Betriebliche Altersvorsorge

Feda Mecan
| Anzahl Artikel: 323
Geschäftsführer und Investment-Experte Letzte Überarbeitung am 5. Juli 2022
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Die gesetzliche Rente wird in Zukunft nicht allzu hoch ausfallen, sodass Alternativen gefragt sind. Eine dieser Alternativen stellt der Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge dar. Mithilfe dieser können Arbeitnehmer eine Betriebsrente zusätzlich zur staatlichen Rente aufbauen und sich dadurch gegen Altersarmut absichern. Insbesondere Geringverdiener profitieren dabei durch die betriebliche Altersvorsorge besonders, da seit 2018 keine vollständige Anrechnung auf die Grundsicherung mehr erfolgt. In diesem Artikel werden wir dir daher aufzeigen, welche unterschiedlichen Vorsorgemodelle es gibt und wer die betriebliche Altersvorsorge nutzen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Über die betriebliche Altersvorsorge können Arbeitnehmer zusätzlich für das Alter vorsorgen. Dabei wird die Betriebsrente nicht vom Staat ausgezahlt, sondern vom Arbeitgeber.
  • Der Arbeitgeber ist per Gesetz dazu verpflichtet, die Beiträge des Arbeitnehmers zur betrieblichen Altersvorsorge mit 15% zu bezuschussen.
  • Quasi jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge. Dazu gehören auch Auszubildende, Teilzeitangestellte oder Mitarbeiter, die nur über eine befristete Anstellung verfügen.
  • Vor allem Geringverdiener können vom Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge profitieren. Denn im Jahr 2018 gab es eine Gesetzesänderung. Seitdem wird die Grundsicherung nicht mehr vollständig angerechnet, die ersten 100 Euro aus einer Betriebsrente sind abgabenfrei.

Was bedeutet betriebliche Altersvorsorge (bAV)?

Mithilfe der sogenannten betrieblichen Altersvorsorge können Arbeitnehmer eine zusätzliche Rente generieren. Dabei läuft diese Art der Vorsorge fürs Alter aber nicht über den Staat, sondern über den eigenen Betrieb. Die Besonderheit hierbei ist, dass das Unternehmen, für welches du arbeitest, deine Beiträge per Gesetz bezuschussen muss.

Wer ist für die betriebliche Altersvorsorge berechtigt?

Grundsätzlich ist jeder Arbeitnehmer, welcher verpflichtet ist, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, dazu berechtigt, einen Teil des Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge zu investieren. Allerdings besteht diese Berechtigung nur dann, wenn der Arbeitnehmer die Betriebsrente selbst finanziert. Seit dem Jahr 2019 besteht ein Gesetz, welches Arbeitgeber dazu verpflichtet, den Aufbau einer Betriebsrente des Arbeitnehmers zu bezuschussen. Dementsprechend haben die folgenden Gruppen einen Anspruch auf den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge:

  • Mitarbeiter, die geringfügig beschäftigt sind
  • Angestellte, die über eine unbefristete Anstellung verfügen
  • Geschäftsführer
  • Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag
  • Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten
  • Auszubildende

Für wen lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge?

Diese Fragestellung erscheint simpel, ist in der Realität aber recht komplex. Denn die Fragestellung, ob sich der Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge lohnt, hängt immer von der jeweiligen Situation sowie weiteren Faktoren ab. Dabei kommt es auch stark auf das eigene Einkommen an, da die Beträge für die Betriebsrente vom Bruttogehalt abgehen, sodass sich hier steuerliche Vorteile ergeben. Allerdings müssen Renten später versteuert werden, sodass sich die Steuerzahlungen bei Gutverdienern lediglich in die Zukunft verschieben.

Lukrativ bei niedrigem Einkommen

Die Vorsorge für das Alter über den Aufbau einer Betriebsrente ist für Geringverdiener besonders lukrativ. Denn insbesondere Angestellte, die wenig verdienen, sind darauf angewiesen, eine zusätzliche Rente zu generieren, um später nicht unter Altersarmut zu leiden. Zudem ist seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2018 ein großer Nachteil weggefallen. Denn vorher war es so, dass im Alter eine Anrechnung der Betriebsrente auf die Grundsicherung erfolgte. Dies hat sich dahingehend geändert, dass Sparer nun mindestens 100 Euro der Betriebsrente behalten dürfen. Der maximale Betrag beläuft sich auf 200 Euro.

