden Fall ein Depot. Denn ohne ein Depot kannst du nicht mit Wertpapieren handeln. Allerdings existieren sehr viele verschiedene Anbieter am Markt, die alle über unterschiedliche Gebührenstrukturen verfügen. Daher haben wir einen umfangreichen Depot-Vergleich ins Leben gerufen. Dieser wird dir dabei helfen, den für dich und deine Bedürfnisse passenden Anbieter auszuwählen.

Fazit

Finanzkrisen sind bereits in der Vergangenheit aufgetreten und werden dies aller Voraussicht nach auch in Zukunft tun. Vor den dramatischen Kursabstürzen heizt sich der Markt in der Regel auf, was zu absurd hohen Bewertungen führt. Irgendwann gibt es zu den sehr hohen Kursen keine Käufer mehr und die Spekulationsblase bricht in sich zusammen. Anleger:innen können ihr Kapital schützen, indem sie dieses breit streuen und langfristig investieren. Denn auf lange Sicht betrachtet hat sich die Börse immer nach oben entwickelt.

FAQ: Fragen und unsere Antworten rund um Finanzkrisen

Wie kannst du dein Depot gegen Finanzkrisen schützen?

Um dein Depot zu schützen, solltest du dein Kapital breit streuen, statt in einzelne Unternehmen zu investieren. Investiere langfristig und lege nur das Kapital an, welches du kurz- bis mittelfristig nicht benötigst. Behalte auch bei Kursverlusten einen kühlen Kopf.

Was sind die Ursachen für Finanzkrisen?

Die Ursachen für Finanzkrisen fallen unterschiedlich aus. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um das Platzen einer Spekulationsblase. Eine sehr hohe Nachfrage führt zu extremen Preisanstiegen. Der Markt ist dann überbewertet und fällt anschließend sehr stark.

Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.