Bei Konsortialkrediten treten gleich mehrere Banken als Kreditgeber:innen auf, um das Risiko der hohen Kreditsumme aufzuteilen. Kreditnehmer:innen sind in der Regel Unternehmen, die einen entsprechenden Kapitalbedarf haben. Privatpersonen treten in einem solchen Fall nicht als Kreditnehmer:innen auf, weil Banken private Finanzierungen meist auch ohne das Kapital von zusätzlichen Kreditinstituten stemmen können. In diesem Artikel möchten wir dir im Detail erklären, wie ein solcher Kredit funktioniert und wie die Beantragung des Darlehens abläuft.
Das Wichtigste in Kürze
Ein sogenannter Konsortialkredit stellt ein Darlehen dar, welches im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Kredit nicht von einem einzelnen Kreditinstitut, sondern von mehreren Banken zur Verfügung gestellt wird. Dementsprechend sind die Kreditgeber:innen in diesem Fall Teil eines Konsortiums. Ein solcher Kredit wird in der Regel dann vergeben, wenn Kreditnehmer:innen eine sehr hohe Summe benötigen, welche sie aufgrund des hohen Risikos nicht von einem einzelnen Kreditinstitut erhalten würden.
Der Zweck eines Konsortialkredits besteht darin, auch dann noch eine Finanzierung anzubieten, wenn das Risiko aufgrund der sehr hohen Kreditsumme für eine Bank alleine zu hoch ausfällt. Denn gemäß der europäischen Capital Requirements Regulation (CRR) ist es Banken nicht erlaubt, Darlehen zu vergeben, welche die Grenze von 25% ihres zur Verfügung stehenden Eigenkapitals überschreiten. Zusätzlich dazu müssen Großkredite, deren Summe größer ausfällt als 10% der Eigenmittel der Bank, an die zuständige Bankaufsichtsbehörde gemeldet werden.
Grundsätzlich besteht bereits dann ein erhebliches Risiko für die Bank, wenn ein großer Teil ihres Eigenkapitals in einen Kredit gebunden wird. Daher sorgen Konsortialkredite dafür, dass Banken ihr Risiko streuen können, weil sich das bereitzustellende Kapital auf mehrere Banken verteilt.
Private Kreditnehmer:innen nutzen in der Regel keinen Konsortialkredit, weil es hier um hohe Millionenbeträge geht. Selbst bei einer teuren Baufinanzierung kommt es bei privaten Kreditnehmer:innen meist zu keinen so hohen Summen, dass eine einzelne Bank nicht die gesamte Finanzierung stemmen könnte.
Im privaten Bereich werden im Normalfall nämlich Kredite in einer Höhe vergeben, die für eine einzelne Bank kein Problem darstellen. Daher erfolgt die Vergabe von Konsortialkrediten hauptsächlich im Unternehmensbereich. Hier nutzen Unternehmen Konsortialkredite, weil sich hierdurch gewisse Vorteile ergeben. So profitieren diese in der Regel von günstigen Zinssätzen.
Die wohl wichtigste Eigenschaft eines Konsortialkredits ist, dass mehrere Geldinstitute an der Vergabe des Darlehens beteiligt sind. Im Durchschnitt beträgt die Kreditsumme eines solchen Kredits zwischen 25 und 70 Millionen Euro. Dementsprechend geht es um sehr hohe Kreditbeträge. Um das Risiko eines so großen Betrags zu verringern, schließen sich Banken zusammen und verteilen das Risiko so. Hierbei wird eine Bank als sogenannter Konsortialführer beauftragt. Diese übernimmt die Koordination zwischen Kreditnehmer:innen und Konsortium.
Falls bei einem Unternehmen ein gewisser Kapitalbedarf besteht, kann es sich an eine Bank wenden. Diese kann das Risiko einer hohen Kreditsumme aber womöglich nicht alleine tragen, sodass sie den Vorschlag einbringt, einen Konsortialkredit zu beantragen. Im nächsten Schritt geht es darum, die anderen Kreditinstitute von der Finanzierung zu überzeugen. Dabei erfolgt die Verhandlung allerdings nicht mit jeder einzelnen Bank, die Teil des Konsortiums ist. Stattdessen wird in der Regel mit dem Konsortialführer verhandelt.