Wer mittels Aufbau einer Betriebsrente für das Alter vorsorgt, darf nun die ersten 100 Euro komplett behalten. Maximal sind es 200 Euro, die Sparer zusätzlich zur normalen Rente erreichen können, wobei sie nur 30% des Betrages, der die 100 Euro übersteigt, behalten dürfen.

Vor- und Nachteile der bAV

Der Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge kommt sowohl mit Vor- als auch mit Nachteilen daher. Dabei ist einer der großen Vorteile einer Betriebsrente der, dass sie nicht mehr vollständig auf die Grundsicherung angerechnet wird, wovon vor allem Geringverdiener profitieren. Zudem dürfen die bereits gezahlten Beiträge nicht mehr angetastet werden, sodass im Falle eines Jobverlustes und Hartz IV nicht darauf zurückgegriffen werden muss.

Ein großer Nachteil ist dagegen die mangelnde Flexibilität, da der angesparte Betrag vor Beginn der Rente nicht ausgezahlt wird und es zudem nicht immer möglich ist, den Vertrag bei einem Jobwechsel zu übertragen. Es gibt noch viele weitere Vor- und Nachteile einer betrieblichen Altersvorsorge. Daher haben wir dir eine Pro und Contra Liste erstellt, damit du dir einen guten Überblick darüber verschaffen kannst, ob der Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge für dich geeignet ist.

Vorteile:
  • Per Gesetz ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge zu bezuschussen
  • Pfändungsschutz bei Jobverlust, da die gezahlten Beiträge nicht zum anrechenbaren Vermögen zählen
  • Vereinfachte Gesundheitsprüfung, Vertragsabschluss daher auch bei Vorerkrankungen möglich
  • Keine vollständige Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter, Sparer behalten mindestens 100 Euro der Betriebsrente ohne Abzüge
  • Kosten können durch geschickte Auswahl seitens des Arbeitgebers geringer ausfallen als bei anderen Anlageprodukten
  • Jeder Arbeitnehmer, der in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat Anspruch auf den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge
Nachteile:
  • Mangelnde Flexibilität: Kapital kann vor Beginn der Rente nicht ausgezahlt werden, Verträge können bei einem Jobwechsel eventuell nicht übertragen werden
  • Bei Produkten, bei denen es nur eine Beitragszusage gibt, ist der Arbeitgeber nur zur Einzahlung dieser verpflichtet. Die Höhe der Rente ist dann nicht garantiert.
  • Arbeitgeber betreibt die Produktauswahl, wodurch sich Nachteile für Arbeitnehmer ergeben können
  • Oftmals mit hohen Kosten verbunden

Voraussetzungen der betrieblichen Altersvorsorge

Nachdem wir bereits geklärt haben, wer Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge hat, möchten wir dir in diesem Abschnitt aufzeigen, welche Voraussetzungen bestehen, damit du die Betriebsrente im Alter auch ausgezahlt bekommst. Denn hierfür musst du dich eine bestimmte Zeit lang an deinen Arbeitgeber binden. Allerdings sind auch die Ansprüche diesbezüglich gesunken.

Musste man für den Erhalt einer betrieblichen Rente bis Ende 2017 beim Ausscheiden aus einem Unternehmen noch mindestens 25 Jahre alt sein und mindestens 5 Jahre lang für den Arbeitgeber tätig gewesen sein, so sind die Regeln in 2018 deutlich gelockert worden. Seit diesem Jahr müssen Arbeitnehmer beim Jobwechsel nur noch mindestens 21 Jahre alt sein und für mindestens 3 Jahre in der Firma gearbeitet haben.

Entgeltumwandlung einfach erklärt

Bei der sogenannten Entgeltumwandlung wird ein Teil des Lohnes eines Arbeitnehmers für die betriebliche Altersvorsorge eingesetzt. Dementsprechend läuft die Finanzierung über den Arbeitnehmer und wird manchmal auch als Gehaltsumwandlung bezeichnet. Dabei wird ein bestimmter Anteil des Bruttogehalts direkt abgezogen und in einen entsprechenden Vertrag eingezahlt.

Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf das Besparen eines Vertrages zur betrieblichen Altersvorsorge über die Entgeltumwandlung. Vom Gehalt können dabei bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung in diesen Vertrag eingezahlt werden.

