Due Diligence

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 323
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 5. August 2022
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Wenn im unternehmerischen Umfeld von einer Due Diligence Prüfung die Rede ist, so handelt es sich um die Bewertung einer größeren Transaktion. So kommt die Due Diligence beispielsweise beim Kauf einer Firma zum Einsatz. Konkret geht es darum, Chancen und Risiken einzuordnen, sowie in die Kategorien Wirtschaft, Recht, Finanzen und Steuern einzuteilen.

Fünf Fakten zur Due Diligence Prüfung:

  • Die Due Diligence Prüfung hilft bei der Ermittlung von Chancen und Risiken, wenn zum Beispiel ein anderes Unternehmen gekauft wird.
  • Prüfungen dieser Art lassen sich in unterschiedliche Teilbereiche zerlegen. Da wären Rechtliches, Steuerliches, Technisches, Wirtschaftliches oder Finanzielles zu nennen.
  • Due Diligences werden von speziell dafür ausgebildeten Berater durchgeführt. Dies können auch Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, Unternehmensberater oder Gutachter sein.
  • Sogenannte Deal-Breaker sind beim Due Diligence Verfahren zu identifizieren. Dabei handelt es sich um Sachverhalte, die zum Abbruch einer Verhandlung führen.
  • Ziel dieser Art von Unternehmensbewertung ist jedoch nicht nur die Prüfung, ob ein Deal für den Käufer sinnvoll ist. Gleichwohl geht es im Zuge der Auswertung um die Kaufpreisfindung.
Aufgepasst! Im Zuge einer Due Diligence Prüfung gilt es auch die Geldwäscheanforderungen zu beachten. Diesbezüglich sind im Geldwäschegesetz sogar Verpflichtete (u.a. Kreditinstitute und Steuerberater) benannt.

Was ist eine Due Diligence?

Angenommen Firma A will mit Unternehmen B zusammenarbeiten oder dieses sogar aufkaufen. Jetzt kann sich die Käuferseite jedoch nicht blind auf die Informationen des Verkäufers verlassen. Schon aus Eigeninteresse gilt es daher eine Analyse zum Zielunternehmen durchzuführen. Dabei handelt es sich um das Due Diligence Verfahren. Denn vor der Zusammenarbeit oder des Aufkaufs gilt es Chancen zu ermitteln und Risiken auszuschließen. Doch was besagt eine Due Diligence eigentlich? In der deutschen Übersetzung ist von einer Informationsoffenlegung, einer Kaufprüfung oder einem Wertfeststellungsverfahren die Rede. Allgemein wird Due Diligence, weil es ein breites Anwendungsfeld gibt, jedoch mit „gebührende Sorgfalt“ übersetzt.

Konkret sollen im Zuge einer Due-Diligence-Prüfung Unternehmen in Bezug zu den rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen bewertet werden. So ist ein Blick auf die Gesellschafterstrukturen üblich. Auch gilt es auf die Umsätze und Gewinne, sowie auf eine etwaige Korruption zu schauen. Wann ist ein Due-Diligence-Verfahren zu durchlaufen? Dazu hat das Deutsche Institut für Compliance (DICO) eine klare Meinung: „jeder, der mit einem Unternehmen im geschäftlichen Kontakt steht und nicht Mitarbeiter oder Organ des Unternehmens ist“, ist als Geschäftspartner zu prüfen.

Darum macht man eine Due Diligence Prüfung

Die Durchführung einer Due Diligence Prüfung ist komplex. Denn unterschiedliche Bereiche eines Unternehmens müssen durchleuchtet werden. Daher verlassen sich viele Kunden beim Kauf auf einen Berater. Dieser präsentiert die Ergebnisse. Diese zu deuten, ist jedoch meist noch immer die Aufgabe des potenziellen Käufers.

Doch warum wird eine Due Diligence Prüfung durchgeführt? Die Planung eines Kaufes mag wirtschaftliche oder steuerliche Gründe haben. Was nach oberflächlichen Analysen wie ein vorteilhaftes Geschäft aussehen mag, kann schnell nach hinten losgehen. Daher sind Risikofaktoren mit größter Sorgfalt abzuwägen. Der Unternehmenskauf ist eine komplexe Geschichte. Doch das wohl größte Risiko entsteht, wenn auf die Due Diligence verzichtet wird!

Beispiel: Im Jahr 2016 übernahm Bayer Monsanto. In der Folge gab es viele Klagen gegen das jetzt zu Bayer gehörende Unternehmen. Unter anderem, weil die Mittel Glyphosat und Roundup als krebserregend gelten. Es war der größte Unternehmenskauf der Bayer-Geschichte und der Aktienkurs erholt sich nur schleppend. Mit einer sorgfältigen Due Diligence hätte vor dem Zukauf gewarnt werden können.