Im Austausch mit den Konsorten entwirft der Konsortialführer den individuellen Umständen des Unternehmens entsprechend eine Konsortialfinanzierung. Sollten die anderen Konsorten mit dem Vertrag einverstanden sein, dann können sie den Vertrag unterschreiben. Sind alle erforderlichen Unterschriften eingeholt, dann kann der Kredit vergeben werden.
Es bestehen mehrere Arten des Konsortialkredits, welche wir dir in den folgenden Abschnitten im Detail erklären möchten.
Vom echten Konsortialkredit spricht man dann, wenn sich mehrere Banken zusammenschließen, um einen großen Kredit zu vergeben. In diesem Fall wird das Darlehen als eine wirtschaftliche und rechtliche Einheit betrachtet.
Unter einem unechten Konsortialkredit versteht man die Vergabe von mehreren kleinen Krediten, statt eines großen Kredits. Zwar wird auch in diesem Fall ein Konsortialführer für die Organisation und die Kommunikation bestimmt, allerdings verfügen die einzelnen Kredite jeweils über einen eigenen Kreditvertrag. Dementsprechend besteht in diesem Fall keine rechtliche Einheit.
Wenn sich mehrere Banken zu einem Konsortium zusammenschließen, um einen großen Kredit vergeben zu können, dann bilden diese gemäß deutschem Recht eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) laut §§ 705 ff. BGB. Es kann sich um ein Innen- oder ein Außenkonsortium handeln, abhängig davon, ob Kreditnehmer:innen über die Gründung des Konsortiums in Kenntnis gesetzt werden oder nicht. Von einem Innenkonsortium spricht man dann, wenn der Konsortialführer nur im eigenen Namen handelt. Während das Außenkonsortium gegenüber Kreditnehmer:innen in den Vertragsbeziehungen in Erscheinung tritt.
Ein Konsortialführer hat eine große Verantwortung zu tragen, wenn es um die Organisation und die Ausführung eines Konsortialkredits geht. Denn der Konsortialführer vermittelt zwischen Kreditnehmer:innen und Konsortium und spielt somit eine entscheidende Rolle bei der Erstellung des Kreditvertrags und der Abwicklung des Kredits. Daher sollten Kreditnehmer:innen bei der Anfrage nach einem solchen Kredit darauf achten, dass die Bank über eine starke Position am Markt verfügt. Denn so lässt sich gewährleisten, dass das ausführende Kreditinstitut dazu in der Lage ist, das Konsortium erfolgreich zu führen.
In der Regel müssen Kreditnehmer:innen allerdings mit etwas höheren Gebühren rechnen, wenn sie den Kredit bei einer Bank in Anspruch nehmen, die über eine gute Reputation verfügt.
Von einem sogenannten Konsortialvorbehalt spricht man dann, wenn der Konsortialführer die Vergabe des Konsortialkredits davon abhängig macht, dass die Konsorten entsprechende Konsortialzusagen machen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Konsortialkredit nur dann vergeben wird, wenn die Kredithöhe auch erreicht wird. Für den Fall, dass die Kredithöhe nur zum Teil erreicht wird, kann das Darlehen aber auch in Höhe der zustande gekommenen Konsortialzusagen gewährt werden. Bei einer hohen Nachfrage kann es sogar dazu kommen, dass ein höherer Konsortialkreit vergeben wird als ursprünglich geplant war.