Ersparnisse durch Entgeltumwandlung

Durch die Entgeltumwandlung können Arbeitnehmer einiges an Abgaben sparen. Denn auf das monatlich gezahlte Bruttogehalt fallen sowohl Einkommensteuer als auch Sozialabgaben an. Geht jetzt ein Teil des Bruttogehalts direkt in den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge, dann senkt sich dadurch das Bruttogehalt um eben jenen Betrag. Dadurch fallen dann geringere Sozialabgaben und Steuern an, sodass der Arbeitnehmer durch den Einsatz der Entgeltumwandlung Abgaben sparen kann.

Welche Formen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gibt es?

Es gibt mehrere Formen der betrieblichen Altersvorsorge, die Arbeitnehmer nutzen können, um eine Betriebsrente aufzubauen. Damit du genau weißt, welches die Besonderheiten der einzelnen Formen sind und mit welchen Vor- und Nachteilen du rechnen musst, werden wir in den folgenden Abschnitten im Detail auf die einzelnen Modelle eingehen. Dabei haben Arbeitnehmer verschiedene Formen zur Auswahl, für das Alter mittels Betriebsrente vorzusorgen.

Direktversicherungen

Bei einer Direktversicherung handelt es sich um einen sehr einfachen und flexiblen Weg, die betriebliche Altersvorsorge durchzuführen. Daher kommt diese Methode seit dem Jahr 2005 am häufigsten zum Einsatz. Dabei ist eine Direktversicherung quasi eine normale Rentenversicherung, die der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer abschließen kann. Ein großer Vorteil der Direktversicherung ist, dass diese nicht kompliziert ist, weshalb sie auch in kleineren Firmen oft eingesetzt wird. Für Arbeitnehmer hat der Einsatz einer Direktversicherung den großen Vorteil, dass sich diese bei einem Jobwechsel ohne Probleme zu einem anderen Arbeitgeber übertragen lässt.

Wird eine Direktversicherung im Unternehmen für die betriebliche Altersvorsorge eingesetzt, dann wird ein Versicherungsunternehmen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zwischengeschaltet, welches Lebensversicherungen anbietet. Der Tarif wird vom Arbeitgeber ausgewählt. Neben der klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherung kann auch eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen werden, wobei hier auch ausgewählt werden kann, ob diese fondsgebunden oder klassisch sein soll. Die Einzahlung erfolgt monatlich. Am Ende kann entweder eine Rente generiert werden, oder sofern vereinbart das Kapital einmalig ausgezahlt werden.

Direktzusage

Die Direktzusage funktioniert anders als eine Direktversicherung. Denn bei der Direktzusage arbeitet der Arbeitgeber nicht mit einem bestimmten Versicherer zusammen, sondern macht dem Arbeitnehmer eine Versorgungszusage. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber selbst entscheiden kann, in welche Anlageprodukte die gesparten Beträge angelegt werden. Im Alter zahlt dann der Arbeitgeber selbst die Betriebsrente an den früheren Arbeitnehmer aus. Ein großer Vorteil dieser Variante ist somit, dass der Arbeitgeber viel flexibler in der Gestaltung der betrieblichen Altersvorsorge ist.

Dementsprechend kann der Arbeitgeber viele verschiedene Modelle anbieten, die der Arbeitnehmer besparen kann. Dazu gehören beispielsweise die klassische Betriebsrente, Invaliditätsversorgung oder Hinterbliebenenabsicherung. Dabei kann der Arbeitgeber die Höhe der Rente festlegen oder aber eine gewisse Verzinsung zusagen. Der Arbeitgeber muss vom Gesetz her aber nur den Beitragserhalt garantieren. Der große Vorteil für Arbeitnehmer ist, dass es keine Limitierung der Beiträge gibt und diese steuerfrei eingezahlt werden können. Allerdings kann eine Direktzusage bei einem Jobwechsel in der Regel nicht übertragen werden kann. Eine private Weiterführung ist ebenfalls unmöglich.

Pensionskasse

Bei der Pensionskasse handelt es sich um eine Möglichkeit, mittels betrieblicher Altersvorsorge für später vorzusorgen, die einige Ähnlichkeiten mit der Direktversicherung aufweist. Dabei schließt der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer einen Vertrag mit einer externen Pensionskasse. Eine Pensionskasse ist eine rechtlich eigenständige Organisation. Das Ziel einer solche Organisation ist das Angebot von Betriebsrenten. Eine Pensionskasse kann entweder von einem einzigen Unternehmen oder von Lebensversicherern gegründet werden. Manchmal schließen sich auch mehrere Unternehmen zusammen, um für einen bestimmten Sektor Betriebsrenten anbieten zu können.

