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Die Deutschen und das Bargeld: Alles nur eine Frage der Generationen?

by Feda Mecan29. Februar 2016

Es ging hoch her in den letzten Wochen: Das Thema Bargeld, liebstes Zahlungsmittel der Deutschen, wurde intensiv diskutiert. Alles fing mit der relativ harmlosen These von Deutsche-Bank-Chef John Cryan an, dass seiner Meinung nach Bargeld in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr existieren wird. Zwei Wochen später kündigte das Bundesfinanzministerium an, dass man beabsichtige, eine EU-weite Bargeld-Obergrenze von 5000 Euro einzuführen. Damit war der (kommunikative) Skandal perfekt: Die Regierung will uns unser Bargeld wegnehmen!

Von links bis rechts schalteten sich Oppositionspolitiker erwartungsgemäß in die Debatte ein. Die Überlegungen der Bundesregierung seien ein “…fundamentaler Angriff auf den Datenschutz + die Privatsphäre”, twitterte etwa der Grüne Konstantin von Notz. Politiker der FDP sehen das Bargeld als geprägte Freiheit, die es unter allen Umständen zu verteidigen gilt, während die AfD prompt eine Kampagne zur Erhaltung des Bargeldes ins Leben rief.

Letztendlich zeigte sich: Den Deutschen ist ihr Bargeld heilig – unabhängig von politischen Ansichten, Herkunft und Einkommen. Debatten werden schnell emotional und machen eine sachliche Auseinandersetzung zu Sinn, Effizienz und Alternativen unmöglich.

Warum halten die Deutschen so sehr an ihrem Bargeld fest und warum scheint eine objektive Debatte zu diesem Thema unmöglich? Fehlt es an alltagstauglichen Alternativen? Wie kann eine Welt ohne Bargeld überhaupt funktionieren?

Blickt man auf die skandinavischen Länder, erkennt man, dass diese in der gesamten Diskussion deutlich weiter sind. Die Möglichkeit mit der Kreditkarte zu zahlen ist überall gegeben und selbst Zahlungen zwischen Einzelpersonen kann man bargeldlos, mit Smartphone-Apps wie PayPal, MobilePay oder Swish, abwickeln.

Seit fast einem Jahr sind kleine Läden, Tankstellen oder Restaurants in Dänemark sogar von der Pflicht befreit, Bargeld zu akzeptieren. Zwar lösen die Vorstöße der dänischen und schwedischen Regierungen auch gesellschaftliche Diskussionen aus und längst befürwortet nicht jeder Bürger und Politiker die Abschaffung des Bargeldes, jedoch werden diese viel sachlicher geführt und das Bargeld eher pragmatisch betrachtet.

Warum also ist die Diskussion in Deutschland so emotional und Bargeld so alternativlos? Es ist eine Generationenfrage. Das behauptet zumindest Joschka Friedag, Geschäftsführer von Cringle, einer Smartphone-App, mit der Privatpersonen auf einfache Weise Geld senden und empfangen können. Dies habe sein Unternehmen in einer Umfrage unter 1000 ihre Nutzer ermittelt. Demnach benötigt ein Großteil der befragten 18- bis 30-jährigen kaum noch Bargeld im Alltag, würde eine Woche lang auch ohne Bargeld auskommen. Viele könnten sich auch ein Leben ohne Bargeld vorstellen, wären aber dennoch gegen eine pauschale Abschaffung des Bargeldes. “Die Jugend hat ein eher pragmatisches Verhältnis zum Bargeld.”, erklärte Friedag und ergänzte: “Der Hauptgrund, warum die meisten jungen Leute noch Bargeld mit sich führen, sind kleine Geschäfte wie der Bäcker oder Kiosk vor der Tür.” In Deutschland sei die Situation meist umgekehrt zur Situation in Skandinavien: kleine Läden, Restaurants und Cafes akzeptieren oft nur Bargeld. “Es fehlt in Deutschland an einer flächendeckenden Akzeptanz von alternativen Zahlungsmethoden. Alternativen zum Bargeld werden zukünftig nur akzeptiert, wenn sie für den Kunden genauso einfach und kostenlos sind”, betont Friedag.

CRINGLEAPP
Quelle: Cringle.net

Smartphone-Apps wie PayPal oder Cringle erfreuen sich seit Jahren, besonders unter jungen Leuten, wachsender Beliebtheit.

Dies ist wenig verwunderlich, zeigen doch Studien seit Jahren, dass Millenials, die in vielen Situationen ihres Alltags auf digitale Lösungen setzen, auch ein hohes Interesse an digitalen Bezahllösungen haben. Die mangelnde Akzeptanz solcher Lösungen im Alltag stellt jedoch eine hohe Hürde für deren Benutzung dar.

Vielleicht wäre die Politik besser beraten, eine höhere Akzeptanz von Alternativen zum Bargeld zu fördern, statt über die Einschränkung des Bargeldes zu diskutieren. Wie bei vielen Trendthemen könnte dann die Offenheit der jüngeren Generationen behilflich sein die Sicht auf Bargeld und alternative Bezahlmenthoden in der Gesellschaft zu verändern. Dann könnten wir künftig vielleicht sachlich und unaufgeregt über die Zukunft des Bargeldes diskutieren.

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