Der Konsortialkreditvertrag entspricht vom Inhalt her in etwa dem eines gewöhnlichen Kreditvertrags. Es erfolgt allerdings die Ergänzung von konsortialtypischen Regelungen. Diese Regelungen betreffen die Konsorten untereinander. Wenn es in Deutschland zum Abschluss eines Konsortialvertrags kommt, dann basiert dieser in der Regel auf den von der britischen Loan Market Association (LMA) ausgearbeiteten Konsortialvertragsgrundsätzen und dessen Form sowie Inhalt. Dabei ist der Konsortialführer der Verhandlungsführer, welcher gegenüber dem jeweiligen Kreditnehmer im Auftrag und im Namen des Bankkonsortiums auftritt.
In die Zwischenergebnisse werden auch die Konsorten eingebunden, welche ihre Stellungnahmen diesbezüglich abgeben. Die hieraus entstehenden Ergebnisse werden in den Konsortialkreditvertrag integriert. Ein solcher Vertrag beinhaltet auch Klauseln, die das Abstimmungsverhalten der Konsortialbanken untereinander betreffen. Diese Klauseln sind dann relevant, wenn die Zustimmung des Konsortiums eingeholt werden muss. Im Normalfall müssen zwei Drittel der Konsorten ihre Zustimmung geben, wenn diese zum Beispiel auf ein ihnen eigentlich zustehendes Recht verzichten sollen. Die Messung des ⅔-Anteils erfolgt auf Basis des Konsortialanteils.
Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken beteiligen sich an Konsortialkrediten. Es wird häufig von einem Gemeinschaftskredit oder einem Metakredit gesprochen. Hierbei handelt es sich um einen Konsortialkredit in Form einer stillen Unterbeteiligung, welche die jeweilige Sparkasse mit ihrer Landesbank einem gemeinsamen Kreditnehmer gewährt. Genossenschaftsbanken arbeiten in diesem Fall nicht mit einer Landesbank, sondern mit der DZ Bank zusammen. Um Kreditnehmer:innen einen Konsortialkredit zur Verfügung stellen zu können.
Da es bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen auch kleinere Institute gibt, welche die Kreditrisiken nicht alleine stemmen können. Dieser dieser Schritt ist für gewisse Institute erforderlich.
Die bei der Aufnahme eines Konsortialkredits entstehenden Kosten sind sowohl vom Volumen als auch vom Zweck der Finanzierung abhängig. Daher lässt sich nicht pauschal angeben, wie hoch diese ausfallen werden. Die Verhandlung der Kosten erfolgt individuell mit dem jeweiligen Konsortium. Kreditnehmer:innen können jedoch von in der Regel eher niedrigen Zinskosten ausgehen. Die Bank, welche als Konsortialführer agiert, kann jedoch neben den Zinskosten noch eine Bearbeitungsgebühr erheben, was die Kosten des Kredits entsprechend erhöht.
Private Kreditnehmer:innen nehmen keine Konsortialkredite in Anspruch, da es um hohe Millionenbeträge geht. Daher treten bei solchen Krediten nur Unternehmen als Kreditnehmer:innen auf. Die Besonderheit besteht darin, dass einzelne Banken das Risiko eines solchen Kredits, aufgrund der hohen Kreditsumme, nicht tragen können oder wollen, weshalb ein Bankenkonsortium gegründet wird, welches den Kredit gemeinsam zur Verfügung stellt.
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Hier findest du Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.
Bei einem Konsortialkreditvertrag handelt es sich um einen Kreditvertrag, der zwischen Kreditnehmer:innen und einem Bankenkonsortium abgeschlossen wird. Hierbei schließen sich mehrere Banken zusammen, um den Kredit stemmen zu können.
Konsortialvorbehalt bedeutet, dass der Kredit nur dann in voller Höhe vergeben wird, wenn die Konsorten der Vergabe zustimmen.
Konsortialkredite werden in der Regel nur dann vergeben, wenn Kreditgeber:innen das Risiko einer vollständigen Finanzierung aus eigenen Mitteln als zu hoch einstufen.
Konsortialkredite kommen hauptsächlich bei Großprojekten zum Einsatz. Hierzu zählen zum Beispiel der Bau von Bürogebäuden, Einkaufszentren, Kaufhäusern oder Hotels.