Die Pensionskasse war früher einmal die Form der betrieblichen Altersvorsorge, die am häufigsten zum Einsatz gekommen ist. Doch dies hat sich im Jahr 2005 geändert, als Direktversicherungen angeboten wurden. Seitdem wird sie nicht mehr oft eingesetzt, da die Direktversicherung die gleiche Funktionsweise aufweist. Vorteil dieser Form ist, dass die Regularien nicht ganz so streng sind wie bei beispielsweise Direktversicherungen, wodurch sich höhere Renditen ergeben können. Nachteilig ist aber, dass es zu Kürzungen der Rente kommen kann, wenn die Pensionskasse in finanzielle Schieflage gerät.

Pensionsfonds

Mithilfe eines Pensionsfonds kann der Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge anbieten, die von einer unabhängigen Institution betrieben wird. Oftmals werden Pensionsfonds von Versicherern oder großen Konzernen gegründet, um es Arbeitgebern zu ermöglichen, das Angebot einer betrieblichen Altersvorsorge auszulagern. Dies hat den großen Vorteil, dass dieser sich, im Gegensatz zur Direktzusage, nicht selbst um die Kapitalanlage kümmern muss. Da Pensionsfonds ziemlich flexibel sind, was die Auswahl der Anlageinstrumente betrifft, können Vorteile in Form von zum Beispiel höheren Renditen entstehen.

Oftmals wird eine solche Form der betrieblichen Altersvorsorge vom Arbeitgeber finanziert, aber die Entgeltumwandlung über den Arbeitnehmer ist ebenfalls eine Möglichkeit. In der Realität allerdings passiert die Einzahlung in einen Pensionsfonds über die Entgeltumwandlung eher selten. Wenn dies aber doch zustande kommt, dann unterscheidet sich der Prozess für den Arbeitnehmer nicht großartig von einer Direktversicherung oder Pensionskasse. Vorteile für Arbeitnehmer bei dieser Form der betrieblichen Altersvorsorge sind die geringen Verwaltungskosten. Nachteilig kann sein, dass hier in risikoreichere Produkte angelegt werden darf, was auch das Risiko für den Arbeitnehmer erhöht.

Versorgungswerke

Arbeitgeber haben die Möglichkeit, unternehmensinterne Versorgungswerke einzurichten. Bei einem solchen Versorgungswerk handelt es sich um ein optimales Produkt, das den Arbeitnehmern angeboten werden kann, um diese über interessante Angebote ans Unternehmen zu binden beziehungsweise die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. Die betriebliche Altersvorsorge spielt hierbei eine bedeutende Rolle, denn der Arbeitgeber kann über das Versorgungswerk die Betriebsrente der Mitarbeiter bezuschussen.

Dabei ist ein Versorgungswerk aber nicht nur auf die betriebliche Altersvorsorge limitiert. Der Arbeitgeber kann seinen Angestellten viele weitere Leistungen anbieten, um die angebotenen Jobs noch attraktiver zu gestalten. So sind beispielsweise Beiträge zur betrieblichen Krankenversicherung denkbar. Aber auch Angebote wie Belegschaftsaktien, Weiterbildungen oder Kinderbetreuung können innerhalb eines Versorgungswerks zum Einsatz kommen.

Vermögenswirksame Leistungen

Über sogenannte vermögenswirksame Leistungen, oft auch als VWL abgekürzt, können Arbeitnehmer eine zusätzliche Geldleistung vom Arbeitgeber erhalten. Diese kann auf bis zu 40 Euro pro Monat steigen und dient als Sparanlage für das Alter. Dabei kann der Arbeitnehmer die vermögenswirksamen Leistungen für seine betriebliche oder private Altersvorsorge nutzen. VWL stellen eine freiwillige Zahlung des Arbeitgebers dar, der Arbeitnehmer hat darauf keinen gesetzlichen Anspruch.