Das wird bei einer Due Diligence Prüfung gemacht

Unterschiedliche Merkmale des Zielunternehmens werden bei einem geplanten Erwerb unter die Lupe genommen. Beispielhaft sollen die wichtigsten Eckpfeiler einer Prüfung genannt sein.

  • Rechtliche Anforderungen: Sind Verfahren gegen das aufzukaufende Unternehmen anhängig? Es sind auch die Rechte anderer Länder zu berücksichtigen.
  • Finanzielle Potenziale: Welchen Einfluss auf das eigene Geschäftsergebnis hat ein Kauf? Auch Risiken müssen diesbezüglich abgewogen werden.
  • Reputation der Firma: Aktionäre und Verhandlungspartner werden bei einer Übernahme auch den Ruf eines Unternehmens im Blick haben. Dieser färbt wiederum teilweise auf den Käufer ab.
  • Strategische Gedanken: Steuerlich mag ein Zukauf sinnvoll sein, um einer höheren Zahlung ans Finanzamt durch Investitionen zu entgehen. Auch hier sind Fallstricke zu überspringen.
  • Technische Voraussetzungen: Viele Produkte und Plattformen müssen mit dem eigenen Konzept kompatibel sein. Vielleicht sind vorher Änderungen nötig oder das aufzukaufende Produkt ist gar nicht mit den eigenen Plänen kompatibel.

Bei einem Kauf nimmt der Käufer die Chancen (Potenziale, Gewinne, etc.), aber auch die Risiken (Schadensersatzforderungen, Korruptionsskandale, etc.) des verkaufenden Unternehmens mit ins Portfolio.

So läuft eine Due Diligence Prüfung ab

Innerhalb von sechs Schritten soll aufgezeigt werden, wie ein Due-Diligence-Check in der Praxis abläuft.

  1. Beauftragung eines Fachkundigen: Für gewöhnlich wird die Beratung durch einen Wirtschaftsprüfer oder sonstigen Fachkundigen in Anspruch genommen.
  2. Besprechung mit den Verantwortlichen: Über einen elektronischen Datenraum findet eine solche Besprechung meist statt. Hier werden die wichtigen Dokumente in wirtschaftlicher, steuerlicher oder sonstiger Hinsicht zur Einsicht dargereicht.
  3. Prüfung des Unternehmens: Abseits der vorliegenden Unterlagen findet eine ausführliche Betriebsprüfung statt. In dieser Phase treten häufig Fragen auf, die beim Verkäufer über einen Fragebogen oder eine Stellungnahme eruiert werden.
  4. Persönliches Gespräch mit Verkäufer: Der Fachberater konfrontiert die Verkäuferseite mit den letzten Fragen. Dabei gilt es auch die bislang gesammelten Informationen zu verifizieren.
  5. Anfertigen eines Due Diligence Reports: Sind sämtliche Fakten bezüglich ihrer Stichhaltigkeit geprüft, kann das Ergebnis vorgelegt werden. Darin sind Chancen und Risiken für die Weiterentwicklung der Auftragsfirma genannt.
  6. Verhandlungen abschließen: Die sorgfältige Prüfung ist beendet. Jetzt gilt es vom vermeintlichen Erwerber zu überlegen, ob laut Ergebnis am Kauf festgehalten wird. Dann wären die Ansprüche in einem Kaufvertrag festzuhalten. Eventuell wird auf Basis der Ergebnisse aber auch Abstand vom Aufkauf genommen.

Formen der Geschäftspartnerüberprüfung

Eine Geschäftspartnerüberprüfung kann auf mehreren Ebenen stattfinden. Ganz simpel ist ein Check-up in Google. Diese Art der Due Diligence ist stark simplifiziert. Dafür ist die Abfrage in einer Suchmaschine kostenlos möglich. Einzelzugänge erlauben hingegen gesicherte Informationen. Allerdings ist es nötig diesen Informationsfluss regelmäßig zu aktualisieren. Über Datenbanken ist eine Prüfung in der notwendigen Tiefe möglich. Externe Berater sparen Zeit und haben Erfahrung. Dafür fallen hier Kosten an.

Geschäftspartnern können fortwährend geprüft werden – zum Beispiel bei einer andauernden Zusammenarbeit. Bei einem Deal zwischen Käufer und Verkäufer reicht es hingegen eine gründliche Analyse anzufertigen. Nach dem Kauf gehört der Neuzugang ohnehin zur Firma.

Wer braucht eine Due-Diligence-Prüfung?