Dementsprechend handelt es sich hierbei um eine zusätzliche Leistung des Arbeitgebers. Dadurch sollen die eigenen Mitarbeiter beim langfristigen Aufbau von Vermögen unterstützt werden. Arbeitgeber tun dies, um attraktiver für Mitarbeiter zu werden. Arbeitnehmer profitieren von dieser Form der Altersvorsorge dadurch, dass sie diese nicht selbst finanzieren müssen. Die VWL werden nicht über den Lohn ausbezahlt, sondern direkt auf das ausgewählte Anlageinstrument überwiesen. Dies soll sicherstellen, dass das Geld nicht in den Konsum fließt, sondern für die Altersvorsorge genutzt wird.

Zulagen durch den Arbeitgeber

Seit dem Jahr 2019 sind Arbeitgeber per Gesetz dazu verpflichtet, die betriebliche Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter in Höhe von 15% zu bezuschussen. Bislang galt dies nur für neu abgeschlossene Verträge, doch seit Anfang 2022 gilt dies auch für vorher bestehende Verträge. Dabei gilt diese Zuschusspflicht aber nur dann, wenn die betriebliche Altersvorsorge über eine Entgeltumwandlung vorgenommen wird, also vom Arbeitnehmer selbst finanziert wird.

Auch Geringverdiener und Minijobber haben Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge.

Behandlung von Steuern bei Betriebsrenten

Wenn dir eine Betriebsrente ausgezahlt wird, dann können abhängig von der Höhe auch Steuern anfallen. Dafür fallen aber in der Regel keine Steuern bei der Einzahlung in die Betriebsrente an. Bis zu 564 Euro können so pro Monat steuerfrei für die betriebliche Altersvorsorge verwendet werden. Wenn dir im Rentenalter die Betriebsrente ausgezahlt wird, dann gelten andere Beträge. So müssen bereits ab einem Betrag von 164,50 Euro pro Monat sowohl Steuern als auch Sozialabgaben gezahlt werden.

Ab diesem Auszahlungsbetrag der Betriebsrente fällt der persönliche Steuersatz an. Zusätzlich dazu werden 18% Kranken- und Pflegeversicherungsbeträge berechnet. Rentner sind dazu verpflichtet, die Betriebsrente in ihrer Steuererklärung anzugeben.

Sozialabgaben in der betrieblichen Altersvorsorge

Während der Einzahlphase in die betriebliche Altersvorsorge fallen bis zu einem Betrag von 282 Euro keine Sozialabgaben an. Dementsprechend können pro Jahr bis zu 3.384 Euro in eine betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden, ohne dass Sozialabgaben auf diese Beiträge erhoben werden. Erhält ein Arbeitnehmer im Alter seine Betriebsrente, dann fallen bis zu einem Betrag von 164,50 Euro keine Sozialabgaben an.

Betriebliche Altersvorsorge verhandeln

Da die gesetzliche Rente in Zukunft aller Voraussicht nach nicht besonders hoch ausfallen dürfte, sollten Arbeitnehmer unbedingt selbst vorsorgen. Um das Ziel eines sorgenfreien Lebens im Alter gewährleisten zu können, ist die betriebliche Altersvorsorge eine gute Option. Daher sollte mit dem Arbeitgeber auch über die Konditionen der betrieblichen Altersvorsorge verhandelt werden. Hierfür kann man dem Arbeitgeber auch statt einer Gehaltserhöhung entsprechende Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge vorschlagen.

Dies hätte für den Arbeitnehmer den großen Vorteil, dass die Abgabenlast geringer ausfällt. Denn bis zu bestimmten Grenzen fallen auf die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge keine Steuern oder Sozialabgaben an. Zwar werden diese dann im Alter berechnet, allerdings fällt nach Renteneintritt das hohe Gehalt weg, sodass sie Abgaben dann deutlich geringer ausfallen sollten.

Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge

Die Anzahl aktiver Anwartschaften auf die betriebliche Altersversorgung ist von etwa 14,6 Millionen im Jahr 2001 auf ca. 21 Millionen im Jahr 2019 angestiegen. Dies zeigt, dass immer mehr Arbeitnehmer Interesse an dem Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge haben. Insbesondere bei großen Unternehmen zeigt sich, dass sehr viele Mitarbeiter das Angebot der betrieblichen Altersvorsorge zu schätzen wissen und mittels Aufbaus einer Betriebsrente für das Alter vorsorgen.

Was passiert bei Insolvenz des Arbeitgebers?