Wenn größere Unternehmenstransaktionen anfallen, ist eine Due Diligence ratsam. Grundsätzlich wird dieses Verfahren zur sorgfältigen Prüfung der Geschäftspartner immer dann empfohlen, wenn eine Zusammenarbeit mit internationalen Partnern erfolgt. Außerdem ist eine Due Diligence notwendig, bevor über einen Zusammenschluss mit einem weiteren Unternehmen eine Übereinkunft erzielt wird. Denn sonst weiß die Käuferseite eventuell nicht, was für Altlasten die Erwerbung mitbringt.

Vor- und Nachteile einer Due Diligence Prüfung

Vorteile
  • Risiken aufdecken: Je umfangreicher eine Due Diligence Prüfung ausfällt, desto leichter werden Risikofaktoren aufgedeckt.
  • Potenzial erkennen: Auch in positiver Hinsicht können Prüfungen dieser Art geplante Partnerschaften bestätigen.
  • Prozessoptimierung: Unternehmenskäufe und bestehende Partnerschaften lassen sich bewerten und einsortieren. So ist eine faire Beurteilung einer Geschäftsbeziehung möglich.
  • Externe Ausführung: Es braucht keine internen Profis. Diverse Berufsgruppen (u.a. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer) haben sich auf eine Due Diligence Prüfung spezialisiert.
Nachteile
  • Unschärfe bei der Beurteilung: Eventuell werden Risiken aufgedeckt, die für den konkreten Fall keine Relevanz besitzen oder es werden Risikofaktoren übersehen.
  • Erfolgsorientierte Bezahlung: Weil Berater meist auf Basis einer Übereinkunft bezahlt werden (Erfolgshonorar), geht die Due-Diligence-Prüfung mit einem Interessenkonflikt einher.
  • Unehrliche Verkäuferseite: Das zu übernehmende Unternehmen hat häufig ein Interesse an dem Deal. Daher neigen Verkäufer dazu, Schwächen und Risiken zu verschweigen.
  • Vertrauensverhältnis: Bestehende Partnerschaften regelmäßig zu hinterfragen und zu kontrollieren, kann dem Verhältnis zwischen beiden Firmen schaden.

Alternativen zur Due Diligence Prüfung

Tatsächlich gibt es keine echte Alternative zur Due Diligence Prüfung. Denn dieses Verfahren lässt sich auch schlicht als „Sorgfaltspflicht“ übersetzen. Wäre die Alternative zur Due Diligence also auf diese Sorgfalt zu verzichten? Eine Prüfung kann in unterschiedlichen Sorgfaltsgraden durchgeführt werden – von der Google Prüfung bis hin zur Datensammlung durch erfahrene Prüfer.

Fazit

Unternehmenstransaktionen im größeren Stil werden mit der Due Diligence Prüfung bewertet. Dabei kann es sich um den Kauf einer anderen Firma handeln. Doch auch bestehende Partnerschaften können im größeren Umfang mit dem Verfahren bewertet werden. In der Regel beschäftigen Unternehmen Fachberater für eine Due Diligence. Erst auf Basis der gelieferten Ergebnisse wird eine unternehmerische Entscheidung pro oder contra getroffen. Oder es kann einfach noch bezüglich des Preises gefeilscht werden.

FAQ zur Due Diligence Prüfung

Was ist das Ziel einer Due Diligence Prüfung?

Bei der Due Diligence geht es um eine Absicherung bei größeren Investitionen. Risiken sind bestmöglich auszuschließen. Potentiale gilt es aufzudecken.

Warum ist eine Due Diligence Prüfung wichtig?

Angenommen auf eine sorgfältige Unternehmensprüfung wird verzichtet und beim aufgekauften Unternehmen tritt im Nachlauf ein Rechtsstreit ein. Dann ist der Käufer für Ansprüche eventueller Kläger zuständig.

Due Diligence Prüfung: Was wird geprüft?

Einerseits werden Unternehmen daraufhin geprüft, ob sich eine Übernahme lohnt. Andererseits kann eine Due Diligence durchgeführt werden, um bestehende Partnerschaften auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen.

Was umfasst die Due Diligence Prüfung?

Bei einem Due-Diligence-Verfahren findet eine Prüfung der rechtlichen, wirtschaftlichen, finanziellen und steuerlichen Verhältnisse des Zielunternehmens statt.

Wie ist der Ablauf einer Due Diligence?

Erst wird ein Berater beauftragt. Danach findet eine Besprechung mit den Verantwortlichen statt. Nach Prüfung zugehöriger Dokumente werden kritische Punkte direkt hinterfragt. Schlussendlich wird ein Due Diligence Report erstellt, auf dessen Basis das beauftragende Unternehmen eine Entscheidung trifft.

Feda Mecan

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Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.