Je nachdem, über welches Anlageinstrument die betriebliche Altersvorsorge aufgebaut wird, unterscheidet sich auch, auf welche Art die eingezahlten Beiträge geschützt sind. Wir können dich aber beruhigen, denn grundsätzlich sind die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge geschützt. Wenn beispielsweise ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss, welches die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter über eine Direktzusage, Pensionsfonds oder Unterstützungskasse ermöglicht hat, dann springt ein sogenannter Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) ein.

Denn jeder Arbeitgeber zahlt in den PSV ein, um die Betriebsrenten der Mitarbeiter abzusichern. Der PSV übernimmt dann bei der Pleite eines Unternehmens die Auszahlung der Betriebsrenten der Mitarbeiter. Sollte der Arbeitgeber einen Vertrag mit einer Versicherung abgeschlossen haben und diese Insolvenz anmelden, dann springt die Auffanggesellschaft Protektor ein, sofern die Versicherung ein Mitglied dieser Gesellschaft war.

Alternativen zur betrieblichen Altersvorsorge

Es gibt aber auch einige Alternativen zur betrieblichen Altersvorsorge. Dazu gehört beispielsweise die vom Staat geförderte Riester Rente. Mithilfe der Riester-Rente können Bürger neben der gesetzlichen Rente zusätzlich für das Alter vorsorgen. Denn auch der Staat hat erkannt, dass die gesetzliche Rente für einige Menschen nicht mehr ausreichen wird und daher die Riester-Rente ins Leben gerufen. Dabei wird in der Regel monatlich in die Riester Rente eingezahlt. Dafür bekommt man dann Zuschüsse vom Staat.

Wer eine höhere Rendite erzielen möchte, der sollte sich einmal genauer mit dem Aktienmarkt beziehungsweise mit der Börse auseinandersetzen. Hier gibt es viele lukrative Anlageprodukte, von einzelnen Aktien hin zu ETFs und Anleihen. Auch in Rohstoffe kann investiert werden. Um Wertpapiere an der Börse handeln zu können, wird jedoch ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker benötigt. Lies dir gerne unseren umfangreichen Depot-Vergleich durch, um herauszufinden, welcher Anbieter deine Bedürfnisse am besten erfüllt und die günstigsten Konditionen hat.

Fazit

Die gesetzliche Rente wird allem Anschein nach eher gering ausfallen, sodass viele Menschen, die sich rein auf die staatliche Rente verlassen, später eventuell unter Altersarmut leiden werden. Damit dir das nicht passiert und du das Rentenleben sorgenfrei genießen kannst, solltest du dir weitere Standbeine aufbauen. Eine sehr gute Möglichkeit besteht im Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge. Hierbei gibt es einige unterschiedliche Formen, welche mit bestimmten Vor- und Nachteilen verbunden sind. Welche sich am besten eignet, ist dabei individuell verschieden.

FAQ: Betriebliche Altersvorsorge

Was ist die betriebliche Altersversorgung?

Durch die betriebliche Altersvorsorge kann eine Betriebsrente aufgebaut werden. Diese wird aber nicht vom Staat ausgezahlt, sondern vom Arbeitgeber, welcher per Gesetz dazu verpflichtet ist, deine Beiträge zu bezuschussen.

Wie funktioniert die Entgeltumwandlung?

Bei der Entgeltumwandlung wird ein Teil des Gehalts des Arbeitnehmers verwendet, um in einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge einzuzahlen. Die Finanzierung läuft über den Arbeitnehmer, dessen Beiträge direkt vom Bruttogehalt abgezogen werden.

Für wen lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge?

Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich grundsätzlich für alle, die sich im Alter nicht auf die gesetzliche Rente verlassen und selber vorsorgen möchten. Insbesondere bei geringem Einkommen ist sie attraktiv, weil seit 2018 keine vollständige Anrechnung auf die Grundsicherung mehr erfolgt.

Wer hat Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss?

Auf den Arbeitgeberzuschuss haben alle Arbeitnehmer Anspruch, deren betriebliche Altersvorsorge aus eigenen Mitteln finanziert wird. Wenn also keine Beiträge eingezahlt werden, dann hat der Arbeitnehmer auch keinen Anspruch auf den Zuschuss.

Feda Mecan

Veröffentlicht von

Ich investiere seit mehreren Jahren in internationale Start-ups und habe 2015 OnlineBanken.com gegründet, um ein transparentes und unabhängiges Finanzportal in Deutschland zu etablieren.